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BERATUNGSPRAXIS

Fruchtsäuren

Aha-Effekt für die Haut


Von Elke Wolf / Im heimischen Badezimmer oder beim Dermatologen: Fruchtsäuren sind aus der Anti-Aging- und Akne-Pflege nicht mehr wegzudenken. Dank ihrer vielfältigen Wirkungen in unterschiedlichen Konzentrationen erscheint die Haut sichtbar geglättet, gereinigt, frischer und jünger. Entscheidend ist dabei die richtige Anwendung.

 

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Fruchtsäuren gehören zu den α-Hydroxysäuren, also den alpha hydroxy­ acids, was ihnen in der Werbung­ die Abkürzung »AHAs« eingebracht hat. Dazu gehören allen vo­ran die einst aus Weintrauben und Zuckerrohr gewonnene Glykolsäure, die Zitronen­säure aus verschiedenen Zitrus­früchten, die Äpfelsäure aus Äpfeln­ oder die aus saurer Milch entstehende Milchsäure. Diese schwach sauren organischen Säuren werden aller­dings mittlerweile für die Kosmetik­industrie synthetisch produziert.



Fruchtsäuren sind dermatologische Vielkönner. Über den AHA-Gehalt eines Präparates ist es möglich, die Intensität der Wirkung zu steuern. Manche Effekte sind gar nur durch hohe Konzentra­tionen zu erreichen. Was allerdings dazu führt, dass die Anwendung hoch konzentrierter Fruchtsäure-Zubereitungen in die Hände eines erfahrenen ästhetisch tätigen Dermatologen gehört. Der Säuregehalt gängiger Präparate für die Eigenanwendung zu Hause liegt bei rund 10 Prozent, wohingegen der Dermatologe mit bis zu 70-prozentigen Formulierungen arbeitet.

Aufgrund ihres keratolytischen Effekts waren Fruchtsäuren vornehmlich in Gesichtsreinigungspräparaten wie Waschgelen, Pads und Peelings ein­gearbeitet. Doch weil sie noch so viel mehr können, als nur porentief zu reinigen, finden sie sich heute auch in zahlreichen sogenannten Leave-on-Präparaten wie Tonics, Sprays, Masken, Gelen und Cremes.



Die Einsatzkonzentrationen sind dann in der Regel geringer, der gewünschte Effekt wird durch die längere Einwirkzeit erreicht. Weil Fruchtsäuren auch die Penetration von Wirkstoffen in die Haut verbessern, sind sie zahlreichen Anti-Aging-Formulierungen zugesetzt. Einen ausge­prägten feuchtigkeitsspendenden Effekt haben die AHAs ohnehin.

Hautputz

Fruchtsäuren lockern den Zellverbund zwischen den einzelnen Hornzellen auf, oberste Hautschichten und tote Hornschüppchen können leichter abgetragen werden. Die Hautoberfläche wirkt dadurch gleichmäßiger und feiner, kleine Fältchen erscheinen glatter. Das gelingt bereits mit niedrigen Konzentrationen.

Dieser Peeling-Effekt und die dadurch nach oben verdünnte Epidermis wirken wie ein Signal für die Basalschicht; eine erhöhte Mitoserate bringt neue Zellen zutage. In-vitro-Untersuchungen zeigen etwa, dass Glykolsäure die Vitalität und Zellteilungsaktivität um mehr als 40 Prozent zu steigern vermag. In Anbetracht der Tatsache, dass sich mit zunehmendem Alter die Zell­erneuerungsrate verringert und sich die Hautschuppen von selbst nicht mehr wirkungsvoll abschilfern, eine durchaus sinnvolle Wirkkomponente. Zumal die stimulierte Zellteilungsfreude der Keratinozyten die Epidermis im End­ergebnis verdickt. Das macht die Haut widerstandsfähiger.

