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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Knoblauch

Foto: Mies

Drei Zehen täglich

von Ursula Sellerberg, Berlin

Nach altem Aberglauben soll Knoblauch vor Vampiren schützen. Ob's nützt, wer weiß? Nachvollziehbar ist der Bericht des Historikers Herodot etwa 450 v. Chr.: Die Arbeiter hätten beim Bau der Pyramiden zum Schutz vor fiebrigen Infekten große Mengen Knoblauch verzehrt. In Europa wurde er im Mittelalter als Heilmittel gegen Pest, Atemnot oder Wassersucht gegessen. Heute stehen andere Wirkungen im Vordergrund: Zubereitungen aus Knoblauch senken erhöhte Blutfettwerte und wirken vorbeugend gegen Gefäßveränderungen.

Knoblauch (Allium sativum) gehört zu der Familie der Lauchgewächse (Alliaceae), früher Liliengewächse genannt. Er ist ein enger Verwandter der Küchenzwiebel (Allium cepa). Ursprünglich stammt Knoblauch aus Zentralasien, heute wird er weltweit angebaut. Die unterirdische Knoblauchzwiebel hat keine Schalen wie die Küchenzwiebel, sondern ist von einer trockenen, weißen Haut umschlossen. Die mittlere, eiförmige Hauptzwiebel ist von etwa zehn gekrümmten Nebenzwiebeln, den Zehen, umgeben. Aus jeder Zehe kann sich eine bis zu 90 Zentimeter hohe Pflanze entwickeln. Der unverzweigte Stängel erinnert an einen Federkiel. Am oberen Ende bildet sich ein kugeliger, lockerer Blütenstand, der von einem Hochblatt umgeben ist. Der Blütenstand ist eine Scheindolde und besteht aus etwa fünf bis sieben weißlichen Blüten, die im Hochsommer blühen. Er fällt als Ganzes ab und entwickelt sich im Boden zur Zwiebel, aus der neue Pflanzen austreiben.

Die Pflanze ist winterhart. Wer Knoblauch im Garten anpflanzt, sollte den Standort jährlich wechseln. Winterknoblauch wird im Herbst gepflanzt und im Juli geerntet, Frühlingsknoblauch im Frühjahr gepflanzt und im Sommer geerntet. Die Erntezeit ist gekommen, wenn das obere Drittel des Laubes abgestorben ist und sich die Zehen unter der Haut deutlich abzeichnen. Für die dekorativen Knoblauchzöpfe werden die langen Blätter geflochten und der Zopf hängend getrocknet.

Schwefelverbindungen sind typisch

Die Inhaltsstoffe des Knoblauchs können in zwei Gruppen eingeteilt werden: Schwefelhaltige und nicht schwefelhaltige wie Polysaccharide und Saponine. Seine Wirkung wird meist den schwefelhaltigen Verbindungen zugeschrieben, allerdings besteht hier noch Forschungsbedarf. Prominentester Vertreter der Schwefelverbindungen ist die Aminosäure Alliin. Als Reinsubstanz ist sie geruchlos und relativ stabil. Sie wird durch das Enzym Alliinase unter anderem zu Allicin, einer Lauchöl-Verbindung, abgebaut.
Der Gehalt an Schwefelverbindungen schwankt stark. Deshalb ist eine Standardisierung bei Knoblauch-Extrakten notwendig, auch im Hinblick auf reproduzierbare Studien. Knoblauch-Extrakte werden daher meist auf die Leitsubstanzen Alliin oder Allicin eingestellt. Frischer Knoblauch enthält etwa 0,5 bis 1 Prozent Alliin beziehungsweise dessen Speicherformen. In schonend getrocknetem Knoblauch steigt der Gehalt etwa auf das Doppelte an.

Frischer Knoblauch riecht nicht. Erst beim Zerkleinern entstehen durch den enzymatischen Abbau die flüchtigen Substanzen wie Allicin. Das instabile Allicin wird zu stark riechenden Schwefelverbindungen wie Ajoen umgelagert. Erst dann entsteht der unangenehme Knoblauchgeruch. Die stark riechenden Schwefelverbindungen werden nach dem Verzehr über die Atemluft und die Haut ausgeschieden - und machen sich als "Knoblauchfahne" bemerkbar. Der Mundgeruch lässt sich kurzfristig durch das Lutschen von Pfefferminzbonbons überdecken. Deren Effekte sind aber begrenzt: Nach einem hohen Verzehr von Knoblauch sind die Ausdünstungen unvermeidbar. 

