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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Wasserdost

Medizin für Verschnupfte


Von Gerhard Gensthaler / Bereits die griechischen Ärzte der Antike schätzten den Wasserdost als Heilmittel. Sie empfahlen ihren Patienten, die Samen und Blätter mit Wein gegen Leberleiden oder Durchfall einzunehmen. Heute gilt die Pflanze als probates Mittel bei Erkältungen.


Weltweit gibt es etwa 40 verschiedene Wasserdost-Arten. Alle Arten sind mehrjährige krautige Pflanzen oder Halbsträucher und gehören zur Familie der Korbblütler, der Asteraceae. Als Heilpflanzen sind aber nur drei von Interesse: der Gewöhnliche Wasserdost (Eupatorium cannabinum L.), der Durchwachsene Wasserdost (Eupatorium perfoliatum L.) und der Purpurrote Wasserdost (Eupatorium purpureum L.). In Mitteleuropa und damit auch in Deutschland ist ausschließlich Eupatorium cannabinum heimisch und relativ weit verbreitet. Er wächst bevorzugt auf feuchten Wiesen, an Bachufern und in Gräben sowie an Waldrändern. Weitere deutsche Bezeichnungen sind Blauwetterkühl, Leberkraut, Grundheil, Kunigundenkraut und Lämmerschwanz.




An den Ufern heimischer Bäche finden Wanderer überall den Gewöhnlichen Wasserdost. Nähern sie sich einzelnen Blüten, entdecken sie, dass deren Duft zahlreiche Insekten und Schmetterlinge anlockt.

Die mehrjährige Pflanze wird zwischen 150 und 300 cm hoch und ist am besten an ihren rauen länglich-spitzen Blättern zu erkennen, die schräg nach oben stehen. Ab Juli blüht sie zartrosa oder weiß in büscheligen Trugdolden. Da die Blätter sehr stark an Hanf erinnern, wird die Pflanze auch Wasser­hanf genannt.

Vor allem das Kraut enthält etherisches Öl, Pyrrolizidin­alka­loide, Triterpene, Flavonoide, Polysaccharide, Gerbstoffe und das Benzofuranderivat Euparin, das auch in der Wurzel vorkommt. Wurzel- und Krautdroge wurden früher bei Leber- und Galleleiden eingesetzt. Traditionell fand die Droge auch als Tonikum gegen Fieber und Rheuma ihren Einsatz, aber auch nach dem Biss einer giftigen Schlange.

Bei Patienten mit Ödemen sollte die Pflanze Nieren und Blase anregen, das überflüssige Wasser auszuscheiden. Nachweislich regen die Blätter des Gewöhnlichen Wasser­dosts die Gallenproduktion an und haben auch leberschütz­en­de und harntreibende Wirkungen.

Stärkt die Manneskraft

Eine Salbe aus den Blättern sollte die Heilung hartnäckiger Geschwüre fördern. Daher wurde sie äußerlich bei Ge­schwüls­ten, Quetschungen und Exanthemen eingesetzt. In mittelalterlichen Kräuterbüchern finden sich ähnliche Emp­fehlungen. Einer der Väter der Botanik, der deutsche Arzt und Prediger Hieronymus Bock (circa 1489 bis 1554) war davon überzeugt, dass Wasserdost die Manneskraft stärkt. In der Volksheilkunde galt die Pflanze als schwaches Laxans. Auch bei den Indianern Nordamerikas war die Droge sehr beliebt: Sie setzten sie zur Behandlung eines grippalen Infektes ein, also bei Halsweh, Husten, Schnupfen und Fieber. Diese Indikation der Indianer blieb bis heute erhalten: Die Droge spielt noch immer eine wichtige Rolle als unspezifisches Immunstimulans. Somit erinnert ihr Einsatzgebiet an das des Roten Sonnenhutes (Echinacea purpurea); der Wasserdost hat aber den Vorteil, dass er wild wächst und das ganze Kraut verwendet werden kann.

Die beste Wirkung erzielt, wer gleich zu Beginn der Erkältung mit der Behandlung beginnt. Bis heute wird er hauptsächlich bei Erkältung, grippalen Infekten, akuter Bronchitis und verstopften Atemwegen verwendet. Wasserdost soll aber auch die Symptome des Heuschnupfens lindern.

Für Radix Eupatorii cannabini wird die ganze Wurzel beziehungsweise das Rhizom gesammelt. Für Herba Eupatorii cannabini findet das ganze Kraut, also Blätter, Stängel und Blüten Verwendung. Die Sammelzeit reicht von Juli bis September. Das Drogengut stammt vorwiegend aus Wildsammlungen.

