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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Aloe vera

Foto: Sertürner

Aloe erfrischt die Haut

von Ulrich Meyer, Berlin

Beim Stichwort Filet mag man an ein gutes Stück Fleisch oder ein wertvolles Grundstück in zentraler Großstadtlage denken. Indes spielen Filets von glasig-kühler Konsistenz seit einigen Jahren auch in der Kosmetik eine Rolle: Daraus gewonnen wird das Aloe-vera-Gel. In Zubereitungen erfreut es sich wegen seiner entzündungshemmenden und heilungsfördernden Wirkung wachsender Beliebtheit.

Wie bei so vielen Heilpflanzen kann man auch bei der Aloe nicht von einer wirklichen Neuentdeckung, sondern eher von der Renaissance einer altbekannten Droge sprechen. Bereits Alexander der Große (356-323 vor Christus) ließ die Pflanze anbauen, und in der fundamentalen "Materia medica" des griechischen Arztes Dioskurides (1. Jahrhundert nach Christus) fehlte die Aloe ebenfalls nicht. Auch Paracelsus (1493-1541) und Hildegard von Bingen (1098-1179) wussten um ihre Heilwirkung.

Die Aloe reist nach Amerika

Den Spaniern war die Aloe so wichtig, dass sie die Pflanze aus der Heimat bereits kurz nach der Entdeckung Amerikas auf ihren Schiffen mitnahmen. Von der Insel Barbados ausgehend - daher der Name Aloe barbadensis - nahm die Sukkulente dann ihren Weg in den Süden: 1573 traf man sie bereits in Ekuador an, 1579 in Venezuela, und für das Jahr 1654 liegt die erste Beschreibung aus Peru vor. Interessanterweise fand die Aloe bei ihrer "Wanderung" Eingang in die indianische Volksmedizin, wo man sie bis in die Gegenwart als Haus- und Allheilmittel schätzt. Mitunter wurde die Indikation zeitgemäß modernisiert: Heute dient Aloe-Gel auf Puerto Rico unter anderem zur Behandlung von Verbrennungen nach intensiver radiologischer Therapie!

Aloe "vera" ist botanisch mit Aloe barbadensis identisch, je nach Verwendungszweck variieren jedoch die Kultivierungsbedingungen: Pflanzen zur Laxans-Gewinnung stehen in praller Sonne ohne Bewässerung, zur vermehrten Bildung des Geles werden sie hingegen teilweise beschattet, in der trockenen Jahreszeit gewässert und reichlich gedüngt.

Größere Aloe-Kulturen existieren in den Südstaaten der USA, zum Beispiel Florida, Texas und Arizona, sowie neuerdings in Mexiko. Das hat historische Gründe: In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden erstmals US-amerikanische Wissenschaftler auf das Aloe-vera-Gel aufmerksam, und bald erfolgte die Gründung einer der Pflanze gewidmeten Gesellschaft, des International Aloe Science Council. Diese vereint Anbauer und Forscher, gibt eine eigene Zeitschrift heraus und organisiert wissenschaftliche Tagungen - alles rund um die Aloe. Nicht zuletzt dank dieser intensiven Lobby-Arbeit stellt die Pflanze heute einen echten Wirtschaftsfaktor dar. Der Umsatz Aloe-haltiger Kosmetikprodukte wurde bereits 1994 auf mehr als 500 Millionen US-Dollar geschätzt!

Aloe kühlt nach Sonnenbad

Als wertbestimmende Inhaltsstoffe des Aloe-Gels gelten Glucomannan-Polysaccharide, Glycoproteine, Magnesiumlaktat und Bradykininase. Die Wirkung entzündungsfördernder Substanzen wie Prostaglandine und Histamin sowie des gefäßerweiternden Bradykinins wird durch das Gel inhibiert. Obwohl letzte Klarheit über die Rolle einzelner Inhaltsstoffe nicht besteht, lässt sich die Wirkung des Gesamtextraktes auch tierexperimentell - zum Beispiel bei künstlich gesetzten Brandwunden - nachweisen. Auf Grund der feuchtigkeitsbindenden, hautglättenden und entzündungshemmenden Wirkung des Gels wird die Aloe gerne in After-Sun- und After-Shave-Präparaten eingesetzt.

Im Blatt sitzt das Gel

Um das Gel zu gewinnen, wird das dicke Blatt mit einem scharfen Messer geschält, bis ein glasiges Filet zum Auspressen übrig bleibt. Anthrachinone sollten bei sauberer Präparierung des Aloe-Blattes nicht enthalten sein. Das bräunliche, übelriechende, bitter schmeckende und stark abführend wirkende Anthrachinon-haltige Sekret befindet sich nur in der leicht abtrennbaren Epidermis des Aloe-Blatte; darunter kommt das glänzende Gel zum Vorschein. In jedem Fall ist es erforderlich, das frische Gel durch Erhitzen keimfrei zu machen und enzymatischen Abbau zu unterbinden, da sonst Wirksamkeitsverluste drohen.

Übrigens trifft man Aloe im Zuge der Wellness-Bewegung auch in Erfrischungsgetränken an. Nicht nur in einer Mischung mit der köstlichen südamerikanischen Guaven-Frucht ist sie zu finden. Auch die biedere deutsche Schorle peppt die Sukkulente auf: Einer "apfel+aloe vera-Schorle" verleiht sie laut Hersteller "einen Hauch Exotik". Ob die Schleimhäute unseres Verdauungstraktes dies zu schätzen wissen, mag allerdings mit gutem Grund bezweifelt werden.

 

Anschrift des Verfassers:
Dr. Ulrich Meyer
Hauptstraße 15
10827 Berlin



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