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Interview

Als PTA bei der Bundeswehr


Von Annette van Gessel / PTA Mirjam Kraus arbeitet zurzeit als Oberfeldwebel bei der Bundeswehr. Im Interview schildert sie, warum sie sich für diese Tätigkeit entschieden hat und wie ihr Berufsalltag aussieht.

 

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PTA-Forum: Bitte schildern Sie Ihren beruflichen Werdegang.

Kraus: Mit meinem Eintritt in die Bundeswehr am 1. Januar 2005 begann die dreimonatige Allgemeine Grundausbildung, auch AGA genannt, in Rennerod im Westerwald. Der militärische Teil der AGA dauerte zwei Monate. Während dieser Zeit erlernte ich soldatische Grundfertigkeiten. Inhalt des zweiten Teils, der einen Monat dauerte, war unter anderem die Ausbildung zum Ersthelfer. Nach dem erfolgreichen Abschluss wurde ich in meine damalige Stammeinheit in Roth bei Nürnberg versetzt. Bereits im Mai 2005 folgte dann der dreimonatige Feldwebellehrgang in München.




Eine PTA bei der Bundeswehr ist in erster ­Linie Soldat und erst in zweiter Linie PTA, ­betont Kraus.

Direkt im Anschluss begann ich meine PTA-Ausbildung in der privaten Berufsfachschule für PTA in München. Nach Bestehen des ersten Ausbildungsabschnittes absolvierte ich das sechsmonatige Berufspraktikum in einer Münchner Apotheke. Mit dem Abschluss der Ausbildung wurde ich in das Sanitätsamt der Bundeswehr versetzt und zwar in die Abteilung Wehrpharmazie, wo ich auch heute noch tätig bin.

Um mich neben den Anforderungen der Bundeswehr auch fachlich im Bereich der Pharmazie fit zu halten, entschied ich mich für eine Weiterbildung zur Fach-PTA für Allgemeinpharmazie, die ich 2009 abschloss.

Im September 2009 erfolgte mein erster Auslandseinsatz in Afghanistan. Nach meiner Rückkehr ließ ich mich nebenberuflich zur staatlich anerkannten Kosmetikerin ausbilden. Dies erschien mir sinnvoll, da sowohl in meiner aktuellen Tätigkeit als auch in der Arbeit in öffentlichen Apotheken die Dermopharmazie eine immer wichtigere Rolle spielt. Daher sehe ich zusätzliches Wissen in diesem Bereich als sehr nützlich an. Im September 2011 erfolgte dann mein zweiter Auslandseinsatz in Afghanistan.

PTA-Forum: Wie kamen Sie auf die Idee, bei der Bundeswehr zu arbeiten?

Kraus: Vor meiner Bewerbung habe ich mir Gedanken über einen geeigneten Beruf gemacht. Ich wollte mit Menschen arbeiten und eine beratende oder helfende Tätigkeit ausüben. Gleichzeitig habe ich nach einer Heraus­forderung und einem Beruf mit Aufstiegschancen gesucht.

Durch einen Vortrag zur Berufsorientierung wurde ich auf die Möglichkeit einer Berufsausbildung bei der Bundeswehr aufmerksam. Von der Idee war ich begeistert. Umgehend schrieb ich eine Bewerbung, durch die ich zum Einstellungstest eingeladen wurde. Und nun bin ich schon im achten Dienstjahr bei der Bundeswehr.

PTA-Forum: Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?

Kraus: Meine derzeitige Tätigkeit ähnelt der einer PTA, die im zivilen Bereich bei einem pharmazeutischen Unternehmer arbeitet. Das heißt, ich muss unter anderem Arzneimittelzulassungen auf dem aktuellen Stand halten und bei der Erstellung neuer Packmittel und Druckvorlagen aktuelle Gesetze sowie Verordnungen berücksichtigen. Außerdem ist viel Recherche nötig, damit ich auch im Bereich der Dermopharmazeutika und Medizinprodukte stets auf dem aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft arbeiten kann.

