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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Cayennepfeffer

Foto: Mies

Ein Gewürz lindert Schmerzen

von Ursula Sellerberg, Berlin 

"Das brennt ja wie Feuer" - wer das sagt, hat vermutlich gerade eine mit Cayennepfeffer zubereitete Speise gegessen. Das Gewürz enthält viele Scharfstoffe. Äußerlich aufgetragen fördern diese die Durchblutung der Haut. Die roten Früchte und ihre Auszüge wirken in Salben und Pflastern gegen Schmerzen. 

Die Stammpflanze des Cayennepfeffers ist Capsicum frutescens aus der Familie der Nachtschattengewächse oder Solanaceae. Andere Namen sind scharfer Paprika, Chili oder Tabasco pepper. Der Gattungsname Capsicum leitet sich vom griechischen kapto (= aufschnappen, beißen) und dem lateinischen capsicus (= kapselförmig) ab und bezieht sich auf die Form der Frucht und ihren scharfen Geschmack. Der Artname frutescens stammt von den lateinischen Begriffen frutex (= Busch) und fruticari (= sprießen) und lässt sich mit "buschig" übersetzen. Cayennepfeffer ist nicht verwandt mit dem Gewürzpfeffer (Piper nigrum) und nicht zu verwechseln mit dem Gemüsepaprika, Capsicum annuum. Dieser schmeckt sehr mild und wird medizinisch nicht verwendet. 

Cayennepfeffer stammt aus Mexiko und Mittelamerika. Schon bald nach der Entdeckung Amerikas führten die Spanier den Cayennepfeffer in Europa ein, wo er sich rasch unter dem Namen "Spanischer Pfeffer" verbreitete. Heute wird die Pflanze in allen tropischen und subtropischen Gebieten der Erde kultiviert. Das einjährige Kraut erreicht eine Höhe von bis zu einem Meter und bildet meist weiße oder hellgelbe Blüten. Die Blätter sind ganzrandig, länglich-oval bis eiförmig und lang gestielt. Als Droge dient die reife, vom Kelch befreite Frucht. Köche bezeichnen diese als Schote. Botanisch gesehen handelt es sich jedoch um eine Beere. Die äußere Fruchtwand ist derb ledrig und glänzt rot, gelb, grün oder bräunlich. An der zentralen Placenta der zwei bis vier Zentimeter langen Früchte sitzen zahlreiche weiße Samen, die meist mehr Scharfstoffe enthalten als die Fruchtwand.  

Cayennepfeffer enthält 0,3 bis 1 Prozent scharf schmeckende Capsaicinoide. Sie bestehen chemisch aus einem - je nach Capsaicinoid unterschiedlichen - Fettsäurerest und Vanillylamin. Diese Substanzen wirken durchblutungssteigernd (hyperämisierend). Der Hauptinhaltsstoff ist das Capsaicin. Die enthaltenen Carotinoide bewirken die Farbe der Früchte. Außerdem enthält die Droge geringe Mengen ätherischen Öls, Flavonoide und Saponine.  

Durchblutung hemmt Schmerzen

Cayennepfeffer regt lokal die Durchblutung an und hemmt Schmerzen, Entzündungen sowie Juckreiz. Nach dem Auftragen auf die Haut färbt sich diese rot und fühlt sich warm an. Dieser Effekt tritt schon nach drei Minuten auf, da das fettlösliche Capsaicin gut in die Haut eindringt. Zu Beginn der Behandlung entsteht nicht nur ein intensives Wärmegefühl, sondern meist auch ein Schmerzreiz. Beides lässt mit der Zeit nach. Nach der anfänglichen Erregungsphase hemmt Capsaicin die Weiterleitung der Nervenimpulse, da Botenstoffe wie die Substanz P aus den Speichern entleert wurden. Daher leiten die Nerven Schmerzsignale nach einiger Zeit nicht mehr weiter; das Gehirn erhält keine Informationen über den Schmerz. Der Patient ist an der behandelten Stelle schmerzunempfindlich geworden. Darüber hinaus bilden sich die Enden der betroffenen Nervenfasern zurück. Dieser Effekt ist schon nach drei Tagen nachweisbar. Die Regeneration des Gewebes benötigt Zeit, so dass der Patient auch noch nach der Capsaicin-Therapie weiterhin lokal zunächst keine Schmerzen mehr spürt.

