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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Besenginster

Foto: Schöpke

Schwung für den Kreislauf

von Ursula Sellerberg, Berlin

Im Sommer schmücken die gelb blühenden Büsche des Besenginsters in ganz Deutschland Böschungen an Eisenbahntrassen oder entlang der Autobahnen. Auch in lichten Wäldern, auf Heiden oder an trockenen Wegrändern wächst diese Heil- und Zierpflanze. Pharmazeutisch genutzt wird sie bei funktionellen Herz-Kreislauf-Störungen und niedrigem Blutdruck.

Die rutenförmigen Zweige des Gewöhnlichen Besenginsters (Cytisus scoparius oder Sarothamnus scoparius) verwendeten die Menschen früher als Material für Holzbesen. So leitet sich nicht nur der deutsche Name, sondern auch der Gattungsname Sarothamnus vom griechischen saron = Besen und thamnos = Strauch ab. Andere volkstümliche Namen sind Besenstrauch, Eifelgold, Mägdebusch, Ginsterkraut oder auch Geißklee. Der spärlich belaubte Strauch gehört zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) und kann bis zu 2 m hoch wachsen. Seine Sprosse dienten früher als Färbemittel, die Fasern der Rinde als Ersatz für Jutefasern. Die oben ungeteilten Blätter setzen sich im unteren Teil aus drei seidig behaarten Teilblättchen zusammen. Im Frühsommer entwickeln sich die auffallend goldgelben, etwa 2 cm großen zweilippigen Schmetterlingsblüten einzeln oder zu zweit an den grünen, fünfkantigen Zweigen. Sie sind gelegentlich in Teemischungen als Schmuckdroge (Cytisi scoparii flos) enthalten. Die geschlossenen Knospen wurden früher als Ersatz für Kapern in Essig und Öl eingelegt ("Geiß-Kapern"). Die 4 bis 5 cm langen flachen Hülsenfrüchte bilden sich im Hochsommer. Sie sind schwarzbraun, anfangs am Rande behaart und öffnen sich an heißen Sommertagen mit einem knackenden Geräusch. Dann springen die dunkelbraunen kugeligen Samen heraus.

Alkaloide aus Zweigspitzen

Der beliebte Zierstrauch bevorzugt sonnige und sandige Standorte in weiten Teilen Europas. Die Droge stammt überwiegend aus Wildsammlungen. Pharmazeutisch verwendet wird das Besenginsterkraut (Sarothamni scoparii herba). Gesammelt werden die grünen Zweigspitzen mit den Blättern, die sich beim Trocknen schwarz färben.

Der Hauptwirkstoff des Besenginsters ist das Alkaloid Spartein, ein Chinolizidin-Alkaloid. Als Antiarrhythmikum stabilisiert es Zellmembranen und kann daher eine übersteigerte Erregbarkeit verringern. Seine Bedeutung als Arzneisubstanz gegen Herzrhythmusstörungen hat reines Spartein allerdings weitgehend verloren. Der DAC fordert für Besenginsterkraut einen Sparteingehalt von mindestens 0,7 Prozent. In den Blüten ist es nur zu etwa 0,3 Prozent, in unreifen Samen hingegen zu 1,5 Prozent enthalten. Während des Reifungsprozesses wandelt es sich in den Samen in das Alkaloid Lupanin um. Wichtig für Eltern:

Besenginster-Samen können nach dem Verschlucken bei Kindern zu Vergiftungen führen. Außerdem können einige Menschen das Spartein im Körper nur sehr schlecht abbauen. In der Folge kann die gleiche Sparteindosis bei verschiedenen Menschen unterschiedlich wirken, was nicht vorhersehbar und damit unkalkulierbar ist. Auch bei Erwachsenen kann das Alkaloid die Herzfrequenz beschleunigen sowie Vergiftungssymptome wie Lähmungen oder sogar Kreislaufversagen verursachen.

