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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Wolfstrapp

Foto: Sertürner

Regulator der Schilddrüse

von Brigitte M. Gensthaler, München

Eine wenig bekannte Arzneipflanze ist der Wolfstrapp. Zubereitungen aus der Droge werden bei leichten Schilddrüsenproblemen und nervösen Herzbeschwerden eingesetzt. Neuere Untersuchungen belegen regulierende Effekte auf die Schilddrüse.

Der Gemeine Wolfstrapp ist eine bis zu ein Meter hohe Staude, die zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) gehört. Die krautige Pflanze mit dem vierkantigen Stängel ist in Europa und Asien (Lycopus europaeus L.) sowie in Nordamerika (L. virginicus L.) heimisch und wächst bevorzugt in der Nähe von Gewässern, in feuchten Gräben und auf nassen Wiesen. Sie bildet meist lange unterirdische Ausläufer. Die lanzettlichen Blätter sind 3 bis 8 cm lang, grob und tief zersägt. Der botanische Name Lycopus leitet sich von den griechischen Worten für »Wolf« und »Fuß« ab, da die Blattform dem Abdruck einer Wolfspfote ähnelt.

Im deutschen Volksmund heißt die Pflanze auch Wolfsfuß, Uferwolfstrapp und Wasserandorn, was auf den bevorzugten Standort hinweist. Die kleinen weißen bis rosafarbenen, zweilippigen Blüten stehen in fast kugeligen Scheinquirlen in den oberen Blattachseln. Wolfstrapp blüht von Juli bis September.

Pharmazeutisch verwendet werden die frischen oder getrockneten oberirdischen Teile der Pflanze; diese stammen aus Wildsammlungen oder Kulturen in südosteuropäischen Ländern. Im Handel gibt es Monopräparate (zum Beispiel Thyreo-loges® und Thyreogutt® mono) sowie Kombinationen, zum Beispiel mit Herzgespannkraut und Baldrian, die in der Roten Liste als »pflanzliche Thyreostatika« eingeordnet sind.

Bei Brustspannen und Herzleiden

Die wissenschaftliche Datenlage zum Wolfstrapp ist insgesamt dünn. Die Kommission E beim früheren Bundesgesundheitsamt hat 1990 eine Monographie verabschiedet und darin sowohl Lycopus europaeus als auch Lycopus virginicus als Stammpflanzen für die Droge Lycopi herba zugelassen. Als Anwendungsgebiete werden »leichte Formen der Schilddrüsenüberfunktion mit vegetativ-nervösen Beschwerden« und »Spannungsgefühl und Schmerzen in der Brustdrüse (Mastodynie)« aufgelistet. Als mittlere Tagesdosis nannten die Experten: 1 bis 2 g Droge für Teeaufgüsse oder eine Menge wässrig-ethanolischen Extraktes, die 20 mg Droge entspricht. Diese Angaben können aber nur als grobe Anhaltspunkte dienen, da der optimale Schilddrüsenhormonspiegel jedes Menschen sehr unterschiedlich ist. Die Dosierung soll daher individuell anhand des Beschwerdebildes erfolgen.

Homöopathen setzen Lycopus virginicus bei Patienten mit Störungen der Schilddrüse und der Herzfunktion ein. Sie geben das Mittel unter anderem bei Hyperthyreose und Morbus Basedow (einer immunologisch bedingten Schilddrüsenüberfunktion) sowie Tremor, häufigen Schweißausbrüchen und nervösen Herzbeschwerden.

Die Droge enthält Phenolcarbonsäuren (Hydroxyzimt- und Kaffeesäurederivate wie Lithospermsäure), Flavonoide, Gerbstoffe, Diterpene und kleine Mengen ätherisches Öl. Vor allem die phenolischen Inhaltsstoffe werden für die dämpfenden Effekte auf die Schilddrüse (antithyreotrope Wirkung) verantwortlich gemacht.

In Experimenten konnten Forscher nachweisen, dass Wolfstrapp die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen auf verschiedenen Wegen hemmt. Zudem senken Extrakte den Prolaktinspiegel, schreibt die Kommission E. Darauf beruht die Anwendung der Droge bei Patienten mit leichter Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und vegetativ-nervösen Beschwerden, die sich als Unruhe, Nervosität, Herzrasen, Engegefühl im Hals (Kloßgefühl) und Schlafstörungen äußern, sowie bei Mastodynie. Wichtig ist, dass ein Arzt die Diagnose stellt und die Therapie überwacht.

In älteren Untersuchungen berichteten Patienten über eine Besserung ihrer Schweißausbrüche, des Durchfalls, Haarausfalls, innerer Unruhe, Schlafstörungen und Herzbeschwerden sowie über die Linderung von Brustschmerzen vor der Regelblutung. Diese Untersuchungen sind jedoch teilweise Jahrzehnte alt und entsprechen meist nicht den heutigen Anforderungen an klinische Prüfungen.

Aussagekräftiger sind neuere Studien. So untersuchte die Forschergruppe um Professor Dr. Hilke Winterhoff von der Universität Münster kürzlich die Effekte von ethanolischem Lycopus-Extrakt sowie Drogenpulver bei Ratten mit einer künstlich erzeugten Überfunktion der Schilddrüse. Auch in sehr geringen Mengen konnte Lycopus die Herzsymptome und die erhöhte Körpertemperatur deutlich senken. In zwei kleinen Anwendungsbeobachtungen wurden ein Präparat mit gepulverter Droge sowie eine homöopathische Lycopus-Urtinktur getestet. Bei einem Teil der Patienten besserten sich Herzbeschwerden und Kloßgefühl.

Einschleichend dosieren

Wolfstrapp-Kraut darf nicht bei Patienten mit Unterfunktion der Schilddrüse oder mit Schilddrüsenvergrößerung ohne Funktionsstörung eingesetzt werden. Außerdem sollen Patienten das Phytopräparat nicht anwenden, wenn bei ihnen eine Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormonen durchgeführt wird. Entscheidet sich der Arzt für die Therapie mit Lycopus, beginnt er die Behandlung einschleichend und beendet sie auf die gleiche Weise, denn ein plötzliches Absetzen kann die Beschwerden verstärken. Wichtig zu wissen: Eine Lycopus-Therapie kann die Schilddrüsendiagnostik mit Radioisotopen stören. 

 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
bm.gensthaler(at)t-online.de

 



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