In höheren Konzentrationen stimulieren Fruchtsäuren überdies die Synthe­se von Kollagen und Glykosaminglykanen. Am besten scheint dies mit Glykolsäure zu gelingen. In-vitro-Untersuchungen zeigen eine Steigerung der Kollagenproduktion von bis zu 130 Prozent. Ob sich auch Elastin positiv beeinflussen lässt, ist derweil nicht ganz geklärt. Beides, die Verdickung der Dermis und die gesteigerte Kollagen­synthese, mildern Fältchen, der Keratinozyten-lockernde Effekt und die angekurbelte Zellteilung lassen Pigmentflecken erblassen.

Diese Peeling-Effekte, fachsprachlich als Exfoliation bezeichnet, sind auch in der Pflege unreiner Haut und in der Therapie nicht-entzündlicher Akneformen willkommen. Denn im Gegensatz zu reifer Haut neigt die jugend­liche zu einer vermehrten Talgproduk­tion. Talg fungiert als Kittsubstanz, der die Hautschuppen zusammenhält und somit eine wichtige Komponente der Hautbarriere darstellt. Wird er allerdings im Übermaß produziert, gelingt es den Hautzellen nicht mehr, sich abzuschilfern. Follikel verstopfen, Pickel und Papeln entstehen und können sich zur Acne vulgaris auswachsen.

Frage der Konzentration

Bis auf den feuchtigkeitsspendenden Effekt sind alle Wirkungen abhängig von der Konzentration der einge­setzten Fruchtsäuren. Inwieweit die jewei­lige Fruchtsäure in die Haut penetriert und sich dort verteilt, ist durch die Wahl des pH-Wertes der Formulierung und der Länge der Kohlenstoffatome der AHA zu beeinflussen. Da Glykol­säure mit nur zwei und Milchsäure mit drei Kohlenstoffatomen zu den kurzkettigeren Vertretern der α-Hydroxysäuren gehören, haben sie per se ein gutes Penetrationsver­mögen. Im sauren Milieu liegen die Fruchtsäuren protoniert vor und können bei niedrigen pH-Werten besser in die Haut eindringen als bei höheren pH-Werten. Ab pH-Werten von 4 und darunter ist mit den genannten Wirkungen zu rechnen.


Auf einen Blick

So wirken Fruchtsäuren

  • Zellstoffwechsel und Kollagenproduktion werden angeregt.
  • Regelmäßige Anwendung verbessert dauerhaft und sichtbar die Hauterneuerung.
  • Wirkstoffe werden besser auf- genommen und tiefer in die Haut geschleust.
  • Die Dicke der Haut wird optimiert. Dickere Haut hat weniger Falten.
  • Wasserbindungsfähigkeit der Haut wird erhöht.
  • Alterserscheinungen, etwa Fältchen, werden gemildert.
  • Verbesserte Hyperpigmen­tierung, die Haut wird eben­mäßiger.
  • Vergrößerte Poren werden verkleinert.
  • Optimierte Akne-Behandlung: die Entstehung neuer Unreinheiten verringert sich, da tote Hautzellen und zu viel Talg entfernt werden, die die Poren verstopfen.
  • Akne-Narben werden abgetragen.


Allerdings: Je saurer der pH-Wert, desto höher ist ihr irritierendes Potenzial. Hautreizungen äußern sich in einem Brennen, Röten oder Spannungsgefühlen der Haut. Um diese unerwünschten Wirkungen möglichst klein zu halten, sollten PTA und Apotheker für die Heim­anwendung zum einen Präparate auswählen, die beruhigende, pflegende Zusätze enthalten. Und zum anderen: Auch die Kombination mehrerer, dafür niedrig konzentrierter Fruchtsäuren sorgt für bessere Verträglichkeit. Die PTA sollte daruf hinweisen, dass ein leichtes Bitzeln der Haut zu Beginn einer Glykolsäure-Behandlung als normal gilt und nur wenige Minuten anhält. Vielleicht lässt sich die Anwendungshäufigkeit langsam steigern.




Illustrationen: iStock/Olesichek


Bei pH-Werten über 6 treten keine Hautirritationen mehr auf, allerdings sind auch keine Auflockerungen der Hornschicht und keine Steigerung der Mitoserate mehr zu beobachten. Nur der feuchtigkeitsspendende Effekt bleibt erhalten.

