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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Brombeere

Foto: Mies

Haus- und Arzneitee zugleich

von Ursula Sellerberg, Berlin

Im Herbst reifen Brombeeren an vielen Waldrändern. Für Wanderer sind sie eine süße Verlockung und ein kulinarischer Genuss. Die Blätter der Brombeere schmecken nach der Fermentation ähnlich wie schwarzer Tee, Kenner schätzen sie als koffeinfreien »Haustee«. Pharmazeutisch werden die Blätter wegen ihres Gerbstoffgehalts verwendet.

Schon die alten Römer zerkauten die jungen Blätter der Brombeere, um das Zahnfleisch zu kräftigen. Die zarten Sprosse setzten sie gegen Durchfall und als entzündungshemmendes Mittel gegen Geschwüre, Brandwunden sowie bei Warzen ein. Die Menschen im Mittelalter verwendeten die Blätter und jungen Sprosse unter anderem zur Blutreinigung, zur Stärkung und gegen Magen- und Darmbeschwerden.

Auch in der Mythologie spielte die Brombeerpflanze eine Rolle: Mit einem dornigen Brombeerzweig in der Hand glaubten die Menschen damals, Geister und Hexen erkennen zu können. Eine üppige Brombeerblüte galt als gutes Omen für eine reiche Weinernte. Das ist vielleicht der Grund, warum Weinberge so häufig von Brombeerhecken umgeben sind.

Die Brombeere (Rubus fruticosus L.) gehört zur Familie der Rosengewächse. Der Name leitet sich ab vom althochdeutschen Wort für Dornbeere »bramo-beri«. Allein in Deutschland gibt es mehr als 300 Brombeerarten. Brombeersträucher wachsen in halbschattigen Lagen an Waldrändern, Schuttplätzen und bilden oft dichte, undurchdringbare Hecken. Die Brombeere ist einer der Gewinner des Klimawandels, denn durch die milderen und feuchteren Winter kann sie sich besser ausbreiten und neu entstandene Waldlichtungen leichter besiedeln.

Verwandte Beeren sind die Himbeere (Rubus idaeus) sowie zwei Züchtungen: die aromatische, aber sehr saure Loganbeere, eine Kreuzung aus Brombeere und Himbeere, und die Boysenbeere, eine Züchtung aus Brombeere und Loganbeere. Eine wild wachsende Verwandte der Brombeere ist die Kratzbeere.

Die Brombeer-Pflanze wird bis zu drei Metern groß und bildet stachelige Sprosse aus. Die Blätter bestehen aus drei- bis fünfzähligen Fiederblättern, die bis zu 7 cm lang werden. Auf der Oberseite sind die Blätter nur schwach behaart, an der Unterseite entlang der Mittelrippe mit feinen Stacheln besetzt. Durch dieses Merkmal unterscheiden sie sich von Himbeerblättern, die auf der Unterseite stark filzig behaart sind. Die Blätter werden jung, aber voll entfaltet geerntet. Die ideale Sammelzeit ist das Frühjahr. Die weißen bis manchmal blassrosa Blüten stehen in Trugdolden, je nach Standort blühen sie von Mai bis in den Winter. An einem einzigen Strauch kann man gleichzeitig Blüten, unreife und reife Früchte nebeneinander finden. Die rot- oder blau-schwarzen, selten auch gelblich-weißen Früchte sind botanisch gesehen Sammelfrüchte.

Reich an Gerbstoffen

Brombeerblätter enthalten 8 bis 14 Prozent Gerbstoffe. Der Deutsche Arzneimittel-Codex (DAC) fordert in der Monographie Rubi fruticosi folium einen Mindestgehalt von 4 Prozent. Hinzu kommen Flavonoide und Pflanzensäuren wie Citronensäure. Wegen des Gerbstoffgehalts werden die Blätter als zusammenziehendes (adstringierendes) Mittel gegen leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und zur unterstützenden Behandlung von unspezifischem akutem Durchfall angewendet. Hält der Durchfall länger als drei bis vier Tage an, muss der Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen. Zur Teezubereitung werden zwei Teelöffel (1,5 g Blätter) mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen und nach zehn Minuten abgeseiht. Mehrmals täglich kann man eine Tasse Tee zwischen den Mahlzeiten trinken. Auch die Expertengruppe der Kommission E hat Brombeerblätter für die beiden genannten Indikationen positiv beurteilt.

Brombeerblätter eignen sich außerdem als »Haustee« oder »Frühstückstee«, auch in Kombination mit anderen Drogen. Die fermentierten Blätter schmecken ähnlich wie Schwarzer Tee, enthalten aber kein Coffein. Gegenanzeigen, Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen sind nicht bekannt. In der Homöopathie sind Brombeerblätter kaum gebräuchlich.

Die Volksheilkunde empfiehlt Brombeerblätter gegen Husten, übermäßige Monatsblutungen, Weißfluss und zur Blutreinigung. Ein Hausmittel gegen Heiserkeit ist das schluckweise Trinken leicht angewärmten Brombeersafts, der aus vollreifen Früchten gepresst wird.

Die Wurzel der Brombeere wurde in der Volksheilkunde vorbeugend gegen »Wassersucht« und Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt. Die Wirksamkeit der Wurzel ist nach den derzeitigen Kriterien nicht belegt. Daher erhielt die Wurzeldroge eine Negativ-Bewertung der Kommission E und ist heute nicht mehr offizinell.

Süß oder pikant ein Genuss

Die Früchte der Brombeere sind ebenfalls nicht offizinell, aber in Desserts, Kuchen oder als Ausgangsmaterial für Brombeergelee sehr beliebt. Neben den vielen süßen Zubereitungen gibt es auch eine Reihe herzhafter Rezepte, beispielsweise ein Brombeer-Chutney.



Anschrift der Verfasserin:
Dr. Ursula Sellerberg
Wörther Straße 13 A
10405 Berlin



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