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EDITORIAL

Hilfsangebote



Schätzungen zufolge leiden mehr als 4 Millionen Menschen in Deutschland an einer substanzgebundenen Sucht. Der Suchtstoff ist in vielen Fällen Alkohol, es kann aber auch eine illegale Droge oder ein Medikament sein. Die Folgen einer solchen Abhängigkeit sind verheerend: Es drohen schwere gesundheitliche Schäden, ­finanzielle Schwierigkeiten, Einsamkeit und sozialer Abstieg.

Die gute Nachricht: Hilfe ist möglich. Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten und Therapieangebote sowie Medikamente, die einen Entzug unterstützen und erleichtern können (lesen Sie dazu den Titelbeitrag Sucht: Vom Konsum in die Abhängigkeit). Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass solche Hilfsangebote bei vielen Süchtigen nicht ankommen. Es fehlt ihnen meist an der Einsicht, wirklich krank zu sein. So spüren viele zwar, dass etwas an ihrem Verhalten nicht stimmt, dass sich ihr Leben mehr und mehr um den Suchstoff dreht und sie sich und ihren Angehörigen damit schaden. Doch vor dem ersten Schritt eines langen Weges aus der Sucht stehen zwei Erkenntnisse: Das Eingeständnis, die Kontrolle über den Konsum verloren zu haben, und der aufrichtige Wunsch nach Veränderung.

Aufgrund ihres Arbeitsumfeldes wird wahrscheinlich jede PTA ­früher oder später mit Medikamentenmissbrauch, etwa von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, konfrontiert werden. In einem solchen Fall sind vor allem Empathie und Fingerspitzengefühl gefragt. Die 65-jährige Stammkundin kommt vielleicht keine Nacht mehr ohne Schlafmittel aus, sie wird sich aber nicht als krank oder gar abhängig empfinden. Dennoch sollte die PTA hier versuchen, vorsichtig Hilfe anzubieten. Sie könnte die Kundin etwa neutral auf das Problem hinweisen und unverbindlich Informationen zur Entwöhnung anbieten. Hilfestellungen für eine solche Ansprache finden PTA und Apotheker zum Beispiel in dem Leitfaden »Medikamente: Abhängigkeit und Missbrauch« der Bundesapothekerkammer sowie bei der ABDA. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hatte vor einigen Jahren in einem Modellprojekt gezeigt, wie Benzodiazepin-abhängige Patienten mit Unterstützung von Apotheke und Hausarzt einen ambulanten Entzug schaffen können.

Verena Arzbach
Apothekerin und Redakteurin



Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2017

 

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