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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit

Kurz und fatal


Von Manuela Kupfer / Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) ist eine seltene, tödlich verlaufende Erkrankung. Für großes Aufsehen sorgte sie im Zusammenhang mit der Rinderseuche in Großbritannien vor etwa 30 Jahren: Der BSE-Erreger ging auf den Menschen über und löste eine neue CJK-Variante aus. Nun ist erneut ein ­Patient erkrankt – womöglich der Beginn einer neuen Erkrankungswelle.

 

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Die CJK ist eine übertragbare schwamm­­artige Gehirnerkrankung, die das zentrale Nervensystem (ZNS) von Menschen und Tieren befallen kann (Scrapie bei Schafen und Ziegen, bovine spongiforme Enzephalopathie, kurz BSE, beim Rind, Chronic Wasting Disease, CWD, bei Hirschen). Prionen ­(siehe Kasten) lagern sich im ZNS ab und führen zu einem Untergang von Nervenzellen. Das Hirngewebe lockert sich schwammartig auf und verliert mehr und mehr seine Funktion.




Foto: Science Photo Library/Russell Kightley


Erstmals beschrieben wurde die Krankheit in den 1920er-Jahren von den Neurologen Hans-Gerhard Creutzfeldt und Alfons Maria Jakob. Den meisten dürfte die Erkrankung vor allem in Zusammenhang mit der BSE-Epidemie bekannt sein: Mitte der 1990er-Jahre tauchten die ersten Fälle einer neuen CJK-Variante (vCJK) zunächst in Großbritannien auf. Die Erkrankungen gingen­ hauptsächlich auf den Verzehr von BSE-verseuchtem Rindfleisch zurück.

Bislang traf diese Variante ausschließlich eine Risikogruppe: Menschen mit einer bestimmten Erbanlagen-Kombination. Nun starb ein 36-jähriger Mann in London an vCJK, der eine andere, häufig vorkommende Gen-Kombination besaß. Bislang hatte man angenommen, dass diese Gen-Kombination immun gegenüber vCJK macht, doch scheinbar verlängert sie nur die Inkubationszeit bis zum Ausbruch der Krankheit. Die Forscher befürchten daher nun, dass der Fall der Beginn einer neuen Erkrankungswelle sein könnte.

Formen der CJK

Generell tritt die CJK weltweit mit einer Inzidenz von ein bis zwei Neuerkrankungen pro Million Einwohner pro Jahr auf, in Deutschland erkranken jährlich etwa 80 bis 160 Menschen. Ärzte unterteilen die CJK-Fälle ihrer Ursache entsprechend in mehrere Formen: die sporadische CJK tritt ohne erkennbaren Grund auf, die hereditäre Form, die familiäre CJK, beruht auf einer Mutation und wird vererbt. Bei der dritten Form, der iatrogenen CJK, dringt der Erreger von außen in den Körper ein – etwa durch medizinische Eingriffe, Blutspenden oder bei der neuen Variante durch den Verzehr von BSE-infizierten Fleischprodukten. Allen Formen gemein ist, dass die Erkrankung immer tödlich endet.

Die sporadische CJK (sCJK) ist mit 80 bis 90 Prozent der Fälle die häufigste Form. Sie betrifft vor allem Menschen im Alter von 60 bis 70 Jahren. Vermutlich wird das Prionprotein im Körper ständig in die pathogene Form umgefaltet, in der Regel aber wieder abgebaut. Geschieht die Umwandlung aber in erhöhtem Ausmaß, kommen die Abwehrmaßnahmen an ihre Grenzen, und die Erkrankung bricht aus. Wichtigstes Symptom ist die Demenz. Die sCJK kann schleichend oder plötzlich beginnen, sie schreitet meist aber sehr rasch voran und führt schnell zum Tod.

Der familiären CJK (fCJK) liegen Mutatio­nen im Prionprotein-Gen (PRNP) auf Chromosom 20 zugrunde. Diese führen zur Bildung eines Prionproteins, das für die krankhafte Umfaltung zu PrPSc besonders anfällig ist. Die Muta­tion wird autosomal dominant vererbt, das heißt, die Krankheit entwickelt sich auch dann, wenn nur eines von zwei Genen verändert ist. Die klinische Symptomatik und der Verlauf der Erkrankung sind sehr unterschiedlich. Betroffene erkranken im Mittel mit 52 Jahren, bis zum Tod können einige Jahre vergehen.


