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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Walnuss

Foto: CWC

Nuss mit neu entdeckten Kräften

von Ursula Sellerberg, Berlin 

»Apfel, Nuss und Mandelkern essen alle Kinder gern...« Walnüsse gehören zum Winter wie Plätzchen und Glühwein. Aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehalts werden die Blätter seit langem pharmazeutisch genutzt. Doch es gibt auch Neues zu berichten: Ein malaysisches Forscherteam arbeitet aktuell an einem »Walnuss-Viagra«. Zudem hat das Kuratorium »Baum des Jahres« am 18. Oktober 2007 in Berlin die Walnuss zum Baum des Jahres 2008 gewählt.

Die Walnuss (Juglans regia) gehört zur Familie der Juglandaceae. Der deutsche Name entwickelte sich aus »welsche« Nuss. Dies weist auf die Herkunft der Baumart hin: Im 8. Jahrhundert brachten die Gallier, die damals auch Welschen hießen, die Walnuss aus Frankreich mit nach Deutschland. Der Gattungsname Juglans leitet sich ab von dem lateinischen jóvis, dem Genitiv von Jupiter, und glans für Eichel; regia bedeutet königlich.

Frei übersetzt heißt Juglans regia damit »königliche Eichel des Jupiter«. Wegen des etwas erotischen Aussehens des Nussembryos wurden der Walnuss zahlreiche Wirkungen zugesprochen, unter anderem eine aphrodisierende. Jung vermählte Bräute sollten daher viele Walnüsse essen.

Ursprünglich stammt der Walnussbaum aus Asien, er wird aber seit Jahrhunderten in Europa und Amerika kultiviert. Sein Bestand ist stark zurückgegangen, weil alte Bäume nicht in ausreichendem Maße durch junge ersetzt wurden. In Deutschland war der Walnussbaum bis vor 100 Jahren wesentlich stärker verbreitet als heute und als »Hausbaum« sehr beliebt:

Er hält lästige Insekten wie Mücken und Fliegen von Haus und Hof fern und wird daher möglichst nah ans Haus gepflanzt. Aktuell wachsen die Nussbäume noch relativ häufig im ländlichen Siedlungsraum, jedoch nie im Wald, höchstens an Waldrändern. Der Wallnussbaum benötigt viel Licht und muss spätestens mit etwa 10 Jahren möglichst frei stehen, sonst geht er wieder ein. Der Boden sollte nicht extrem nährstoffarm und nicht zu trocken sein. 

Nach botanischen Kriterien nimmt der Walnussbaum in der Reihe der Laubbäume eine Sonderstellung ein: Seine Blätter treiben erst spät im Mai aus und fallen früh im Herbst wieder ab, ohne sich bunt zu verfärben, seine Blüten sind sehr unscheinbar, und auch die Früchte sind unauffällig. Die großen Blätter des bis zu 25 m hohen, stattlichen Laubbaums sind gestielt und unpaarig gefiedert. Die Blüten erscheinen vor den Blättern. Der Walnussbaum ist einhäusig getrenntgeschlechtlich, es gibt also männliche und weibliche Blüten auf einer Pflanze. Die grünen männlichen Blüten sind etwa zehn Zentimeter lang und bestehen aus schlaff herabhängenden Kätzchen. Die weiblichen Blüten sind weiß bis grün und stehen zu zweit oder zu dritt an den Zweigenden. Da die unscheinbaren Blüten keine Insekten anlocken, werden die Pollen durch den Wind verbreitet.

Nuss, nicht Steinfrucht

Die kugelige Frucht ist von einer glatten, grünen, weiß-punktierten Schale umhüllt. Im September oder Oktober platzt die dickfleischige Schale auf und gibt die Nuss frei. Eichhörnchen, Mäuse und andere Tiere sammeln die Früchte auf und legen Vorräte für den Winter an. Aus den Nüssen, die sie im Boden vergessen, wachsen neue Bäume heran.

