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Nagelerkrankungen

Mehr als kosmetisch störend


Von Ute Koch / Schöne Nägel an Händen und Füßen sind Symbole für ein gepflegtes und modisches Erscheinungsbild. So stehen Menschen mit Nagelproblemen unter einem enormen Leidensdruck, insbesondere, wenn die für jedermann sicht­baren Hände davon betroffen sind. Dabei sind starke Nagel­veränderungen nicht nur optisch unschön, sondern gleichzeitig eine Behinderung im Alltag.

 

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Wer in Beruf oder Hobby seine Hände und Nägel mechanisch oder chemisch stark beansprucht, beobachtet häufig, dass sich das Aussehen und die Beschaffenheit der Nägel mit der Zeit verändern. Dieses Phänomen kann aber auch die Folge einer ernsten Krankheit sein. Ist dies der Fall, lassen sich die Nagelprobleme nur beheben, wenn die Grunderkrankung behandelt oder die Auslöser ausgeschaltet werden.




Feilen ist die schonendste Methode, Nägel zu kürzen. Am besten eignet sich eine Sandfeile.

Foto: Fotolia/detailblick


Nagelschutz und -pflege

Apothekenkunden, deren Nagelprobleme aus einem ständigen Kontakt mit Wasser, Reinigungsmitteln oder Chemikalien resultieren, sollten PTA und Apotheker dazu raten, Schutzhandschuhe zu tragen sowie Hände und Fingernägel regelmäßig einzucremen. Hierfür geeignet sind Produkte mit einem hohen Harnstoffgehalt und spezielle Nagelöle. Wichtig ist auch das richtige Kürzen der Nägel: An den Händen sollten sie rund geschnitten werden, an den Füßen hingegen gerade, damit die Fußnägel seitlich nicht einwachsen. Das Schneiden der Nägel sollte erfolgen, wenn sich diese besonders weich sind, zum Beispiel nach dem Baden, Duschen oder einem Hand- oder Fußbad. Günstiger als Schneiden ist jedoch Feilen, wofür jeder nur hochwertige Produkte wie Sandblattfeilen verwenden sollte. Wer seine Nägel feilt, darf diese vor dem Kürzen nicht erweichen.

Die zu den Hautanhangsgebilden gehörenden Nägel sind Platten aus dicht gepackten, sehr harten Hornschichten (Keratin). Sie schützen die Zehen- und Fingerspitzen vor Verletzungen. An den Fingern erleichtern sie außerdem das Greifen und den Umgang mit kleinen Gegenständen. Ein gesunder Nagel (Unguis) hat eine glatte Oberfläche, glänzt matt, ist blassrosa gefärbt, ein wenig elastisch und leicht nach außen gewölbt. Die rosa Farbe resultiert da­raus, dass die Nagelplatte in diesem Bereich durchsichtig ist und das darunterliegende, gut durchblutete Nagelbett (Onychium) durchscheint. Hingegen ist der Nagelhalbmond (Lunula) weiß. Er ist der sichtbare Ausläufer der unter der Haut gelegenen Nagelwurzel (Nagelmatrix), der Wachstumszone der Nagelplatte. Hier werden ständig neue Hornzellen gebildet und auf dem Nagelbett nach vorn geschoben. Ein Fingernagel wächst etwa einen Millimeter pro Woche, ein Zehennagel nur halb so viel. Am körpernahen Nagelende befindet sich das Nagelhäutchen (Cuticula). Die Hautwulst, die die Nagelplatte umgibt, heißt Nagelfalz.

Weiße Nagelplatte

Eine Weißfärbung (Leukonychie) kann in Form von Flecken oder Streifen auftreten. Als Ursachen gelten Verletzungen, zum Beispiel durch das unvorsichtige Zurückschieben oder Schneiden des Nagelhäutchens. Auch Pilzinfektionen können weiße Flecken erzeugen. Ist die gesamte Nagelplatte weiß gefärbt, hat dies meist erbliche Ursachen. Eher seltener sind sie durch einen Herzfehler oder Leberzirrhose bedingt. Schwarze Verfärbungen entstehen durch eine Blutung im Nagelbereich, ein Muttermal oder schwarzen Hautkrebs (Melanom).



