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BERATUNGSPRAXIS

Tattoos

Die Pflege nach dem Stich


Von Elke Wolf / Das Aussehen eines abgeheilten Tattoos ist nicht nur vom Können des Tätowierers abhängig. Eine sorgfältige und konsequente Pflege des frischen Tattoos vermeidet Infek- tionen, Narben und das Verblassen der Farben.

 

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Bei einer Tätowierung wird der Haut Schaden zugefügt. Sie ist deshalb als Wunde zu betrachten. Tattoos größeren Ausmaßes wird der Betroffene deshalb auch deutlich zu spüren bekommen. Die Nachsorge sollte des­halb ganz im Zeichen der Wundheilung und der Vermeidung von Infektionen stehen.

Nach dem Stechen eines Tattoos tritt Wundsekret und Farbe aus der Wunde aus, vergleichbar einer Schürfwunde oder Verbrennung. Steriles und luftdurchlässiges Verbandsmaterial hilft, das Wundsekret aufzufangen. Überdies schützt es die Wunde an mechanisch beanspruchten Stellen oder vor Kontakt mit Kleidung. Steriles Verbandsma­terial ist Frischhaltefolie, mit der Tätowierer die frischen Tattoos in der Regel abdecken, vorzuziehen. Denn unter der Folie staut sich Feuchtigkeit und Wärme, es entsteht eine feuchte Wundkammer. Das ist auch der Grund, warum Tätowierer dazu raten, die Folie bereits nach ein bis drei Stunden abzunehmen und das frische Tattoo zu reinigen.


Achtung: Infektionsgefahr

Der Verband verbleibt dagegen erst einmal auf dem Tattoo, bevor er etwa nach einem halben bis ganzen Tag gewechselt wird. Die Wunde sollte dann vorsichtig mit lauwarmem Wasser und pH-neutraler Seife (wie Eucerin® pH5 protectiv Waschlotion, Sebamed® Flüssig Waschemulsion) gereinigt werden. Auf parfümierte und sonstige reizende Zusätze ist zu verzichten. In jedem Fall ist der Kontakt mit der bloßen Hand und auch mit einem Waschlappen zu vermeiden. Das würde die Infektionsgefahr erhöhen. Danach wird das ­Tattoo mit einem fusselfreien Baumwoll- oder Leinentuch vorsichtig trocken getupft.




Foto: iStock/Brainsil


Um zu verhindern, dass Wundsekret beziehungsweise sich anschließend bildender Schorf mit der Wundauflage verklebt und beim Verbandswechsel immer wieder aufgerissen wird, gilt es, die Wunde geschmeidig zu halten. Das geht, indem man den neuen Hautschmuck regelmäßig mit einer O/W-Emulsion oder einer nicht zu öllastigen W/O-Creme versorgt. Hautärzte empfehlen (Dex)Panthenol-haltige Salben (wie Bepanthen® Wund- und Heilsalbe, Panthenol-Salbe ratiopharm, Tattoo-Creme Pegasus), weil sie die Wundheilung und die Erneuerung von verletztem Gewebe unterstützen. Vaseline, Melkfett oder Zubereitungen mit Zink oder Lebertran sind nicht geeignet, weil sie zu fett sind. Sie legen sich wie ein Film über die Haut. Diese kann nicht atmen, was der Wundheilung im Wege steht. Pflanzliche Zubereitungen, etwa aus Ringelblumen- und Kamillenextrakt oder Teebaumöl, sind wegen ihres potenziell allergisierenden Charakters kritisch zu sehen. Gleiches gilt für Spülun­gen mit Ethacridinlactat.

Regelmäßig cremen

Das Tattoo regelmäßig einzucremen, fördert den Heilungsprozess. Am besten versorgt man die Wunde in den ersten vier bis fünf Tagen mehrmals, mindestens zweimal täglich. Hierbei gilt es, Fingerspitzengefühl an den Tag zu legen. Denn zu häufiges und zu dickes Auftragen einer eventuell zu fettlastigen Creme erweicht die Wunde zu sehr und zieht eventuell Farbe aus dem Hautbild.

