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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Pilzinfektionen

Wie Fuß-Profis helfen


Von Claudia Timmermann / Rebecca Deubner liebt ihren Beruf. Mit Fachverstand, Professionalität und Einfühlungsvermögen behandelt die Podologin täglich kranke Füße. Dabei geht es häufig auch um die Therapie von Nagel- und Fußpilz.

 

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Kurz vor acht Uhr am Morgen öffnet Rebecca Deubner die Tür zu ihrer Praxis­. Ein Hauch von Desinfektionsmittel, vermischt mit dem Duft von frisch gebrüh­tem Kaffee, liegt wie jeden Morgen in der Luft. Nach einem kurzen Gespräch mit ihrem Kollegen geht sie die Anmeldungen für diesen Vormittag durch. Zwölf Behandlungen stehen auf dem Plan. Patientenkarteien, Anamnesebögen, Informationsmaterial – alles ist schon vorbereitet. »Ohne straffe Organi­sation geht es bei dem eng getak­teten Zeitplan nicht«, sagt sie. Deubner wechselt schnell noch ihre private­ gegen die Arbeitskleidung. Für mehr bleibt keine Zeit. Denn schon in wenigen Minuten kommt ihre erste Patien­tin, Frau Meyer.




Foto: iStock/SensorSpot


Deubner kennt die Dame, weiß um ihre gesundheitlichen Probleme. Seit 20 Jahren hat ihre Kundin Typ-2-Dia­betes und schon seit geraumer Zeit das Gefühl, die Pflege ihrer Füße nicht mehr alleine in den Griff zu bekommen. Die Podologin untersucht die Füße ihrer Patientin auf Veränderungen und rät ihr zu einer podologischen Komplex­behandlung. Dabei analysiert sie den Zustand der Füße, kontrolliert die Haut, entfernt Hornhaut, Schwielen und Druckstellen. Auch der professionelle Nagelschnitt gehört dazu. Unerläss­lich bei Diabetikern: Fußpulse und neurologische Sensibilität zu prüfen. Stellt der Podologe hierbei Nervenschäden fest, oft gemeinsam mit einer gestörten Durchblutung, handelt es sich um ein diabetisches Fußsyndrom. Bei dieser sowie bei anderen medizinischen Indikationen, zum Beispiel Fuß-Fehlstellungen, zahlen die gesetzlichen Krankenkassen einen Großteil der podologischen Behand­lung. In der Regel müssen die Patienten lediglich einen Eigenanteil von 10 Prozent der Heilmittelkosten selbst tragen.

Diagnose eindeutig

Bei der Untersuchung fallen der Fuß-­Expertin verfärbte und verdickte Großzehen auf. »Für mich ein klares Indiz für Nagelpilz«, ist sich die medizinische Fußpflegerin sicher. Aufgrund ihrer zweijährigen Ausbildung zur staatlich geprüften Podologin und langen Berufserfahrung erkennt Deubner einen Pilzbefall am Fuß sofort. Als Heilpraktikerin für Podologie darf sie sogar selbst Diagnosen stellen. »Trotzdem schicke ich die Patienten zum Arzt, auch, damit er einen Abstrich von der veränderten Nagel­substanz machen kann«, erläutert sie ihr Vorgehen.




Je nach Befund schicken Podologen manche Patienten zur Weiterbehandlung zum Arzt.

Foto: iStock/AlexRaths


Rund zehn Millionen Deutsche leiden unter Nagelpilz, bei den Über-50-Jäh­rigen sind es bis zu 60 Prozent. Ausgelöst durch Dermatophyten, also Pilze, findet die Übertragung durch deren Sporen statt. Immunschwäche und Durchblutungsstörungen begünstigen Nagelpilz, weshalb Diabetiker besonders häufig betroffen sind.

Sollte sich bei Frau Meyer der Verdacht auf Nagelpilz bestätigen, wird ihr der Arzt möglicherweise ein orales Anti­mykotikum, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Itraconazol oder Terbinafin verschreiben. Im fortgeschrittenen Stadium einer Onychomykose erzielt man nach Deubners Erfahrung mit solch einer­ systemischen Therapie den größten Erfolg. Unterstützend zu dieser Behand­lung bearbeitet die Podologin die Zehennägel nach Bedarf mit einem Fräser. Sie schleift und feilt die verdickten, spröden und zerklüfteten Stellen ab, schneidet die Nägel so kurz wie nötig, damit es in den Schuhen nicht drückt. »Das ist aber keine Nagelpilz-Behandlung, sondern diese Maß­nahmen ergänzen die medikamentöse Therapie«, erklärt Deubner.


