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Dermatologie

Weniger Schübe bei Schuppenflechte

von Tanja Schweig

Viele Patienten mit Schuppenflechte fühlen sich nicht nur körperlich stigmatisiert, sondern auch psychisch erschöpft, hilflos und einsam. Erschreckend aber ist, dass trotz des hohen Leidensdrucks 40 Prozent der Patienten die dringend notwendige Therapie nicht durchhalten. Durch ihre Beratung können PTA und Apotheker zur Compliance der Erkrankten beitragen. 

 

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Viele Psoriatiker haben die Veranlagung zur Schuppenflechte von ihren Eltern geerbt. Die meisten prädisponierten Menschen erleben ihren ersten Schub dann als junge Erwachsene, einige erst nach dem 60. Lebensjahr. Nur bei wenigen bricht die Erkrankung nie aus und überspringt eine Generation. In Deutschland sollen schätzungsweise 2,1 Prozent an Psoriasis erkrankt sein. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen. 

Vermutlich lösen exogene Faktoren den ersten Psoriasis-Schub aus und fördern dann weitere Schübe. Diese Auslöser variieren von Mensch zu Mensch. Häufig begünstigen ein viraler oder bakterieller Atemwegsinfekt oder eine Angina das erstmalige Auftreten der Schuppenflechte. Arzneimittel wie ACE-Hemmer, nicht-steroidale Analgetika, Betablocker, Lithium, Tetracycline und das Malariamittel Chloroquin stehen ebenso im Verdacht. Auch physikalischer Druck auf die Haut triggert die Psoriasis, beispielsweise ein BH oder Gürtel, ein Armband oder Schuhe aber auch Wollkleidung. Kontaktallergien, Mykosen, Rauchen oder Stress unterhalten die Erkrankung. Die zu intensive oder zu häufige Reinigung der Haut, aber auch Putz-, Desinfektions- oder Lösungsmittel sowie Sonnenbrände sind zudem als Auslöser bekannt. In jedem Fall macht es Sinn, dass der Patient nach den provozierenden Faktoren fahndet. Falls er einen Zusammenhang erkennt, sollte er versuchen, den Auslöser zu meiden, um zukünftig Schübe zu verhindern oder abzumildern.

Rasende Zellteilung

Was bewirken Trigger in der Haut? Sie stoßen zunächst eine spezifische Reaktion an, sodass das Immunsystem regelrecht außer Kontrolle gerät. Immunzellen werden aktiv und stimulieren über einen Sturm an Botenstoffen die Hautzellen. Die Basalzellen in der Epidermis erhalten schließlich die »falsche« Botschaft: Die Haut sei schwer verletzt worden. Sie teilen sich mit extremem Tempo und wandern Richtung Hautoberfläche. Auf ihrem Weg sterben sie ab, verhornen und bilden eine dicke Schicht an Schuppen. Braucht eine gesunde Zelle rund 28 Tage, um von einer Zelle der Basalschicht bis zur toten Hornzelle zu reifen, so ist diese Zeit bei Schuppenflechte auf bis zu 10 Tage verkürzt. Forscher vermuten, dass sogenannte Minimaltraumen diesen Prozess zusätzlich anfeuern. Das erklärt, warum oft Hautstellen über den Gelenken befallen sind, denn dort ist die Haut durch die ständigen Bewegungen Minimaltraumen ausgesetzt. 

Häufig beginnt der erste Schub mit Papeln oder kleinen Flecken am ganzen Körper. Sie sind stark gerötet, ein bisschen erhaben und jucken manchmal. Beim ersten Ausbruch sind noch nicht viele Schuppen zu sehen, doch mit jedem weiteren Schub verdicken sich die Stellen, und ihre Schuppen glänzen mehr und mehr silbrig-weiß. Die Herde können stecknadelkopf- bis handtellergroß sein. Mediziner unterscheiden je nach Begleitsymptomen und Lokalisation der Papeln und Plaques verschiedene Formen der Schuppenflechte. Am häufigsten bilden sich isolierte, scharf begrenzte Flecken über den Ellenbogen, den Kniescheiben oder dem Kreuzbein, in der Analregion sowie am behaarten Kopf. Bei manchen Patienten entstehen auch ausschließlich Herde an den Handtellern und Fußsohlen, die zu tiefen schmerzenden Schrunden führen. Manchmal verformen und verfärben sich nur die Finger- oder Fußnägel. Bei der Psoriasis arthropathica entzünden sich die Finger- oder Zehengelenke mit der Zeit immer stärker, schmerzen und verformen sich. Schwer verläuft die Psoriasis erythrodermatica, die den ganzen Körper befällt und mit Schüttelfrost und Fieber einhergeht.

