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Schwangerschaft

Ein Kind entsteht


Von Clara Wildenrath / Ein kleines Wunder: Aus einer winzigen Samen- und einer Eizelle wächst neues Leben – und neun Monate später erblickt ein Baby das Licht der Welt. PTA und Apotheker können der werdenden Mutter dabei helfen, gesund durch diese aufregende Zeit zu kommen.

 

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Rein rechnerisch beginnt die Schwangerschaft schon mit dem ersten Tag der letzten Monats­blutung. Zur Empfängnis kommt es tatsächlich aber erst etwa zwei Wochen später: dann nämlich, wenn die Ovulation stattfand und eins der Millionen männlichen Spermien auf eine reife Eizelle trifft. Eine knappe Woche darauf nistet sich die befruchtete Eizelle – sie ist jetzt etwa so groß wie ein Stecknadelkopf – in der Gebärmutterschleimhaut ein. Aus ihrer äußeren Zellschicht entsteht der Mutter­kuchen, auch Plazenta genannt, die den wachsenden Embryo über das mütterliche Blut mit allem versorgt, was er für seine Entwicklung benötigt.




Foto: Photocase/greycoast


Die Plazenta produziert auch das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin). Das wiederum regt die Eierstöcke an, das Gelbkörperhormon Progesteron zu bilden, welches für den Erhalt der Schwangerschaft sorgt. Im Blut kann der Arzt hCG bereits sechs Tage nach der Befruchtung messen. Etwa zwei Tage nach Ausbleiben der Periode lässt es sich durch einen Schwangerschaftstest auch im Urin relativ sicher nachweisen. Frühere häusliche Tests sind mitunter weniger zuverlässig.

Schon in den ersten Wochen nach der Befruchtung beginnt das Herz des Embryos zu schlagen, gut zu sehen bei der ärztlichen Ultraschalluntersuchung. Auch die meisten anderen Organe sind bereits angelegt. Anfangs sind auch Arme und Beine gut sichtbar. Aus dem sogenannten Neuralrohr entstehen Gehirn und Rückenmark.

Im dritten Schwangerschaftsmonat entwickelt sich vor allem das kindliche Gehirn rasant. Die Geschlechtsorgane beginnen mit der Hormonproduktion; die Nieren scheiden bereits Urin aus. Nach der Ausbildung der inneren Organe, ab der neunten Woche, spricht der Mediziner nicht mehr vom Embryo, sondern vom Fetus.

Fit und leistungsfähig

Mit dem zweiten Schwangerschafts­drittel beginnt die stabile Phase: Das Risiko einer Fehlgeburt nimmt deutlich ab, anfängliche Anpassungsschwierigkeiten des mütterlichen Organismus sind überwunden, die werdende Mutter fühlt sich jetzt oft erstaunlich fit und leistungsfähig. Im vierten Monat festigen sich die Knochen des Fetus, seine Bewegungen werden zielgerichteter – obwohl die Schwangere davon meist noch nichts spürt. Auch die Genitalien werden erkennbar.

Das Ungeborene wächst rasch, die Organe gewinnen an Funktionsfähigkeit. Gegen Ende des sechsten Monats reagiert es auf akustische und optische Reize von außen. Bis zum zehnten Schwangerschaftsmonat reift der Fetus weiter heran und bereitet sich auf die Geburt und das eigenständige Leben­ außerhalb des Mutterleibs vor.

Wichtige Untersuchungen

Regelmäßige ärztliche Untersuchungen helfen, die Gesundheit von Mutter und Kind während dieser neun Monate zu überwachen und bei möglicherweise auftretenden Problemen schnell eingreifen zu können. Dokumentiert werden diese im Mutterpass, den jede Frau nach Feststellung der Schwangerschaft erhält. In den Mutterschaftsrichtlinien ist genau geregelt, welche Vorsorge­untersuchungen Schwangeren in welcher Phase zustehen.

