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Krebstherapie

Spätfolgen ernst nehmen


Von Christiane Berg / Ob Fatigue, Herzinsuffizienz oder Neuropathie: Eine Tumortherapie geht häufig mit Spätfolgen einher, die gemäß Kritikern als Stiefkind der Medizin gelten. Betroffene fühlen sich oft nicht ernst genommen und fordern mehr professionelle Zuwendung und Aufmerksamkeit.

 

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Von der Diagnose Krebs bis zum Ende einer Zytostatika- und Strahlentherapie vergehen viele Monate. Es ist eine Zeit des Kampfes, die keinesfalls, wie oftmals vermutet, schnell und nahtlos in eine Phase der Erleichterung und Entspannung übergeht. Im Gegenteil: Jetzt beginnt für viele Menschen eine schwere Etappe der Unsicherheit und Neuorientierung – körperlich und seelisch, beruflich und privat. Die einen haben den Krebs zunächst überlebt, wissen aber nicht, für wie lange. Die anderen gelten als geheilt, ahnen aber, dass sie etwas verändern und ihr Leben nicht so weiterführen wollen wie bisher.




Foto: Shutterstock/Photographee.eu


Viele Patienten sagen, dass die Diagnose Krebs für sie der Beginn einer inneren Metamorphose war. Sie sprechen von einem Bewusstseinswandel, der eine genaue Bestandsaufnahme sowohl der Beziehungen als auch der individuellen Lebensumstände bis hin zur Trennung von einst vertrauten Personen sowie Lebens- und Arbeitssituationen mit sich gebracht hat. Andere berichten vom großen Glück, ihr vorheriges Leben wieder aufgenommen zu haben und dieses nun umso mehr zu genießen. Alle Krebspatienten sprechen von einem Wendepunkt und einer neuen Ehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber. Sie hätten erkannt, wie schnell das Leben vorbei sein kann, und seien nunmehr in der Lage zu sagen: Das will ich und das will ich nicht.

Warnung vor Wundermitteln

Die Diagnose Krebs bringt gewachsene Ordnungen durcheinander und geht mit großen seelischen Erschütterungen einher. Auf der Suche nach Halt und Orientierung kann die Unterstützung durch professionelle Psychotherapeuten hilfreich sein. Die Tiefen der Seele auszuloten, darf jedoch nicht zum psychisch zusätzlich belastenden Bumerang werden, betont der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Heidelberg. Er warnt vor einer zu eingleisigen seelischen Betrachtung der Krankheitsgeschichte. Ob Geschlecht, Gene oder physikalische und chemische Umweltgifte: Die Entstehung von Krebs sei ein komplexer Prozess, dem multifaktorielle Ursachen zugrunde liegen. Die Suche nach emotionalen Auslösefaktoren könne ein wichtiger Teil sein, um die Krankheit zu verarbeiten. Sie sei angezeigt, wenn es ein tieferes inneres Bedürfnis nach Eigeninitiative sowie nach der Erkenntnis von Sinn, eigenen Werten, eigenen Rhythmen und eigenen Zielen gibt.

Die Schulmedizin hat bislang keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Entstehung von Tumoren sowie Stress und Burnout finden können. Somit lasse sich aus dem derzeit immer noch lückenhaften Wissen über seelische Einflüsse auf die Krebsgenese kein generelles Rezept zur Lebensführung ableiten. Jeder müsse selbst herausfinden, was gut für ihn ist und was nicht.

Was dem einen schaden würde, kann für den anderen genau richtig sein. Das gilt in jeder Hinsicht, so zum Beispiel auch für eine eventuelle Ernährungsumstellung oder den Einsatz komplementärer Heilmittel und The­rapie­verfahren. Egal, ob es um Mittel und Maßnahmen der Homöopathie, An­throposophie oder Phytotherapie beziehungs­weise um Akupunktur, Medita­tion oder Ayurveda geht: Niemandem, weder Familie und Freunden, noch Therapeuten und Betreuern, steht es zu, individuell gewählte Wege der Krankheitsbewältigung zu kommentieren oder gar zu diskreditieren, weil sie nicht in ihr Weltbild passen.

