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BERATUNGSPRAXIS

Grippe

Alle Jahre wieder


Von Annette Immel-Sehr / Grippezeit, Erkältungszeit – der Krankenstand in Kitas, Schulen, Betrieben und Behörden ist derzeit hoch. In den vergangenen Jahren begann die Grippewelle meist im Januar und dauerte etwa drei bis vier Monate. Dieses Mal ging es schon vor Weihnachten los. Während der Grippesaison veröffentlicht das Robert Koch-Institut einmal wöchentlich einen Bericht über den aktuellen Stand der Influenza-Erkrankungen in Deutschland.

 

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Die Grippewelle in Deutschland hält an – so lautet das Fazit des Berichts der Arbeits­gemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut (RKI) vom 24. Januar. Alle Angaben beruhen auf Meldungen von niedergelassenen Ärzten. Neben den Daten aus Arztpraxen wertet das RKI auch Meldungen der Bevölkerung aus. Diese werden über das Internet-Portal »GrippeWeb« erfasst, das seit März 2011 online ist (https://grippeweb.rki.de/).




Foto: iStock/AlexRaths


Laut »GrippeWeb« lag die geschätzte Rate für neu aufgetretene akute Atemwegserkrankung mit oder ohne Fieber in der zweiten Kalenderwoche 2017 leicht über der Rate der Vorwoche, die Zahl der Erkrankungen mit Fieber war sogar deutlich gestiegen­. Auch wenn Bevölkerungsmeldungen mit denen aus den Praxen nicht immer übereinstimmen, betrachten die Epidemiologen sie als wichtige Ergänzung. Die Auswertung der von den Ärzten gemeldeten Fälle hatte erge­ben, dass die Zahl akuter Atemwegserkrankungen in der zweiten Woche­ im Vergleich zur Vorwoche leicht gesunken war.

Nur eine Minute

»GrippeWeb« lebt davon, dass Menschen in Deutschland freiwillig Woche für Woche melden, ob sie oder eines ihrer Kinder an einer akuten Atemwegsinfektion erkrankt sind oder eben nicht. Beide Meldungen, sowohl aus Medizinerkreisen als auch von Laien, sind wichtig, um eine Erkrankungsrate errechnen zu können. »Spenden Sie der Wissenschaft jede Woche eine Minute!« – mit diesem Slogan wirbt das RKI für die Teilnahme an der regelmäßigen Meldung. Interessenten können sich auf der Internetseite registrieren. Als kleine Belohnung werden unter den Teilnehmern vierteljährlich wertvolle Preise verlost – je öfter und je regel­mäßiger sich jemand meldet, desto höher sind die Gewinnchancen.

Vermutlich tritt die Grippe hierzulande vor allem deswegen gehäuft im Winter auf, weil Influenzaviren außerhalb des Menschen bei niedrigen Tempera­turen und in trockener Luft besser überleben können. Außerdem wird vermutet, dass das Immunsystem im Winter weniger schlagkräftig ist als im Sommer und die Atemschleim­häute bei trockener Luft infektionsanfälliger sind. Ein weiterer Grund könnte sein, dass sich Menschen im Winter länger zusammen in wenig belüfteten Räumen­ aufhalten.

Selbst wenn nicht jeder Infizierte erkrankt, sind doch jedes Jahr sehr viele Menschen von Influenza betroffen. Je nach Virulenz der aktuellen Virenstämme erkranken in Deutschland während einer saisonalen Grippewelle zwischen zwei und zehn Millionen Menschen.

Unterschied zur Erkältung

Auch wenn die Beschwerden sich ähneln – eine Grippe unterscheidet sich grundsätzlich von einer Erkältung. Während eine Grippe (Influenza) durch Influenza-Viren A und B ausgelöst wird, ist für eine Erkältung eine Vielzahl ander­er Virenstämme verantwortlich, vor allem Rhinoviren. Im Gegensatz zu einer Erkältung, die sich langsam entwick­elt, treten die Symptome einer Influenza in der Regel schlagartig auf und der Krankheitsverlauf ist meist schwerer. Die Patienten klagen über starke Glieder- und Kopfschmerzen und fühlen sich »richtig« krank. Die Krankheitsdauer liegt in der Regel bei fünf bis sieben Tagen. Alte Menschen und chronisch Kranke benötigen meist deutlich länger, bis sie sich nach einer Grippe wieder gesund fühlen. Bei ihnen besteht zudem ein erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen. Als Folgeerkrankung ist vor ­allem eine bakterielle Lungenentzündung gefürchtet.

