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Naturheilkunde

Nach dem Infekt immer noch krank


Von Oliver Ploss / Immer häufiger suchen Patienten die Praxis eines naturheilkundlich arbeitenden Therapeuten auf, weil sie mit den Folgen eines überstandenen Infekts kämpfen. In den meisten Fällen ist der Erreger gar nicht mehr nachweisbar, da der Infekt erfolgreich behandelt wurde oder das Immunsystem den Erreger unschädlich gemacht hat.

 

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Häufig sind die Beschwerden dann eher durch toxische Restbelastungen im Bindegewebe bedingt. Angesammelt haben sich dort nicht nur die Ausscheidungsprodukte der Krankheitserreger wie Erregertoxine oder Ektotoxine, sondern auch die Bruchstücke der abgetöteten Erreger (Endotoxine), eventuell sogar noch deren Restbestände. Diese Belastungen des Bindegewebes, dem sogenannten Pischinger Raum, werden als Erregertoxikosen bezeichnet. Sie verändern die Homöostase und supprimieren das Immunsystem auf Dauer.




Für ein anhaltendes Krankheitsgefühl nach einem Infekt sind womöglich bakterielle Zersetzungsprodukte verantwortlich.

Foto: Shutterstock/Janina Dierks


Dadurch verursachen sie zum einen Jahre später überraschend neue Symptome des eigentlich überstandenen Infekts, zum Beispiel in Form der Spät-Borreliose. Zum anderen können sie dazu führen, dass der Infekt chronisch wird, zum Beispiel bei der Post-Zoster-Neuralgie. Drittens kann aufgrund der Belastung eine völlig andere, neue (maskierte) Erkrankung entstehen, beispielsweise aus einer Tuberkulotoxikose eine chronische Bronchitis oder Psoriasis.

Ausscheidungen der Erreger

Ektotoxine werden von lebenden Bakterien abgesondert und sind thermolabile, eiweißartige Verbindungen wie die Diphterie-, Tetanus-, Botulinus- und Gasbrandtoxine. Ferner bilden Staphylo- und Streptokokken ebenso wie Ruhr- und Typhus-, aber auch Colibakterien Ektotoxine.

Zur Mobilisierung beziehungsweise Beseitigung der Ektotoxine aus dem Pischinger Raum kann die Nosoden­therapie mit der Haptentherapie kombiniert werden. Die Haptentherapie zählt zur Sanum-Therapie nach Professor Enderlein. Das homologe Hapten überführt die Ektotoxine in ein Voll­antigen, sodass sie durch die entsprechenden Nosoden besser eliminiert werden können.

Im Unterschied zu den Ektotoxinen sind Endotoxine thermostabile, zellu­läre Bestandteile, die nach der Zer­störung von Bakterien frei werden. Sie können starke immunologische Folgereaktionen auslösen, beispielsweise die Jarisch-Herxheimersche-Reaktion (siehe Kasten). Deshalb ist eine Entgiftungs- und Ausleitungstherapie durchaus schon parallel zu einer Antibiose sinnvoll.

Nosodeneinsatz

Die Nosodentherapie ist ein ­direkter Weg, die im Mesen­chym abgelagerten Erregertoxine zu mobilisieren und zur Ausscheidung zu bringen. Sie sollte deshalb grundlegender Bestandteil einer Entgiftungsthe­rapie bei Erregertoxikosen sein, denn nach einer Infektionskrankheit verbleiben die Erregertoxine häufig im Bindegewebe. Naturheilkundlich arbeitende Therapeuten setzen Einzelnosoden und/oder sogenannte Erbnosoden (zum Beispiel metabiarex®) ein, um diese »Giftblockaden« im Bindegewebe zu mobilisieren und damit abzubauen. Zudem kombinieren sie die Erbnosoden mit anderen Nosoden oder homöopathischen Mitteln, um ein breiteres Wirkungsspektrum und eine größere Effizienz zu erreichen. Gleichzeitig verordnen sie zusätzlich Drainagemittel für Niere, Leber und Lymphe. Nur so können die mobilisierten Toxine aus dem Körper ausgeschieden werden. Nach Beseitigung der Erregertoxine sprechen die Patienten meist auf andere Therapeutika wieder besser an.

