Ein Magazin der

www.pta-forum.de

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

www.pta-forum.de
Ein Magazin der 
 

BERATUNGSPRAXIS

Kombinationspräparate

Auf die Beratung kommt es an


Von Claudia Timmermann / Das Angebot an kombinierten ­Erkältungsmitteln wächst jedes Jahr. Hersteller versprechen dem Kunden eine schnelle Linderung aller Erkältungsbeschwerden auf einmal. Doch was ist wirklich dran an diesen Zusagen? Wie steht es um Verträglichkeit, Neben- oder Wechselwirkungen der ­Kombis?

 

Anzeige

 

Die Vorteile der Kombinationspräparate liegen auf der Hand. In der Regel enthalten sie zwei bis vier Wirkstoffe, ­darunter schmerz- und entzündungshemmende Substanzen sowie Sympathomimetika mit schleimhautabschwellendem Effekt, Hustenstiller oder -löser und häufig ein Antihistaminikum. Leidet ein Kunde also zum Beispiel unter Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, verstopfter Nase und quälendem Hustenreiz, kann ein einzelnes Präparat all diese Symptome lindern. Eine spürbare Besserung der Beschwerden setzt meist schon kurze Zeit nach der ersten Einnahme des jeweiligen Medikaments ein. Neben dem »Schnell«, spielt für viele Erkrankte auch das »Wie viel« und »Wie oft« eine große Rolle, wenn es um die Kaufentscheidung geht. Nur ein einziges Präparat dreimal pro Tag oder nur einmal zur Nacht einnehmen zu müssen, kommt den Wünschen vieler Kunden entgegen und sorgt bei den meisten für eine gute Compliance.




Kombinationspräparate lindern mehrere Beschwerden auf einmal. Aber Vorsicht: Für Patienten mit bestimmten Grund­erkrankungen sind sie nicht geeignet.

Foto: Fotolia/Halfpoint


Diesen Nutzen im Blick, verlangen Erkältungsgeplagte ein Kombinationsmittel oft mit der Überzeugung, für sich oder ihre Angehörigen die ultimative Wahl getroffen zu haben. Ob dem tatsächlich so ist, sollten PTA oder Apotheker an dieser Stelle mit ihrem pharmazeutischen Fachwissens und manchmal auch mit etwas Fingerspitzengefühl hinterfragen.

Wer leidet unter Beschwerden und welche genau? Welche Medikamente nimmt der Betroffene außerdem ein? Diese Fragen gehören zum Standard-Repertoire in der Beratung – nicht nur zur Erkältungszeit. Sie ermöglichen es, den tatsächlichen Bedarf des Kunden zu ermitteln und helfen, Unverträglichkeiten beziehungsweise Kontraindikationen aufzudecken.

Gießkannenprinzip oder gezielte Wirkung?

Im Sinne des Patienten lohnt es sich durchaus, genau hinzuschauen, ob das Wirkspektrum des von ihm gewünschten Kombinationsmittels mit seinen Symptomen zusammenpasst oder ob bestimmte Wirkbestandteile ins Leere laufen. Bei den meisten bekannten kombinierten Präparaten bilden Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) die schmerzlindernde Wirkstoffbasis. Beide Substanzen eignen sich, um Kopf- und Gliederschmerzen zu lindern, die fast immer im Rahmen eines grippalen Infektes auftreten. Allerdings sollten PTA oder Apotheker den Patienten dringend darauf hinweisen, dass die Tagesdosis an Paracetamol und ASS in einigen Kombinationsmedikamenten, etwa bei Geloprosed® oder Aspirin Complex®, bei bestimmungsgemäßer Anwendung bereits erreicht ist. Eine zusätzliche Einnahme entsprechender Mono-­Präparate verbietet sich somit.

Sympathomimetika wie Ephedrin, Pseudoephedrin oder Phenylephrin findet man in nahezu allen Erkältungskombinationen. Systemisch angewendet erweitern diese Stoffe die Atemwege und erhöhen die Herzfrequenz. Außerdem lassen sie die Nasenschleimhaut abschwellen, was das Durchatmen erleichtert. Über eine Hemmung des Allergie-vermittelnden Botenstoffs Histamin führen auch Antihistaminika zum Abschwellen der Nasenschleimhaut. Sie stecken beispielsweise in Form von Doxylamin oder Chlorphenamin in den gängigen Erkältungsmitteln. Leidet der Patient beim grippalen Infekt aber nicht unter Schnupfen, besteht aus pharmazeutischer Sicht keine Notwendigkeit für ein Medikament, das eine dieser beiden Stoffgruppen enthält.

