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Männer und Katzen

Heimliche Liebe


Von Annette Behr / Katzen bereichern mit ihrem weichen Fell und ihrer schmusigen Art vorwiegend weibliche Leben. Was aber ist mit den Männern? Leben diese notgedrungen mit Katzen, sind sie eher Katzenvermeider oder vielleicht sogar heimlich große Katzenliebhaber?

 

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Die meisten Männer behaupten, sie wollten frei, unabhängig und selbstständig sein und schon gar nicht gegängelt werden. Ebenso wie Katzen. »Ich finde, eine Katze ist ein bequemerer Gefährte als ein Hund. Das Unabhängigkeitsgefühl einer Katze ermöglicht einem, selbst unabhängig zu sein«, sagte einst der englische Schriftsteller Derek Tangye (1912 bis 1996).




Foto: Shutterstock/Alex James Bramwell


Dennoch hält sich hartnäckig die Meinung, Männer hätten lieber Hunde als Katzen an ihrer Seite. Angeblich, weil sie diese besser dressieren und kontrollieren können. Konsens dürfte darüber bestehen, dass Hunde eindeutiger und offensiver mit Menschen kommunizieren als Katzen. Während Hunde häufig dem Menschen spontan zugewandt sind, hält sich die Katze zunächst beobachtend auf Distanz. »Du kannst dir einen Hund halten; aber es ist die Katze, die sich Menschen hält, weil sie ihr nützliche Haustiere sind«, stellte der englische Schriftsteller George Mikes (1912 bis 1987) fest. Demnach entscheidet sich die Katze für einen bestimmten Menschen und nicht um­gekehrt.

Katzen für die Seele

Dass Haustiere – vor allem Katzen – Menschen glücklich machen können, ist bekannt. Zusätzlich halten sie den Menschen aber auch noch fit und gesund. Besonders die seelische Gesundheit ist die Paradedisziplin der Katze. Denn sie wirkt mit ihrem Dasein Einsamkeit und sogar depressiven Verstimmungen entgegen. Laut Studien »hilft« eine Katze bei Depressionen sogar besser als ein menschlicher Partner. »Allerdings kann eine Samtpfote die bereits vorhandene gute Laune nicht noch weiter steigern, wie dies ein Partner vermag«, sagt Professor Dennis Turner von der Vetsuisse Fakultät der Universität Zürich.

Die Beziehung zu einem Tier birgt deutlich weniger Frustrationspotenzial als eine zwischenmenschliche Beziehung, meinen Psychologen. Haustiere sind in ihrer Zuneigung bedingungs­loser als Menschen und damit verläss­licher. Ein Grund, weshalb Menschen zu ihrer Katze oft eine sehr tiefe Beziehung entwickeln, ist die Art und Weise des gegenseitigen Miteinanders: Dieses ist geprägt von körperlicher Nähe und Berührung und spricht damit tiefere Schichten des Nervensystems an als die verbale Kommunikation.


Schmitz Katze

Auch der deutsche Comedian Ralf Schmitz lebte seit seinem 10. Lebensjahr mit einer Katze zusammen. Im letzten Jahr starb seine Minka im Alter von 27 Jahren. Ein biblisches Alter für eine Katze und für Schmitz ein großer Verlust. Denn mit Minka erlebte er Höhen und Tiefen der Mann-Katzen-Beziehung. Auf die Frage, ob er sich wieder eine neue Katze anschaffen wird, antwortete er (in einer TV-Show) prompt: »Nee, auf keinen Fall. Geht gar nicht. Als meine Omma gestorben ist, habe ich mir ja auch keine neue angeschafft!« Schmitz hat seine Katzen-Erlebnisse im Buch »Schmitz‘ Katze« verewigt. Wie gut eine Katze dem Mann Sensibilität beibringen kann, ist dort nachzulesen.


Dass Katze und Mensch miteinander überhaupt kommunizieren können, liegt an ihrer biologisch ähnlichen Grundausstattung. Alle Säugetiere – also auch Menschen – zeigen ein ähn­liches Bindungs- und Stressverhalten. »Die genetischen Unterschiede sind minimal«, sagt der österreichische Verhaltensbiologe Professor Kurt Kotrschal von der Universität Wien. Wir sind unseren Haustieren also ähnlicher, als viele denken.

Geduldige Annäherung

Obwohl Menschen als soziale Wesen für dauerhaftes Alleinleben nicht geschaffen sind, nimmt die Zahl der Ein-Personen-Haushalte in Deutschland ständig zu. Auch immer mehr Single-Männer leben mit einem Stubentiger an ihrer Seite. Enttäuschungen in zwischenmenschlichen Beziehungen und Bindungsängste lassen Männer auf die Katze kommen. Abends werden sie erwartet und meist freudig begrüßt, ohne sofort ein Gespräch führen zu müssen.