Wer beim Cremen zu nachlässig ist, fördert­ die Bildung von Krusten, die dann aufplatzen und Narben Vorschub leisten können. Sollte sich Grind bilden, sollte man diesen nicht abkratzen, er löst sich nach einer gewissen Zeit von allein. Beim Abkratzen besteht die Gefahr, Farbpartikel aus der Haut und somit vom Tattoo abzureißen und die Täto­wierung zu beschädigen. Auch mit Juckreiz werden die meisten Tattoo-Freunde zu kämpfen haben, wenn die Wunde nicht regelmäßig mit einer Creme geschmeidig gehalten wird. Kratzen ist zu unterlassen, um das Tattoo nicht zu beschädigen. Hydrocortison-haltige Cremes (wie Soventol® Hydrocort 0,5%, FeniHydrocort® Creme 0,5 %) würden den Heilungsprozess hemmen. Alles in allem benötigt die Wunde bis zu sechs Wochen Zeit, bis sie vollständig abgeheilt ist. So lange sollte sie regelmäßig gecremt werden.

In jedem Fall ist es wichtig, ein Höchstmaß an Hygiene walten zu lassen. Dazu gehört, Vollbäder oder zu langes Duschen während der Abheilungsphase zu vermeiden. Auch Baden im Meer, Seen, Frei- oder Hallenbädern ist tabu, da es zu Wundinfektionen kommen könnte. Auf Sport und sonstige schweißtreibende Aktivitäten ist erst einmal zu verzichten. Schweiß behindert die Wundheilung und befördert Farbpigmente nach außen.

Schutz vor Sonne

Genauso ist auch direkte Sonneneinstrahlung über mehrere Wochen zu meiden. Auf der wunden, noch dünnen Haut könnte es leicht zu einem Sonnenbrand kommen. Das Abschälen der Haut wäre für das Aussehen des Tattoos nicht gerade förderlich. Verheilte Tattoos schützt man im Sommer am besten mit einem Lichtschutz. Das bewahrt auch vor dem Verblassen der Farben.

Um Infektionen zu vermeiden, ist es auch möglich, von Beginn an antiseptisch wirkende Substanzen wie Chlorhexidin (wie Bepanthen® antiseptische Wundcreme), Octenidin (wie Octenisept® Gel) oder ein Lokalantibiotikum wie Tyrotricin (Tyrosur® Gel) einzusetzen. Deren Grundlagen sind meist nur wenig fettend beziehungsweise die Gele gänzlich fettfrei. Allerdings reduzieren sie den durch den Heilungsprozess entstehenden Juckreiz und versorgen die Wunde optimal mit Feuchtigkeit. Treten Infektionsanzeichen, aber auch Allergien, Lymphknotenschwellungen oder Knötchen auf, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. /


Vorbereitung auf den Stichtag

Im Grunde beginnt die Tattoo-Fürsorge nicht erst nach dem Stechen, sondern bereits davor.

So sollte man sich genauestens über die Hygienestandards des Studios informieren, in dem man sich tätowieren lassen möchte. Es ist auch in Erfahrung zu bringen, welche Farbstoffe für die Tattoos verwendet werden und ob diese unbedenklich sind.

Wenn Tattoo-Liebhaber blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten sie diese vor dem Stichtag absetzen. Während bei den neuen oralen Antikoagulanzien wie Apixaban, Dabigatran oder Rivaroxaban genauso wie bei Acetylsalicylsäure in der Regel eine ein- bis zweitägige Arzneipause ausreicht, müssten Phenprocoumon und Warfarin aufgrund ihrer längeren Halbwertszeit längerfristig abgesetzt werden. In jedem Fall ist eine Rücksprache mit dem Arzt notwendig.



Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2017

 

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