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Brustkrebstherapie

Thema trockene Scheide


Von Christina Hohmann, München / Brustkrebs ist die häufigste bös­artige Erkrankung bei Frauen. Doch seit Beginn der 1990er Jahre steigt die Überlebensrate der Frauen mit Mammakarzinom stark an. Mehr als zwei Drittel überleben die Krankheit. Für die Therapie stehen immer mehr Wirkstoffe zur Verfügung, die sich zielgenau gegen bestimmte Moleküle der Tumore richten. Allerdings sind auch diese Therapien nicht ohne Nebenwirkungen.

 

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Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) werden jährlich etwa 58 000 Mammakarzinome entdeckt. Die meisten Patientinnen erkranken nach den Wechseljahren. Doch rund ein Viertel der Betroffenen ist zum Behandlungsbeginn noch vor der Menopause. Diese Frauen müssen damit rechnen, dass die verordneten Arzneistoffe sie »schlagartig« in die Wechseljahre versetzen. Denn: Eine Chemotherapie unterbindet die Estrogenbildung in den Eierstöcken, während eine antihormonelle Therapie, beispielsweise mit Tamoxifen, die Hormonwirkung unterdrückt. Daher sind die Frauen unvorbereitet mit den Symptomen der Wechseljahre konfrontiert. Hitzewallungen und Schlafstörungen belasten die Patientinnen oft sehr.




Die Wirkungen der Estrogene auf den Körper einer Frau sind sehr vielfältig. Die Grafik zeigt daher nur eine Auswahl.

Grafik: PZ/Wosczyna


Über ihre eigenen Reaktionen berichtete die Chefredakteurin des Brustkrebsmagazins »Mamma mia«, Eva Schumacher-Wulf, auf einer Veranstaltung des ­Unternehmens Dr. Wolff am Rande des 58. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in München. »Durch die Antihormontherapie war ich innerhalb von sechs Wochen postmenopausal«, sagte sie.

 

Jede Frau kenne Haarausfall und Übelkeit als Begleiterscheinungen einer Krebstherapie. Doch neben den bekannten Symptomen bemerkte sie einen Verlust ihrer Libido und empfand die Scheidentrockenheit als besonders belastend. Vor allem diese Beschwerden hätten die Ärzte nicht ernst genommen. »Ich fühlte mich mit dem Problem allein gelassen«, so Schumacher-Wulf und forderte: »Es ist Zeit, das Tabu um den Brustkrebs und die vaginale Trockenheit zu brechen.« Zum Glück hätte sie sich mit anderen Betroffenen darüber austauschen können. Ganz wichtig wäre für sie die Erfahrung gewesen, dass sie mit dieser Nebenwirkung nicht alleine da stand.

 

Sexualleben beeinträchtigt

 

Ungefähr 20 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen litten unter vaginaler Trockenheit, bestätigte Dr. Dimitrios Chatsiproios, niedergelassener Gynäkologe in Kreuzlingen, Schweiz, auf der Veranstaltung. Der Facharzt sieht es als problematisch an, dass sich seine Kollegen zu sehr auf die Therapie der lebensbedrohlichen Tumor-erkrankung konzentrierten und dabei die Begleitprobleme der Frauen häufig übersähen oder missachteten. Im Gespräch mit den Patientinnen thematisierten sie zwar die Nebenwirkungen Haarausfall, Übelkeit und Myelotoxizität (toxische Veränderungen des Knochenmarks), aber fast nie die vaginale Trockenheit. Diese erzeuge bei den Patientinnen jedoch einen erheblichen Leidensdruck, so Chatsiproios. Die Frauen klagten typischerweise über Brennen, Jucken sowie Schmerzen beim Intimverkehr. Eine Untersuchung bestätigte, dass sich das Scheidenepithel verdünne sowie Mikro- und Makrorisse entstünden, die beim Verkehr schmerzten. Da sich bei den Frauen außerdem die Mikroflora verändere, erkrankten sie verstärkt an Infektionen. Dass langfristig die Libido stark abnimmt, belaste die Frauen noch zusätzlich.

 

Trockenheit behandeln

 

Ob bei den jüngeren Frauen nach Ende der Brustkrebsbehandlung die Regelblutung und auch der Eisprung wieder regelmäßig einsetzen, ist schwer vorhersehbar. Normalisiert sich die Hormonlage wieder, ­verschwinden auch die klimakterischen Symptome. Vor allem bei Frauen über 40 kommt die körpereigene Hormonproduktion aber oft nicht mehr so leicht in Gang wie bei gleichaltrigen gesunden Frauen. Der frühere Standard, eine Hormonersatztherapie zu beginnen, scheidet bei Brustkrebspatientinnen aus, da laut Studienlage die Substitution mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden ist. Die betroffenen Frauen sollten auch keine Phytohormone einnehmen, raten die Experten des DKFZ im Informationsblatt »Brustkrebs: Behandlungsfolgen vorbeugen und lindern«.

 

Zur Therapie der trockenen Scheidenschleimhaut eignen sich dagegen immer estrogenhaltige Cremes oder Salben zur lokalen Applikation. Die in den Präparaten enthaltenen Hormone gelangen zwar auch in den Organismus der Frau, allerdings in geringem Umfang. Die meisten hormonfreien Präparate basieren auf einer Gel-Grundlage, zum Beispiel Gynofit®, Gynomunal®, Multi-Gyn® ActiGel, Phyto Soya®, RepHresh® sanol oder Replens® sanol. Sie spenden Feuchtigkeit und enthalten oft pflanzliche Extrakte oder Zusätze.

 

Gele könnten die Schleimhaut aber zusätzlich austrocknen, informierte Chatsi-proios. Ein hormonfreies Präparat sei auf Creme-Basis im Handel verfügbar (Vagisan® FeuchtCreme). Der Facharzt ermunterte die betroffenen Frauen mit seinem Ratschlag, den Mut aufzubringen und mit ihrem Arzt über das Problem zu sprechen. Sie müssten die Beschwerden nicht ertragen, sondern es gäbe Möglichkeiten der Therapie. /


E-Mail-Adresse der Verfasserin

hohmann@govi.de 



Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2010

 

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