Dazu gehören zum Beispiel ein Test auf HIV, Chlamydien und Diabetes, eine Grippeschutzimpfung und drei Ultraschall-Screenings. Anfangs monatlich, gegen Ende der Schwangerschaft zweiwöchentlich werden außerdem das Gewicht der Frau kontrolliert, ihr Blutdruck gemessen, der Urin auf Eiweiß und Zucker untersucht, der Stand der Gebärmutter überprüft, die Lage des Kindes festgestellt und die kindlichen Herztöne abgehört.

Das Risiko von Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen ist dank des medizinischen Fortschritts heute so gering wie nie zuvor. Dennoch steigt der Anteil der sogenannten Risikoschwangerschaften stetig: Bei rund drei Viertel aller Schwangeren stellen Ärzte heute medizinische Umstände fest, die eine besondere Überwachung erfordern. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Frau bei der ersten Schwangerschaft über 35 Jahre alt ist, Bluthochdruck oder starkes Übergewicht hat oder mithilfe einer Kinderwunschbehandlung schwanger wurde. Bei einer Risikoschwangerschaft kann der Arzt nach Bedarf häufigere oder zusätzliche Untersuchungen anordnen, etwa eine Dopplersonografie, eine Fruchtwasserpunktion (Amniozentese) oder eine Chorionzottenbiopsie (Gewebeprobenentnahme aus der Plazenta). Sie dienen dazu, kindliche Fehlentwicklungen und Risiken wie eine drohende Frühgeburt frühzeitig festzustellen. In den allermeisten Fällen verläuft aber auch eine Risikoschwangerschaft komplikationslos.

Aller Anfang ist schwer

Fast jede Frau bekommt irgendwann typische Schwangerschaftsbeschwerden zu spüren, die die hormonelle Umstellung und der wachsende Babybauch mit sich bringen. Bei vielen können PTA und Apotheker mit Tipps und geeigneten Präparaten hilfreich zur Seite stehen.




Foto: iStock/violet-blue


Mehr als der Hälfte der werdenden Mütter stößt die Schwangerschaft in den ersten Monaten übel auf. Der erhöhte hCG-Spiegel ist vermutlich der Grund für diese typische Morgenübelkeit. Die Übelkeit, meist verbunden mit Erbrechen, ist ein Indiz für eine sich normal entwickelnde Schwangerschaft. Nach rund 14 Wochen sind diese Unannehmlichkeiten meist vorbei; ab diesem Zeitpunkt sinkt der hCG-Spiegel allmählich. Manche Frauen bemerken auch andere Zeichen der Veränderung schon sehr früh, etwa ein Spannungsgefühl in den Brüsten, Müdigkeit oder Ekel vor bestimmten Nahrungs- und Genussmitteln.

Bei der typischen Morgenübelkeit hilft es, im Bett noch vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit zu essen. Über den Tag verteilt sollte die Schwangere mehrere kleine Mahlzeiten zu sich nehmen. Auch Ingwerwasser, -tee oder -bonbons können die Übelkeit vertreiben. Welche Arzneistoffe sich bei Schwangerschaftsübelkeit eignen, lesen Sie hier: Antiemetika: Gegen den Brechreiz.

Lässt das Erbrechen nicht nach oder kommt es gar zum Gewichtsverlust, ist eine ärztliche Abklärung anzuraten. In besonders intensiven Fällen, bei einer Hyperemesis gravidarum, droht sonst ein Flüssigkeits- und Nährstoffmangel, der die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden kann.

Gerade am Anfang der Schwangerschaft klagen viele Frauen auch über bleierne Müdigkeit und Schlappheit. Schuld sind meist ein niedriger Blutdruck und der Anstieg des Gelbkörperhormons. In der Regel tut es der werdenden Mutter gut, diesem Gefühl einfach nachzugeben und sich öfter einmal hinzulegen und auszuruhen. Ansonsten sorgen frische Luft und Bewegung dafür, dass der Kreislauf wieder in Schwung kommt. Wichtig ist auch, viel zu trinken. Morgendliche Wechselduschen regen die Blutzirkulation an.




Mit der Einnistung der befruchteten Eizelle beginnt die Schwangerschaft. In der achtwöchigen Embryonalphase werden die Organanlagen gebildet. Daran schließt sich die Fetalperiode an, in der sich die Organe entwickeln und die Gewebe differenzieren.


