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Granatapfel

Paradiesfrucht aus dem Orient


Von Monika Schulte-Löbbert / Um kaum eine andere Pflanze ranken sich so viele Mythen und Legenden wie um den Granatapfel. Er gilt als Symbol für Fruchtbarkeit, Schönheit und Liebe. Für den Einsatz als Arzneipflanze und Kosmetikum wurde die exotische Pflanze vor einigen Jahren neu entdeckt.

 

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Der Granatapfel, Punica granatum L., stammt vermutlich aus Zentralasien, der Region des früheren Persien. Von dort gelangte er über den Nahen Osten in den gesamten Mittelmeerraum, wo er seit Jahrhunderten kultiviert wird. Inzwischen wächst der kleine Strauch oder Baum auch in Amerika, Südafrika, China und Australien. Er bevorzugt ein heißes und trockenes Klima und stellt geringe Ansprüche an die Bodenqualität. Der Granatapfel gedeiht zwar auch in unseren Breitengraden, allerdings immer als Kübelpflanze, da er nicht winterhart ist.




Der Granatapfelstrauch liebt Sonne und verträgt nur wenig Niederschlag. Er wächst deshalb im Mittelmeergebiet, außerdem in Amerika, Südafrika, China und Australien.

Foto: Thomas Schöpke


Der Granatapfel oder Grenadine wird heute der Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae) zugeordnet. Manche Autoren führen ihn mit einer zweiten Punica-Art als eigene Familie der Granat­apfelgewächse (Punicaceae). Die Pflanze kann bis zu 5 Meter hoch und einige hundert Jahre alt werden. Die Rinde ist rotbraun bis grau gefärbt, die glänzenden, lanzettförmigen Blätter sind etwa 10 Zentimeter lang. Im Frühjahr und Sommer bilden sich an den Zweigenden große leuchtend orangerote bis hellgelbe, glocken- bis trichter­förmige Blüten. Aus ihnen reifen die apfelähnlichen orangeroten Früchte mit dem typischen Kelchblatt­krönchen heran. Sie werden in den Monaten September bis Dezember geerntet. Die Schale dieser Scheinbeeren ist derb bis lederartig und glänzt meist charakteristisch tiefrot. In ihrem Inneren befinden sich durch Häutchen unterteilte kleine Kammern, prall gefüllt mit mehr als 400 kantigen Samen. Jeden Samen umgibt ein glasiger, saftiger, tiefrot gefärbter Samenmantel, der auf Druck leicht zerplatzt.

Da die Früchte nach der Ernte nicht nachreifen, sollten sie beim Kauf immer reif sein. Dank ihrer schützenden Hülle können sie problemlos bei niedrigen Temperaturen, zum Beispiel im Kühlschrank, mehrere Wochen gelagert werden.

Das Öffnen der Früchte erfordert etwas Geduld und sollte mit Vorsicht geschehen, denn der austretende Granatapfelsaft hinterlässt auf Textilien äußerst hartnäckige Flecken. Wer relativ problemlos die Samen aus dem Inneren lösen möchte, kann auf die Außenschale der halbierten Frucht schlagen. Dabei sollten die Fruchthälften mit der Schnittkante nach unten in einer kleinen Schüssel liegen, damit die Samen herausfallen können.

Die süßlich schmeckenden Samen eignen sich hervorragend zur Dekoration von Süßspeisen oder Salaten sowie zur Weiterverarbeitung in den mittlerweile zahlreichen Rezepten.

Die Paradiesfrucht

Den botanischen Namen »Punica granatum« verdankt der Granatapfel seinem reichhaltigen Innenleben. Das lateinische »granatus« bedeutet körnig oder kernreich und weist auf die große Anzahl der Samen hin. Die Bezeichnung »Punica« geht auf die Phönizier zurück, auch Punier genannt, die die Frucht im Römischen Reich verbreiteten.

Der deutsche Name verweist einerseits auf das Aussehen der Frucht, die einem Apfel ähnelt und andererseits auf die Herkunft: Vermutlich führten die Araber die Frucht über die spanische Stadt »Granada« nach Westeuropa ein. Die Landschaft um Granada ist noch heute in Europa ein wichtiges Anbaugebiet für den Granatapfel, der auch das Wappen dieser Stadt schmückt.