Tiefschürfend

Präparate für die Selbstanwendung sind so formuliert, dass sie bei guter Verträglichkeit je nach Produkt täglich oder ein- bis zweimal wöchentlich in die Pflegeroutine integriert werden können. Dabei muss die Haut weder auf die Anwendung vorbereitet, also abgesäuert werden. Noch ist eine Neutralisation nach der Anwendung nötig. Für keratolytische Effekte sollten die Präparate mindestens 6 Prozent, maximal 15 Prozent Fruchtsäure enthalten. Als ideal gelten Konzentrationen zwischen 8 und 10 Prozent.

Anders sieht es bei den professionellen Fruchtsäurepeelings beim Hautarzt aus. Sie arbeiten mit hohen Konzen­trationen der α-Hydroxy­säuren mit bis zu 70 Prozent bei extrem niedrigem pH-Wert, teils unter 3. Diese extremen Bedingungen induzieren eine Epidermolyse, also eine komplette Ablösung der Epidermis von der Dermis. Dass ein solch tiefschürfender Eingriff in die Hautbarriere in die Hände eines Dermatologen gehört, erklärt sich von selbst. Diese extreme Hautirritation macht nach wenigen Minuten eine Neutralisation mit Natriumbicarbonat-haltiger Lösung zwingend erforderlich. Während der Neutralisation wird CO2 freigesetzt, was zur Aufschäumung führt. Solange sich dieser Schaum bildet, muss die Neutralisation anhalten. Solche Peelings erfolgen zum Teil auch in mehrwöchigen Intervallen mit stetig steigenden Konzentrationen.

Dieser massive Einschnitt für die Haut kann nicht von jetzt auf gleich erfol­gen. Er braucht eine gewisse Vorlaufzeit. Etwa vier bis sechs Wochen vor dem eigentlichen Peeling beim Arzt muss die Patientin ihre Haut Schritt für Schritt mit niedrig konzentrierten Säuren an die Säurebelastung gewöhnen. Nach Maßgabe des Arztes werden Fruchtsäuren in steigen­den Konzentrationen zu Hause aufgetragen.

Sonne meiden

Durch das Fruchtsäure-Peeling verdünnt sich die Hornschicht. Allerdings wird damit auch die Lichtschwiele herabgesetzt, die Empfindlichkeit für UV-Strahlung nimmt zu. Deshalb ist es in jedem Fall ratsam, täglich einen UV-Blocker mit Lichtschutzfaktor 50 anzuwenden. Für Eingriffe beim Arzt empfiehlt sich der Winteranfang. Vor Sommerbeginn sollte man nur peelen, wenn direkte Sonneneinstrahlung gemie­den wird, keine Ferien in sonnenintensiver Gegend anstehen und intensiver­ Lichtschutz betrieben wird. Vorgebräunte Haut ist kein Problem beim Fruchtsäure-Peeling, wichtig ist absolute UV-Karenz nach den Sitzungen. /


Hände weg von AHA

  • α-Hydroxysäuren eignen sich für alle Hautzustände; bei empfindlicher Haut ist Zurückhaltung geboten.
  • Fruchtsäuren sind auch nicht für Couperose-gezeichnete Haut geeignet. Die Säuren regen die Durchblutung der Haut zu sehr an.
  • Ein Fruchtsäure-Peeling ist nicht geeignet für Personen mit der Weißfleckenkrankheit Vitiligo, mit frischen Hautinfektionen wie Herpes oder Keloiden in der Vorgeschichte.
  • Die Einnahme von Medikamenten ist zu berücksichtigen. So sollte bei gleichzeitiger Einnahme von Isotretinoin bei unreiner Haut nicht gepeelt werden. Auch manche Antibiotika können problematisch sein. Zum Beispiel werden durch Tetracycline die Lichtempfindlichkeit und die Neigung zu Pigmentstörungen verstärkt.



Beitrag erschienen in Ausgabe 04/2017

 

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