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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Granatapfel

Foto: Weleda

Symbol der Verführung und Macht

von Gerhard Gensthaler

Um den Granatapfel ranken sich viele mythologische Geschichten von der Antike bis ins Mittelalter. Auch wenn Präparate aus Granatapfel heute bei vielfältigen Beschwerden angepriesen werden, liegen keine aussagekräftigen Beweise für einen medizinischen Nutzen als Arzneimittel vor. Daher sind alle Produkte in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel im Handel.

Schon auf den Grabinschriften der Pharaonen im alten Ägypten finden sich Darstellungen des Granatapfels, auch Paradiesapfel genannt. In der griechischen Mythologie symbolisiert die Frucht mit ihren vielen hundert Samen die Fruchtbarkeit. In der Bibel ist der Granatapfel Metapher für die Reinheit und Jungfräulichkeit der Mutter Jesu. 

Die ursprüngliche Heimat des Granatapfelbaumes ist West- und Mittelasien. Wahrscheinlich brachten die Araber während der maurischen Herrschaft den Granatapfelbaum (Punica granatum L.) um 800 bis 900 n. Chr. nach Spanien. Dort hat er der Stadt und der Provinz Granada ihre Namen gegeben und ist noch heute Bestandteil ihres Wappens ebenso wie des spanischen Staatswappens. Inzwischen wird der Baum in heißen und trockenen Klimazonen auf der ganzen Welt kultiviert und ist im gesamten Mittelmeerraum zu Hause. Punica-Zierformen, die allerdings nicht winterhart sind, schmücken auch in Deutschland zahlreiche Gärten und Balkone und tragen sogar kleine Früchte.

Der Granatapfelbaum ist eine der ältesten Kultur- und Heilpflanzen der Menschen und stammt aus der Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae). Der Gattungsname »punica« deutet wahrscheinlich auf die Phönizier hin. Dieses Seefahrer- und Handelsvolk, auch Punier genannt, soll den Granatapfel schon früh in vielen Mittelmeerländern verbreitet haben. Der botanische Name »granatum« wiederum bedeutet im Lateinischen »körnig« und bezieht sich auf die große Zahl der Samen.

Der Granatapfelbaum ist ein sommergrüner Baum, wird aber oft auch als Strauch kultiviert. Er wird bis zu 5 Meter hoch, 3 Meter breit und kann einige hundert Jahre alt werden. Die Rinde ist meist rotbraun. An bis zu 1 cm langen Blattstielen sitzen stumpfe, 10 cm lange, glänzende Blätter. Im Frühjahr und Sommer fallen die achtzähligen, leuchtend korallenroten, trichterförmigen Blüten auf. Die apfelähnlichen Früchte werden von September bis Dezember geerntet. Sie sind am Anfang grün und färben sich später orangerot. Da das Fruchtfleisch weder fleischig noch holzig ist, gilt der Granatapfel als Scheinbeere. Der Blütenkelch bleibt als kleine Krone nach der Blütezeit auf der reifen Frucht stehen. Das hat zu mancherlei Deutungen geführt. So soll König Salomon dadurch zu seiner Krone inspiriert worden sein. Zudem sei sie die »Urform« aller Kronen der europäischen Königshäuser. Vielleicht erklärt sich so auch die Form des »Reichsapfels« als Zeichen der Herrschaft. 

Viele Wirkungen nachgesagt

Die bis zu 10 cm großen Früchte sind durchzogen von zahlreichen Wänden. In deren Kammern befinden sich sehr viele kantige Samen. Diese sind umgeben von bis zu 15 mm großen, saftigen, geleeartigen Samenmänteln, deren Farbe von blassrosa bis tiefrot reicht. Bei der Reifung bricht die Frucht auf und setzt die Samen frei.

Verwendung finden das Fruchtperikarp (Granatapfelschalen – Granati pericarpium), die Rinde von Stamm und Wurzel (Granatrinde - Granati cortex), die frischen oder getrockneten Samen und der gepresste Fruchtsaft.

Die Samen sind reich an Calcium, Kalium, Eisen, Vitamin C und wertvollen Fettsäuren. Sie werden deshalb in der asiatischen Medizin als Stärkungsmittel und bei Anämie eingesetzt. Die Fruchtschalen enthalten Anthocyane, bis zu 28 Prozent Gallo- beziehungsweise Ellagitannine sowie Punicalin und Punicalagin, die als Radikalfänger gelten. Ein breites Gemisch an Polyphenolen und Antioxidantien soll für die vielfältigen gesundheitsfördernden Effekte der Granatapfel-Frucht verantwortlich sein. In Wurzeln, Rinde, Blättern und jungen Früchten, jedoch nicht in der Fruchtschale, kommen zudem mehrere Piperidinalkaloide vor. Die wichtigsten sind Pelletierin und N-Methylisopelletierin. 

