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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Yoga

Beweglich und gesund


Von Judith Schmitz / Yoga ist eine beliebte Sportart und ­Entspannungsmethode, die unter anderem die Beweglichkeit und Haltung verbessern und Stress mindern kann. Daneben hat die ­indische Lehre aber noch zahlreiche weitere Effekte auf die ­Gesundheit.

 

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Das Wort Yoga bedeutet so viel wie Einheit und Harmonie. Es ist eine über 2000 Jahre alte indische philosophische Lehre, die Anleitungen für körperliche Übungen, Lebensführung und Meditation beinhaltet. Diese sollen den Menschen ganzheitlich beeinflussen, seinen Körper, seinen Geist und seine Seele. Durch Umsetzung dieser Anleitungen soll der Yogi sich selbst in die Lage bringen, ein gesundes, glückliches und ausgeglichenes Leben zu führen. Die Yoga-Lehrerin Tara Fraser erklärt den Unterschied zu anderen Übungsformen damit, dass sich Yoga nicht nur mit Muskulatur und Skelett befasse, sondern auch mit dem Tiefengewebe, mit den inneren Organen, dem endokrinen System und dem Nervensystem. Yoga basiere auf der Theorie eines nicht sichtbaren Energiekörpers, der von der Lebensenergie Prana durchflutet wird.




Foto: Fotolia/Alena Ozerova


»Durch Körperhaltungen und Atemübungen können wir Prana beeinflussen und damit unseren Körper kraftvoll und gesund halten«, schreibt Fraser in ihrem Buch »Yoga für Einsteiger«. Ausschlaggebend sei die Philosophie des Yoga und seine Fähigkeit, »unsere mentalen und emotionalen Zustände zu beeinflussen«. Dies mache Yoga »zu einem Werkzeug für Wandel und Selbstentwicklung«. Dem stimmt auch Anna Trökes zu. Seit vielen Jahren unterrichtet sie Yoga und bildet auch Yogalehrer aus. Für Trökes ist Yoga in erster Linie ein philosophischer und psychologischer Weg, aus dem die Übungspraxis entsteht. »Beim Yoga geht es nicht nur um die Körperübungen, es braucht eine Vernetzung mit der Philosophie«, erklärt sie.

Sport und Philosophie

Zur Beschreibung des Übungssystems bei der populären Richtung Hatha-Yoga spricht Trökes von einer Leiter mit acht Stufen, die es zu erklimmen gilt. »Zu den einzelnen Sprossen gehört die Reflexion, wie mein Verhältnis zur Welt ist, zu mir selbst, zu meinem Körper, meinem Atem, meinem Geist, meinem feinstofflichen Wesen«, zählt sie auf. Diese Selbstreflexion helfe dabei, loszulassen. Dadurch werde es möglich, Stress zu mindern »und eins zu werden mit dem inneren Wesenskern, der mich ausmacht, der durch nichts zu verändern ist, nicht altert und nicht beschädigt werden kann«. Der Schlüssel zu dieser Selbsterfahrung, der eigenen objektiven Wahrnehmung, liege in der Meditation. »Die Funktionsweise des Geistes zu erkennen, ihn zu klären, zu beruhigen und zu stabilisieren, funktioniert nur mit einer achtsamen Yogapraxis, fern von Leistung und Schnelligkeit«, so Trökes. Sie wünscht sich daher, dass es in Zukunft mehr gut ausgebildete Yogalehrer gibt, die neben den körperlichen Übungen auch die Philosophie des Yoga weitergeben können.

Letztendlich müsse jeder für sich herausfinden, welche Yogaart zu ihm passe, so Trökes. Da Yoga viele Aspekte umfasst und es nicht nur den einen Yoga-Weg gibt, ist die Angebotspalette entsprechend groß: vom ruhigen Yin-Yoga, über Jivamukti-Yoga mit lauter Musik, Power-Yoga bis hin zum Bikram-Yoga in 38 Grad Celsius warmen Räumen, um nur einige Arten zu nennen. Beim Hatha-Yoga arbeitet man vor allem mit Körperhaltungen und Atemübungen, es enthält aber auch Elemente der Entspannung und Meditation. Die langsamen, intensiven und daher auch anstrengenden Bewegungen wirken sich auch positiv auf Haltung und Rücken aus. Auch tiefer liegende Muskelgruppen werden angesprochen.

Yoga bei Erkrankungen

Privatdozent Dr. Holger Cramer, Diplom-Psychologe und Forschungsleiter der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte, beschäftigt sich mit der Wirksamkeit von Yoga und Meditation bei körperlichen und psychischen Krankheiten. Dass die Effekte von Yoga in Studien untersucht werden, hält er für wichtig. »Viele Menschen starten mit Yoga, weil sie erwarten, dass es sie gesund hält oder bestimmte Krankheiten heilt. Da ist es wichtig zu überprüfen, ob Yoga dies erfüllen kann oder ob es Menschen mit Krankheitsbildern gibt, die eher kein Yoga machen sollten.« Cramer wünscht sich, dass die Wirkung von Yoga bei positiver Datenlage bei bestimmten Krankheitsbildern anerkannt und als Therapiemaßnahme von den Ärzten empfohlen wird. Für PTA-Forum hat er einige Studienergebnisse der letzten Jahre zusammengefasst.