Post-Zoster-Neuralgie

Schätzungen zufolge sind rund 90 Prozent der über 14-jährigen Europäer aufgrund einer Windpocken-Infektion Träger des Varizella-Zoster-Virus und so auch belastet mit dessen Toxinen. Immer wieder klagen Patienten trotz erfolgreicher Therapie der Gürtelrose noch über massive Nervenschmerzen, die im Laufe der Zeit sogar stärker werden. Das kann daraus resultieren, dass das Nervenbinde­gewebe mit Ekto- und Endotoxinen des Zoster-Virus belastet ist. Bei diesen Patienten hat sich eine Entgiftungs- und Ausleitungstherapie aus drei Komponenten bewährt.



Die Bindegewebsentgiftung erfolgt mit metabiarex® N Tropfen in der Dosierung von dreimal täglich 30 Tropfen und Herpes-Zoster-Nosode D200 Glob., von denen die Patienten einmal wöchentlich 1 Globulum nehmen sollen, eventuell noch zusätzlich Sanukehl® Prot D6 in der Dosierung von 10 Tropfen an jedem zweiten Tag. Zur parallelen Ausleitung (Drainage) erhalten die Patienten eine Mischung aus gleichen Teilen metaheptachol® N Tropfen, metasolidago® S Tropfen und Lymphaden Hevert Complex Tropfen in einer Dosierung von dreimal täglich 30 Tropfen. Begleitet wird diese Therapie durch die einmal wöchentliche intramuskuläre Mischinjektion von metabiarex®S, metasolidago®S, metahepat, Cefalymphat® und Vitamin B12-forte Hevert Ampullen plus Herpes zoster-Nosode-Injeel.

Parallel dazu erfolgt eine Korrektur des Säure-Basen-Haushalts mit Basosyx Tabletten in der Dosierung von abends 2 Tabletten und der dreimal täglichen Einnahme von RMS Asconex® Tropfen. Außerdem sollen die Patienten auf eine Ernährung mit reichlich ω-3-Fettsäuren und wenig ω-6-Fett­säuren achten.

Sollte eine Akuttherapie notwendig sein, erhalten die Patienten eine Kombination aus Unizink® Kapseln, in der Dosierung von zweimal täglich 1 Kapsel, Vitamin B-Komplex forte Hevert Tabl., von denen sie täglich 1 bis 2 Tabletten nehmen sollen, und Diluplex® Tropfen in der Dosierung von dreimal täglich 30 Tropfen.

Diese Therapie können sie ergänzen, indem sie täglich mehrere Sprühstöße Spenglersan Kolloid G auf die betroffenen Stellen aufbringen. Die Behandlung sollten sie so lange fortsetzen, bis sich die Beschwerden merklich bessern oder vollständig verschwunden sind, mindestens jedoch sechs bis acht Wochen lang.

Eppstein-Barr-Virus

Mit dem Eppstein-Barr-Virus (EBV) infizieren sich die meisten Menschen bereits im Kindesalter. In der Regel treten zunächst keine Symptome auf. Später erkranken 30 bis 60 Prozent der jugendlichen oder erwachsenen Infizierten am Pfeifferschen Drüsenfieber. Ab dem 40. Lebensjahr sind circa 98 Prozent der Menschen mit EBV und seinen Ekto­toxinen infiziert. Unabhängig davon, ob die Virusinfektion asymptomatisch verlief oder Beschwerden verursachte, können das Virus und seine Toxine ein Leben lang im Körper verbleiben und wie alle Herpesviren reaktiviert werden. Für gewöhnlich bemerkt der Betroffene die Reaktivierung nicht, weil sein Immunsystem die Viren schnell eindämmt. Bei Immunsupprimierten, zum Beispiel HIV-Infizierten oder Organempfängern, kann sich das Virus unkontrolliert vermehren und die toxische Belastung sehr hoch werden. Dieser Prozess kann zur Entstehung verschiedener seltener Krebserkrankungen beitragen. So besteht schon lange der Verdacht, dass Eppstein-Barr-Viren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Morbus Hodgkin und eines Burkitt-Lymphoms spielen sowie von Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Lupus erythematodes und rheumatoider Arthritis. Auch das Chronische Erschöpfungssyndrom wird mit dem Virus in Verbindung gebracht.


Herxheimersche Reaktion

Von der Jarisch-Herxheimer-Reaktion sprechen naturheilkundlich orientierte Therapeuten, wenn sich unter einer antibiotischen Therapie die Symptome der Infektion noch verstärken. Da die Erreger Bestandteile ihrer Zellwand und Toxine (Endotoxine) freisetzen, kommt es zu einer regelrechten »Toxinflut« im Körper. Die Folge ist eine erhöhte Ausschüttung von TNF-alpha und Interferon-gamma. Die Patienten reagieren mit Fieber, Entzündungen und Schmerzen.


