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POLITIK UND BERUF

Diabetesgesellschaft

Patientennutzen mehr in den Fokus


Von Jennifer Evans, Berlin / Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sieht die Therapievielfalt für Diabetespatienten in Gefahr. Sie macht einen Verfahrensfehler bei der Nutzenbewertung neuer Medikamente dafür verantwortlich. Auf ihrer Jahrestagung im März in Berlin forderte sie daher eine Nachbesserung des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG).

 

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»Das AMNOG braucht eine Lernkon­trolle«, forderte DDG-Vizepräsident Professor Dirk Müller-Wieland. Im Ausland gebe es mittlerweile ein größeres Therapiespektrum für Diabetiker als in Deutschland. Derzeit sind laut DDG hierzulande mehr als sechs Millionen Menschen von der Krankheit betroffen. Und jedes Jahr kommen etwa 270 000 Neuerkrankungen hinzu.




Das Nutzenbewertungs- verfahren hat Schwachstellen, meint die DDG. Sie hält daher eine Lernkontrolle des AMNOG für sinnvoll, um das System zu verbessern.

Foto: Your Photo Today


Müller-Wieland führt die mangelnde Therapievielfalt auf »einen Verfahrensfehler« der Nutzenbewertung im AMNOG zurück. Grundsätzlich bemängelt er die Nichteinbeziehung wissenschaftlicher Fachgesellschaften bei der Definierung des medizinischen Standards nach Sozialgesetzbuch V. Dazu gehörten beispielsweise die Übereinkunft über die sogenannte zweckmäßige Vergleichstherapie, die Festlegung klinischer Endpunkte sowie die derzeit geheimen Preisverhandlungen zwischen Pharma­unternehmen und der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Das AMNOG beendete im Jahr 2011 die freie Preisgestaltung der pharmazeutischen Industrie bei neuen Medikamenten. Seitdem müssen Hersteller und Kassen ein Jahr nach Markteinführung den Erstattungspreis für ein Medikament aushandeln. Ausschlaggebend dafür ist das Ergebnis der Nutzenbewertung durch das Institut für Qua­lität und Wirtschaftlichkeit im Gesund­heitswesen (IQWiG).

Auf der Basis dieses Ergebnisses entscheidet der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) über den Zusatznutzen eines Medikaments gegenüber der bisherigen Standardtherapie. Wird einem neuen Arzneimittel kein Zusatznutzen bescheinigt, gilt der Preis der entsprechenden Vergleichstherapie. »Der liegt bei Diabetes mellitus oft im Cent-Bereich. Das führt häufig dazu, dass ein Medikament vom Markt verschwindet«, sagte Müller-Wieland.

Das ist dem DDG-Vize zufolge bei der Fixkombination bei Gliptinen geschehen. Demnach sei die Gabe der Wirkstoffkombination bei der Nutzenbewertung schlechter ausgefallen als die Gabe der Einzelsubstanzen. Folglich ist die Einnahme der einzelnen Substanzen anerkannt, das Kombinationspräparat aber nicht. Es sei ein Missverständnis, dass ein nicht vorhandener Zusatznutzen bedeute, ein Medikament sei schlecht oder wirke nicht, betonte er. »Das ist medizinisch nicht plausibel. Gerade bei multimorbiden Patienten ist es wichtig, dass diesen so wenige Tabletten wie möglich gegeben werden«, erläuterte der DDG-Vize­präsident. Dies führe nachweislich zu besserer Einnahmetreue und damit zu besseren Ergebnissen hinsichtlich klinischer Parameter.

Laut DDG können in Deutschland 1,5 Millionen Patienten von der Gliptin-Fixkombination profitieren. Nehmen diese nun statt einer Tablette dauerhaft zwei Tabletten ein, steigt automatisch die Gefahr von Fehleinnahmen und deren möglichen Folgen. Das führe dann zu mehr Kosten und sei damit weder im Sinne des Wirtschaftlichkeitsgedanken des AMNOG noch im Sinne der Patienten, so Müller-Wieland.

Deshalb fordert die DDG am Ende des Nutzenbewertungsverfahrens eine medizinische Plausibilitätskontrolle. Denn für einen bestimmten Anteil der Patienten könnten neue Medikamente durchaus einen Zusatznutzen haben. Zudem sollte bei chronischen Krankheiten auch die Patientenstimme zählen. Bislang sitzen diese der Gesellschaft zufolge zwar im G-BA, haben aber kein Stimmrecht. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 07/2017

 

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