In fast allen Lehrbüchern wird die Walnuss als Steinfrucht bezeichnet. Das ist falsch, denn seit 2006 ist bekannt, dass die Walnuss tatsächlich eine Nuss ist. Ein Biologe hat im letzten Jahr nachgewiesen, dass die fleischige Schale nicht zur Frucht gehört, sondern aus anderen Pflanzenorganen entstanden ist. Deshalb handelt es sich bei Walnüssen tatsächlich um Nüsse, die wie Bucheckern und Maronen am Baum von einer grünen Fruchthülle umgeben sind. Schmackhaft sind die beiden stark gefalteten Keimblätter des Embryos. Aus ihnen wird durch kaltes Pressen das Walnussöl gewonnen, das reich an ungesättigten Fettsäuren ist.

Gerbstoffreiche Blätter

Pharmazeutisch von Interesse sind nur die Walnussblätter, die im Sommer gesammelt und an der Luft getrocknet werden. Die Kommission E am ehemaligen Bundesgesundheitsamt hat Walnussblätter für die Anwendung bei leichten oberflächlichen Hautentzündungen und vermehrter Schweißneigung positiv beurteilt. Die Blätter enthalten etwa 10 Prozent Gerbstoffe vom Typ der Ellagitannine sowie außerdem Flavonoide, Phenolcarbonsäuren wie Kaffeesäure und geringe Mengen ätherisches Öl. Der DAC fordert in der Monographie Walnussblätter (Juglandis folium) einen Gerbstoffgehalt von mindestens 4 Prozent.

Die anderen Pflanzenteile werden pharmazeutisch nicht verwendet. Die Blätter enthalten in Spuren das mutagen wirkende Naphthochinonderivat Juglon. Beim Trocken oder bei einer Verletzung der Blätter oder Fruchtschalen entstehen höhere Konzentrationen. Juglon ist instabil und polymerisiert leicht zu gelben oder braunen Pigmenten, die die Haut färben. Deshalb dürfte freies Juglon in den an der Luft getrockneten Blättern der Droge kaum noch vorhanden sein. Juglon hemmt das Wachstum von Pilzen. Wegen ihres Juglongehalts bewertete die Kommission E  die frischen Walnussfruchtschalen negativ.

Nur äußerlich anwenden

Als Gerbstoffdroge wirken Walnussblätter zusammenziehend. Gemäß der Bewertung der Kommission E werden sie äußerlich angewendet bei leichten oberflächlichen Hautentzündungen zum Beispiel bei Akne oder Ekzemen (in Kombinationen wie in Phytoderma®) und bei vermehrtem Schwitzen an Händen oder Füßen. Auch die Standardzulassung empfiehlt nur die äußerliche Anwendung.

Für Umschläge, Waschungen und Teilbäder werden zwei bis drei Gramm der Droge mit 100 Millilitern kaltem Wasser übergossen, für 15 Minuten aufgekocht und abgeseiht. Dieser gerbstoffreiche Extrakt hilft zum Beispiel als Sitzbad gegen Hämorrhoiden. Nebenwirkungen und Kontraindikationen sind keine bekannt. Wer wegen allergischer Reaktionen keine Walnüsse essen kann, muss bei der Anwendung der Blätter nichts befürchten, denn in den Blättern fehlt das allergene Eiweiß.

Die Volksmedizin schätzt Walnussblättertee auch innerlich bei Magen-Darm-Katarrhen und als sogenanntes Blutreinigungsmittel (zum Beispiel in Salus Blutreinigungstee® in Kombination mit anderen Drogen). Für die Teezubereitung wird ein Teelöffel der Blätter mit heißem Wasser übergossen und nach zehn Minuten abgeseiht. Laut Empfehlung soll der Patient zweimal täglich eine Tasse Tee trinken. Bei Menschen mit einem empfindlichen Magen kann der Tee wie bei anderen Gerbstoffdrogen zu Übelkeit und Erbrechen führen.

