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POLITIK UND BERUF

Teamarbeit

Motivation nutzen


Von Britta Odenthal / Ist man zu Beginn des neuen Jahres noch voller Elan, ein selbstgestecktes Ziel zu erreichen, lässt dieser Schwung meist Ende Februar wieder nach. Dann treten oft Hürden auf, die unüberwindbar scheinen.

 

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Im alten Jahr haben Sie sich zum Beispiel vorgenommen, endlich den Keller der Apotheke aufzuräumen. Dort stapeln sich alte Werbebanner, Aufsteller, Kalendermuster und Kittel – ein unübersichtliches Durcheinander. Im neuen Jahr beginnen Sie also frischen Mutes,­ jeden Tag 15 Minuten von Ihrer Arbeitszeit abzuknapsen und verschwinden im Keller. In der zweiten Woche stellen Sie fest, dass dort zwei neue Kisten stehen. Wo kommen diese her? In der dritten Woche ist so viel zu tun, dass Sie sich an keinem einzigen Tag die geplanten 15 Minuten für den Keller nehmen können. Ab der vierten Woche hat Sie schon der Mut verlassen, dass Sie dieses selbstgesteckte Projekt jemals umsetzen können. Zu anstrengend, zu viele gefühlte Steine und Hürden,­ die auf dem Weg zum Ziel auftauchen.




Foto: iStock/ALotOfPeople


Jetzt ist Motivation nötig: Bleiben Sie am Ball und lassen Sie sich durch diese Hürden nicht von Ihrem Ziel abbringen. Rufen Sie sich in Erinnerung, warum Sie dieses Projekt gestartet haben. Was war und ist Ihnen wichtig? Sie sollten sich Ihr Ziel verdeutlichen und einen Blick auf Ihre persönlichen Werte und Motivatoren werfen. Warum genau wollen Sie den Keller aufräumen? »Aufgeräumt sieht es doch viel schöner aus. Ich mag es, wenn alles sauber und ordentlich ist!« Hier haben Sie einen Hinweis auf Ihre Motivation.

Verschiedene Motive

Da Sie mit anderen zusammenarbeiten, die teilweise andere Werte haben und Ziele verfolgen, ist es klug, sich vor der Umsetzung eines Projektes Gedanken zu machen, wie Sie Ihre Kollegen mit ins Boot holen können. Jeder handelt nach unterschiedlichen Motivatoren (siehe Kasten). Die Kunst besteht darin, die Werte aller zu berücksichtigen und auf das Erreichen eines gemeinsamen Zieles auszurichten.


Tabelle: Handlungsmotive und ihre Merkmale

Motivation Merkmale 
Herausforderung Besonders, wenn etwas unmöglich erscheint, fühlen Sie ein belebendes Kribbeln. Sie wollen Herausforderungen ­annehmen und erfolgreich meistern. 
Anerkennung Ihnen ist es wichtig, Rückmeldungen Ihres Umfeldes ­bekommen, dass Ihre Arbeit anerkannt und gewürdigt wird. Fehlt dies, sind Sie enttäuscht und unmotiviert. 
Neugierde Sie haben Freude daran etwas Neues zu lernen und zu ­entdecken. 
Respekt Höfliche Umgangsformen in Alltagssituationen und bei ­Konflikten sind Ihnen wichtig, ebenso das Erkennen und ­Einhalten von Grenzen. 
Gemeinschaft Ihnen ist es wichtig, dass Sie mit Menschen zusammen ­Projekte abwickeln und/oder in der Freizeit mit Freunden und Familie zusammen sein können. 
Effizienz Sie sind glücklich, wenn Wege gefunden werden, wie ­Arbeiten mit wenig Zeitaufwand korrekt abgewickelt werden können. 
Toleranz Sie lassen Fünfe auch mal gerade sein. 
Entspannung Sie wollen dem Rummel auch einmal den Rücken kehren und zur Ruhe finden. 
Hilfsbereitschaft Wenn andere Hilfe brauchen, sind Sie da. 
Ordnung Sie mögen es, wenn alles seinen Platz hat und übersichtlich ist. 
Emotionale Ruhe/ Harmonie Sie sind sensibel und bekommen viel von Ihrer Umgebung mit. Streit ist Ihnen zuwider, unterschwelliges Brodeln von Unausgesprochenem macht Sie nervös. Sie sind stress­anfälliger als andere und brauchen Harmonie. 
Zweckorientierung Ihnen ist es wichtig, dass ein Projekt zum Ziel geführt wird. Sie können dabei eigene Bedürfnisse hinten anstellen, wenn es für das Gelingen wichtig ist. 

