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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Rosmarin

Foto: Mies

Fitmacher für Darm und Durchblutung

von Ursula Sellerberg, Berlin

Im Mittelalter war Rosmarin eine der beliebtesten Arzneipflanzen. Die Menschen nutzten ihn als Anregungs- und Stärkungsmittel, aber auch bei Magenverstimmungen, Appetitlosigkeit, Blähungen oder Rheuma. Gegen die meisten Beschwerden wird Rosmarin auch heute noch eingesetzt. Zusätzlich ist er ein beliebtes Gewürz der mediterranen Küche. In der Steiermark bedeutet der Ausspruch »er hat Rosmarin im Kopf«, dass jemand intelligent ist und seinen Verstand gebraucht.

Obwohl die Pflanze aus dem Mittelmeerraum stammt, scheint Rosmarin in der antiken Medizin keine große Rolle gespielt zu haben, dafür aber in der Mythologie: Er bedeutete gleichzeitig Glück und Unheil. Im antiken Griechenland war er der Aphrodite geweiht und diente als Schmuck für Götter und Menschen. Zu Kränzen geflochten trugen ihn als Glücksbringer auch noch die Römer und die Menschen im Mittelalter. Troubadoure überreichten der Dame ihres Herzens einen Zweig als Zeichen ihrer Verehrung. Rosmarin war aber auch ein Vorbote des Unheils, Symbol der Trauer und des Todes. Bei Beerdigungen trugen die Sargträger einen Rosmarinzweig und legten ihn anschließend auf das Grab. Möglicherweise hatte dieser Brauch einen praktischen Nutzen. Denn der starke Duft des Rosmarins sollte den Leichengeruch ein wenig überdecken.

Rosmarin, botanisch Rosmarinus officinalis, gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae, früher auch Labiatae genannt). Andere Namen wie Brautkraut oder Hochzeitsbleaml spielen auf seine symbolische Verwendung aus früheren Zeiten an. Der lateinische Begriff Rosmarinus bedeutet »Meeresrose«.

Strauch mit nadelartigen Blättern

Rosmarin ist ein stattlicher immergrüner Strauch, der bis zu zwei Meter hoch wachsen kann. Die stark verzweigten Äste sind dicht mit linealen, ledrigen Blättern besetzt, die fast wie Nadeln aussehen. Sie glänzen stark auf der Oberseite, sind nach unten eingerollt und auf der Unterseite behaart. Die Pflanze blüht mit blassblauen, eher unscheinbaren Blüten im Frühjahr. Sie locken viele Bienen an, die einen »Rosmarinhonig« sammeln.

Rosmarin ist eine typische Mittelmeerpflanze und wächst bevorzugt an trockenen Hängen. Sie ist nicht winterhart, so dass die Deutschen sie in Töpfen und Kübeln halten und im Winter vor Frost schützen müssen. Pharmazeutisch verwendet werden die Blätter und das aus Stängeln und Blättern extrahierte ätherische Öl. Die Blätter werden vor der Blütezeit geerntet und schnell getrocknet. Bei der Trocknung darf die Temperatur nicht über 35 °C ansteigen, sonst verflüchtigt sich das ätherische Öl. Die Arzneibuchware stammt vor allem aus Marokko, Spanien, Tunesien und Frankreich.

Ätherisches Öl bestimmt die Wirkung

Rosmarinblätter sind eine typische Ätherisch-Öl-Droge. Der DAC verlangt einen Gehalt von mindestens 1,2 Prozent. Das ätherische Öl riecht streng-würzig und erinnert an Kampfer. Seine Zusammensetzung schwankt je nach Alter und Herkunft der Blätter. Die Hauptinhaltsstoffe sind 1,8-Cineol, Campher, alpha-Pinen und andere Monoterpene sowie bitter schmeckende Diterpene. Monoterpene bestehen aus 10, Diterpene aus 20 Kohlenstoffatomen. Bei der Extraktion der Droge entstehen teilweise neue Verbindungen. Zu diesen Artefakten gehören Pikrosalvin und Rosmanol. Rosmarin enthält etwa 3 Prozent Labiaten-Gerbstoffe. Deren Hauptkomponente ist die Rosmarinsäure. Hinzu kommen weitere Inhaltsstoffe wie Flavonoide.

