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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Ringelblume

Foto: Vogelsang

Sanfte Pflege für die Haut

von Katharina Vogelsang, Gießen 

Die Ringelblume ist eine seit alters bekannte Heilpflanze. Während die wundheilfördernden, antiphlogistischen Effekte Einzug in die evidenzbasierte Phytotherapie gehalten haben, gibt es für folgende Indikationen aus der Volksmedizin nur zaghafte Hinweise anhand von Tier- oder In-vitro-Versuchen: die Lipid- und Blutzuckersenkung sowie die Behandlung von gastrointestinalen Geschwüren oder Krebserkrankungen.  

Zuweilen wird der Gattungsname Calendula aus dem Lateinischen (Calendae = der Monatserste) abgeleitet und mit der mehrmonatigen Blühdauer der Pflanze von etwa Mai bis November in Verbindung gebracht. Leonhart Fuchs (1501-1566) und Adamus Lonicerus (1528-1586) bezeichnen in ihren Kräuterbüchern die Ringelblume auch mit dem lateinischen Namen "Calthula" oder "Caltha", dem aktuellen Gattungsnamen der Sumpfdotterblume. Unter dem Namen "Caltha" fasste man ursprünglich gelbe, stark duftende Blumen zusammen. Hildegard von Bingen nannte die Pflanze auf Grund der inneren, charakteristisch ringförmig gewundenen Früchte "Ringula". Aus dieser Bezeichnung entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte Namen wie "Ringele", "Gartenringel" oder "Ringelrose".

Man vermutet ihre Herkunft als Wildpflanze in den Höhen des Atlas-Gebirges im nordwestlichen Afrika. Heute wird sie weltweit kultiviert, und man findet sie zuweilen verwildert auf Schutthalden oder an Wegrändern.

Nach Aussaat der Früchte, die nur mit wenig Erde oder Sand bedeckt werden müssen, entwickelt sich eine weiße Pfahlwurzel, mit der das einjährige Kraut fest im Boden verankert ist. Der Stängel ist zuweilen nur an der Basis verholzt. Die wechselständigen, ganzrandigen Laubblätter ohne Blattstiel sind unten spatelförmig und im oberen Teil der Pflanze länglich lanzettlich geformt. Die weichbehaarten Blätter weisen am Blattrand eine kurze Bewimperung auf. Der Stängel ist an der Basis wenig verzweigt, in der oberen Hälfte der Pflanze nimmt die Verzweigung zu. Am Ende der Stängel entwickeln sich die Pseudanthien mit ein- oder zweireihig angeordneten Hüllblättern.

Auf dem flachen Blütenboden sind außen die Zungen- oder Strahlenblüten und innen die Röhren- oder Scheibenblüten angeordnet. Die Röhrenblüten bestehen aus einer zur Röhre verwachsenen Krone mit einem unfruchtbaren unterständigen Fruchtknoten und voll ausgebildeten Staubblättern. Die weiblichen Zungenblüten sind etwa doppelt so lang wie der Hüllkelch. Sie bestehen aus der Blütenhülle und dem unterständigen, fruchtbaren Fruchtknoten. Die Staubblätter sind zurückgebildet. Eine Befruchtung kann somit nur von den Pollen der Röhrenblüten ausgehen. Liegen mehrere Kreise von Zungenblüten am Blütenstandsboden vor, spricht man von gefüllten Blüten. 

Drei Arten Früchte

Die Früchte werden nur von den Zungenblüten ausgebildet. Sie sind vielfältig gestaltet (Heterokarpie) und werden entsprechend ihrer Form in drei verschiedene Fruchtformen eingeteilt: Kahn-, Haken- und Larvenfrüchte. Die Kahn- und Hakenfrüchte der äußeren Blütenreihen entstehen durch Selbstbestäubung, da sie schwerer von Insekten erreichbar sind, während die inneren Zungenblütenreihen nach Fremdbestäubung durch Insekten die Larvenfrüchte ergeben.

Kahnfrüchte verbreitet der Wind, während sich Hakenfrüchte mit ihren Widerhaken im Pelz oder Gefieder von Tieren verfangen. Die Larvenfrüchte werden auch mit dem Wind verweht oder durch Ameisen verschleppt.

Innerhalb der Gattung Calendula gibt es große genetische Unterschiede, die sich in unterschiedlichem Blühbeginn, im Verhältnis der Anzahl von Zungen- zu Röhrenblüten, unterschiedlicher Fruchtformen und -größen und den verschiedenen Farben äußern. Die Blütenfarben sind vielfältig und können schwefelgelb (Calendula officinalis f. sulfera), aprikosenfarbig-nankinggelb (f. isabellina mit rötlich braunen Spitzen an den Zungeblüten) oder blass orange-gelb (f. ranunculoides) sein. Die Farbe scheint aber auch von Boden- und Witterungsverhältnissen abzuhängen. Schon im Mittelalter beschreibt Tabernaemontanus (1522 - 1590) Calendula prolifera (Calendula officinalis f. prolifera), die heute als "barocke Ringelblume" in Form von Saatgut im Handel ist und nach Verblühen eines Blütenköpfchens bis zu 15 neue Köpfchen an Stielen unterhalb der Ursprungsblüte ausbildet.