PTA-Forum: Was ist nach Ihrer Meinung der Unterschied zu einer im zivilen Bereich tätigen PTA?

Kraus: Der große Unterschied besteht wohl in den Kleinigkeiten, die den Alltag verändern. Meine Berufsbekleidung ist die Uniform oder der Dienst­anzug und neben meinen täglichen Aufgaben muss ich meine soldatischen Pflichten erfüllen. Dazu zählen sportliche Leistungen wie Leistungsmärsche, Schießübungen und regelmäßig das deutsche Sportabzeichen abzulegen sowie diverse Lehrgänge. Nicht unerwähnt sollte auch die Bereitschaft zu Auslandseinsätzen sein.

Die Aufgaben in einer Bundeswehr-Apotheke im Vergleich zu einer normalen öffentlichen Apotheke unterscheiden sich aus meiner Sicht größtenteils durch den Wegfall des Handverkaufs. In dem Ausmaß wie in einer öffentlichen Apotheke muss ich nicht beraten und ebenso wenig Zusatzempfehlungen geben.

PTA-Forum: Was macht Ihnen aktuell die meiste Freude?

Kraus: Die Abwechslung und Vielfältigkeit meines Berufes. Als PTA übe ich einen Beruf aus, der viele Optionen bietet, und die Bundeswehr hat mir Einblicke in fast alle Tätigkeitsfelder einer PTA ermöglicht. Als Beispiele möchte ich die Bundeswehrapotheke mit Rezeptur, Defektur und Warenannahme nennen, die Laboruntersuchungen im Institut für Pharmakologie und Toxikologie sowie die Anfertigung von Rezepturen im Auslandseinsatz.

PTA-Forum: Was empfinden Sie als besondere Herausforderung?

Kraus: Hm, das ist eine schwierige Frage. Ich denke, es ist schwer die Balance zu finden – einerseits möchte ich soldatisch die besten Leistungen bringen, andererseits darf das Fachwissen unter diesem Engagement nicht leiden. Besonders in Bereichen wie der Pharmazie, der Medizin, der Technik und ähnlichen Gebieten ist die Entwicklung sehr schnell und mit Blick auf meine beruf­liche Zukunft nach der Bundeswehr möchte ich mir diesbezüglich alle Op­tionen offen halten.

PTA-Forum: Welche Eigenschaften oder Interessen sollte eine PTA haben, wenn sie eine ähnliche Tätigkeit aufnehmen möchte wie Sie?

Kraus: Als PTA bei der Bundeswehr sollte man eine gewisse körperliche Fitness mitbringen, gerne im Team arbeiten, flexibel sein, zum Beispiel im Bezug auf den Wohnort und die Tätigkeit, und außerdem gut mit Menschen umgehen können.

Da Auslandseinsätze eine wichtige Rolle spielen, sollte jede Bewerberin oder jeder Bewerber vorher diesen Aspekt bedenken, insbesondere falls sie oder er bereits Kinder hat.

PTA-Forum: Würden Sie sich noch einmal für den PTA-Beruf entscheiden, wenn Sie vor der Wahl stünden?

Kraus: Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich alles genauso machen. Die Frage, ob ich den PTA-Beruf generell empfehlen kann, müsste ich leider verneinen. Aus meiner Sicht wird der Beruf, besonders bei der Ausübung in der öffentlichen Apotheke, nicht ausreichend geschätzt. Die PTA trägt eine hohe Verantwortung und dies sollte sich auch in der Öffentlichkeit und im Gehalt widerspiegeln. Dies ist leider nicht der Fall, im Gegenteil – Neuerungen wie das AMNOG und die geplante neue Apothekenbetriebsordnung sowie die zahlreichen Gesundheitsreformen erschweren noch zusätzlich den Berufsalltag des Apothekenteams sowie die Arbeitsbedingungen für PTAs. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2012

 

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