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BERATUNGSPRAXIS

Mittelohrentzündung

Abwarten und Schmerzen stillen


PZ / Kinder mit Ohrenschmerzen leiden meist unter einer akuten Mittelohrentzündung, einer Otitis media. Die Erkrankung geht häufig mit starken Schmerzen einher, verläuft aber in der Regel ohne Komplikationen. Antibiotika sind meist nicht indiziert.

 

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Die Ursachen von Ohrenschmerzen sind vielfältig und unterscheiden sich bei Kindern erheblich von denen bei Erwachsenen, sagte Dr. Hans-Michael Mühlenfeld, Hausarzt aus Bremen, beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming, Österreich. Während bei Erwachsenen in der Regel Funktions­störungen oder Reizungen im Kiefergelenk im Vordergrund stehen, sind starke Ohrenschmerzen bei Kindern­ häufig das Leitsymptom einer akuten Mittelohrentzündung. »Starke Schmerzen bedeuten aber nicht große Gefahr«, betonte er.




Foto: Fotolia/photophonie


Da der Kinder- oder Hausarzt in der Regel nicht differenzieren kann, ob die Entzündung viraler oder bakterieller Genese ist, empfiehlt die Leitlinie, symptom­orientiert vorzugehen. So bekommt das Kind gegen die Schmerzen Paracetamol oder Ibuprofen. »Beide Analgetika sind gleich gut wirksam und verträglich«, sagte Mühlenfeld. Zudem könne ein Versuch mit abschwellenden Nasentropfen unternommen werden. Allerdings liegt hier nur eine geringe Evidenz vorliege. Wichtig sei auch, dass sich das Kind schont und viel trinkt.

Sofort ein Antibiotikum zu verordnen, wird in der Leitlinie nicht empfohlen. Studien zufolge werden etwa 80 Prozent der Patienten ohne Antibiotika beschwerdefrei, und es haben­ sich auch keine Unterschiede im Krankheitsverlauf gezeigt. Laut Leit­linie sollten die nächsten 24 bis 48 Stunden abgewartet werden und den Eltern ein Rezept über ein Antibiotikum in Reserve ausgehändigt werden.­ Sie sollten darüber aufgeklärt werden, dieses erst nach 48 Stunden einzulösen oder falls das Kind sich erbricht oder hohes Fieber bekommt.

Mittel der Wahl

Klagt das Kind nach 48 Stunden noch über Schmerzen, ist ein Antibiotikum indiziert. Mittel der Wahl ist Amoxicillin in einer Dosierung von 50 mg pro kg Körpergewicht über sieben Tage. Als zweite Wahl kommen Cephalosporine der zweiten Generation wie Cefuroxim­-Axetil mit täglich 20 bis 30 mg pro kg Körpergewicht für fünf bis zehn Tage infrage. Makrolide wie Erythromycin sollten lediglich bei Vorliegen einer Penicillin-Allergie zum Einsatz kommen. Bei Kindern unter zwei Jahren mit beidseitigen Beschwerden oder rezidivierenden Infekten sollte sofort ein Antibiotikum gegeben werden. »Auch bei Kindern mit hohem Fieber und Erbrechen kann eine sofortige Antibiose in Erwägung gezogen werden«, ergänzte Mühlenfeld. /


Ohrentropfen

Kinder mit starken Ohrenschmerzen sollten immer einem Arzt vorgestellt werden. Schmerzstillende Ohrentropfen können nur die Zeit bis zum Arztbesuch überbrücken. Den Arztbesuch und dessen Anamnese können sie nicht ersetzen. Generell sollten Ohrentropfen nur nach Rücksprache mit dem Arzt und bei intaktem Trommelfell angewendet werden.

Bei der Anwendung von Ohrentropfen sollten Elter folgendes beachten: Die Kinder sollten dabei am besten auf der Seite liegen, die Spitze des Tropfers darf das Ohr bei der Applikation nicht berühren. Bei Babys und Kleinkindern zieht man am besten das Ohrläppchen etwas nach unten und hinten. Nach der Gabe sollte das Kind eine Zeit lang auf der Seite liegen bleiben, damit die Ohren­tropfen in das Ohr fließen können. Achtung: Werden zu kalte Tropfen verabreicht, kann das schmerzen. Daher sollten Eltern die Ohrentopfen vor der Applikation immer kurz anwärmen, etwa indem sie sie in der Hand rollen oder einige Minuten in die Hosentasche stecken.



Beitrag erschienen in Ausgabe 04/2017

 

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