Körperliche Aktivität und ausreichende Flüssigkeitszufuhr helfen auch bei Verstopfung, die als Folge der körperlichen und hormonellen Veränderungen viele Schwangere plagt. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten trägt zu einer besseren Verdauung bei. Beliebte Hausmittel bei Verstopfung sind eingeweichtes Dörrobst und Pflaumensaft. Auch Weizenkleie, Leinsamen und indische Flohsamenschalen (Plantago ovata) – mit viel Flüssigkeit eingenommen – regen die Darmtätigkeit an. Auch osmotische Laxanzien wie Lactulose und Lactose und Macrogol-Präparate und Mini-Klistiere dürfen angewandt werden.

Vorwiegend in der zweiten Schwangerschaftshälfte leiden viele werdende Mütter an Sodbrennen. Grund ist meist der wachsende Druck des sich entwickelnden Kindes auf die inneren Organe. Zudem erschlafft durch den Einfluss des erhöhten Progesteronspiegels der Schließmuskel des Magens. Dann schwappt ab und zu Mageninhalt in die Speiseröhre zurück.

Oft hilft es, Mahlzeiten auf kleine Portionen aufzuteilen und fettreiche, schwer verdauliche Lebensmittel sowie kohlensäurehaltige Getränke zu vermeiden. Nach dem Essen können ein Glas Milch oder ein Zwieback die überschüssige Magensäure neutralisieren. Ein paar gründlich gekaute Haselnüsse oder Mandeln wirken ebenfalls oft lindernd. In der Nacht hilft ein Keil unter dem Kopfteil über das saure Aufstoßen hinweg. Kurzfristig können auch Antazida oder das H2-Antihistaminikum Ranitidin eingenommen werden (mehr zur Therapie: OTC-Arzneimittel: Selbstbewusst beraten).

Ödeme meist harmlos

Vermehrte Wassereinlagerungen, also Ödeme in den Beinen oder Händen, kommen im letzten Schwangerschaftsdrittel ebenfalls häufig vor. In den meisten Fällen sind sie kein Grund zur Sorge. Auch hier wirkt körperliche Aktivität, zum Beispiel Schwimmen oder Spazieren­gehen, vorbeugend. Häufiges Hochlegen der Beine und das Tragen von Stützstrümpfen erleichtern den Abtransport des Gewebewassers. Entwässernde Tees oder gar Medikamente können dem Kind dagegen schaden – genauso wie eine eingeschränkte Flüssigkeitszufuhr oder eine salzarme Ernährung.

In seltenen Fällen können Ödeme jedoch auf eine ernsthafte Schwangerschaftserkrankung hindeuten. Das gilt besonders dann, wenn sie sich innerhalb kurzer Zeit bilden oder in Verbindung mit einem Blutdruckanstieg und einer vermehrten Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie) auftreten. Von einer Schwangerschaftshypertonie sprechen Mediziner, wenn der Blutdruck aus einem normalem Bereich auf Werte über 140/90 mmHg klettert. Das allein ist in der Regel noch nicht gefährlich, muss aber beobachtet werden.

Kommt allerdings eine Proteinausscheidung von mehr als 300 mg Protein innerhalb von 24 Stunden dazu, handelt es sich um eine schwere Schwangerschaftskomplikation: die sogenannte Präeklampsie, früher als Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet. Zu den typischen Symptomen zählen Schwindel und Kopfschmerzen, Benommenheit, Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Die Erkrankung zieht verschiedene Organe in Mitleidenschaft, vor allem das Herz-Kreislauf-System, die Nieren, die Leber und die Blutbildung. Weil sie auch die Funktionsfähigkeit der Plazenta einschränkt, kann es zu einer Mangelversorgung und Wachstumsverzögerung des Fetus kommen. Häufig löst sich zudem der Mutterkuchen vorzeitig von der Gebärmutter ab. In schweren Fällen treten neurologische Störungen und Krampfanfälle auf (Eklampsie). Potenziell lebensbedrohlich für das ungeborene Kind ist das sogenannte HELLP-Syndrom – benannt nach den Anfangsbuchstaben der Symptome Hämolyse (Blutzerfall), erhöhte Leberwerte und »low platelets« (englisch für niedrige Thrombozytenzahl).