Nur die Arten C. officinalis und C. arvensis werden medizinisch verwendet, wobei aufgrund höherer Ernteerträge vorzugsweise die großblütigere C. officinalis angebaut wird. Für die Drogengewinnung werden die gefüllten Formen bevorzugt (Calendula officinalis f. ligulata hort.), da den Zungenblüten ein höherer Gehalt an wertgebenden Inhaltsstoffen, zum Beispiel Triterpendiolester, zugesprochen wird.

Unter der Bezeichnung Calendulae flos cum calice gelangen die ganzen oder teilweise zerfallenen Blütenkörbchen in den Handel. Offizinell im Erg. B. 6, im DAC, in der Ph. Eur. und in den Standardzulassungen sind dagegen die vom Blütenboden abgetrennten Zungenblüten, die unter der Bezeichnung Calendulae flos sine calice in den Handel kommen.

Auszugsmittel bestimmt Inhaltsstoffe

In Ringelblumenblüten befinden sich

  • Pentazyklische Triterpensaponine der Oleanolsäure (Gehalt: 2 bis 10 Prozent). Die Triterpensaponine werden auch Saponoside A bis F genannt.
  • Triterpenalkohole untergliedern sich in frei vorliegende oder mit Essigsäure veresterte Triterpenmonoole, zum Beispiel a-Amyrin, b-Amyrin, Lupeol, c-Taraxasterol und Taraxasterol.
  • Triterpendiole wie Arnidiol, Faradiol, Calenduladiol sind überwiegend mit Fettsäuren verestert. Mengenmäßig überwiegen die veresterten Triterpendiole in den Zungenblüten von Calendula officinalis.
  • Triterpentriole, zum Beispiel Heliantriol, Ursatriol
  • Carotinoide sind in den intensiv orange gefärbten Formen in hohen Konzentrationen zu finden, während die gelb gefärbten Formen weniger Carotinoide, dafür Xanthophylle (sauerstoffhaltige Carotinoide) enthalten.
  • Ätherisches Öl ist überwiegend aus Sesquiterpenen zusammengesetzt. Der Gehalt an ätherischem Öl ist in den Röhrenblüten höher als in den Zungenblüten.
  • Allantoin hemmt Entzündungen. Sein Gehalt ist in den Blütenköpfchen höher als in den Zungenblüten.

Von untergeordneter Bedeutung sind Flavonoidglykoside, Cumarinderivate, Pektine und Hemicellulosen. Mit Wasser werden Saponoside, Polysaccharide und Allantoin erwartungsgemäß besser extrahiert als mit lipophilen Extraktionsmitteln wie pflanzlichen Ölen. Ölauszüge und Extrakte aus überkritischem Kohlendioxid extrahieren lipophile Verbindungen, zum Beispiel Carotinoide, Triterpendiolester und ätherisches Öl in höherem Ausmaß als Wasser.

Zur Extraktion von Naturstoffen wird öfters überkritisches Kohlendioxid verwendet, zum Beispiel zur Extraktion von Koffein aus Kaffeebohnen, um entkoffeinierten Kaffee herzustellen. Oberhalb einer Temperatur von 31 Grad Celsius kann man das Gas Kohlendioxid nicht mehr durch Anwendung von Druck verflüssigen. Befindet sich Kohlendioxid oberhalb der kritischen Temperatur, nennt man ihn überkritisch. 

Zur Wundtherapie

Die Kommission E bescheinigte Extrakten der Calendula officinalis eine heilende Wirkung bei Wunden mit schlechter Heilungstendenz, bei Ulcus cruris sowie bei entzündlichen Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Dazu empfahl sie wässrige Extrakte (2 bis 3 g Droge auf 150 ml Wasser) oder eine alkoholische Tinktur, die 1 zu 10 mit Wasser verdünnt werden muss, sowie halbfeste Zubereitungen (2 bis 5 g Droge auf 100 g Salbe oder Creme).

Die Anwendungsgebiete belegen auch aktuelle Untersuchungen. Bei einer nicht kontrollierten Pilotstudie an 30 Probanden war nach zweiwöchiger Applikation eines Gelpräparats aus Ringelblumenblüten Beschwerdefreiheit von Verbrennungen und Verbrühungen registriert worden. 126 Patientinnen, die sich im Rahmen der Brustkrebstherapie mit radioaktiven Strahlen behandeln ließen, wiesen unter der lokalen Therapie mit einem Calendula-Vaseline-Extrakt geringere Raten an Dermatitis Stufe 2 oder höher auf als die Gruppe der 128 Patientinnen, die mit Trolamin-Gel (= Triethanolamin-Gel) behandelt wurden.