Pulver oder Ölmazerat

Pro Jahr werden weltweit etwa zwei Millionen Tonnen Knoblauchzwiebeln produziert, über die Hälfte davon in Asien. Der größte Teil wird unmittelbar nach der Ernte zu Knoblauchpulver weiter verarbeitet. Dafür werden die Zehen geschält, in Scheiben geschnitten und bei Temperaturen unter 60 °C drei bis vier Tage lang getrocknet. Die Temperaturbeschränkung ist wichtig, damit die enthaltenen Enzyme nicht zerstört werden. Beim Trocknen verliert der Knoblauch zwei Drittel seines Gewichts. Da das Knoblauchpulver aber immer noch Restfeuchte enthält, baut sich das Alliin während der Lagerung langsam, aber kontinuierlich ab. Daher sind Knoblauch beziehungsweise die aus ihm hergestellten Arzneimittel nur begrenzt haltbar.

Neben der typischen Pulverdroge gibt es weitere Drogenzubereitungen, die auch zu Arzneimitteln verarbeitet werden. Relativ gebräuchlich sind Mazerate mit fettem Öl. Während der Kaltmazeration gehen die lipophilen Inhaltsstoffe in das fette Öl, meist Rüb-, Mais- oder Weizenkeimöl, über. Die wasserlöslichen Inhaltsstoffe fehlen in derartigen Zubereitungen. Anders beim "ätherischen Knoblauchöl", das durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird. Beide Zubereitungen enthalten nicht mehr die ursprüngliche Kombination an Inhaltsstoffen der Pflanze, sondern vor allem deren Abbauprodukte. Speziell das Allin und andere organische Schwefelverbindungen werden verändert. Wird Knoblauch mit Alkohol-Wasser-Mischungen extrahiert, enthält der Auszug ebenfalls nur die wasserlöslichen Substanzen, nicht aber das Alliin.

Blutfette und Blutdruck senken

Knoblauch kann die Blutfettwerte senken. Auch ein leichter blutdrucksenkender Effekt wurde nachgewiesen. Dieser reicht aber nicht aus, um gezielt einen erhöhten Blutdruck zu behandeln. Auf die Fließfähigkeit des Blutes wirkt Knoblauch ebenfalls positiv: Er hemmt das Zusammenhaften der Blutplättchen (Thrombozytenaggregation), steigert die Fähigkeit des Körpers, Blutgerinnsel aufzulösen (Fibrinolyse) und verlängert die Blutungs- und Gerinnungszeit. Knoblauch wird zur Unterstützung einer Diät bei erhöhten Blutfettwerten, zur Vorbeugung gegen altersbedingte Gefäßveränderungen und zur Vorbeugung gegen Infarkte empfohlen. Zudem wirkt Knoblauch gegen Bakterien und Pilze und in Tierversuchen gegen Tumorzellen.

Schützt vor Atherosklerose

Die Kommission E, eine Expertengruppe für die Bewertung von Arzneipflanzen, hat 1988 empfohlen, Knoblauch zur Unterstützung diätetischer Maßnahmen bei erhöhten Blutfettwerten und zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßerkrankungen einzusetzen. Die europäische Expertenrunde ESCOP änderte die Empfehlung 1997 leicht ab: Knoblauch ist sinnvoll zur Vorbeugung gegen Atherosklerose, zur Behandlung von erhöhten Blutfettwerten und zur Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes. Die empfohlene Dosierung der ESCOP liegt bei 600 bis 900 Milligramm Knoblauchpulver pro Tag, das entspricht etwa 2,7 Gramm frischen Knoblauchs oder drei Zehen. Die 1988 in der Monographie der Kommission E vorgeschlagene Dosis von vier Gramm frischen Knoblauchs pro Tag wurden also nach unten korrigiert. Dabei sollte man wissen, dass in Knoblauchextrakten der Anteil von Alliin sehr stark variiert. Deshalb sollten PTA oder Apotheker standardisierte Präparate empfehlen. Die Tagesdosis müssen die Kunden in zwei bis drei Einzeldosen über den Tag verteilt einnehmen, meist langfristig über Monate bis Jahre.