Erhöhter Blutzucker

Eine der häufigsten Begleiterkrankungen in der Schwangerschaft, die zu ernsthaften Komplikationen bei Mutter und Kind führen können, ist der Ges­tationsdiabetes. An die 5 Prozent aller Schwangeren sind betroffen. Die werdende Mutter fühlt sich in der Regel wohl, hat keine Beschwerden. Meist besteht lediglich eine postprandiale Hyperglykämie; sonst übliche klinische Symptome wie Durst, Polyurie und Gewichtsverlust kommen nicht vor. Trotzdem ist das Kind in Gefahr. Neben einer erhöhten Frühgeburt- und Abortrate bringen Diabetikerinnen vermehrt (2 bis 3 Prozent) missgebildete Babys zur Welt. Frauen, die über 30 Jahre alt und adipös sind sowie bereits Fehl- oder Totgeburten hatten, sind häufiger betroffen. Überdies erhöht ein Gestationsdiabetes das Risiko der werdenden Mutter, nach der Geburt dauerhaft an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Nach der Entbindung verschwindet die Zuckerkrankheit meist zunächst.




Foto: iStock/NelliSyr


Diese Probleme lassen sich zumeist verhindern, wenn ein Arzt rechtzeitig die Stoffwechselstörung diagnostiziert. Das geht mit einem Zuckerbelastungstest. So empfehlen die Mutterschaftsrichtlinien allen Frauen, unabhängig von ihrem individuellen Risiko, sich zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche auf einen Schwangerschaftsdiabetes testen zu lassen. Bei dem sogenannten Screeningtest trinkt die Schwangere nüchtern 200 ml Wasser mit 50 g Glucose. Nach einer Stunde wird ihr Blutzuckerspiegel bestimmt. Ist das Testergebnis auffällig, folgt ein oraler Glucosetoleranztest (oGTT), ein Zuckerbelastungstest. Dabei bestimmt der Arzt mit einer Blutprobe den Nüchternblutzucker, anschließend trinkt die Schwangere ein Glas Wasser mit 75 g Glucose. Nach jeweils einer und nach zwei Stunden bestimmt der Arzt den Blutzuckerspiegel erneut.

Hoher Bedarf

Gesunde Ernährung ist während der Schwangerschaft noch viel wichtiger als sonst: Sie kann nicht nur der Entstehung eines Gestationsdiabetes vorbeugen, sondern schafft auch für das Baby die besten Voraussetzungen für einen gelungenen Start ins Leben. Entgegen der landläufigen Meinung muss eine werdende Mutter keineswegs für zwei essen – zumindest nicht mengenmäßig. Denn der Energiebedarf schwangerer Frauen steigt erst ab dem vierten Monat um etwa 10 Prozent an. Wer zu viel isst, riskiert eine zu schnelle Gewichtszunahme.

Gesund essen

Wichtig ist vielmehr eine hohe Vitalstoffdichte der Nahrung. Frisches Obst und Gemüse sollten täglich auf dem Speiseplan stehen, am besten mindestens fünf Portionen. Auch Vollkornprodukte, fettarme Milch und Milchprodukte sowie kaltgepresste Öle tun Mutter und Kind gut. Zucker und tierische Fette sollten Schwangere nur in geringer Menge genießen. Vorsicht geboten ist bei Rohmilchprodukten, nicht durchgegartem Fleisch und rohen Eiern: Sie enthalten oft Listerien, Salmonellen oder andere Keime, die unter Umständen dem Fetus gefährlich werden können.

Einige Vitamine und Mineralstoffe braucht das Baby für seine körperliche und geistige Entwicklung dringend. Von zentraler Bedeutung ist Folsäure: Nimmt die Mutter zu geringe Mengen dieses B-Vitamins zu sich, steigt beim Ungeborenen das Risiko für Neuralrohrdefekte, also Fehlbildungen des fetalen Nervensystems wie ein offener Rücken (Spina bifida). Auch Lippen-Kiefern-Gaumen-Spalten kommen bei nicht ausreichender Folsäurezufuhr häufiger vor.