So gebe es Hinweise, dass Yoga vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann. »Insbesondere die yogischen Atemübungen beeinflussen das parasympathische Nervensystem und senken den Bluthochdruck, ein bedeutender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen«, erläutert Cramer. Die Atemübungen könnten außerdem zur Stressabnahme führen. Und noch ein weiterer Risikofaktor scheint durch Yoga, in diesem Fall vor allem durch Bewegungsübungen, reduziert werden zu können: die bauch­betonte Adi­positas. Auch die Umsetzung der yogischen Philosophie, achtsamer und ­bewusster mit seinem ­Körper umzugehen, etwa durch eine gesündere Ernährung, wirke sich positiv auf den Lebensstil aus und beuge so Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, führt ­Cramer aus.

Kontrollierte Studien hätten auch gezeigt, dass yogische Bewegungsübungen den Blutzucker- und ­Lipidspiegel positiv beeinflussen, ähnlich wie andere Sportarten, so Cramer. Yoga könne sich auch die Insulinresistenz vermindern und Folgeerkrankungen vorbeugen. Generell sei es bei Typ-2-Diabetes wichtig, den Lebensstil zu verändern, da die Erkrankung primär durch einen ungesunden Lebensstil bedingt sei. Yoga könne hier eine Methode darstellen, da es Stressreduktion, körperliche Aktivität und allgemein eine gesunde Lebensführung kombiniere.

Weniger Rückenschmerzen

»Der Einfluss von Yoga auf Rückschmerzen ist gut untersucht«, sagt Cramer. In den USA gebe es hierzu groß angelegte, valide Studien, ebenso einige in Europa. Zwei Drittel der Studienteilnehmer verspürten nach den Übungen eine deutliche Abnahme ihrer Rückenschmerzen. Im Alltag und im Beruf waren sie so weniger eingeschränkt. Die Studienteilnehmer führten klassische Yogahaltungen sowie Atem- und Entspannungsübungen durch, weil auch Stress eine wichtige Rolle bei Rückenschmerzen spielen kann. Von ihrer Wirksamkeit sind die Yogaübungen mit der Rückenschulgymnastik vergleichbar. »Die Meditation während des Yoga beeinflusst zudem die Psyche positiv«, so Cramer. Gezielt zu Nackenschmerzen und Schmerzen im oberen Rücken gebe es noch nicht so viele Studien. Die bisherigen Ergebnisse ließen aber zumindest eine ähnlich positive Wirkung von Yoga vermuten.




Foto: iStock/fizkes


Auch bei Asthma gebe es eine Reihe kleinerer Studien, die auf positive Effekte hindeuten. Ein starker Fokus liegt hier auf den Atemübungen. »Durch diese können die Symptome reduziert, gleichzeitig die Lebensqualität und das Atemvolumen verbessert werden«, so der Experte. Die Patienten könnten ihr Asthma besser kontrollieren und müssten weniger starke Medikamente einsetzen. »Die Yoga-Atemtechniken wirken hier ähnlich wie spezielle Atemtechniken für Asthmapatienten.«

Bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen gebe die Studiendatenlage bislang keine Empfehlung für Yoga zur Therapie her, sagte Cramer. Einige kleine Studien zeigten zwar einen positiven Effekt, andere wiederum nicht. Bei Menschen mit einer leichteren depressiven Verstimmung ließen sich allerdings positive Effekt von Yoga beobachten. »Nach der bisherigen Datenlage scheinen sich vor allem Meditation, Entspannung und Atemtechniken positiv auszuwirken, auch auf begleitende Angst-Symptome und zwar stärker als reine Entspannungsverfahren«, so Cramer. »Die wissenschaftliche Evidenz einer positiven Wirkung des Yoga bei schwerwiegenden psychischen Störungen fehlt jedoch.« Bei Schizophrenie etwa gebe es kaum Hinweise auf eine positive Wirkung des Yoga.

Meditation für das Gehirn

Die Effekte von Yoga auf die Gehirnalterung wurden in Kohortenstudien analysiert. Verglichen wurden die Konzentrations- und Gedächtnisleistungen von Menschen, die seit vielen Jahren meditieren, mit solchen, die nicht meditieren. Das Ergebnis: Die Meditations-Gruppe schnitt in beiden Punkten besser ab. »Die Meditation scheint der Gehirnalterung entgegenwirken zu können«, schließt Cramer. In bestimmten Bereichen des Gehirns, etwa im Hippocampus, werde der altersbedingte Substanzverlust verringert. Einzelne Studien zeigten, dass sogar mit zunehmendem Alter (und längerer Meditationspraxis) Gehirnsubstanz aufgebaut werde.

Auch während einer Brustkrebsbehandlung sowie im Anschluss daran werde Yoga zunehmend unterstützend eingesetzt, um Beschwerden zu lindern. Sowohl während der Chemotherapie oder Bestrahlung als auch nach deren Abschluss könne Yoga helfen, die Symptome der Erkrankung sowie Nebenwirkungen der Therapie zu lindern, insbesondere depressive Verstimmung und Angst, aber auch Fatigue, eine chronische intensive und quälende Erschöpfung, sowie Schlafstörungen, führt Cramer aus. Insgesamt könne so die Lebensqualität der Patienten gesteigert werden. /


Buchtipps

Tara Fraser: Yoga für Einsteiger, Das Übungsprogramm für zu Hause.
144 Seiten, 4. Auflage 2013, Bassermann Verlag, ISBN: 978-3809430032
9,99 Euro

Anna Trökes, Bettina Knothe: Neuro-Yoga: Wie die alte Weisheitspraxis auf unser Gehirn wirkt.
320 Seiten, 2014, Verlag O.W. Barth, ISBN: 978-3426292297
19,99 Euro

Anna Trökes: Anti-Stress-Yoga
240 Seiten, 1. Auflage 2015, Verlag Herder, ISBN 978-3451312687
19,99 Euro 



Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2017

 

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