Der Kater oder die Katze erzieht den Mann – ganz nebenbei, denn er muss sie füttern und für eine saubere Katzentoilette sorgen. Verantwortungsbewusstsein wird (ein)gefordert und gefestigt. Die Katze dankt es mit wohligem Schnurren und Schmuseeinheiten. Der Mann lernt quasi Sanftmut am Modell und wird belohnt. Eine geduldige Annäherung mündet unter Umständen in einer lebenslangen Liebe.


»Wer eine Katze hat, braucht das Alleinsein nicht zu fürchten.«

Daniel Defoe (1660 bis 1731), Englischer Schriftsteller


Immer mehr Männer outen sich als Katzenliebhaber. Sie fürchten nicht mehr, als Weichei enttarnt zu werden. Diesen Trend bestätigt auch der Katzenforscher Turner. In einem Interview sagte er: »Zunehmend mehr Männer halten inzwischen Katzen und sie sind bereit, dieses auch zuzugeben. Ich meine, dass sich nun die Männer unserer Gesellschaft emanzipieren!« Ob sie dabei lieber einen als extrovertiert geltenden Kater oder eine eher introvertierte Katze wählen, ist anscheinend sekundär. Ausschlaggebend für die Wahl, so Turner, seien primär das Aussehen.

Faktor Hormonspiegel

Männer verhalten sich ihren Katzen gegenüber aber durchaus anders als Frauen, stellte Turner in Studien fest: »Frauen bewegen sich eher auf Augenhöhe mit den Katzen. Sie neigen sich mehr zu ihnen herunter oder sitzen mit ihnen auf dem Boden.« Demnach reden Frauen auch deutlich mehr mit ihren Schmusern. Und die Katzen »antworten« ihren Frauchen häufiger und intensiver als den Herrchen. Dieses bei Männern eher gering ausgebildete Interaktionsinteresse hängt mit ihrem Hormonspiegel zusammen, haben Studien eines Forscherteams um Kotrschal ergeben. Er bestätigt: »Das liegt an unseren Hormonen. Es gibt aktuelle Studien, die zeigen, dass ein Mensch weniger sozial aktiv ist, je mehr Androgene er besitzt.«

Einfühlungsvermögen und Geduld sind beim Zusammenleben mit Katzen gefragte Charaktereigenschaften. Da lässt es sich vortrefflich darüber streiten, ob eher Frauen oder Männer über diese Fähigkeiten verfügen. Häufig entwickelt sich zwischen Mensch und Katze im Zusammenleben eine liebevolle Beziehung mit ähnlichen Verhaltensmustern, Ritualen und Routinen wie bei einem alten Ehepaar. Allerdings gilt das überwiegend für Frauen-Katzen-Gemeinschaften, weil sich Frauen meist intensiver mit den Tieren beschäftigen als Männer. Darin sind sich die Forscher einig.

Sensible Männer

Nach ihren wesentlichen Charaktereigenschaften befragt, halten sich männliche Katzenhalter laut einer Studie der Universität Bonn für aufgeschlossen, gesellig und temperamentvoll. Demnach sind viele dazu bereit, für ihre Katze einige Opfer zu bringen. So mancher würde sogar eher seine Partnerschaft aufgeben als seine Katze!

Laut einer Umfrage des Bremer Marktforschungsinstituts »The Consumer View« aus dem Jahr 2008 halten 60 Prozent der befragten Frauen Männer, die mit einer Katze leben, für sensibler und einfühlsamer. Auch Psychologen bestätigen Männern mit einem Hang zu Katzen Einfühlungsvermögen und eine hohe Akzeptanz gegenüber weiblichen Charaktereigenschaften. Demnach verkörpert die Katze die weibliche Seite der männlichen Seele. Vereinfacht gesagt können Männer, die gut mit Katzen umgehen, sich auch sehr gut in die weibliche Seele einfühlen. Außerdem schrecken männliche Katzenliebhaber nicht vor der bisweilen auftretenden Unberechenbarkeit einer Frau zurück.

Der Umgang mit Katzen könnte also für Männer ein gutes »Trainingslager« sein, um sich auf eine liebevolle Partnerschaft mit einer Frau vorzubereiten. Männer dürfen sich daher an dieser Stelle das niederländische Sprichwort einprägen: »Ein Mann, der keine Katzen liebt, wird nie eine (schöne) Frau bekommen«. /


E-Mail-Adresse der Verfasserin

blaubehr@gmx.net



Beitrag erschienen in Ausgabe 11/2013

 

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