Ärzte, Apotheker und PTA müssen jedoch vor Interaktionen mit anderen Medikamenten oder auch Gefahren durch sogenannte Wundermittel aus dem Internet warnen. Die Spannbreite der Anbieter dubioser Alternativtherapien im, so Sachverständige, »Milliardengeschäft mit der Angst« reicht vom Idealisten bis hin zum eiskalten Abzocker und muss kritisch geprüft und betrachtet werden. Nicht wenige dieser Mittel haben in den vergangen Jahren sogar die Gerichte beschäftigt und Behörden zu warnenden Stellungnahmen veranlasst.

Wieder zu sich finden

Um sich selbst Gutes zu tun, ist erlaubt, was Freude bereitet. Musik, Literatur, Reisen, Wandern: Das Instrumenta­rium zur Stärkung der Selbstheilungskräfte mag vom Geschlecht abhängig sein. Ganz sicher spielt jedoch das Alter zum Zeitpunkt der Diagnose eine Rolle. Manche Krebsüberlebende haben bereits höhere Lebensjahre erreicht und somit naturgemäß mehr Zeit für die nach einer Tumorerkrankung notwendige Ruhe, Muße und Besinnung. Andere stehen zum Zeitpunkt der Diagnose mitten im Erwerbsleben. Für sie ist die Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit nach Therapie und medizinischer Reha die eigentliche Herausforderung.

Unter beruflicher Rehabilitation werden alle Maßnahmen verstanden, die die Rückkehr ins Arbeitsleben erleichtern und eine ungewollte Frühverrentung vermeiden. Dazu zählt, beim Wiedereinstieg eine Zeitlang nur stundenweise und nicht voll zu arbeiten und dabei weiter Krankengeld zu beziehen. Auch die Anerkennung einer Schwerbehinderung ist möglich. Erste Auskünfte und Formulare bietet der Kliniksozialdienst. Krebspatienten und ihre Angehörigen können sich zudem bei regionalen Krebsberatungsstellen, Krankenkassen und der deutschen Rentenversicherung informieren.

Besonders die ersten fünf Jahre nach einer Krebserkrankung sind von regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen, zunächst in kurzen und dann immer längeren Zeitabständen geprägt. Die Zahl der Langzeitüberlebenden nach Krebs wächst, dank frühzeitiger Diagnose und besserer Therapieoptionen beziehungsweise engmaschiger Kontrollen, um Rezidiven vorzubeugen.




Wenden sich nahestehende Menschen nicht ab und stehen sie zu ihren Hilfsangeboten, so kann das an Krebs erkrankte Menschen stärken.

Foto: iStock/Jessica Key


Zu häufig verschwiegen und vernachlässigt wird Gesundheitswissenschaftlern gemäß jedoch die Tatsache, dass eine Tumor­behandlung mit Spätfolgen einhergehen kann, die sich oft erst nach und nach manifestieren. Dazu zählen unter anderem chronische Erschöpfung, Nervenschäden sowie ein geschwächtes Immunsystem, eine veränderte Hormon- und Stoffwechselsituation und Probleme mit Herz und Kreislauf.

Die Krebserkrankung und -therapie traumatisiere nicht nur die Seele, sondern auch den Körper. Beklagt wird, dass Betrof­fene jedoch sehr oft mit vermeintlich unspezifischen Symptomen von Therapeut zu Therapeut irren und dort ­weder Verständnis noch Hilfe finden. Die Rede ist von einer immensen Betreuungs- und Versorgungslücke.

Es dürfe, so Kritiker, nicht nur regelmäßig kontrolliert werden, ob der Krebs zurückkommt. Es müsse auch darauf geachtet werden, dass den Patienten im Leben nach Krebs die notwendige medizinische Unterstützung zuteil wird. Wie die ärztliche Praxis müsse auch die Wissenschaft hier deutlich mehr Sorgfalt und Intensität walten lassen und sich verstärkt auch auf die Erforschung der langfristigen Therapie-Auswirkungen und Nachsorge-Optionen konzentrieren.

Fatigue und Neuropathie

So sei bekannt, dass bis zu 50 Prozent der erwachsenen Krebspatienten nicht nur während der Behandlung, sondern oft noch viele Monate und Jahre danach unter einer geradezu bleiernen körperlichen und emotionalen Erschöpfung ­leiden, die in keinem Verhältnis zu ihren alltäglichen Aktivitäten steht.