Einen relativ hohen Gehalt an Folsäure haben zum Beispiel Weizenkeime, Sojabohnen, grüne Blattgemüse und Vollkorngetreide. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt werdenden Müttern eine tägliche Zufuhr von 550 µg. Auf diesen Wert kommt aber – das zeigen Studien – in Deutschland allein durch die Nahrung fast keine Schwangere. Weil Folsäure für die Zellteilung und das Wachstum des Embryos schon vom Tag der Befruchtung an wichtig ist, empfehlen medizinische Leitlinien allen Frauen, möglichst schon vor einer geplanten Schwangerschaft täglich 400 µg Folsäure in Tablettenform einzunehmen.

Auch der erhöhte Bedarf an Iod lässt sich kaum durch die Nahrung decken. Bei einem Iodmangel können Mutter und Kind nicht genügend Schilddrüsenhormone produzieren, die viele Stoffwechselvorgänge steuern. Dadurch steigt das Risiko für Fehl- und Totgeburten. Zudem können Wachstum, Knochenreifung und geistige Entwicklung des Kindes beeinträchtigt werden.




Ein gesunder Lebensstil während der Schwangerschaft senkt das Risiko für Erkrankungen bei Mutter und Baby.

Foto: iStock/piranka


Ein Mangel an Vitamin D, Eisen, Magnesium oder Selen kann ebenfalls das Risiko für Komplikationen wie vorzeitige Wehen, Bluthochdruck und Präeklampsie erhöhen. Deshalb verschreiben oder empfehlen viele Ärzte ihren Patientinnen entsprechende Präparate.

Jedes Gramm Alkohol, das die Schwangere trinkt, gelangt über die Plazenta unmittelbar in den kindlichen Blutkreislauf. Schon nach wenigen Minuten haben Mutter und Kind den gleichen Alkoholpegel. Anders als beim Erwachsenen bleibt er beim Embryo lange erhalten, denn der unreife Organismus kann Alkohol nur schwer wieder abbauen. Als Zellgift beeinträchtigt Alkohol die Entwicklung der Organe, besonders des Gehirns. Die Auswirkungen können gravierend sein: Besonders bei regelmäßigem Alkoholkonsum drohen Entwicklungsverzögerungen, körperliche Fehlbildungen und verminderte Intelligenz (fetales Alkoholsyndrom). Experten schätzen, dass in Deutschland jedes Jahr bis zu 10 000 Kinder mit alkoholbedingten Behinderungen zur Welt kommen.

Alkohol ist tabu

Bis heute wissen Mediziner nicht genau, ab welcher Menge Alkohol das Baby im Mutterleib Schaden nimmt. Unter Umständen kann schon ein gelegentlich genossenes Glas Wein kritisch sein. Am sichersten ist es daher, während der Schwangerschaft komplett auf Alkohol zu verzichten.

Das Gleiche gilt für Zigaretten. Da Nicotin die Durchblutung der Plazenta verringert, wird das Ungeborene schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Zudem gelangen viele im Tabakrauch enthaltenen Giftstoffe, etwa Teer und Kohlenmonoxid, direkt in die kindliche Blutbahn. Babys von Raucherinnen sind daher meist kleiner und anfälliger für viele Krankheiten. Auch die Gefahr einer Fehl- oder Frühgeburt ist höher. Frauen, die bereits vor oder frühzeitig zu Beginn der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufhören, können dadurch viele Gesundheitsrisiken für ihr Kind verringern.

Coffein wandert über den Mutterkuchen ebenfalls direkt in den Blutkreislauf des Babys. Starker Kaffeekonsum erhöht das Frühgeburtsrisiko; und auch das Geburtsgewicht des Kindes sinkt. Kaffee sollte daher nur in Maßen getrunken werden. Achtung: Schwarzer Tee und Cola-Getränke enthalten ebenfalls Coffein. Energydrinks sollten Schwangere wegen ihres teilweise sehr hohen Coffeingehalts besser ganz meiden. /


Schwangerschaft

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Beitrag erschienen in Ausgabe 08/2017

 

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