Im Handel sind verschiedene Zubereitungen aus Cayennepfeffer, beispielsweise Salben wie Capsamol®-Salbe oder Pflaster wie Gothaplast® Rheumamed® AC Wärmepflaster oder Hansaplast® med ABC Wärme-Pflaster, aber auch Einreibemittel wie Jucurba Capsicum Schmerz-Emulsion. Die Präparate werden äußerlich bei schmerzhaften Muskelverspannungen im Bereich der Schulter oder des Rückens angewendet. Bei einigen Anwendungsgebieten wie Arthrose, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises oder Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose lindert Cayennepfeffer die Beschwerden. Die Zubereitungen mit Cayennepfeffer sind allerdings für keine dieser Indikationen zugelassen.

Überdosierung möglich

Bei Präparaten mit Cayennepfeffer besteht die Gefahr der Überdosierung. Daher müssen die Patienten sich unbedingt an die Dosierungsempfehlungen der Hersteller halten. Überdosierungen können zu einer krankhaften Temperaturabsenkung (Hypothermie) führen. Langfristig können zu hohe Dosen Durchfälle oder eine chronische Magenschleimhautentzündung hervorrufen, die Nieren, Leber oder Galle schädigen. Die maximale Tagesdosis liegt bei 10 Gramm Droge oder den entsprechenden Extraktmengen. Für Pinselungen wird ein 60-prozentiger ethanolischer Extrakt verwendet. Halbfeste Zubereitungen sollten höchstens 50 Milligramm Capsaicin in 100 Gramm neutraler Grundlage enthalten, Pflaster nicht mehr als 40 Mikrogramm Capsaicinoide pro Quadratzentimeter.  

Nach der äußerlichen Anwendung können sich auf der Haut Blasen und Geschwüre bilden. Die Kommission E beim ehemaligen Bundesgesundheitsamt empfahl in der Monographie von 1990, Cayennepfeffer äußerlich nicht länger als zwei Tage anzuwenden und anschließend mindestens zwei Wochen zu pausieren. Die Begründung lautete, dass längerfristiges Auftragen sensible Nerven schädigt. Allerdings leitete die Kommission ihre Empfehlung aus Versuchen mit Mäusen ab, bei denen die Nervenenden freipräpariert und dann mit unverdünntem Capsaicin in Kontakt gebracht wurden. 

Neuere Studien belegen, dass die Nervenenden auch bei längerer sachgemäßer Anwendung nicht irreparabel geschädigt werden. Daher wird die Anwendungszeit aktuell weniger streng begrenzt, je nach Krankheitsbild gilt eine vier- bis achtwöchige Behandlungsdauer für angemessen. Eine allgemeine Empfehlung gibt es bislang jedoch nicht. 

Tipps für das Beratungsgespräch

PTA oder Apotheker sollten die Patienten darauf hinweisen, dass gerade zu Beginn die behandelten Hautpartien stechen oder brennen können. Dieses Gefühl verschwindet meist in den ersten Wochen und kann durch das vorherige Auftragen einer Salbe mit einem Lokalanästhetikum gemildert werden.  

Nach dem Auftragen Capsaicin-haltiger Zubereitungen müssen sich die Patienten die Hände sorgfältig mit Wasser und Seife waschen. Sonst reiben sie sich eventuell die Scharfstoffe in die Augen, wo Capsaicin brennt und stark schmerzt. Nicht ohne Grund werden "Pfeffersprays" auch als Notwehr-Tränengas gegen Angreifer verkauft. Ebenso wenig darf die Droge oder ihre Zubereitungen auf Schleimhäute oder geschädigte Haut aufgetragen werden. Menschen mit einer Gürtelrose sollten die Cayennepfeffer-Zubereitung daher erst nach dem Abheilen der Herpesbläschen anwenden. Weiterhin sollten die Patienten wissen, dass Wärmflaschen oder Heizdecken den Wärmereiz unangenehm verstärken. 

Schwangere und Stillende sowie Kinder unter zwölf Jahren sollten Cayennepfeffer-Zubreitungen nicht anwenden. Bei diesen Patienten ist die Datenlage noch zu gering. Auch Menschen mit einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Capsaicin dürfen keine Cayennepfeffer-Zubereitungen anwenden.

 

Anschrift der Verfasserin :
Dr. Ursula Sellerberg
Wörther Straße 13 A
10405 Berlin



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