Die verantwortlichen Inhaltsstoffe für die granulationsfördernden Effekte, die zu einer Epithelisierung und gegebenenfalls auch Verbesserung des Hydratationsgleichgewichtes der Haut führen, sind nicht im Einzelnen bekannt. Dennoch deuten die Untersuchungen darauf hin, dass die wertgebende Inhaltsstoffe in lipophilen Extrakten verstärkt zu finden sind.

Der wundheilfördernde Prozess wird durch antiinflammatorische Effekte unterstützt. Die entzündungshemmende Eigenschaft des Kohlendioxidextraktes ist hauptsächlich auf die Anwesenheit der Triterpendiole, in erster Linie der Faradiolmonoester, zurückzuführen.

Wirkungen mit fraglicher Relevanz

Möglicherweise hemmen bestimmte Ringelblumenextrakte das Pilz- und Bakterienwachstum. Tierexperimentelle Untersuchungen deuten außerdem auf eine immunmodulatorische Wirkung der Polysaccharide hin. Eine in der Volksmedizin verankerte antitumorale Verwendung der Ringelblumenblüten veranlasste zu Untersuchungen an isolierten Tumorzellen oder an Tieren.

In der Volksheilkunde werden weiterhin Tees aus Ringelblumenblüten zur Einleitung der Menstruation und der Geburt verwendet. Wässrige Calendulaextrakte wirkten auf den isolierten Kaninchen- und Meerschweinchenuterus tonussteigernd. Ein Abfall des arteriellen Blutdrucks und eine verminderte Herztätigkeit wurden nach Verabreichung alkoholischer und wässriger Calendulaextrakte an Hunden beobachtet. Aus Tierversuchen gibt es weiterhin Hinweise auf einen Schutz bei Magenulcera sowie eine Senkung der Cholesterol-, Triglycerid- und Glucosespiegel im Blut. Alle diese Untersuchungen bieten derzeit keine ausreichende Grundlage, die Wirkungen bei Menschen zu belegen. 

Leichte Hautirritationen möglich

Extrakte aus Calendula officinalis sind in einer Vielzahl kosmetischer Produkten enthalten. Sie müssen der EU-Direktive über Verträglichkeit von kosmetischen Produkten entsprechen. Da Calendula officinalis keine Sesquiterpenlactone enthält, müssen die zuweilen auftretenden Hautreaktionen durch andere Substanzgruppen ausgelöst werden.

Studien gaben keinen Hinweis auf Mutagenität. Ebenso wenig deuten Versuche an Ratten und Mäusen auf eine akute Toxizität oder eine Phototoxizität hin. Allenfalls wurden leichte lokale Hautirritationen bei Tieren festgestellt. Jedoch sind die Extrakte unterschiedlicher Firmen nicht identisch zusammengesetzt, so dass Resultate aus einzelnen Experimenten nicht generell auf alle im Markt verfügbaren Ringelblumenextrakte übertragbar sind. Auch die Penetration der lipophilen Inhaltsstoffe durch die Haut ist von der Lipophilie der Formulierung abhängig und kann möglicherweise zu ungewollten systemischen Effekten führen. 

Einsatz in der Kosmetik

Dermatologische Untersuchungen ergaben für den therapeutischen Einsatz, aber auch für Kosmetika interessante Resultate. Es wurde eine Steigerung der Granulation und Epithelisierung, eine Stimulation der Zellneubildung der Haut, beruhigende Wirkungen auf irritierte und entzündete Haut, eine Steigerung der Blutzirkulation in der Haut und des Tonus der Haut nachgewiesen. Aus wässrigen Auszügen lassen sich reinigende Gesichtswässer, aus öligen Extrakten Salben und Cremes bereiten. Auch in Sonnenschutzpräparaten, Babypflegemitteln, Gesichtslotionen, Kräuterpackungen, After-shave-Präparationen und Lippenstiften kommen Ringelblumenblütenauszüge zum Einsatz.



Lippenbalsam aus Ringelblumenblütenölauszug

Ringelblumenblütenölauszug 100 ml
Bienenwachs 10 bis 15 g

Bienenwachs im Ringelblumenölauszug schmelzen und in leere Lippenstifthülsen oder kleine Kruken gießen. Es entsteht ein Oleogel.

Gewinnung des Ringelblumenölauszuges:
10 g Ringelblüten in ein feuerfestes Gefäß (am besten ein Einmachglas oder ein Marmeladenglas) füllen und mit mindestens 100 g eines haushaltsüblichen Pflanzenöls übergießen. Sollten die Blüten nicht vom Öl bedeckt werden, wird so viel Öl nachgefüllt, bis die Flüssigkeit etwa einen halben Zentimeter über den Blüten steht. Die Zugabe an Öl sollte jedoch mindestens zu einem 3-prozentigem Ansatz bezogen auf das Blütengewicht führen. Den Ansatz für 10 Minuten in ein siedendes Wasserbad stellen. Anschließend wird das Glas außen getrocknet und mit dem Deckel verschlossen. Das Vakuum, das sich beim Abkühlen bildet, verhindert, dass das Öl zu schnell ranzig wird. Nach spätestens fünf Tagen können die Blüten abgeseiht werden.



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