Lokale Therapie bei Nagelpilz

Wirkstoffe Präparate Wirkungsweise Anwendung 
Amorolfin Loceryl Nagellack fungistatische, fungizide Wirkung einmal wöchentlich; Behandlungsdauer bei Fingernägeln circa sechs, bei Fußnägeln neun bis zwölf Monate 
Ciclopirox Nagel Batrafen, Ciclopirox Winthrop Nagellack fungizid, antibakteriell, antiphlogistisch 1. Monat: alle zwei Tage 2. Monat: zweimal pro Woche 3. Monat: einmal pro Woche; Behandlungsdauer max. sechs Monate 
Ciclopirox Ciclopoli auch sporozid tgl. abends bis zur Abheilung; Anfeilen entfällt 
Bifonazol + Harnstoff Canesten Extra Nagelset fungistatisch, fungizid; oncholytisch Salbe und Pflasterverband täglich für sieben bis 14 Tage; anschließende antimykotische Behandlung für vier Wochen 

Systemische Therapie bei Nagelpilz

Wirkstoffe Präparate Wirkungsweise Anwendung 
Terbinafin Lamisil, Amiada, Dermatin Breitband-Antimykotikum mit fungizider Wirkung Therapiedauer ein bis sechs Monate 
Fluconazol Flucoderm, Diflucan Azole: Breitband-Antimykotika vorwiegend fungistatischer Wirkung Einnahme mindestens sechs Wochen 
Itraconazol Sempera dito dosisabhängig eine bis vier Wochen 
Griseofulvin Likuderm M fungizid Dosis abhängig vom Körpergewicht 

Die Sorge ihrer Patientin, sich selbst oder andere über die verwendeten Geräte anzustecken, kann Rebecca Deubner entkräften: »Wir sterilisieren alle Instrumente im Autoklav, nachdem wir sie verwendet haben. Und auch Arbeits­flächen werden unmittelbar nach der Behandlung desinfiziert.« Die Anforderungen an Hygiene sind hoch in der podologischen Praxis. Grundlage hierfür bildet das Medizinprodukte-­Gesetz mit dem Rahmen-Hygieneplan. Die fertig sterilisierten Gerätschaften werden in Folie eingeschweißt und mit einer Chargennummer versehen. Bei der nächsten Benutzung wird diese Nummer in der Patientenkartei vermerkt. »So können wir einwandfrei und lückenlos nachvollziehen, wer mit welchem Instrument behandelt wurde.«


Lokale Therapie bei Fußpilz

Wirkstoffe Präparate Wirkungsweise Anwendung 
Terbinafin Lamisil Creme, Spray, Once Breitband-Antimyko­tikum mit fungizider Wirkung einmalig (Lamisil once), oder täglich eine bis vier Wochen (Creme, Spray) 
Clotrimazol Canesten Creme Azole: Breitband- Antimykotika vorwiegend fungistatischer Wirkung ein- bis dreimal täglich bis drei Wochen 
Ketoconazol Nizoral Creme dito ein- bis zweimal täglich bis sechs Wochen 
Bifonazol Canesten Extra dito einmal täglich bis zwei Wochen 
Ciclopirox Batrafen Creme fungizide Wirkung ein- bis zweimal täglich 

Systemische Therapie bei Fußpilz

Wirkstoffe Präparate Wirkungsweise Anwendung 
Terbinafin Amiada siehe oben einmal täglich für vier bis sechs Wochen 
Itraconazol Sempera siehe Azole 100 mg täglich für vier Wochen 
Griseofulvin Diflucan Derm fungizide Wirkung einmal täglich 50 mg, Dauer befundabhängig 

Die Nagelpilz-Behandlung dauert Wochen, manchmal Monate, in Extrem­fällen sogar Jahre. Je eher man damit beginnt, desto größer sind die Chancen auf zügige Abheilung. Ohne die Podologin wären Frau Meyer die Veränderungen an den Zehennägeln gar nicht aufgefallen. »Mir ist es wichtig, Erkrankungen der Füße, der Haut und Nägel möglichst früh zu erkennen, um den Patienten unnötige Beschwerden zu ersparen«, erklärt Deubner, bevor sie sich ihrem nächsten Patien­ten zuwendet, der im Behandlungszimmer nebenan bereits auf sie wartet. /


Beratungsplus bei Fußpilz

Fußpilz ist hoch ansteckend. Tipps, wie man sich und andere schützt, schätzen Kunden in der Regel sehr. Sie gehören daher zu einem umfassenden Beratungs­gespräch.

Reinigung: am besten mit ph-neutralem Waschgel

Trocknen: besonders zwischen den Zehen

Schuhwerk: möglichst aus natürlichen, luft­durchlässigen Materialien; Schuhe gut trocknen lassen und nach dem Tragen desinfizieren

Socken: täglich wechseln; aus Baumwolle oder anderen Naturmaterialien

Wäsche: Socken, Handtücher, Badevorleger bei mindestens 60 Grad Celsius waschen

Sport: im Schwimmbad immer Badeschuhe tragen



Beitrag erschienen in Ausgabe 13/2017

 

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