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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Cannabis auf Rezept

Was ist zu beachten?


PZ / Seit knapp einer Woche dürfen Apotheken Cannabisblüten und Cannabisextrakt zu medizinischen Zwecken auf Betäubungsmittelrezept abgeben. Was Apotheken bezüglich Verordnung, Verarbeitung und Abgabe von Medizinalhanf beachten müssen, fasst der Text zusammen.

 

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Der Arzt kann bestimmte Cannabis­sorten oder nur »Cannabisblüten« unter Angabe des jeweiligen Gehalts an Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) auf dem Rezept verordnen. »Entscheidend ist, dass die Verordnung eindeutig ist. Wenn eine bestimmte Sorte verordnet ist, darf die Apotheke nicht austauschen. Ist diese Sorte zurzeit nicht verfügbar, kann die Verschreibung nicht beliefert werden«, erklärte Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung.




Foto: IStock/ksushachmeister


Blüten zerkleinern

Cannabisblüten sind in unverarbeitetem Zustand schwierig zu dosieren. »Um eine definierte Dosis zu applizieren, muss man reproduzierbar portionieren. Dies ist nur mit ausreichend zerkleinerter Droge präzise genug möglich«, sagte Kiefer. Die Apotheken sollten daher die unzerteilten Blüten unter definierten Bedingungen mahlen und sieben. Das Verfahren ist in den neuen NRF-Vorschriften beschrieben. Abgegeben werden die gemahlenen Blüten dann mit einem Dosierlöffel. Für kleine Einzelgaben und den individuellen Bedarf können die Apotheken die gemahlenen Blüten auch in Papierbriefchen abfüllen.

Im Einzelfall ist es aber auch möglich, dass der Arzt dem Patienten die unzerkleinerten Blüten verordnet. »Er kann beispielsweise einem Patienten, der bisher Cannabisblüten mit einer Ausnahmegenehmigung erhalten und geraucht hat, weiter diese Anwendungsart verordnen und deshalb die Abgabe der unzerkleinerten Droge fordern. Das muss er aber dann in einer schriftlichen Gebrauchsanweisung festlegen, die der Apotheke auch vorliegen muss – sonst ist die Verordnung nicht plausibel«, so Kiefer. Eine schrift­liche Gebrauchsanweisung des Arztes ist ohnehin für jede Cannabis-Verordnung erforderlich.

Die BAK empfiehlt zur Anwendung von Cannabisblüten zwei Formen: Für die Inhalation gibt es elektrische Verdampfer, die die Cannabisblüten unter definierten Bedingungen erhitzen. Der Patient kann den Dampf nach und nach vollständig inhalieren. Möglich ist auch die Zubereitung abgemessener Mengen als Tee. »Das Rauchen von Cannabis zusammen mit Tabak als Joint, die Teezubereitung mit fetthaltigen Flüssigkeiten wie Sahne oder das Einbacken in Kekse sind für medizinische Zwecke völlig ungeeignet, da die Dosis nicht reproduzier­bar wäre«, betont Kiefer in einer Pressemeldung. Noch genauer dosieren­ lassen sich Rezepturen mit Dronabinol, dem teilsynthetisch her­gestellten THC.

Lagerung und Entsorgung

In der Apotheke müssen Cannabisblüten im BtM-Schrank und nicht im Kühlschrank gelagert werden. Auch der Patient soll die Blüten kühl und schattig lagern, braucht sie aber nicht in den Kühlschrank zu stellen. Der Patient kann angewendete Blüten, die noch nennenswerte Mengen Cannabinoide enthalten, im Haus- oder Biomüll­ entsorgen. »Die pro Einzeldosis be­nötigte Menge ist bei der Anwendung im Verdampfer so gering, dass das unbedenklich ist. Bei der Anwendung als Tee ist die Dosierung zwar höher, aber auch dann ist das kein Problem«, sagte Kiefer.

Ärzte dürfen Cannabis und Dronabinol nur auf einem Betäubungsmittel­rezept verordnen. Dieses ist ab Ausstellungsdatum sieben Tage gültig. Zuvor sollte vor der ersten Behandlung eine Genehmigung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse vom Patienten eingeholt werden. Dies kann bis zu fünf Wochen dauern. Falls die Verordnung bis zum Vorliegen der Genehmigung nicht mehr gültig ist, muss der Arzt ein neues Rezept ausstellen. /


Weitere Informationen

  • Das Neue Rezeptur-Formularium (DAC/NRF) hat sechs neue NRF-Rezepturvorschriften erstellt, die allen Abonnenten zur Verfügung stehen. Sie sind zu finden auf www.dac-nrf.de unter der Rubrik: DAC/NRF-Werk.
  • Expertenrat der PZ: www. pharmazeutische-zeitung.de/ expertenrat



Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2017

 

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