Die Kammern im Innern der Granatapfelfrucht sind mit mehreren hundert Samen gefüllt. Jeden Samen umgibt ein glasiger, saftiger, roter Samen­mantel.

Abbildung: Köhlers Medizinal-Pflanzen, bearbeitet von Thomas Schöpke


Der Granatapfel, auch Paradiesfrucht oder Frucht des Lebens genannt, gilt als eine der ältesten Kulturfrüchte der Menschen. Schon im Alten Testament wird er erwähnt. Im »Hohelied« des König Salomons werden Baum und Frucht gleich mehrmals als Symbol der Liebe beschrieben: »Komm, mein Geliebter, wandern wir auf das Land … und sehen, ob die Granatbäume blühen. Dort schenke ich dir meine Liebe.« Möglicherweise hat es sich bei dem für Adam und Eva verbotenen »Baum der Erkenntnis« im Paradies um einen Granatapfelbaum gehandelt. In der christlichen Symbolsprache steht er für Leben und Fruchtbarkeit, aber auch für Macht. Auf Tafelbildern des späten Mittelalters stellten die Maler Maria oder das Jesuskind oft mit einem Granatapfel in der Hand dar, wie zum Beispiel Sandro Botticelli auf dem Gemälde »Madonna mit dem Granatapfel« aus dem Jahr 1487.

Auch in anderen Religionen spielt der Granatapfel eine wichtige Rolle: Im Judentum enthält der perfekte Granatapfel 613 Samenkerne, die der Anzahl der Gebote in der Thora entsprechen. Im Islam gilt er der Überlieferung zufolge als Lieb­lingsfrucht Mohammeds und auch die Buddhisten zählen ihn zu den heiligen Früchten. In der griechischen Mythologie kommt dem Granat­apfel ebenfalls eine besondere Bedeutung zu. Den Streit der drei griechischen Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite, wer die Schönste von ihnen sei, entschied Paris, indem er Aphrodite einen Granatapfel überreichte. Aphrodite, die Göttin der Schönheit und Liebe, soll danach auf Zypern eigenhändig einen Granatapfelbaum angepflanzt haben.

Im alten Ägypten gaben die Menschen den Toten einen Granatapfel als Wegzehrung in das Totenreich mit, wie Funde in den Grabkammern von Pharao Ramses IV. belegen.

Im alten Rom schmückten sich junge Frauen mit Kränzen aus Granatapfelzweigen und erhofften sich dadurch reichen Kindersegen. Ähnliches soll auch der in ländlichen Gegenden Griechenlands übliche Brauch bewirken, das Brautpaar mit den Samen der symbolträchtigen Frucht zu bewerfen. Die zahlreichen Mythen, die sich um den Granatapfel ranken, regten auch berühmte Dichter wie Shakespeare an: Er ließ in »Romeo und Julia« die Lerche vom Zweig eines Granatapfelbaums zwitschern.

Farbstoff für Teppiche

Seit Jahrhunderten dienen Schale und Saft der Frucht als Farbstoffe für Orientteppiche. Im Mittel­meer­raum und besonders im Nahen Osten schätzen die Menschen den Granatapfel seit jeher als Nahrungsmittel. Auch hierzulande sind der gepresste Saft und die frischen Früchte seit einigen Jahren beliebt ebenso wie der Grenadinesirup. Der Sirup, der einst ausschließlich aus Granatäpfeln der Insel Grenada hergestellt wurde, verleiht beispielsweise dem Tequila Sunrise seine schöne rote Färbung. Die von rotem Fruchtfleisch umgebenen Samen verwenden Köche gerne zur Verfeinerung von Wild- und Geflügelgerichten oder in Obstsalaten. Getrocknete Samen sind in Nordwestindien ein wichtiges Würzmittel (anardana) für süßsaure Gerichte.

Medizinisch nutzten die Menschen früher Rinde und Wurzel des Granatapfelbaums. Die Droge diente bereits vor mehr als 4000 Jahren als Entwurmungsmittel, besonders gegen Bandwürmer. Die Droge des DAB 8 (Deutsches Arzneibuch, 8.Ausgabe) »Granatrinde – Granati cortex« besteht aus der getrockneten und zerkleinerten Stamm- und Wurzelrinde von Punica granatum L.

