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Erotische Düfte

Die Kunst der Verführung


Von Ernst-Albert Meyer / Das Bestreben der Frauen, mit aphrodisierenden Düften die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zu ­ziehen, ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Welche Substanzen sie dazu in Salben, Ölen und Parfums ein­setzten, schauten sie zumeist der Tierwelt ab. So waren Moschus, Amber und Zibet sehr beliebt.

 

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Die Wohlgerüche der arabischen Welt lernten erst die Kreuzfahrer im Heiligen Land ausführlich kennen und schätzen. Als duftendes Souvenir brachten sie ihren Frauen vor allem Rosenwasser und das damals berühmte Eau de Chypre mit, eine Mischung aus Labdanumharz und Eichenmoos. Nachdem die Kreuzfahrer – geschlagen von den arabischen Heeren – das Heilige Land aufgeben mussten, entwickelte sich Venedig ab 1291 zum internationalen Handelszentrum für die exotischen Duftstoffe des Morgenlandes. Die Stadt importierte aus Damaskus unter anderem Rosenwasser, Veilchenöl, wohlriechende Seifenkugeln und Weihrauch, aber auch Theriak aus Alexandria, Galgant, Lakritze und Gewürze. Diese wurden in Venedig als Ausgangsstoffe teilweise in Manufakturen zu wohlriechenden Salben, Ölen und Parfüms weiter verarbeitet und in prunkvollen Flakons und Gefäßen aus venezianischem Glas in den Handel gebracht. Im mittelalterlichen Europa waren vor allem die Exotika als Luxusgüter heiß begehrt.




Katharina von Medici brachte sogar ihren eigenen Parfümeur mit an den Königshof in Frankreich.

Illustration: Steffen Köpf


Verjüngung der Königin

Alkoholische Auszüge beziehungsweise durch Wasserdampfdestillation hergestellte Parfüms waren in Europa bis zum 14. Jahrhundert vermutlich unbekannt. Eine bedeutende Etappe in der Parfümentwicklung beginnt mit dem sogenannten Ungarischen Wasser, auch Aqua Reginae Hungariae oder Eau d´Hongrie genannt. Dieses einfache aus Rosmarin und Lavendel hergestellte Wasser sollte wahre Wunder vollbringen können, so der damalige Glaube. Das Rezept für das Ungarische Wasser sollen Mönche – andere Autoren sprechen von einem Einsiedler – der bereits 72-jährigen, schwer an Rheuma erkrankten Königin Elisabeth von Ungarn (1305 bis 1380) geschenkt haben. Laut Überlieferung soll sich die Königin durch regelmäßige Anwendung des Wassers dermaßen verjüngt haben, dass der bedeutend jüngere König von Polen ihr einen Heiratsantrag machte. Das Ungarische Wasser eroberte daraufhin im rasanten Siegeszug die Länder Europas. Ende des 17. Jahrhunderts wird es sogar in den Apotheker-Taxen aufgeführt.

Kostbarer als Gold

In der Tierwelt signalisieren Sexualdüfte den Männchen, dass die Weibchen empfängnisbereit sind. Doch bekanntermaßen wirken Sekrete der Genitaldrüsen einiger Tiere auch auf Menschen aphrodisierend, zum Beispiel Moschus. Viele tierische Drogen sind noch heute unentbehrliche Ausgangsstoffe für die Herstellung hochwertiger Parfüms. Sie verleihen als Basis etlichen Parfüm-Kompositionen eine warm-animalische Note.




Um Männer auf sich aufmerksam zu machen, benutzen Frauen seit jeher aphrodisierende Düfte.

Foto: Superbild


Ob die in den alten Kulturen Persiens, Indiens und Chinas bekannten tierischen Duftstoffe wie Moschus, Am­bra, Zibet und Castoreum in der Antike auch in den Ländern des Mittelmeeres verwendet wurden, ist ungewiss. Der bekannteste tierische Duftstoff ist seit Langem Moschus, das Sekret aus einem drüsenartigen Beutel des Moschusbocks. Mit dem Sekret markieren die Tiere ihr Revier und locken die Weibchen an. Das scheue, rehartige Tier ist in den Gebirgen Hochasiens von Tibet bis Sibirien beheimatet. In den Handel gelangt Moschus als krümelige oder weiche, dunkelrote bis schwarzbraune Masse von sehr starkem, eigentümlichem Geruch. Bis zum Jahr 1891 wurde Moschus in Deutschland auch in den Pharmakopöen beschrieben.