Im medizinischen Sprachgebrauch hat sich für Kraftlosigkeit, Zerschlagenheit und Schwäche bei und nach Krebs der Begriff »Tumor(therapie)-assoziierte Fatigue« (französisch: Müdigkeit, Erschöpf­ung) etabliert. Diese Fatigue kann von vorübergehender Unpässlichkeit bis hin zur Berufs- und Erwerbsunfähigkeit führen. Sie werde jedoch in der ärztlichen Praxis oft nur unzureichend identifiziert, weil die Kommunikation zwischen Patient und Therapeut oftmals unzureichend ist und im klinischen und niedergelassenen Praxis­alltag Zeit und Kenntnisse über Diagnose- und Therapieop­tionen fehlen.

Zur Behandlung der chronischen Fatigue werden versuchsweise unter anderem psychostimulierende Medikamente wie Methylphenidat oder Modafinil, zudem Phytotherapeutika wie Ginseng- und Guarana-Extrakte oder auch Antidepressiva eingesetzt. Sie sollen helfen, den Teufelskreis »Müdigkeit, sozialer Rückzug, Depressionen, Isolation, Müdigkeit« zu durchbrechen.

Neben der sorgfältigen Strukturierung des Alltags mit Zeit und Raum für Pausen empfiehlt die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Berlin, jedoch vorrangig verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Damit lassen sich körperliche und seelische Ressourcen schonen und neu erschließen. Sinnvoll sei zudem ein Ausdauer- und Krafttraining, das die körper­liche Kondition sowie die Muskelmasse erhält oder neu aufbaut. Forscher der University of Rochester, die Ergebnisse aus 113 Studien mit mehr als 11 000 Patienten ausgewertet hatten, kommen zu dem Schluss, dass Sport und Bewegung das Erschöpfungs­syndrom bei Krebspatienten oftmals effektiv lindern.


Schmerzen nicht hinnehmen

Bei Schmerzen die Zähne zusammenzubeißen und auf spontane Linderung zu hoffen, stellt für Krebspatienten keine Option dar, so Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebs­informationsdienstes KID des DKFZ.

Die gute Nachricht: Tumorschmerzen können heute bei acht bis neun von zehn Krebspatienten wirksam gelindert werden. Doch Schmerzen entstehen nicht nur in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Tumor. Um möglichst wenig leiden zu müssen, empfiehlt der KID:

  • so früh wie möglich mit dem behandelnden Arzt über zu erwartende Schmerzen sprechen, sie mit seiner Hilfe rechtzeitig medikamentös lindern lassen und das Angebot der psychoonkologischen Unterstützung wahrnehmen,
  • bei nicht vermeidbaren kurzfristigen Schmerzen mit Entspannungstechniken gegensteuern, die in Kursen an Kliniken oder in Krebsberatungsstellen erlernt werden können,
  • den Folgen eines längeren Aufenthalts im Krankenbett, wie Verspannungen und Rückenschmerzen, mit vorsichtiger körperlicher Aktivität im Krankenhaus und gezielter Physiotherapie begegnen.


Als pathophysiologische Ursachen der Tumor(therapie)-assoziierten Fatigue werden unter anderem die Dys­regulation inflammatorischer Zytokine, Schädigungen hypothalamischer Regelkreise, Veränderungen in Neurotransmitter-Schaltkreisen sowie Beeinträchtigungen der zirkadianen Melatonin­sekretion und somit des Schlaf-Wach-Verhaltens diskutiert. Die häufig stark verminderte körperliche Leistungs­fähigkeit führen Wissenschaftler auf Störungen des muskulären Erregungs- und Energiestoffwechsels zurück.

Die Komplexität und Vielfalt des Krankheitsbildes Fatigue erfordert ein differenziertes Vorgehen. Gerade weil es kein Pauschalrezept für den Umgang damit gibt, kommt der sorgfältigen ärztlichen Anamnese große Bedeutung zu. Nur in Kenntnis der Diagnose »Fatigue« können betroffene Patienten ihre Beschwerden zuordnen und akzeptieren. Nur so werden sie in die Lage versetzt, Rücksicht auf sich selbst zu nehmen und mit den noch vorhandenen Kraftreserven vorsichtig und sorgsam umzugehen. Allein das Wissen, dass die Beschwerden einen Namen haben, entlastet bereits.