In klinischen Studien wurden meist Knoblauchpulver-Präparate eingesetzt. Es zeigte sich, dass Knoblauch-Präparate das Gesamtcholesterol senken können. Mindestens vier Wochen Behandlungsdauer senkten in einigen Studien den Gesamtcholesterolgehalt im Blut um etwa zehn Prozent. Diese Ergebnisse bestätigen zahlreiche pharmakologische Experimente. Auch wenn der Effekt im Vergleich zu synthetischen Arzneimitteln relativ schwach ist: Bei nur mäßig erhöhten Blutfettwerten und leichten Formen des Bluthochdrucks ist Knoblauch eine gute Empfehlung - vor allem, da er so gut wie keine Nebenwirkungen hat. Einige Studien deuten darauf hin, dass Knoblauch nicht nur Gefäßverkalkungen vorbeugt, sondern auch dazu beiträgt, dass die Ablagerungen in den Gefäßen zurückgehen. Die Einnahme von 300 Milligramm täglich über einen Zeitraum von zwei Jahren verzögerte bei Menschen zwischen 50 und 80 Jahren die altersbedingte Versteifung der Aorta.

Andere Studien hingegen bestätigten die cholesterolsenkende Wirkung nicht. Für die unterschiedlichen Ergebnisse gibt es vielfältige Erklärungen: Studien mit Knoblauch-Präparaten lassen sich nicht als Doppelt-Blind-Studie durchführen. Am Körpergeruch erkennen Patient und Arzt immer, ob Knoblauch oder Placebo verabreicht wurde. Außerdem sind die geprüften Zubereitungen in ihrer Zusammensetzung nicht immer vergleichbar. So unterscheiden sich beispielsweise Pulverpräparate stark von Ölzubereitungen.

Nebenwirkung Körpergeruch

Als seltene Nebenwirkungen können Übelkeit, Kreislaufbeschwerden oder Allergien auftreten. Wechselwirkungen sind nicht bekannt. Allerdings sollten PTA oder Apotheker im Beratungsgespräch daran denken, dass Knoblauch die Wirkung blutdrucksenkender Medikamente verstärken kann. Da Knoblauch die Blutgerinnung beeinflusst, sollte man ihn etwa eine Woche vor einer geplanten Operation absetzen.

Knoblauch fördert die Verdauung. Er wirkt blähungstreibend (karminativ) und fördert den Gallenfluss. Menschen mit Magenbeschwerden sollten keinen rohen Knoblauch essen. Auch stillende Mütter sollten Knoblauch vorsichtig genießen, denn die Lauchöle können bei Säuglingen Blähungen verursachen.

Die Volksmedizin schätzt Knoblauch als Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden und bei Atemwegserkrankungen. Gegen Warzen und Herpes wird eine geschälte Knoblauchzehe zerdrückt und auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Homöopathen setzen Knoblauch gegen chronische Bronchitis, bei Rheuma und Verdauungsstörungen ein.

Knoblauch als Gewürz 

Besonders in Asien, den Mittelmeerländern und Südamerika wird Knoblauch als Gewürz sehr gemocht. Liebhaber können ihn dort frisch, als Pulver, Granulat oder Püree kaufen. Die Zwiebeln des Sommerknoblauchs werden noch unreif geerntet und mit grünem Laub angeboten. Wer nur einen feinen Knoblauchgeschmack wünscht, kann zum Beispiel die Salatschüssel mit einer angeschnittenen Knoblauchzehe ausreiben. Bei bereits ausgetriebenen Knoblauchzehen sollte man den grünen Trieb entfernen, denn er schmeckt leicht bitter. In Öl angebratener roher Knoblauch verliert den Geschmack.



Rezepte mit der Knolle

Knoblauchsuppe
Fünf bis sechs große Knoblauchzehen in feine Stücke schneiden und in Olivenöl so lange erhitzen, bis sie glasig sind. Mit einem knappen Liter kräftige Brühe übergießen und kurz aufkochen. Vom Herd nehmen und zwei Eiweiß mit einem Schneebesen unterrühren. Abschmecken mit Obstessig, Pfeffer, Basilikum und anderen Kräutern. Mit geröstetem Schwarzbrot servieren.

Knoblauchaufstrich
Eine kleine Dose Sardellenfilets abtropfen lassen und mit einer Gabel zerdrücken. 15 Knoblauchzehen durch eine Knoblauchpresse drücken und mit einem Bund sehr fein gehackter Petersilie mischen. Alles mit zwei Esslöffeln Butter zu einer geschmeidigen Masse verarbeiten. Weitere 15 Knoblauchzehen grob hacken und in Olivenöl goldbraun braten. Unter die Paste heben. Als Würzmittel oder Brotaufstrich (dünn!) verwenden.



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