Rückfettende Hautpflege

Psoriasis ist nicht heilbar. Gerade deshalb sollten PTA und Apotheker die Betroffenen motivieren, ihre Haut zu pflegen und die verordneten Therapeutika konsequent anzuwenden. Dadurch lassen sich lange symptomfreie Intervalle erreichen. In manchen Fällen heilen die Areale sogar spontan ab. Ziel der Therapie ist, die Schuppen abzulösen und den gesteigerten Zellumsatz zu reduzieren. Die trockenen Hautstellen benötigen zusätzlich eine ständige Rückfettung.

Um die Haut geschmeidig zu halten, cremen sich Betroffene am besten mit einer wirkstofffreien W/O-Emulsion (zum Beispiel mit diversen Basissalben oder Aqeo® Creme) oder einem hydophilen Lipogel (wie preval® Lipogel) ein- bis zweimal täglich ein. Der Zusatz von Harnstoff in Konzentrationen zwischen 3 und 10 Prozent oder von Glycerin verbessert die Hydratation der Hornschicht.

Zum Waschen eignen sich seifenfreie Produkte, die sparsam angewendet werden sollen. Am besten nehmen Psoriatiker ein- bis zweimal wöchentlich ein Ölbad (wie Balmandol®), vor allem wenn sie parallel eine Lichttherapie durchführen oder Acitretin einnehmen, weil beides die Haut verstärkt austrocknet. Mit dem Ölbad können sich Betroffene auch nach dem Duschen einreiben und dann kurz abbrausen. Bäder mit Kochsalz oder dem Salz des Toten Meeres in Konzentrationen von über 15 Prozent (wie Fette® Medizinisches Badesalz) bessern die Beschwerden.

Sind die Hände oder Fingernägel betroffen, sollten die Patienten beim Putzen und Spülen Handschuhe mit Baumwollinnenfutter tragen oder vorbeugend zumindest eine Hautschutzcreme (wie Excipial® Protect) anwenden. Nach dem Händewaschen sollten sie sofort die Haut mit Fettsalben rückfetten (wie Eucerin® Repair Handcreme 5 % Urea).

Als Haarshampoo sind Produkte mit rückfettenden Lipiden und Harnstoff (zum Beispiel Eubos® oder Eucerin® Shampoo 5% Urea, preval® Lipojoba) geeignet.

Mit 2- bis 5-prozentiger Salicylsäure in Vaseline oder einer Ölgrundlage können Patienten ihre Schuppen ablösen. Am Kopf kann das Öl auch über Nacht unter einer Einmalduschhaube oder Badehaube einwirken. Alternativ eignet sich Harnstoff in Konzentrationen von 12 Prozent in verschiedenen Salbengrundlagen.

Salben, Tabletten oder Spritzen

Unbedingt sollte ein Dermatologe nach dem individuellen Hautzustand Therapievorschläge machen und den Verlauf der Erkrankung überwachen. Solange die Herde lokal begrenzt sind, reicht meist die topische Behandlung aus. Nach wie vor setzen Ärzte dann mittelstark bis stark wirksame Kortikoide ein. Zwar wirken diese schnell und effektiv, doch treten nach dem Absetzen häufig Rezidive auf. Daher müssen PTA und Apotheker den Patienten raten, Kortikoid-Cremes im Wechsel mit einer Hautpflege auszuschleichen.

Bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis vom Plaques-Typ finden auch Cremes, Salben und Lösungen mit den Vitamin-D3-Analoga Calcipotriol oder Tacalcitol Anwendung oder ein Gel mit dem Retinoid Tazaroten. Alle drei Wirkstoffe dürfen nur auf begrenzte Bereiche aufgetragen werden; ihre Höchstdosen sind unbedingt einzuhalten!

Bei schwerer Schuppenflechte müssen die Betroffenen Wirkstoffe wie Methotrexat oder Ciclosporin A einnehmen, die die Immun- und Entzündungsreaktionen unterdrücken. Daneben sind zur oralen Therapie der Psoriasis zugelassen: Fumarsäure-Ester (Dimethylfumarat, Ethylhydrogenfumarat) oder das Retinoid Acitretin, das wegen seiner Teratogenität fast ausschließlich Männer verordnet bekommen. Erst in den letzten Jahren kamen Biologicals auf den Markt, die zielgerichtet in das Immungeschehen eingreifen und diverse Botenstoffe oder Immunzellen abfangen, zum Beispiel Etanercept oder Ustekinumab. Die Substanzen muss sich der Patient meist selbst subcutan spritzen. 

Die alte klassische Therapie mit dem synthetischen Teerderivat Cignolin (auch Dithranol genannt) in Kombination mit Salicylsäue findet fast nur noch in Kliniken Anwendung. Weil der Wirkstoff die Kleidung dauerhaft violett-bräunlich verfärbt, sollten die Patienten an den Behandlungstagen alte Wäsche tragen und alte Bettwäsche benutzen. 

Lichttherapie

Viele Hautärzte bestrahlen die Haut ihrer Patienten drei- bis fünfmal wöchentlich mit UV-Licht. Bei großflächigem Befall des ganzen Körpers und häufigen Rezidiven setzen sie eine Variante der Lichttherapie ein: die PUVA (= Psoralen wie Methoxsalen (Meladinine®) und UV-A-Licht). Der Patient nimmt dazu den lichtsensibilisierenden Wirkstoff als Tablette ein oder badet in dessen Lösung. Danach wird er in einer Photokabine mit UV-A-Licht bestrahlt. Wichtiger Tipp: Weil die Haut durch die Medikation auch auf das natürliche Sonnenlicht empfindlicher reagiert, sollten Betroffene an den Bestrahlungstagen im Freien eine Sonnenbrille tragen, die Haut mit Kleidung bedecken oder mit Sonnencreme schützen.

Noch ein Rat: Urlaub mit intensiver Sonnenbestrahlung, zum Beispiel im Gebirge, sowie das Baden in salzhaltigem Meerwasser, zum Beispiel am Toten Meer, lindert die Beschwerden der Psoriatiker. 

Gefahr für Herz und Gefäße

Psoriatiker sind umso öfter von Herz- und Gefäßkrankheiten betroffen, je stärker ihre Psoriasis ausgeprägt ist. Außerdem bestätigten mehrere Studien, dass sie häufiger übergewichtig sind und Fettstoffwechselstörungen, Diabetes oder Bluthochdruck haben als Menschen mit gesunder Haut. Deshalb verstehen Mediziner die Psoriasis inzwischen nicht mehr nur als Haut-, sondern als sehr ernst zu nehmende Systemerkrankung. Sie raten den Patienten daher auch, regelmäßig Blutwerte und Blutdruck zu überprüfen, Sport zu treiben und, falls vorhanden, Übergewicht abzubauen.

Früher empfahlen Ernährungsfachleute den Patienten eine fettarme Ernährung, doch aktuell steht fest: Es gibt keine wissenschaftlich fundierte Psoriasis-Diät. Auch hofften Forscher, die Einnahme von Fischöl könne den Verlauf bremsen. In klinischen Untersuchungen waren jedoch kaum Effekte zu erkennen. Nur wenn die Krankheit chronisch oder mit häufigen Rezidiven verläuft, sollte der Arzt nach Eisen-, Zink- oder Magnesiummangel fahnden. Einen Zusammenhang sollten die Patienten allerdings kennen: Zu hoher Alkoholgenuss schadet Psoriatikern, weil Alkohol im Körper den Botenstoff Histamin freisetzt und dadurch Schübe auslöst.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
tschweig(at)online.de 



 

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