Prionen

Prionen sind infektiöse Glykoproteine, die in zwei Formen vorliegen können. Das Prionprotein (PrP) kommt natürlicherweise als harmloses PrPC im Gehirn vieler Organismen vor. Es hat vorwiegend eine α-Helix-Struktur. Das pathologische PrPSc, der Erreger von BSE und CJK, hat dagegen überwiegend eine β-Faltblatt-Struktur, die der Organismus nicht abbauen kann. Auch den meisten Desinfektionsverfahren widersteht PrPSc, ebenso extremer Hitze oder radioaktiver Strahlung. Ferner besitzt es die Fähigkeit zur Bildung von Fibrillen, die sich im Hirngewebe ab­lagern und größere Klumpen formen.­ Diese Amyloidablagerungen oder Plaques sind unter dem Mikroskop sichtbar. Kommen die natürlichen PrPC in Kontakt mit den fehlgefalteten PrPSc, verändern sie ebenfalls ihre Form und werden zu den pathologischen Prionen­ umgefaltet. In einer Ketten­reaktion sammeln sich so immer mehr PrPSc an. Nervenzellen werden geschädigt und gehen zugrunde.


Bei der iatrogenen CJK wurde der Erreger etwa durch Transplantationen (Hirnhaut und Hornhaut) oder über Wachstums- und Geschlechtshormone, die von verstorbenen CJK-Patienten gewonnen wurden, weitergegeben. Bislang wurden je nach Übertragungsweg einzelne bis hunderte Fälle beschrieben.

Neue Variante

Die neue, BSE-assoziierte Variante vCJK trat erstmals 1994 auf. Die Inkubationszeit beträgt Jahre bis Jahrzehnte, deutlich länger als bei den anderen Varianten. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 30 Jahren, der Verlauf ist langsamer. Anfangs treten meist brennende Missempfindungen der Haut sowie Verhaltensänderungen auf. Erst später entwickeln die Betroffenen eine Demenz und andere CJK-Symptome.

Die Infektion erfolgt höchstwahrscheinlich durch den Verzehr prionhaltigen Gewebes. Bis heute wurde bei insgesamt 229 Menschen die Diagnose vCJK gestellt, 178 davon stammen aus Großbritannien. In Deutschland wurde bislang kein Fall registriert.

Die Diagnose einer CJK ist schwierig:­ Zu Lebzeiten kann eine CJK-Erkrankung nur vermutet beziehungsweise durch Ausschlussverfahren gestellt werden. Eine sichere Diag­nose ist erst nach dem Tod mit der Durchführung einer Hirnobduktion möglich. Das Gehirn der CJK-Patienten zeigt dann eine schwammartige Auflockerung mit kleinen Löchern im Gewebe. Die Zahl der Neurone ist vermindert. In einigen Fällen sind Plaques zu sehen.

Eine kausale Therapie, die die Krankheit aufhalten oder heilen kann, gibt es bisher nicht. Wissenschaftler forschen jedoch an Wirkstoffen, die ein Fortschreiten der Erkrank­ung verlangsamen sollen. Im Tierversuch verzögerte etwa Doxycyclin, ein Antibiotikum aus der Klasse der Tetracycline, den Symptombeginn und verlängerte die Überlebenszeit. Auch die ersten Daten am Menschen zeigten, dass bei einer Verabreichung im frühen Stadium die Krankheit langsamer fortschreitet. Auch das Antihistamin Astemizol verhinderte im Tierversuch die Vermehrung der Prionen, stimu­lierte die zelluläre Immunantwort und verlängerte die Überlebenszeit infizierter Mäuse. Ein anderer Forschungs­ansatz zielt auf die Struktur des Prionproteins, dessen langer flexibler Schwanz für die Neurotoxität verantwortlich gemacht wird. Wurde dieser­ durch Antikörper gebunden, verhin­derte das die Zer­störung der Nervenzellen. Weitere klinische Studien müssen allerdings noch folgen./


Symptome der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit

  • rasch fortschreitende Demenz mit Verwirrtheit, veränderter Wahrnehmung, Konzentrationsstörungen, Orientierungs­losigkeit
  • psychische Auffälligkeiten und Persönlichkeitsveränderungen: Depression, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Apathie
  • unwillkürliche Muskelzuckungen (Myoklonien)
  • Sehstörungen: verschwommene, verzerrte und farbveränderte Wahrnehmung, Gesichtsfeld­defekte, völlige Blindheit
  • unkoordinierte Bewegungen (Ataxie)
  • extrapyramidale Symptome, ähnlich wie bei Morbus Parkinson, Zittern von Armen, Beinen und Kopf (Tremor), Muskel­steifigkeit (Rigor), verdrehte ­Haltung der Extremitäten
  • pyramidale Symptome, wie bei einem Schlaganfall, Lähmungen an Armen und Beinen, erhöhter Spannungszustand der Muskeln (spastischer Muskeltonus)
  • akinetischer Mutismus im späten Krankheitsstadium, Patient ist nahezu bewegungslos (akinetisch) und stumm (mutistisch)



Beitrag erschienen in Ausgabe 04/2017

 

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