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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Eibisch

Foto: Schöpke

Sanfter Schutz für Schleimhäute

von Ursula Sellerberg, Berlin

Brandwunden, Zahnschmerzen, Durchfall - in der Antike galt der Echte Eibisch nahezu als Allheilmittel. Das griechische Wort "Althäeis" bedeutet heilsam, von diesem leitet sich der Gattungsname der Heilpflanze "Althaea" ab. Heute werden die schleimstoffreichen Wurzeln und Blätter vor allem gegen trockenen Reizhusten und Halsschmerzen sowie bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum eingesetzt.

Echter Eibisch (Althaea officinalis L.) gehört zur Familie der Malvengewächse. Er wird auch Weiße Pappel oder Weiße Malve genannt. Die imposante Pflanze wird bis über einen Meter groß und gehörte früher in jeden Kloster- und Bauerngarten. Ihre Stängel sind meist unverzweigt, an der Basis verholzt und ebenso wie die Blätter samtig-filzig behaart. Die Blätter sind drei- bis fünflappig und unregelmäßig gezähnt. Eibisch blüht von Juli bis September, seine rosa bis weißen Blüten mit samtig behaartem Kelch stehen in end- oder achselständigen Trauben. Typisch für die Blüten sind wie bei allen Malvengewächsen die zusammengewachsenen Staubgefäße, die eine Art Röhre bilden. Die Samen entwickeln sich in scheibenförmigen, strahlig gefurchten Spaltfrüchten mit 10 bis 18 Teilfrüchten. Diese sind in einem Kreis um eine Mittelsäule angeordnet. Wenn die Früchte reif sind, zerfallen sie in die Einzelteile.

Echter Eibisch stammt ursprünglich aus Asien, vermutlich aus der Gegend um das Kaspische, das Schwarze und das östliche Mittelmeer. Wild wächst die mehrjährige Staude auf trockenen und feuchten Böden in warmen Lagen, aber auch auf Salzwiesen und Brackröhrichten, in Deutschland, zum Beispiel an der Ostseeküste. Da der Echte Eibisch in der Natur sehr selten vorkommt und in Deutschland daher unter Naturschutz steht, sind Wildsammlungen verboten. Kultiviert wird Echter Eibisch vor allem in Osteuropa.

Nach zwei Jahren werden die Pflanzen gemäht, ihre bis zu einem halben Meter langen Wurzeln ausgegraben und gereinigt. Die Wurzeln sind faserig, teilweise in sich verdreht und längs gefurcht. Ist die Hauptwurzel verholzt, wird sie entfernt. Die circa zwei Zentimeter dicken Nebenwurzeln werden in etwa 20 Zentimeter lange Stücke geschnitten, dickere Wurzeln längs gespalten. Sie trocknen an der Luft oder bei Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad. Es gibt zwei Handelssorten: die ungeschälte Wurzel (Althaeae radix naturalis) und die geschälte Wurzel (Althaeae radix mundata), bei der die Rinde vor der Trocknung entfernt wurde. Die Monographie des Europäischen Arzneibuchs erlaubt beide Sorten, die geschälte und die ungeschälte. Die Wurzelstücke schmecken süßlich und setzen beim Kauen Schleim frei. Ist die Droge überaltert oder wurde sie zu feucht gelagert, riecht sie säuerlich. Dieser Geruch entsteht durch die enzymatische Zersetzung des Schleims. Die frisch ausgegrabene Wurzel muss sehr schnell trocknen, damit sie nicht schimmelt. Verdorbene Ware ist an Flecken und einem muffigen Geruch erkennbar. Eibischblätter (Althaeae folium) sind laut Europäischem Arzneibuch die ganzen oder geschnittenen, getrockneten Laubblätter von Althaea officinalis L.

Quellungszahl als Qualitätskriterium

Eibisch ist eine sehr mild wirkende, auch in der Kindermedizin geschätzte Schleimdroge. Die Wurzeln enthalten 10 bis 20 Prozent, die Blätter etwa 6 bis 9 Prozent Schleimstoffe. Chemisch gesehen sind Schleime Polysaccharide, die beim Kontakt mit Wasser aufquellen. Wie hoch der Schleimgehalt der Droge ist, hängt vom Erntezeitpunkt ab und unterscheidet sich von Charge zu Charge. Der Schleimgehalt wird mit Hilfe der Quellungszahl bestimmt. Das Arzneibuch fordert für Eibischblätter (Althaeae folium) eine Quellungszahl von mindestens 12 und für die Wurzeln (Althaeae radix) von mindestens 10.