Als Hausmittel beliebt

Rosmarin hilft bei Verdauungsstörungen, Blähungen, Völlegefühl oder leichten Krämpfen des Magen-Darm-Trakts oder der Galle. Zusätzlich regt er den Appetit an. Als Gallenmittel wirkt er nur sehr schwach. Für einen Tee übergießt man einen Teelöffel pro Tasse mit heißem Wasser. Eine Tasse wird drei- bis viermal täglich zwischen den Mahlzeiten warm getrunken. Die Tagesdosis liegt bei 4 bis 6 Gramm der Droge oder 10 bis 20 Tropfen des ätherischen Öls. Als Hausmittel ist der Rosmarinwein beliebt, den Kräuterbegeisterte selbst herstellen: Dazu lassen sie 20 Gramm Rosmarinblätter in einem Liter Weißwein eine Woche lang ziehen und seihen dann ab.

Volksmedizinisch wird Rosmarin verwendet bei koronarer Herzkrankheit, Kopfschmerzen, Problemen mit der Monatsblutung, Erschöpfungszuständen und Schwindel. Diese Wirkungen sind wissenschaftlich nicht belegt. In der Volksmedizin werden außerdem Rosmarin-Umschläge bei schlecht heilenden Wunden und Ekzemen eingesetzt. Homöopathen verordnen Rosmarin vor allem bei Magen-Darm-Störungen, gegen Erkrankungen des Nervensystems und der weiblichen Geschlechtsorgane. Rosmarin bekämpft Bakterien und Viren, allerdings nur schwach.

Gegen Rheuma und fürs Herz

Äußerlich eignet sich Rosmarin zur unterstützenden Behandlung von Muskel- oder Gelenkrheumatismus. Dazu wird überwiegend das ätherische Öl genutzt. Rosmarinöl reizt die Haut und fördert die Durchblutung. Halbfeste Zubereitungen, zum Beispiel Salben, enthalten 6 bis 10 Prozent des ätherischen Öls. Bei funktionellen Herzbeschwerden, die mit niedrigem Blutdruck einhergehen, massieren Betroffene so genannte »Herzsalben« in der Herzzone (auf dem linken Brustkorb vorne und seitlich sowie dem linken Oberarm) ein.

Rosmarin hilft Menschen mit niedrigem Blutdruck. Besonders beliebt ist das Rosmarin-Bad. Die Kunden sollen allerdings nicht abends mit Rosmarin baden, denn das stört ihren Schlaf. Für Bäder werden etwa 50 Gramm Rosmarinblätter mit einem Liter Wasser versetzt, zum Sieden erhitzt und nach einer halben Stunde abgeseiht. Diese fertige Abkochung wird dem Vollbad zugesetzt. Wem das Aufkochen zu umständlich ist, kann einen fertigen Badezusatz verwenden. Ein Hausmittel: 10 bis 15 Tropfen des ätherischen Öls in einen Becher Sahne mischen und dem Badewasser zusetzen. Sahne enthält Emulgatoren, die das fettlösliche ätherische Öl im Wasser verteilen.

Nicht für Schwangere

Ätherische Öle sind stark wirksame Naturstoffe. Überdosierungen sind möglich. Werden große Mengen an Rosmarinöl oder -blättern eingenommen, besteht die Gefahr einer Entzündung des Magen-Darm-Trakts (Gastroenteritis) oder von Nierenreizungen. Schwangere sollten auf hoch dosierte Rosmarin-Zubereitungen verzichten. Gegen Rosmarin als Gewürz ist nichts einzuwenden.

Dominantes Gewürz

Früher konservierten die Menschen mit Rosmarin Fleisch und Fett. Rosmarin-Extrakte aromatisieren auch Liköre, zum Beispiel das Danziger Goldwasser oder den Benediktiner. Mit frischen Rosmarinblättern würzen heute noch gerne die Franzosen, Italiener und Spanier. Rosmarin regt den Appetit an und verbessert die Verdauung. Allerdings schmeckt er sehr intensiv und dominiert andere Gewürze. Unter Köchen gibt es das Sprichwort: »Die Hälfte ist immer noch zu viel.« Für die pharmazeutischen Anwendungen dieser vielseitigen Heilpflanze gilt dies aber nicht.

 

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Ursula Sellerberg
Wörther Straße 13 A
10405 Berlin



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