Zur Bekämpfung von Grippeviren stehen nur wenige Medikamente zur Ver­fügung. Zwar stoppen Neuraminidase-Hemmer wie Oseltamivir und Zanamivir die Vermehrung der Influenza-Viren, doch bezweifeln Experten angesichts möglicher Nebenwirkungen den Nutzen dieser Substanzen. So bleibt Erkrankten nichts anderes übrig, als die Selbstheilung des Körpers abzuwarten und bis dahin die Beschwerden zu lindern. Falls die Symptome sich nicht bessern oder sogar verschlimmern, sollten sie (erneut) ein Arzt aufsuchen. Dies gilt vor allem bei Kindern, chronisch­ Kranken, Schwangeren und alten Menschen.

Mehrfacher Effekt

Fiebersenkende Medikamente sind bei Körpertemperaturen über 38,0 °C empfehlenswert. Ist die Körpertemperatur nur leicht erhöht, besteht kein Handlungsbedarf, denn dies ist für die Bekämpfung der Viren nützlich. Para­ceta­mol und Ibuprofen sind hier die Mittel der Wahl, für Erwachsene kann zudem Acetylsalicylsäure zum Fieber senken empfohlen werden. Durch ihre analgetische Wirkkomponente lindern die Substanzen auch Kopf-, Glieder- und Halsschmerzen.


Ansteckung vermeiden

Die Übertragung von Influenzaviren erfolgt überwiegend durch Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen entstehen und über eine geringe ­Distanz in die Atemwege von Kontakt­personen gelangen. Die Viren können aber auch außerhalb des Körpers eine Zeit lang überleben. Dinge, die viele Menschen täglich berühren, wie Geld, Türgriffe, Treppengeländer oder die Tastaturen von Geldautomaten sind vor allem im Winter potenzielle Infektionsquellen für Viren. Regelmäßiges gründliches Händewaschen ist daher eine der effektivsten Prophylaxemaßnahmen, um eine Infektion mit Influenza-Viren zu verhindern. Auf diesen Zusammenhang können PTA und Apotheker gar nicht oft genug hinweisen.

Und noch ein wichtiger Rat zum Thema Ansteckung: Wer krank ist, sollte möglichst zu Hause bleiben und sich im warmen Bett auskurieren – das ist für ihn das Beste und er schützt gleichzeitig seine Mitmenschen. Erfahrungsgemäß können Grippekranke etwa vier bis fünf Tage ab Auftreten der ersten Symptome ihre Umgebung anstecken.


Gegen die Schnupfensymptome kommen abschwellende Nasensprays zum Einsatz, wie sie bei einem banalen Erkältungsschnupfen eingesetzt werden. Lokal angewendete α-Sympatho­mimetika haben kaum systemische Nebenwirkungen. Deshalb ist die lokale Anwendung der oralen Applikation vorzuziehen. Die Wirkung setzt etwa nach fünf Minuten ein und hält fünf bis acht Stunden an. Wegen der Gefahr, von dem Nasenspray abhängig zu werden, ist die Behandlung auf maximal sieben Tage zu beschränken.

Bei Husten helfen je nach Art der Beschwerden Hustenblocker oder Mukoly­tika. Als Hustenblocker bei Reiz­husten im Rahmen der Selbstmedi­ka­tion eignen sich beispielsweise Pentoxy­­verin, Dropropizin und Dextromethorphan, als Mukolytika ätherische Öle, Efeu-Extrakt, Ambroxol und Acetyl­cystein.

Streitpunkt Kombinationen

Viele Patienten fragen in der Apotheke gezielt nach einem Kombinationspräparat gegen Grippe- oder Erkältungsbeschwerden. Der Wunsch, »mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen«, ist verständlich. Grippemittel enthalten häufig einen fiebersenkenden Arzneistoff sowie ein α-Sympatho­mime­tikum wie Pseudoephedrin oder Phenyl­ephrin. Letztere können vor allem­ in hohen Dosen den Blutdruck und ebenfalls den Blutzuckerspiegel erhöhen. Deswegen sollten Patienten mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, schwerer Herzkrankheit, Dia­betes oder Schilddrüsenüberfunktion die Präparate allenfalls mit erhöhter Vorsicht anwenden. Für Kinder unter 12 Jahren sind sie nicht zugelassen. Sofern Kontraindikationen beachtet werden, kann ein Grippe-Kombinationspräparat sinnvoll sein, beispielsweise auch, um gleichzeitig den Hustenreiz zu unterdrücken.

Allerdings treten bei einer Grippe oder Erkältung nicht immer alle theo­retisch möglichen Symptome auf – manche Erkrankte müssen gar nicht husten, bei anderen macht sich der erste Hustenzeiz bemerkbar, wenn Fieber und Kopfschmerzen bereits verschwunden sind. Selbstverständlich sind in solchen Fällen Monopräparate die Mittel der Wahl. PTA und Apotheker haben die Aufgabe, im Beratungsgespräch zu klären, was sie dem Patienten individuell am besten empfehlen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 03/2017

 

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