Wohlgeruch aus dem Meer

Ambra ist eine graue bis schwarze, bisweilen durch weiße Streifen marmorierte, fett- beziehungsweise wachsartige, undurchsichtige Masse. Ambra entsteht im Magen-Darm-Kanal des Pottwals. Da dieser Wal Tintenfische frisst, verletzen die noch lebenden Tiere mit ihrem scharfen Kiefer die Magen- und Darmschleimhaut der Wale. Darauf bilden die Meeressäuger einen antibiotisch wirkenden Wundverschluss: Ambra. Durch Erbrechen oder nach dem Tod der Wale gelangt Ambra in bis zu 10 Kilogramm schweren Stücken an die Meeresoberfläche, wo es von Fischern eingesammelt oder an den Strand gespült wird. Wegen seines erlesenen Wohlgeruchs und seines Rufes als Aphrodisiakum besaß Ambra einen sehr hohen Handelswert und war daher fast ausschließlich Reichen und Mächtigen vorbehalten.

Als Castoreum oder Bibergeil werden die getrockneten, widerlich riechenden, zwischen After und Geschlechtsteil liegenden Drüsenbeutel des Bibers bezeichnet. Und Zibet ist das Drüsensekret der nordafrikanischen Zibetkatze, eine salbenartige, dunkelbraune Masse mit eigenartigem Geruch.

Schwere erotische Düfte

Als die aus Florenz stammende Katharina von Medici im Jahr 1533 den französischen König Heinrich II. heiratete, führte sie nicht nur die Kunst des Parfümierens in Frankreich ein: Sie brachte auch ihren Parfümeur René mit, einen Meister der Parfüm-Herstellung. Doch René mischte auch tödliche Gifte für seine Herrin, die damit ihre Feinde umbrachte. Katharina führte mit Moschus, Ambra und Zibet imprägnierte Lederhandschuhe am Hof ein.

Unter der Regentschaft Heinrichs II. kam es zu einem regelrechten Missbrauch von Düften. So schrieb Nicolas de Montaut im Jahr 1582 in seinem »Miroir des Francois«, dass die Damen »alle Arten von Düften, stärkenden Wässerchen, Zibet, Moschus, Ambra und andere kostbare Duftstoffe zum Parfümieren ihrer Kleider und ihrer Wäsche und selbst ihrer Körper« benutzten.




Je kostbarer das Parfüm, desto exklusiver der Flakon

. Foto: Shutterstock/lrafael


Kaum bekannt ist, dass die englische Königin Elisabeth I. (1533 bis 1603) eine wahre Duft-Fanatikerin war. Sie ließ ihre gesamte Kleidung, Räume, Tapeten, Stühle, Toilettenutensilien, ja selbst ihre Lieblingstiere parfümieren. Ständig trug sie Pomander am Hals, die damals groß in Mode waren. Diese mit Löchern versehenen, kunstvoll verzierten, oft kugelförmigen kleinen Gefäße enthielten den mit Fetten ausgezogen Duft faulender Äpfel in Kombination mit Rosenwasser, den beiden Storax-Arten Labdanum und Benzoin sowie Moschus, Ambra und Zibet. Aus dem Pomander, dessen Duft auch vor Seuchen schützen sollte, entwickelte sich das Wort Pomade.

Madame de Pompadour, die schöne Mätresse des französischen Königs Louis XV., versuchte über Jahre hinweg, die sexuelle Lust ihres Liebhabers zu erhalten.
Als wichtiges Mittel dabei setzte sie auf den Moschus-Duft. Noch 20 Jahre nach ihrem Tod sollen die Gardinen ihres Palais intensiv nach Moschus gerochen haben.