Beim Beispiel »Keller aufräumen« müssen Sie also unterschiedliche Vorlieben der Kollegen erkennen und berücksichtigen. Sie selbst lieben Ordnung und Sauberkeit. Ihrem Chef – meist überarbeitet und müde – ist es dagegen besonders wichtig, die Harmonie im Team und seine eigene emotionale Ruhe nicht zu gefährden. Er mag keinen Streit und wird Ihnen daher kaum in die Quere kommen, wenn Sie die Kollegen motivieren können. Die Auszubildende mag alles Neue, ist kreativ und gestaltet gerne. Sie verliert aber zwischendurch die Ausdauer, Dinge zu Ende zu bringen.

Der neue Kollege arbeitet sehr effizient und zweckorientiert. Er ist schon mehrmals bei den Kollegen angeeckt, da ihm besonders wichtig ist, dass etwas schnell und funktionell abgewickelt wird. Das Befinden der Kollegen und ihre Bedürfnisse hat er dabei weniger im Blick. Ihm ist es aber wichtig, dass er für seine Leistung Anerkennung bekommt. Die alteingesessene PTA dagegen ist das hilfsbereite Urgestein der Apotheke. Es wird also erwartungsgemäß leicht sein, sie für das Projekt zu gewinnen. Sie liebt Harmonie: Kann sie erkennen, dass ein aufgeräumter Keller einen Vorteil für die Gemeinschaft bietet, ist sie gewiss auf Ihrer Seite.

Gemeinsam zum Ziel

Jetzt geht es darum, möglichst die Belange aller zu vereinen. Je nachdem, wie groß das Team ist, oder wie unterschiedlich die Charaktere, gelingt das nicht immer. Es ist aber wichtig, so viel Übereinstimmung wie möglich anzustreben. Die Personen, die keinen Vorteil für sich selbst erkennen können, sollten zumindest einverstanden sein und das Projekt mit tragen.

Ein guter Moment, Ihr Anliegen vorzutragen, ist das Teammeeting. Sie können es zum Beispiel wie folgt anbringen: »Ich wünsche mir, dass der Keller aufgeräumt und ordentlich ist. Mittlerweile grusele ich mich davor, dort runterzugehen und etwas abzustellen. Es ist ein schöner großer Raum, der derzeit mit uralten Werbeaufstellern und Kram zugestellt ist. Ich hab damit schon angefangen und geschaut, dass ich jeden Tag 15 Minuten abzwacken kann, um dort aufzuräumen.« Ihr Chef: »Das wusste ich gar nicht.« Kopfnicken des restlichen Teams. Sie: »Ja, das stimmt, ich habe es nicht gesagt. Mir kam auch andauernd etwas dazwischen. Auf einmal stand ein neuer Karton mit Kram im Keller, genau dort, wo ich mit Mühe etwas Raum geschaffen hatte.« Die Auszubildende: »Das war ich. Ich weiß ja nicht, wo alles hinkommt und ich war so im Stress, da war ich froh, dass dort noch Platz war. Entschuldigung.«

Die hilfsbereite PTA entgegnet: »Was können wir machen? Was brauchst Du von uns?« Sie: »Könnt Ihr mir den Rücken freihalten, dass ich dort jeden Tag 15 Minuten aufräumen kann?« Der zweckorientierte Kollege sagt: »Ja, aber haben Sie denn einen Plan, wie Sie vorgehen wollen?« Sie: »Nein, ehrlich gesagt nicht, das ist nicht so meine Stärke. Würden Sie mir helfen, einen zu erstellen?«

Begeisterung wecken

Kollege: »Ja, klar.« Seine Augen leuchten, endlich braucht ihn jemand und erkennt seine Fähigkeiten an. Sie: »Oh, das wäre toll. Vielen Dank! Dann würde ich bestimmt schneller vorankommen.« Schneller vorankommen sind Worte, die ein effektiver Mensch gerne hört. Die kreative Auszubildende können Sie anschließend bitten,­ Sie beispielsweise bei der Auswahl der Wandfarbe zu unterstützen. Die Auszubildende: »Aber ja! Und vielleicht brauchen wir auch neue Regale oder Schränke!«

»Woher nehmen wir denn das Geld dafür?«, fragt jemand. Der Chef springt gleich ein: »Das bezahle ich. Unser Ruheraum erfüllt zwar die Anforderungen, aber ein zweiter Raum, wo man sich kurz ausruhen oder ein Nickerchen machen kann, wäre toll.« »20 Minuten Kurzschlaf, sind sehr effektiv!«, weiß der neue Kollege zu berichten. Sie können­ dann das Projekt »genehmigen lassen«: »Okay, spricht jetzt noch etwas dagegen?« Einheitliches Kopfschütteln.

»Dann fange ich mit dem Kollegen gleich an. Wir werden einen Plan erstellen,­ wie wir vorgehen und was wir brauchen. In zwei Wochen legen wir den Plan beim nächsten Team­meeting vor.« So ist es schließlich gelungen, das gesamte Team einzubeziehen und unterschiedliche Fähigkeiten und Motivatoren unter einen Hut zu bekommen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2017

 

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