In der Homöopathie findet hingegen das frische, blühende Kraut Verwendung als Eupatorium cannabinum HAB. Homöopathen verordnen das Mittel Patienten mit Leber- und Galleleiden, aber auch bei grippeähnlichen Zuständen mit Fieber.

Nur kurzfristig anwenden

Wasserdost wird als Tee, Flüssigextrakt oder Tinktur eingesetzt. Für einen Tee wird 1 Teelöffel Kraut mit einem viertel Liter kochendem Wasser übergossen, 10 Minuten ziehen gelassen und dann abgeseiht. Die Patienten sollten dreimal täglich je 1 Tasse trinken, aber nicht mehr. Wer am Abend zuvor zu viel Alkohol getrunken hat, soll innerhalb von 2 Stunden 2 Tassen trinken.

Der Flüssigextrakt und die Tinktur sind ethanolische Auszüge. Wegen ihres Gehalts an Pyrrolizidinalkaloiden (PAs) raten Experten sowohl bei Eupatorium cannabinum als auch bei Eupatorium purpureum von der innerlichen Anwendung über längere Zeit dringend ab, was vor allem für Kinder und Schwangere gilt. PAs wirken lebertoxisch und karzinogen. Sie alkylieren die DNA und sind daher mutagen.

Die nordamerikanischen Varianten

Die übrigen arzneilich verwendeten Arten kommen aus Amerika beziehungsweise Asien. Hierzu zählt der Durchwachsene Wasserdost und der Purpurrote Wasserdost, die beide aus dem östlichen Nordamerika stammen. Der Durchwachsene Wasserdost wird bis zu 100 cm hoch. Das Drogenmaterial stammt in der Hauptsache aus Wildsammlungen. Als Eupatorii perfoliati herba werden nur die oberirdischen Teile verwendet. Eupatorium perfoliatum enthält überwiegend Sesquiterpenlactone, zusätzlich auch Diterpene, Triterpene, Phytosterole (Sitosterol, Stigmasterol), Polysaccharide, Flavonoide und geringe Mengen etherisches Öl. Hepatoxische und karzinogene Pyrrolizidinalkaloide sind im Durchwachsenen Wasserdost nicht zu finden.

Traditionell wird der Durchwachsene Wasserdost als Tonikum gegen Fieber und Rheuma verwendet. Die Droge gilt volkstümlich als Amarum, wirkt aber ebenfalls immunstimulierend und wird daher überwiegend bei Erkältungen eingesetzt. Grippale Infekte, akute Bronchitis und verstopfte Atemwege sind somit ihre Hauptanwendungsgebiete. Tierversuche bestätigten die immunstimulierende Aktivität der Sesquiterpenlactone und der Poly­saccharide. Für einen Tee werden 1 bis 2 Gramm Droge mit einer Tasse kochendem Wasser aufgegossen, nach 2 Stunden abgeseiht und dreimal täglich getrunken.

Homöopathen setzen Eupatorium perfoliatum D6 als Mittel gegen grippale und fieberhafte Infekte mit starken Knochen- und Muskelschmerzen ein, vor allem wenn der Infekt als Folge einer feucht-kalten Witterung auftritt mit den Begleiterscheinungen Fließschnupfen, Halsschmerzen, trockener und schmerzhafter Husten, möglicherweise auch eine Entzündung der Nasennebenhöhlen.

In vielen Komplexmitteln enthalten Auch zahlreiche homöopathische Komplexmittel enthalten unter anderem Eupatorium in verschiedenen Potenzen, von der Urtinktur bis zu D5, beispielsweise Anovin Pflüger, Gripp-Heel®, Pascoleucin® und Influvit® Tabletten sowie Contramutan® Tropfen. Außerdem wird der durchwachsene Wasserdost gemäß der anthroposophischen Therapierichtung gegen fieberhafte Erkältungskrankheiten und grippale Infekte eingesetzt, zum Beispiel in Infludo® Mischung. Die für Homöopathika zuständige Kommission D des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes bewertete Eupatorium perfoliatum für die genannte Indikation positiv. Monographien der Kommission E oder der ESCOP (The European Scientific Cooperative on Phythotherapy) zur Arzneipflanze existieren nicht. /


E-Mail-Adresse des Verfassers

gerhard.gensthaler@t-online.de




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