Eine übliche Zubereitungsart ist der Eibischsirup. Wegen des hohen Zuckergehalts ist er allerdings nur kurz haltbar, Diabetiker sollten den Gehalt an Kohlenhydraten berücksichtigen. Für die Herstellung empfiehlt der Deutsche Arzneimittel Codex (DAC in Monographie E-020) Eibischwurzel mit kaltem Wasser zu übergießen und zwei Stunden lang unter häufigem Rühren zu mazerieren. Anschließend wird das Mazerat mit Zucker versetzt, kurz aufgekocht und noch heiß koliert. Danach werden Ethanol und Konservierungsmittel zugesetzt. Das Erhitzen auf über 60 °C zerstört den Schleim teilweise. Dennoch ist dies wichtig, um den Keimgehalt zu reduzieren. Technisch hergestellte Extrakte gewinnt man durch Perkolation oder Mazeration bei Temperaturen unter 40 °C. Dadurch wird vermieden, dass sich Stärke löst und der Extrakt eindickt.

Beruhigend für die Schleimhaut

Die lindernde Wirkung von Wurzeln und Blättern bei gereizten Schleimhäuten ist anerkannt: Die beiden Positiv-Monographien der Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes benennen für die Eibischblätter die Verwendung zur Linderung bei Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und damit verbundenem trockenem Reizhusten und für die Eibischwurzel zusätzlich die Linderung bei leichten Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis). Die europäische ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) beurteilte die Wurzel ebenfalls positiv. Die enthaltenen Schleimstoffe sollen sich wie ein Film über die Schleimhaut legen und sie so vor Reizungen schützen. Auf diese Weise wird der Hustenreiz unterdrückt und auch die Schleimhaut des Magens geschützt. Für einen Tee aus Eibischblättern übergießt man ein bis zwei Gramm Droge, das entspricht in etwa zwei Teelöffeln, mit circa 150 ml heißem Wasser und lässt den Aufguss zehn Minuten ziehen. Als Tagesdosis gelten 5 Gramm Droge.

Die Herstellung eines Infuses aus Eibischwurzel ist problematisch: Durch das heiße Wasser kann die enthaltene Stärke verkleistern,  so dass die Schleimstoffe nur unzureichend extrahiert werden. Um einen hohen Gehalt der Wirkstoffe zu erhalten, ist die Anwendung in Form eines kalt angesetzten Tees (Kaltmazerat) zu bevorzugen: Hierzu wird ein Esslöffel Wurzeldroge, das entspricht 10 bis 15 Gramm, mit kaltem Wasser übergossen, ein bis zwei Stunden stehen gelassen und gelegentlich umgerührt. Diesen Tee müssen die Patienten abseihen und erst vor dem Trinken leicht erwärmen. Ein Tipp für das Beratungsgespräch: Patienten mit Reizhusten sollen mehrmals täglich eine Tasse Tee trinken und ihn möglichst lange im Mund behalten.

Eibischwurzel ist in vielen Hustentee-Mischungen wie Heumann Bronchialtee Solubifix® T sowie in den Kombinationspräparaten Phytohustil® Hustenreizstiller Sirup und Tonsilgon® Tropfen und Dragees enthalten. Das Österreichische Arzneibuch führt Species Althaeae (siehe Kasten) auf, eine Mischung aus Eibischblättern, -wurzeln, Süßholzwurzel und Malvenblüten.


Species Althaeae

  • Eibischblätter (Althaeae folium): 55 Teile
  • Eibischwurzeln (Althaeae radix): 25 Teile
  • Süßholzwurzel (Liquiritiae radix): 15 Teile
  • Malvenblüten (Malvae flos): 5 Teile


Bei leicht entzündeter Haut helfen Eibischzubereitungen als Kompresse (Kataplasma). Die Volksmedizin verwendet Eibisch außerdem gegen Entzündungen in der Mundhöhle, Insektenstiche, Durchfall oder Verstopfung. Nebenwirkungen sind bei Eibisch unbekannt, Wechselwirkungen hingegen möglich, denn der Schleim kann die Resorption anderer Arzneimittel verzögern. Daher sollten die Patienten Eibischzubereitungen zeitversetzt zu Medikamenten einnehmen.

 

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Ursula Sellerberg
Wörther Straße 13 A
10405 Berlin



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