Weitere Inhaltsstoffe des Besenginsterkrauts sind Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide sowie die biogenen Amine Dopamin und Tyramin. Tyramin ist im Besenginsterkraut bis zu 2 Prozent enthalten. Als Vorstufe verschiedener Botenstoffe im menschlichen Gehirn fördert es indirekt den Sympathikus (Sympathomimetikum). Es bewirkt, dass sich Gefäße verengen und der Blutdruck steigt. Besenginsterkraut verträgt sich nicht mit MAO-Hemmern wie Selegilin (zum Beispiel Movergan®) oder Maprotilin (zum Beispiel Ludiomil®), weil diese den Abbau des Tyramins hemmen und es dadurch zu einer überschießenden Blutdrucksteigerung (Flush) kommen kann. MAO-Hemmer werden unter anderem gegen Parkinsonerkrankungen oder bestimmte Formen der Depression eingesetzt.

Kreislaufregulation verbessert

Die Kommission E, eine Expertengruppe des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes zur Bewertung der Wirksamkeit von Heilpflanzen, beurteilte das Besenginsterkraut positiv. Die Droge oder Drogenextrakte verbessern die Kreislaufregulation und können gegen funktionelle Herz- oder Kreislaufbeschwerden ohne organische Ursache eingesetzt werden. Sie erhöhen zu niedrigen Blutdruck und lindern zu starke Regelblutungen. Vor einer Selbstmedikation sollten Apotheker und PTA Patienten allerdings an einen Arzt verweisen, der zunächst eine behandlungsbedürftige organische Erkrankung ausschließen muss.

Da der Gehalt an Spartein in der Teedroge schwanken kann und Spartein relativ stark wirksam ist, sind standardisierte Extrakte (zum Beispiel Spartiol® oder Cefacor®) empfehlenswerter als ein Teeaufguss. Für den Tee wird ein Teelöffel des Krauts mit siedendem Wasser übergossen und zehn Minuten ziehen gelassen. Patienten können pro Tag zwei bis drei Tassen, am besten zu den Mahlzeiten trinken.

Die Volksmedizin verwendet Besenginster auch heute noch bei Ödemen. Dies kann mit der diuretischen Wirkung der Flavonoide und der gefäßverengenden Wirkung des Sparteins zusammenhängen. Wissenschaftliche Studien dazu fehlen. Gleiches gilt für den Einsatz bei Zahnfleischbluten, als Wehenmittel, bei Gicht, Rheuma, Gallensteinen oder Bronchialerkrankungen. Eine aus den Blüten hergestellte Salbe verwendeten die Anhänger der Volksmedizin äußerlich gegen Gicht, diese Wirkung ist aber ebenfalls nicht belegt. Homöopathen verordnen Besenginster-Potenzen sowohl gegen Herzrhythmusstörungen als auch gegen allergische Hauterkrankungen.

Besenginsterkraut ist normalerweise gut verträglich. Kontraindiziert ist es bei Patienten mit Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Auch Schwangere sollten Besenginsterkraut meiden, denn es kann die Wehentätigkeit einleiten und somit Fehlgeburten auslösen.

Achtung: Giftpflanze!

Die stark wirksamen Alkaloide Spartein und Lupanin sind in hoher Dosierung giftig. Bei Erwachsenen sind Vergiftungsfälle selten. Hierfür ist eine Mindestdosis von etwa 300 Milligramm Spartein erforderlich. Das entspricht in etwa der Alkaloidmenge, die in 35 Gramm der Krautdroge enthalten ist. Einem Bericht zufolge starb ein Patient, der sechs Tage lang mehrere Tassen einer starken Besenginster-Abkochung getrunken hatte.

Gefährlich sind die attraktiven, leuchtend gelben Blüten sowie die Früchte des Besenginsters allerdings für Kleinkinder. Bei ihnen führen schon fünf bis zehn Samen zu Vergiftungssymptomen. Dies sind unter anderem Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Kribbeln in Armen und Beinen, Schweißausbrüche und erweiterte Pupillen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einer Vergiftung sind: sofort viel trinken sowie Haut und Augen spülen. Kein Erbrechen provozieren, sondern pulverisierte und in Wasser aufgeschwemmte medizinische Kohle verabreichen sowie sofort einen Arzt rufen. Falls möglich, einen Teil der Pflanze dem Arzt vorlegen.

Besenginster ist auch für Tiere giftig, etwa für Pferde und Fische. Deshalb sollte der beliebte Zierstrauch nicht an den Rand des Gartenteichs gepflanzt werden, denn ins Wasser gefallene Samen können die Fische vergiften.

 

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Ursula Sellerberg
Wörther Straße 13 A
10405 Berlin



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