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BERATUNGSPRAXIS

Proktologika

Punktgenau richtig anwenden


Von Elke Wolf / Präparate zur Anwendung bei Hämorrhoidalbeschwerden sind beratungsintensiv. Nicht alles, was Betroffene als »Hämorrhoiden« bezeichnen, verursacht tatsächlich die Beschwerden. Mit viel Feingefühl gilt es, die genauen Symptome zu erfragen. Die Wahl des richtigen Arzneistoffs in der passenden Arzneiform entscheidet über den Therapieerfolg.

 

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Um das passende Präparat auswählen zu können, müssen PTA und Apotheker die Symptome genau hinterfragen. Eine Frage ist dabei entscheidend: »Haben­ Sie Schmerzen?« Denn wenn akute Hämorrhoidalbeschwerden mit Schmer­­zen oder Juckreiz einhergehen, empfiehlt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft den kurzfristigen Einsatz von Lokalanästhetika wie Lidocain (Posterisan® akut) oder Quinisocain (wie Haenal® akut). Die Zäpfchen lindern schnell lokale Schmerzen und Juckreiz. Die Salbe kommt in erster Linie vor proktologischen Untersuchungen zum Einsatz, kann aber zusätzlich für die Selbst­medikation genutzt werden.




Foto: iStock/Ljupco


Stehen eher Juckreiz und Nässen im Vordergrund, sind Präparate mit Adstringenzien eine Empfehlung wert. Sie wirken austrocknend, schwach blu­­t­ungs­stillend und antiinflammatorisch. Dabei die größte Bedeutung haben Zube­reitungen aus basischem Bismutgallat (wie Eulatin® NH, Mastu®) und pflanzliche Drogenauszüge mit Gerbstoffen, wie Extrakte aus den Blättern und der Rinde der virginischen Zaubernuss Hamamelis virginiana (wie Hametum®, Faktu lind® mit Hamamelis, Haenal® fact Hamamelis, Posterine®). Die Gerbstoffe verfestigen durch Vernetzung von Proteinen die obersten Kolloid­schichten der Haut und dichten so in niedrigen Konzentrationen die Zellmembranen ab. In höheren Konzentrationen bewirken sie eine oberflächliche Proteindenaturierung, wodurch eine schützende, reizmildernde Koagulationsmembran entsteht.

Adstringierend und wundheilungsfördernd wirken auch Sitzbäder mit Kamillen­extrakten (wie Kamillosan®), Eichenrinde oder synthetische Gerbstoffe (wie Tannolact®, Tannosynt® flüssig, Delagil®). Achtung: Nur Tannolact enthält keine Duftstoffe. Für ein Sitzbad wird ein Esslöffel des jeweiligen Pulvers beziehungsweise etwa 5 ml des flüssigen Badezusatzes in 5 Litern­ Wasser (genaue Angaben des jeweiligen Herstellers beachten!) aufgelöst. Das Wasser sollte am besten zwischen 32 und 35 °Celsius warm sein.

Prophylaxe und Pflege

Wer einmal Hämorrhoidalbeschwerden­ hatte, kann sie immer wieder bekommen. Daher ist es sinnvoll, auch nach Abklingen der Beschwerden die Anal­region besonders zu pflegen. So bieten sich etwa nach dem Toilettengang zur Nachreinigung nach dem normalen Toiletten­papier speziell mit Ruscus-Wurzelextrakt getränkte Pflegetücher an (wie FaktuClean®, Hametum® feuchtes Toilettenpapier Ruscus).




Zäpfchen werden häufig bei Hämorrhoiden eingesetzt. Damit sie an der richtigen Stelle wirken, dürfen sie bei dieser Indikation nicht so tief eingeführt werden wie andere Suppositorien.

Foto: iStock/khuntapol


Zur Prophylaxe eignet sich ein Hautschutzkomplex mit Jojobawachs, Cetiol­ und Bienenwachs (wie Posterisan® protect). Jojobawachs verbessert die Elastizität und stabilisiert den Feuchtigkeitsgehalt der Haut, Cetiol erhöht deren­ Geschmeidigkeit und Bienenwachs als wasserabweisende Komponente schützt vor der Feuchtigkeit, die mitunter aus dem Analkanal austritt. Zudem wird der Toilettengang erleichtert.­ Ein Hydrokolloid-Gel, das das Antiseptikum Polyhexanid (Valoproct®) enthält, soll Wunden im Anal- und Rektalbereich antimikrobiell reinigen­ und die Wundheilung fördern können.

Auch ein Wirkstoffkomplex aus dem Saft von Aloe barbadensis (Hemoclin® Gel) kann eine Alternative sein. Der in einem kühlenden Gel aufbe­reitete Polysaccharid-Komplex soll sich wie eine Schutzschicht auf die gereizte Schleimhaut des Analbereichs legen und dadurch verhindern, dass Erreger aus den austretenden Faezes die Haut angreifen. Der Wirkmechanismus erfolgt auf physikalischem Wege: Die negativ geladenen Polysaccharidmoleküle umhüllen die pathogenen Bakterien und unterbinden somit die Adhäsion an die Zelloberfläche der Schleimhaut.

Arzneiform entscheidend

Proktologika gibt es in Form von Salben,­ Einmaltuben, Suppositorien und Hämotamps. Topische Zubereitungen sind morgens und abends auf die betroffenen Hautbezirke aufzutragen, vor allem nach dem Stuhlgang. Hat der Hersteller der Salbe ein Applikationsrohr beigefügt, ist dieses ohne Druck auf die Tube rektal einzuführen. Tipp: Ein wenig Salbe oder ein Hautpflegeöl auf dem Applikationsrohr verstreichen, das macht es gleitfähiger.

Beim Herausziehen des Applikationsrohrs gilt es, gleichmäßig auf die Tube zu drücken. So wird kontinuierlich ein Salbenstrang im Analkanal platziert. Besser als Applikationsrohre mit nur einer Öffnung am Ende sind Röhrchen mit seitlichen Öffnungen. Sie verteilen die Salbe gleichmäßiger. Nach der Anwendung lässt man den Applikator am besten auf der Salbentube aufgeschraubt und reinigt ihn von außen.

Hämorrhoidalzäpfchen darf der Patient­ nicht so tief einführen, wie er es von anderen Suppositorien kennt. Das Ende des Zäpfchens sollte er immer noch mit der Fingerkuppe ertasten können, damit es auch an der richtigen Stelle wirken kann. Denn wird ein Zäpfchen in den After eingeführt, so wird es durch den Reflex der Ringmuskeln sehr schnell an den Hämorrhoiden vorbei durch den Analkanal gedrückt und bleibt im unteren Rektum liegen. Geeigneter sind Zäpfchen mit eingeschmolzenen Mullstreifen, sogenannte Hämotamps. Der Mullstreifen fixiert das Zäpfchen im optimalen Bereich. So wird der Wirkstoff über mehrere Stunden kontinuierlich am Ort der Erkrankung freigesetzt. Am Sitz des Mullstreifens erkennt der Patient, ob der Hämotamp noch korrekt liegt. Die Anwendung empfiehlt sich morgens nach dem Stuhlgang und abends vor dem Bettgang. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 04/2017

 

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