Langfristige Probleme

Kribbeln, Brennen, Schmerzen, Taubheitsgefühle: Nicht nur die Symptome der Fatigue, auch die der Tumor-(therapie)-assoziierten Neuropathie in Folge der Gabe spezifischer Zytostatika sind oftmals sehr unterschiedlich und individuell. Manche Patienten sprechen von dem Gefühl des »Ameisenlaufens« in Händen und Beinen. Andere wiederum beschreiben pelzige und immer wieder einschlafende Füße bis hin zu Gan­g­unsicherheiten und sogar Stürzen. Viele reagieren hypersensibel auf kleinste Berührun­gen und Reize und leiden unter unwillkürlichen Muskel­zuckungen und -krämpfen. Etliche empfinden keine Kälte und Wärme mehr.




Zeit zum Zuhören schenken, damit kommt man Krebskranken entgegen, denn genau dieser Faktor fehlt häufig bei Ärzten und Therapeuten.

Foto: Shutterstock/Photographee.eu


Auch hier diskutieren Experten verschiedene Ursachen. Einige Zytostatika, so das DKFZ, wirken zerstörend auf das Axon und die Gliazellen der Neuronen, beziehungsweise beeinflussen Reizweiterleitung und Nährstoffaustausch zwischen Nervenzellen und Gewebe negativ. Andere beeinträchtigen die Funktion von Strukturen im Inneren der Nervenzellen oder schädigen Mikro­tubuli und Mitochondrien, die als Kraftwerke der Zelle gelten.

Das Ausmaß der neuropathischen Beschwerden bestimmt der Neurologe unter anderem, indem er den Achillessehnenreflex mit einem Reflexhammer oder das Vibrationsempfinden mit einer Stimmgabel misst. Darüber hinaus kann er die Nervenleitgeschwindigkeit mit Hilfe der Elektroneurografie (ENG) oder die elektrische Muskel-Aktivität mittels Elektromyografie (EMG) erfassen. Auch wenn es bislang nur bedingt möglich ist, die Tumor(therapie)-assoziierte Neuropathie zu therapieren: Der sorgfältigen ärztlichen Anamnese kommt auch hier große Bedeutung zu.


Weitere Informationen

www.leben-nach-krebs.de

Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe »Leben nach Krebs« für Krebsüberlebende im erwerbsfähigen Alter unterstützen sich und andere unter anderem mit Informa­tionen und Workshops zu den Themen »Fatigue nach Krebs«, »Wiedereingliederung ins Arbeitsleben« oder »Kinderwunsch«.

www.krebsinformationsdienst.de

Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) bietet Hintergrund­informationen bei Fragen zu Krankheitsfolgen und belastenden Symptomen bei und nach Krebs. Am Telefon und per Mail nennt der Dienst auch weitere Anlaufstellen und Ansprechpartner.

www.krebsgesellschaft.de

Auf der Homepage der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) finden sich unter dem Button »Beratung durch Landeskrebsgesellschaften« die Kontaktdaten, sprich: E-Mail-Adresse, Telefon oder Fax der DKG-Landesverbände. Die Beratungsstellen sind offen für Patienten, für Angehörige und alle, die Fragen zum Thema Krebs haben. Die Beratung ist kostenfrei.


Zur medikamentösen Behandlung Zytostatika-bedingter polyneuropathischer Beschwerden kommen versuchsweise Duloxetin, Antidepressiva und Antikonvulsiva sowie bei Schmerzen schwache und starke Opioide zum Einsatz. Die Akupunktur gilt lediglich als experimen­telles Behandlungsverfahren, wird jedoch von vielen Patienten ebenso wie physio-, ergo-, elektro- und bewegungstherapeutische Therapiemaßnahmen als effektiv beschrieben. Nicht ­bewährt haben sich laut Krebs­informationsdienst KID Nahrungsergänzungsmittel oder Diäten. Auch die Einnahme von B-Vitaminen sei proble­matisch, zumal eine Effektivität bei Chemotherapie-bedingten Nervenschäden nicht nachgewiesen werden konnte. Im Gegenteil: Höhere Dosen über einen längeren Zeitraum eingenommen, verur­sachen ihrerseits Nervenschäden.