Die Pheromone

Nicht nur die Sekrete der Tiere, auch die Ausdünstungen der menschlichen Genitalien gelten als aphrodisierend. Doch alleine der Körpergeruch der Männer wirkte auf die Frauen der Antike erotisch. So salbten sich griechische und römische Frauen mit »Rhypos«, dem mit Olivenöl extrahierten Körperschweiß von Ringern und Gladiatoren. Vergleichbare Sitten haben sich bis in die Neuzeit erhalten: Weibliche Fans haben sich um die mit Schweiß getränkten Halstücher von Elvis Presley und den Beatles förmlich gerissen. Die Wissenschaft kennt die Ursache für dieses Verhalten: Es sind die Pheromone, die als Sexuallockstoffe wirken.




Hier wirkt die Kraft der Pheromone.

Foto: Shutterstock/Luna Vandoorne


Zwar sind Pheromone geruchlos, doch am vorderen unteren Abschnitt der Nasenscheidewand befindet sich in Form einer kleinen Längswulst das Vomeronasale Organ (VNO) , auch Jacobson-Organ genannt. Hier docken die Pheromone an. Die Nerven des VNO leiten die durch die Pheromone ausgelösten Reize zum ältesten Teil des Gehirns, dem Hypothalamus, das unter anderem die Hormonproduktion, Stimmungen, sexuelles Verlangen, Appetit, Aggressionen, Puls und Blutdruck steuert. Pheromone sind in Körperschweiß, Urin, Vaginalsekret, Sperma und Speichel enthalten. Deshalb stellte der amerikanische Biologe und Sexualwissenschaftler Professor Robert T. Francoeur (1931 bis 2012) nüchtern fest: »Küssen ist eine großartige Methode, die Pheromone in unserem Speichel auszutauschen.« Und warum ist das Tanzen so beliebt? Weil man dabei unbewusst die Pheromone aus dem Achselschweiß des Tanzpartners inhaliert. So jedenfalls lautet die Erklärung der Wissenschaft!

Der berühmte Frauenbetörer Casanova (1725 bis 1798) kam erst richtig in Stimmung, nachdem er seine nackten Geliebten mit Rosenwasser beträufelt hatte. Kaiserin Josephine Bonaparte (1763 bis 1814) steht in dem Ruf, eine der am stärksten parfürmierten Frauen ihrer Zeit gewesen zu sein. Besonders liebte sie – ebenso wie ihr Mann – den starken Moschusduft. Doch Napoleon hatte auch eine Vorliebe für das schon damals berühmte Eau de Cologne (Kölnisch Wasser), das er auf seinen Feldzügen in großen Mengen mit sich führte. Darüber hinaus war der Kaiser – so wird berichtet – auch den Düften von Veilchen, Rosen und Aloe sowie dem Körpergeruch seiner Ehefrau zugetan. »Wasch dich nicht, ich bin auf dem Weg zu dir!« Diese Aufforderung Napoleons an seine Ehefrau verdeutlicht, dass nicht nur pflanzliche Duftstoffe aphrodisierende Eigenschaften besitzen. Der französische Schriftsteller Joris-Karl Huysmans (1848 bis 1907) klassifiziert in seinem Roman »Croquis parisiens« aus dem Jahr 1880 die Frauen nach ihrem Körpergeruch:

Der Duft der Frauen

»Brünette und Schwarze riechen temperamentvoll und gelegentlich anstrengend, Rothaarige dagegen scharf und wild, Blondinen aber berauschend und vollmundig wie die Blume eines Spitzenweins. Man könnte fast sagen, dass dies genau ihrer Art zu küssen entspricht: fester und besitzergreifender die Brünetten, hingebungsvoller die Blondinen.«

Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) gestand, seiner »unerreichbaren« Charlotte von Stein ein Mieder entwendet zu haben, um wenigstens ihren Körpergeruch in der Nähe zu haben. Am Hof des russischen Zaren Nikolaus II. gelangte ab 1906 der Mönch und Mystiker Rasputin (1872 bis 1916) zu großem Einfluss. Obwohl von ungepflegtem, abstoßendem Äußeren lagen ihm die Frauen des russischen Adels zu Füßen. Rasputin soll wie ein Bock gerochen haben, aber nicht nach Schweiß, sondern nach Sperma. /


E-Mail-Adresse des Verfassers
MedWiss-Meyer@t-online.de



Beitrag erschienen in Ausgabe 16/2013

 

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