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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Die Rose

Foto: Weleda

Foto: Weleda

Liebling der Götter und Heilmittel

von Brigitte M. Gensthaler

Die Rose gilt als Königin der Blumen und Zeichen der Liebe. Weniger bekannt ist, dass sie früher auch ein Symbol der Verschwiegenheit war. Manche Sorten sind bewährte Medizinalpflanzen, allen voran die Apotheker-Rose.

Um Isis zu erfreuen, schmückten die Ägypter im Altertum den Altar der Göttin mit Girlanden aus Rosen. Die Griechen weihten sie der Liebesgöttin Aphrodite, und auch die Araber schätzten sie als königliche Pflanze. Nach der antiken Mythologie soll die rote Rose aus dem Blut des schönen Jünglings Adonis entstanden sein. Sie war Symbol der Zuneigung, Liebe und Fruchtbarkeit, aber ebenso der Verehrung der Toten. Bei antiken Trinkgelagen sollte ein Kranz aus Rosen das Gehirn der Zechenden kühlen und sie daran erinnern, im Rausch keine Geheimnisse auszuplaudern.

Im frühen Christentum galt die Rose als Zeichen der Verschwiegenheit. Zudem symbolisierte die rote Blüte das Blut Christi und die göttliche Liebe. Im christlichen Mittelalter wurde sie zum Attribut der Jungfrauen. Als Symbol der Jungfräulichkeit Mariens verehrten die Menschen sie so sehr, dass sie den »Rosenkranz« schufen. Dessen Perlen bestanden ursprünglich aus Rosenblättern, die durch Bindemittel zu kleinen Kugeln geformt wurden.

Die Rose der Apotheker

Dichter besangen den Zauber der edlen Blume, und Parfümeure ließen sich von ihrem Duft inspirieren. Rosenöl war von jeher das begehrteste ätherische Öl. Für die Ölgewinnung eignen sich vor allem die Hundertblättrige und die Damaszener Rose (Rosa centifolia L. und Rosa damascena Mill.). Ihre Blütenblätter wurden im Mittelalter als Heilmittel bei vielerlei Beschwerden angepriesen, beispielsweise bei Durchfall, Kopfschmerzen, Nervosität, Augen-, Haut- und Lungenleiden.

Eine wichtige Arzneipflanze ist die Apotheker-Rose (Rosa gallica officinalis), auch Essig-Rose genannt. Ihr Vorfahre, die Gallica-Rose, stammt wohl ursprünglich aus Persien. Kreuzfahrer brachten sie im 13. Jahrhundert nach Frankreich, von dort verbreitete sie sich in den Gärten Europas. Bis dahin kannten die Mitteleuropäer nur die Hecken- oder Hunds-Rose (Rosa canina L.). Aus der Hunds-Rose entstand wahrscheinlich schon im 14. Jahrhundert durch Kreuzungen die Apotheker-Rose. Sie hat karminrote Blüten mit auffälligen gelben Staubgefäßen. Die Früchte sind kugelig und dunkelrot. Es wird vermutet, dass die Apotheker-Rose die älteste in Europa kultivierte Rose ist. Auch heute ist sie bei Gärtnern sehr beliebt. Sie kann 60 bis 120 cm hoch werden und blüht im Juni oder Juli. Die Pflanze wächst bevorzugt in der vollen Sonne oder im Halbschatten.

Alle Teile der Pflanze wurden medizinisch genutzt. Apotheker stellten aus den Blütenblättern Rosenwasser, -essig oder -honig her, die stärkend, anregend, entzündungshemmend und zusammenziehend wirken sollten. Wegen der adstringierenden Effekte wurde ein Aufguss aus Rosenblättern bei Durchfall sowie als Mund- und Gurgelwasser genutzt.



Rosen-Leckerlis

Rosenzucker

100 g Blütenblätter vorsichtig waschen, trocken tupfen und vom bitteren Ansatz befreien. Mit dem Saft einer Zitrone beträufeln und drei Stunden ziehen lassen. 100 g Zucker zugeben und alles zusammen im Mörser zerreiben. In ein Glas abfüllen und gut verschließen. Gut geeignet zum Süßen von Tee oder zum Aufstreuen auf Gebäck und Süßspeisen.

Rosenlimonade

Blütenblätter von vier frisch gepflückten, stark duftenden Rosen vorsichtig waschen und vom bitteren Ansatz befreien. Mit 250 g Zucker und X l Wasser kurz aufkochen, vom Herd nehmen und zugedeckt abkühlen lassen. Abseihen, den Saft von sechs Zitronen zugeben. Kühl servieren. Eine attraktive Ergänzung: Eiswürfel mit eingefrorenen Rosenknospen.


Heilmittel und Leckerei

Heute ist das duftende Öl in Salben und Kosmetika gegen rissige und entzündete Haut enthalten. In der Aromatherapie soll Rosenöl entspannen und die Stimmung heben. Frische Hagebuttenfrüchte sind eine der besten Vitamin-C-Quellen. Der aus Hagebuttenschalen, oft kombiniert mit Malvenblüten, zubereitete Teeaufguss schmeckt als Frühstückstee besonders gut. Aus den duftenden Blütenblättern werden sogar Süßigkeiten hergestellt. Kandierte Rosenblätter oder Rosenzucker gelten als edle Leckerei. Und Marzipan ist ohne Rosenwasser undenkbar. 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
bm.gensthaler(at)t-online.de 



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