Auf das Herz achten

Zu den Spätfolgen von Chemo- und Strahlentherapie und der Applikation spezifischer Zytostatika, wie besonders der von Anthrazyklinen, zählen auch kardiotoxische Effekte, die zu Arrhythmien und Herzschwäche führen.

Kardiovaskuläre Probleme durch Schädigungen des Herzmuskelgewebes zeigen sich oft schon akut während der Therapie, meist jedoch entwickeln auch sie sich langsam und schleichend. Hier kann die regelmäßige Herz-Kreislauf-Kontrolle notwendig werden. Möglicherweise benötigen die Betroffenen spezifische Medikamente.

Die Liste möglicher Langzeitauswirkungen durch Chemo- und/oder Strahlentherapie ist lang. Ob Fatigue, Neuropathie und Herzinsuffizienz oder Zweitkrebserkrankungen, Lungenfunktionsverluste und Störungen der Fertilität: Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Langzeitüberlebende nach Krebs deutlich mehr Gesundheitsprobleme haben als Menschen gleichen Alters ohne Krebsvorgeschichte. Dafür fehlt nur zu oft ein entsprechender medizinischer Ansprech- und Therapiepartner. Viele Betroffene sagen, dass sie sich »im Überleben alleingelassen« fühlen.

Für diese Patienten ist die Apotheke oftmals Hauptanlaufstelle. Auf der Suche nach Lösungs- und Bewältigungsstrategien muss diese professionelle Unterstützung bieten und unter anderem auch weiterführende Hinweise auf Leitlinien, Fachgesellschaften und Selbsthilfegruppen (siehe Kasten auf Seite 17) geben. Mit Rat und Tat müssen Apotheker und PTA in allen Krankheitsstadien nicht nur Betroffenen, sondern auch Angehörigen zur Seite stehen. Dabei hilft das Wissen um ein spezifisches Charakteristikum von Tumorerkrankungen: Unsicherheit, Angst und Mutlosigkeit sowie Stärke, Hoffnung und Freude bestehen eng nebeneinander. Für die einen gehört die Krankheit irgendwann der Vergangenheit an. Für die anderen kann ein Rückfall mit dem Wissen einhergehen, dass keine Heilung mehr möglich ist.

So oder so: Der Tod ist durch den Schock der Diagnose real und allgegenwärtig geworden. Das ist etwas anderes als das theoretische Wissen, dass es ihn gibt, so Krebspatienten. Es sei die anhaltende Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit, die das Denken und Fühlen fortan prägt.

Dem gelingenden Zusammenspiel von unterstützender Begleitung, menschlicher Zuwendung und medizinisch-pharmazeutischer Betreuung kommt somit umso mehr Bedeutung zu, betont die Deutsche Krebsgesellschaft. Es entlaste Patienten und Angehörige und schaffe Raum für die Gestaltung der geschenkten Zeit.

Dabei sei wichtig zu wissen, dass Betroffene und Anverwandte die verschiedenen Phasen der inneren Akzeptanz von Krankheit und Sterben in dem ihnen eigenen, ganz individuellen Tempo durchschreiten. Viele Stunden können dabei selbst angesichts des nahenden Abschieds oftmals nicht nur von Tränen, Zorn und Kummer, sondern auch von Vergnüglichkeit und Lachen durch Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse bestimmt sein.

Jeder Mensch hat seine eigene Persönlichkeit und stirbt seinen eigenen Tod. So hat es die berühmte Sterbe­forscherin Elisabeth Kübler-Ross formuliert. Die Begegnung mit Angst muss erlernt und das Vertrauen in Leben und Tod geübt werden. So umschreiben es Patienten, die von Grenz­erfahrungen sprechen: Der Mensch könne die Krebserkrankung vielleicht nicht nach seinen Vorstellungen bewältigen. Aber er könne darauf vertrauen, dass sie Prozesse initiiert, deren geistige Dimen­sion und Tragweite sich für ihn erst in der Zukunft erschließen. /


Leben mit Krebs

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Beitrag erschienen in Ausgabe 15/2017

 

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