Obsoletes Anthelmintikum

Granati cortex enthält Pelletierin, Isopelletierin und andere Piperidin-Alkaloide sowie vorwiegend Ellag-Gerbstoffe. Die Alkaloide interagieren ähnlich wie Nicotin mit Acetylcholin-Rezeptoren. Als Folge wird der Bandwurm betäubt und gelähmt, kann sich nicht länger an der Darmwand des Wirts festsaugen und wird ausgeschieden. Nicht selten kam es bei der Anwendung zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, unter anderem zu Blutdruckanstieg und bei Überdosierung zu Sehstörungen, Erbrechen und Kollaps bis hin zum Tod durch Atemlähmung. Als Bandwurmmittel ist die Droge deshalb sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin obsolet. Heute stufen Toxikologen den Gefährlichkeitsgrad der Droge als »Giftig+« ein. Deshalb sollten PTA oder Apotheker von einer Selbstmedikation mit Granatapfelrinde dringend abraten.




Aus den gelben bis orangeroten, glocken- oder trichterförmige Blüten wachsen die Granatapfelfrüchte heran.

Foto: Thomas Schöpke


Das homöopathische Arzneibuch führt die getrock­nete Rinde der ober­irdischen Achsen und der Wurzeln in der Monographie »Punica granatum HAB 1« auf. Homöopathen empfehlen die Droge bei Magen-Darm-Störungen.

Die Fruchtschalen – Pericarpium Granati – enthal­ten keine Alkaloide, jedoch große Mengen an Gallo- beziehungsweise Ellagitanninen. Der hohe Gerbstoffgehalt erklärt die in der traditionellen Medizin übliche Anwendung als Mittel gegen Durchfall.

Reich an Polyphenolen

In mehr als 250 wissenschaftlichenn Studien wurden die Wirkungen des Granatapfelsafts überprüft. Positive Wirkungen zeigte der Saft bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Arthritis. Allerdings beziehen sich die meisten Studien­ergebnisse nur auf Versuche mit Zellkulturen. Die Übertragbarkeit auf den Menschen bleibt deshalb aber fraglich und muss zukünftig in klinischen Studien belegt werden. Für die beobachteten Effekte spricht der besonders hohe Gehalt an Polyphenolen, die als Radikalfänger arbeiten. Die anti­oxidative Wirkung ist um ein Vielfaches höher als die von grünem Tee oder Rotwein. So soll ein Glas Granatapfelsaft am Tag die Durchblutung verbessern und die Gefäße elastisch halten.

Noch dünner ist die Datenlage bei Wechseljahresbeschwerden der Frau. Die Kerne enthalten pflanzliche Hormone, auch Phytoestrogene genannt. Ob diese aber die Beschwerden in den Wechseljahren lindern können, muss ebenfalls noch wissenschaftlich untersucht werden.

Auch wenn der Granatapfel als Bekämpfer von Krankheiten nicht überzeugt, ist er gesund. Er ist reich an Phosphor und Kalium, enthält Spurenelemente wie Eisen und B-Vitamine. Sein Gehalt an Vitamin C ist mit 7 Milligramm pro 100 Gramm Frucht jedoch niedriger, als oft behauptet wird.

Wem die Verarbeitung der frischen Frucht zu aufwendig ist, der kann in der Apotheke ein Nahrungs­ergänzungsmittel mit Granatapfelextrakt kaufen. Erhältlich sind zum Beispiel Hermes Cevitt® – Heisser Granatapfel oder Crosmin® Granatapfel Kapseln (QUIRIS® Healthcare).

Auch die Kosmetikindustrie verarbeitet zunehmend Granatapfel in ihren Produkten. Das aus dem Samen gewonnene wertvolle Öl enthält ungesättigte Fettsäuren, vor allem Gamma-Linolensäure, die der Haut Feuchtigkeit spenden und die Hautregeneration fördern. Granatapfelsamenöl in Anti-Aging-Pflegeprodukten soll daher einer vorzeitigen Hautalterung vorbeugen. Exklusiv für die Apo­theke bietet zum Beispiel medipharma cosmetics® eine Granatapfel- Pflegeserie für Gesicht und Körper an. /


E-Mail-Adresse der Verfasserin

schulte-loebbert@t-online.de



Beitrag erschienen in Ausgabe 05/2013

 

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