Bereits vor mehr als 4000 Jahren wurden in der traditionellen Medizin Zubereitungen aus der Baumrinde als Entwurmungsmittel gegen Darmparasiten, besonders bei Bandwürmern eingesetzt. Als mittlere Dosis gegen Bandwürmer nennt der Ergänzungsband 6 des Deutschen Arzneibuchs (EB 6) 20 g des Extrakts. Die enthaltenen Alkaloide sollen die Bandwürmer betäuben und lähmen, sodass sich diese nicht länger an der Darmhaut des Wirts festhalten können und ausgeschieden werden. Die Fruchtschalen oder das Fruchtfleisch waren gängige Mittel bei verdorbenem Magen und Durchfall. Die Wirkung bei Diarrhö erklärt sich nach heutigem Wissensstand durch den hohen Gehalt an Gerbstoffen. 

Zur traditionellen Verwendung von Schale und Rinde liegen nur wenige kontrollierte Studien vor. Wegen der giftigen Alkaloide in vielen Teilen der Pflanze ist bei der Verwendung von konzentrierten Extrakten Vorsicht geboten. Eine Selbstmedikation kann daher gefährlich sein. Eine Überdosis der Stamm- und Wurzelrinde, etwa ab 80 Gramm, führt aufgrund des Alkaloidgehalts zu Erbrechen, später zu Sehstörungen, Schwindel, Schüttelfrost, Kollaps und eventuell zum Tod durch Atemlähmung.

Die antioxidativen Inhaltsstoffe der Frucht sollen prophylaktisch bei Erkrankungen wirken, die durch oxidativen Stress bedingt sind. Die antioxidative Wirkung des Granatapfelsaftes ist wesentlich stärker als die von Rotwein, Grünem Tee, Blaubeer- und Traubensaft.

Die Wirkungen von Granatapfelzubereitungen wurden in zahlreichen tierexperimentellen und In-vitro-Untersuchungen geprüft. Die Studienergebnisse sind viel versprechend. Allerdings sind die Teilnehmerzahlen zu gering, um gesicherte Aussagen treffen zu können. Positive Wirkungen werden unterstellt bei Arteriosklerose, Bluthochdruck, Magenerkrankungen, bakteriellen Infektionen, Haut-, Mamma- und Prostatakrebs sowie Osteoporose. 

Während die traditionelle Medizin Aufgüsse oder Tinkturen der frischen oder getrockneten Fruchtschalen mit Honig empfiehlt, wird der aus den Früchten gepresste Granatapfelsaft seit alters her als bekömmliches und gut verträgliches Nahrungsmittel geschätzt. Wegen der besseren Bioverfügbarkeit sollte der Saft nicht zu den Mahlzeiten und nicht gleichzeitig mit Milch getrunken werden. Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Freude für Auge und Gaumen

Aus dem Fruchtfleisch des Granatapfels werden außer Saft und Sirup auch ein sehr geschätzter Likör, die Grenadine, hergestellt. Das Originalprodukt kommt von der Insel Grenada in der Karibik. Indische und iranische Hausfrauen und Köche nutzen die Süße und Säure verschiedener Punica-Arten und ihres Saftes zum Abschmecken von Gerichten.

Auch zum Färben von Stoffen diente der paradiesische Apfel. In Indien und im Orient wurden früher und gelegentlich noch heute Färbemittel aus den Schalen und dem Saft des Granatapfels gewonnen. Je nach Aufbereitung sind diese gelb, braun oder pechschwarz und werden zum Färben von Wolle verwendet. Wurzelextrakte mit Eisenbeize ergeben tief dunkelblaue Farbtöne. 

Der Mythos, der die Frucht mit dem Krönchen einst umrankte, lebt an manchen Orten noch heute weiter. So werden Brautpaare bei der Hochzeit in Griechenland und Süditalien mit Granatäpfeln beworfen. Öffnet sich dabei die Frucht, so verspricht dies reichen Kindersegen.

E-Mail-Adresse des Verfassers:
gerhard.gensthaler(at)t-online.de



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