Enthält das verlangte Erkältungspräparat einen antitussiv oder sekretolytisch wirksamen Bestandteil, sollte die PTA unbedingt nachhaken, inwieweit Husten zu den Begleitsymptomen zählt. Denn nur, wenn trockener Reiz- oder produktiver, verschleimter Husten eine Rolle spielen, sollte ein Mittel mit Dextromethorphan, Coffein oder Guaifenesin überhaupt in Betracht kommen.

Risiken und Nebenwirkungen

So praktisch ein Kombi-Mittel als Allround-Talent auch sein mag, sollten PTA und Apotheker doch genau ihre möglichen Neben- und Wechselwirkungen sowie Kontraindikationen unter die Lupe nehmen. Denn dort, wo Wirkstoffe kombiniert werden, addieren sich nicht nur positive, sondern auch nega­tive Effekte.

Unter dem Einfluss der Sympathomimetika steigen Herzfrequenz und Blutdruck. Ein Muss in der Beratung ist daher die Frage nach Grunderkrankungen, vor allem Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Außerdem steigern die Substanzen die körperliche Leistungsfähigkeit. In Kombination mit Coffein, das einen muntermachenden Effekt hat, mutet sich der erkältete Patient möglicherweise mehr zu, als er sollte.

Wer ein Kombipräparat mit Chlorphenamin oder Doxylamin verkauft, sollte den Kunden darauf aufmerksam machen, dass das enthaltene Antihistaminikum Müdigkeit hervorrufen und somit ein Risiko beim Autofahren oder Bedienen von Maschinen darstellen kann. Von großer Bedeutung ist dieser Hinweis auch für Allergiker, die bereits andere Antihistaminika einnehmen.

Kombinierte Erkältungsmedikamente haben durchaus ihre Daseinsberechtigung im Apothekenregal. PTA und Apotheker sollten sich zum Ziel setzen, Kunden mit dem Wunsch, ein bestimmtes Kombi-Präparat zu kaufen, ausführlich über das Für und Wider der oft kritisierten Produktgruppe zu beraten. Dazu gehört auch der explizite Hinweis, dass die Präparate ausschließlich die Symptome einer Erkältung beeinflussen, keinesfalls aber die Ursachen der Erkrankung therapieren oder gar vorbeugend wirken. Bekommt der Patient die krankmachenden Symptome innerhalb von drei Tagen mit der Selbstmedikation nicht in den Griff, sollte er seine Beschwerden von einem Arzt abklären lassen. /


Tabelle: Auswahl einiger Kombinationspräparate

Präparat Zusammensetzung Cave (Auswahl) 
Aspirin Complex Granulat zum ­Auflösen Acetylsalicylsäure, Pseudoephedrin-HCL 
  • gleichzeitige Einnahme von ­Blutdrucksenkern und ­blutverdünnenden Medikamenten
  • nicht bei Asthmatikern
 
Grippostad C Hartkapseln Paracetamol, Coffein, Chlophenaminmaleat, Ascorbinsäure 
  • Herz-Kreislauf-Patienten
  • gleichzeitige Einnahme von ­Antihistaminika
 
Wick MediNait Sirup Paracetamol, Doxylamin, ­Dextromethophan, Ephedrin 
  • gleichzeitige Einnahme von ­Blutdrucksenkern
  • gleichzeitige Einnahme von ­Antihistaminika oder schlaf­fördernden Medikamenten
 
Wick DayMed Hartkapseln Paracetamol, Dextromethophan, Phenylpropanolamin-HCL 
  • gleichzeitige Einnahme von ­Blutdrucksenkern
  • nicht sinnvoll bei paralleler ­Anwendung von Schleimlösern
 
Wick Day Med Kombi Pulver zum Auf­lösen Paracetamol, Guaifenesin, Phenylephrin-HCL 
  • gleichzeitige Einnahme von ­Blutdrucksenkern
 
GeloProsed Pulver, Dore­grippin Tabletten Paracetamol, Phenylephrin-HCL 
  • gleichzeitige Einnahme von ­Blutdrucksenkern, Antihistaminika
 
Boxagrippal, Wick Duogrippal Tabletten Ibuprofen, Pseudoephedrin-HCL 
  • nicht bei Asthmatikern
  • Hypertonie und bei anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen
 


Beitrag erschienen in Ausgabe 04/2017

 

Das könnte Sie auch interessieren

 


© 2017 Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH

Seiten-ID: http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=10124