Nehmen die Nägel eine bläuliche Farbe an, liegt ein Sauerstoffmangel im Blut beziehungsweise im Gewebe vor. Am häufigsten verursacht starkes Frieren die Blaufärbung. Auch viele ernste Krankheiten bewirken ein Blauwerden der Nägel: Herzfehler, Schock und Lungenembolie. Und nicht zuletzt verfärben sich die Nägel unschön, wenn dunkle Nagellacke ohne Unterlack aufgetragen werden. Außerdem können die Zehennägel durch Schuhe verfärbt werden und die Fingernägel durch Nicotin.

Eine Längsriffelung der Nagelplatte ist meist eine ganz normale Alterserscheinung, seltener die Folge ernster Krankheiten, wie der Schuppenflechte. Querfurchen (Beau-Reil-Furchen), die sich rissartig an allen Nägeln über die gesamte Nagelplatte hinwegziehen, beruhen auf einer zeitweiligen Störung des Nagelwachstums. Auslöser sind Infektionen wie eine Lungenentzündung oder eine Chemotherapie.

Als Uhrglasnägel werden vergrößerte, rundlich geformte und stark nach außen gewölbte Fingernägel bezeichnet. Sie treten bei Trommelschlägelfingern auf, bei denen die Weichteile der Fingerendglieder kolbenförmig aufgetrieben sind. Trommelschlägelfinger können erblich bedingt sein. Viel häufiger liegt ihnen jedoch ein chronischer Sauerstoffmangel im Blut (Zyanose) zugrunde wie bei Menschen mit bestimmten Herzfehlern oder chronischer Lungenerkrankung.



Charakteristisch für sogenannte Löffelnägel sind dünne Nagelplatten, die wie ein Löffel eingedellt sind und am freien Nagelrand zum Splittern neigen. Löffelnägel entstehen bevorzugt an den Fingern als Folge einer starken Nagelerweichung (Onychomalazie). Diese kann durch eine Eisenmangel­anämie, ständiges Arbeiten in feucht-warmem Milieu oder langen Kontakt mit Waschmitteln oder Chemikalien (Entfetten der Nagelplatte) bedingt sein. Krallennägel hingegen sind überwiegend ein Problem der großen Zehen. Typischerweise ist die Nagelplatte dann stark verdickt und gekrümmt. Zu den Hauptursachen gehören Durchblutungsstörungen, Nervenschäden und erbliche Faktoren.

Weiche Nägel

Brüchige und weiche Nägel (Onychorrhexis), bei denen der freie Rand der Nagelplatte splittert und einreißt, resultieren zumeist aus einem häufigen Kontakt mit Wasser, Haushaltchemikalien, zum Beispiel mit Geschirrspül- und anderen Reinigungsmitteln, sowie Nagellack und Nagellackentferner. Wasser und die genannten Produkte entziehen den Nägeln Fett. Auch die übermäßige mechanische Beanspruchung bei Hausarbeiten, handwerklichen Tätigkeiten, dem Spielen eines Seiteninstrumentes oder unsachgemäßer Maniküre kann die Stabilität der Nägel verringern, ebenso Unterernährung und ein ausgeprägter Eisenmangel.

Eine Längsspaltung des Nagels (Onychoschisis) hat in der Regel ähnliche Ursachen wie brüchige, weiche Nägel. Löst sich die Nagelplatte teilweise oder vollständig (Onycholysis) vom Nagelbett ab, ist dies meist die Folge äußerer Gewalt oder einer fortgeschrittenen Pilzinfektion. Die Nagelplatte löst sich auch dann vom Nagelbett ab, wenn dieses durch Entzündungsprozesse oder einen Bluterguss stark angeschwollen ist.

Pilzinfektionen an Zehen

Ein Nagelpilz (Onychomykose) breitet sich zumeist vom freien Ende des Nagels allmählich in Richtung Nagelma­trix aus. Anfangs verliert die Nagelplatte an Glanz, später kommen weißliche und im fortgeschrittenen Stadium gelbliche bis bräunliche Verfärbungen (»Ölflecke«) hinzu. Parallel verdickt und verformt sich die Nagelplatte, manchmal hebt sie sich sogar vom Nagelbett ab. Außerdem kann sie brüchig werden oder sogar zerbröseln. In mehr als 80 Prozent der Fälle sind Fadenpilze (Dermatophyten) die Verursacher, seltener Schimmelpilze, Hefepilze (Candida-Arten) oder eine Mischinfektion.