Zur Bindegewebsentgiftung und Ausleitung der Endotoxine und Ektoxine hat sich dieselbe Kombinationstherapie wie bei der Post-Zoster-Neuralgie bewährt mit einem einzigen Unterschied: Statt der Herpes-Zoster-Nosode wird nun die Eppstein-Barr-Nosode eingesetzt. Die parallele Ausleitung erfolgt mit derselben Tropfenmischung. In der Entgiftungs- und Ausleitungs­injektion fehlen die Ampullen mit Herpes-zoster-Nosode. Die Korrektur des Säure-Basen-Haushalts und die Empfehlungen zur Ernährung entsprechen sich zu 100 Prozent. Die eventuell notwendige Akuttherapie besteht aus der Kombination von Vitasprint B12 Trink­ampullen, in der Dosierung von 1 Trink­ampulle täglich, und der Kombination aus den Schüssler Salzen Nummer 3 D12, (dreimal täglich 2 Tabletten) und Nummer 13 und Nummer 26 in D6 jeweils dreimal täglich 1 Tablette sowie aus Aufbaunahrung Nestmann, ein- bis zweimal täglich 1 Messbecher.

Auch diese Behandlung sollten die Patienten so lange fortsetzen, bis sich die Beschwerden merklich bessern oder vollständig verschwunden sind, mindestens jedoch sechs bis acht Wochen lang.

Lamblia intestinalis

Giardia lamblia, auch Giardia intestinalis oder Giardia duodenalis genannt, ist ein einzelliger Parasit aus der Gattung der Giardien. Er befällt Menschen und andere Säugetiere wie Hunde und Katzen, Amphibien, Reptilien und Vögel. Benannt ist er nach dem französischen Biologen Alfred Mathieu Giard (1846 bis 1908) und dem böhmischen Arzt Vilém Dušan Lambl (1824 bis 1895). Etwa 10 Prozent der Weltbevölkerung sind mit Lamblien und ihren Toxinen infiziert, vor allem Kinder. Der Parasit gelangt üblicherweise über kontaminiertes Oberflächenwasser, in dem sich seine Dauerformen (Zysten) befinden, in den menschlichen Darm, seltener über Kontakte mit Fliegen. Unter Tropenreisenden ist es die häufigste Infektion durch Protozoen.




Auch nach einer Infektion mit Herpes-zoster-Viren (oben) oder dem Parasiten Giardia lamblia können deren Stoffwechselprodukte und Zellbestandteile dem Körper schaden.

Fotos: dpa


Die Infektion mit Giardia lamblia ist in Deutschland meldepflichtig. Dass sie sich mit Lamblien infiziert haben, bemerken die Betroffenen meist nicht. Manche klagen über einen Blähbauch, Druckschmerz rund um den Nabel, Durchfälle oder Gewichtsverlust. Zu den weiteren Symptomen zählen Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Nach der konservativen Therapie mit Metronidazol können entstandene Endotoxine im Körper Folgeprobleme auslösen.

Zur Bindegewebsentgiftung und Ausleitungstherapie wird als Nosode Lamblia intestinalis Nosode D200 Glob eingesetzt. Die parallele Ausleitung erfolgt mit derselben Tropfenmischung wie bei der Post-Zoster-Neuralgie und dem Eppstein-Barr-Virus. In der parallelen Entgiftungs- und Ausleitungsinjektion folgen Toxi-loges® Ampullen als fünftes Präparat. Die Korrektur des Säure-Basen-Haushalts ist identisch und auch die Ernährungsempfeh­lungen.

Falls eine Akuttherapie erforderlich ist, soll der Patient dreimal täglich 30 Tropfen einer Mischung aus gleichen Teilen metanuxvomica Tropfen, Apomorphin N Oligoplex® Tropfen und metakaveron® Tropfen einnehmen. Parallel dazu erhält er einmal in der Woche subkutan in den Unterleib als Misch­injektion jeweils 2 Milliliter aus Spascu­preel®, Cupraceen, gastri-loges® N, Zincum valerianicum Hevert und Roewo® ZE-1 Ampullen (Asconex). Die Therapie erfolgt wiederum mindestens sechs bis acht Wochen, bis die Beschwerden sich merklich gebessert haben oder vollständig verschwunden sind. /


E-Mail-Adresse des Verfassers

dr_ploss@yahoo.de



Beitrag erschienen in Ausgabe 12/2012

 

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