Die Zehennägel sind viel häufiger betroffen als die Fingernägel. Hauptgründe hierfür sind das feucht-warme Milieu in geschlossenen Schuhen, das Pilzen ideale Lebensbedingungen verschafft. Außerdem ist das Risiko hoch, sich an den Füßen zu verletzen. Selbst die winzigsten Mikrorisse der Haut nutzen die Erreger als Eintrittspforte. Hinzu kommt, dass eine Pilzinfektion der Haut leicht auf die Nägel übergreift. Für die Therapie eines Nagelpilzes sind rezeptfreie, antimykotische Nagellacke die Mittel der ersten Wahl. In hartnäckigen Fällen können auch systemische Antimykotika erforderlich sein, die nur der Arzt verordnen kann.

Nagelprobleme bei ­Psoriasis

Fast alle bisher beschriebenen Nagelveränderungen können auch das Merkmal einer Schuppenflechte (Psoriasis) sein. Schätzungsweise 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung sind Psoriatiker, damit ist die Psoriasis eine der häufigsten, chronischen Hautkrankheiten. Bei dieser erblich bedingten Autoimmun­krankheit richtet sich das körpereigene Abwehrsystem gegen die Zellen der Oberhaut (Epidermis). Folglich kommt es zu einer vermehrten Bildung und Abstoßung von Hornzellen (Hyperkeratose) und zu Entzündungsreaktionen. Diese wiederum führen zu einer ausgeprägten, silbrig-weißen Schuppung auf scharf begrenzten, runden, leicht erhabenen, rötlichen Flecken (Plaques). Bei etwa der Hälfte der Psoriasispatienten zeigt sich die Krankheit gleichzeitig an den Nägeln.




Schuppenflechte und Pilze können auch die harte Nagelplatte charakteristisch verändern.

Fotos: Fotolia/Bill Ernest (o.), Farina3000, gabrielejasmin (u.)


Zu den weiteren Nagelveränderungen der Erkrankten zählen Tüpfelnägel, die an punktförmigen, oberflächlichen »Einstanzungen« in der Nagelplatte erkennbar sind. Auch Ölflecknägel, bei denen sich gelbliche Flecke unter der Nagelplatte befinden, sind für die Schuppenflechte charakteristisch. Bei ausgeprägtem Krankheitsverlauf sind Krümelnägel möglich, die mit einem bröckeligen Nagelzerfall einhergehen oder einem Ablösen der Nagelplatte. Menschen mit Schuppenflechte müssen in jedem Fall von einem Arzt behandelt werden, der auf ein breites Spektrum an topischen und systemischen Therapieoptionen zurückgreifen kann.

Eitrige Entzündungen

Überwiegend ein Problem der großen Zehen ist das Einwachsen der Nagelränder in die umgebenden Hautbereiche (Nagelfalz). Die häufige Folge sind eitrige Entzündungen, bei der sich die Haut zunächst rötet, dann anschwillt, pochend schmerzt und eventuell auch eitert. Begünstigt wird das Beschwerdebild durch falsches Schneiden oder Feilen der Nägel und durch zu enges Schuhwerk. Ist der Nagel nur leicht eingewachsen, helfen Fußbäder und das anschließende, vorsichtige Entfernen der betroffenen Haut. Bei starken Beschwerden gehört die Behandlung in die Hand eines Fußpflegers oder Arztes. In jedem Fall ernst zu nehmen sind eitrige Finger- oder Zehenentzündungen. Unbehandelt können diese auf Sehnen und Knochen übergehen. Ist dies der Fall, droht der Verlust des betreffenden Fingers oder Zehs. Daher sollten PTA oder Apotheker dem Patienten bereits bei den ersten Krankheitszeichen zum Arztbesuch zu raten. Charakteristischerweise rötet sich das betroffene Glied, schwillt an und ist dadurch in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Außerdem machen sich pochende Schmerzen bemerkbar. Sammelt sich Eiter unter der Nagelplatte, liegt eine Nagelbettentzündung (Onychie, Onychitis) vor. Bei der Nagelfalzentzündung (Paronychie) betrifft die eitrige Entzündung die Hautwulst um den Nagel he­rum. Daher wird die Erkrankung auch »Nagelumlauf« genannt. Die Behandlung besteht im Allgemeinen im Ruhigstellen (eventuell mit einer Schiene) der Hand oder des Fußes, antiseptischen Lokaltherapeutika und/oder der Einnahme eines Antibiotikums. Gegebenenfalls müssen die Eiteransammlungen chirurgisch entfernt werden. /


E-Mail-Adresse der Verfasserin

ute.koch@berlin.de



Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2012

 

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