In der Volksheilkunde wird ein wässriger Auszug aus Walnussblättern auch bei Kindern gegen chronische Ekzeme eingesetzt, teilweise zusammen mit Stiefmütterchenkraut. Dazu werden je zwei Teelöffel Walnussblätter und Stiefmütterchenkraut mit einem halben Liter kochendem Wasser übergossen und zehn Minuten ziehen gelassen. Dieser Extrakt wird einmal täglich für Waschungen, Umschläge oder als Badezusatz angewendet. Außerdem empfiehlt die Volksmedizin Extrakte aus den Blättern gegen Wurmerkrankungen (Antihelmintikum).

Die chinesische Medizin nutzt Walnussblätter bei Asthma, Beriberi, Impotenz und Verstopfung, die indische bei Rheuma. Homöopathen setzen Zubereitungen bei eitrigen Hautausschlägen, Leberbeschwerden, Kopfschmerzen und Lymphknotenentzündungen ein.

Pflanzliches Viagra

Das malaysische Forscherteam um Kim Kah Hwi von der Universität Malaysia macht Männern Hoffnung auf eine Alternative zu dem Potenzmittel Viagra. Die Idee, Walnüsse näher auf deren potenzsteigernde Wirkung zu untersuchen, hatten die Forscher bereits vor zwei Jahren. Damals stießen sie bei einer umfangreichen Literaturrecherche auf zahlreiche römische und französische Berichte über die »magische« Wirkung der Walnuss. Die neue Pille »N-Hanz« enthält einen Arginin-reichen Extrakt aus den Nüssen. Das in großen Mengen enthaltene Eiweiß erweitert die Gefäße und erhöht damit die Blutzufuhr in den Penis. Einen Arginin-reichen Extrakt haben die Wissenschaftler bereits in einer Phase-I-Studie erfolgreich an 40 Freiwilligen getestet. Nebenwirkungen traten keine auf. »Die Wirkung setzt erst nach einer Stunde ein, hält dann aber über mehrere Stunden«, berichtet Kim in der australischen Herald Sun. Die malaysischen Forscher behaupten, das pflanzliche Medikament sei nicht nur gesünder als Viagra, sondern könne auch von Menschen mit Bluthochdruck, künstlichen Herzklappen und Diabetikern bedenkenlos eingesetzt werden.

Nährstoffreiche Walnüsse

Walnüsse werden zwischen September und November geerntet. Ein Baum kann in einem Jahr bis zu 150 kg Nüsse tragen. Je nach Verpackung halten sich die Nüsse unterschiedlich lange. Ganze Nüsse sollten am besten in einem Sack kühl und dunkel gelagert werden, dann sind sie ein Jahr lang haltbar. Werden sie in Plastikbeuteln verpackt angeboten, sollten sie innerhalb des Winters gegessen werden. Aus der Schale herausgelöste Walnusskerne sind ebenfalls nur begrenzt haltbar. Der Inhalt eines einmal geöffneten Beutels sollte rasch verzehrt werden.

In Deutschland fehlen Walnüsse auf fast keinem Weihnachtsteller. Ihre Nähr- und Inhaltsstoffe machen sie zu einem besonderen Genuss: Sie enthalten etwa 60 Prozent Fett, 20 Prozent Eiweiß, viel Vitamin B1 und C, Spuren von Vitamin B2, A und E sowie Kalium, Calcium, Eisen und Magnesium. Doch Walnüsse schmecken nicht nur zur Weihnachtszeit, viele Rezeptideen finden Interessierte unter www.walnuss.de.

Das dunkle Walnussholz ist eines der wertvollsten heimischen Hölzer und wird von Schreinern und Künstlern hoch geschätzt. Aus ihm fertigen sie Möbel und kleine Gebrauchsgegenstände wie Schachfiguren und auch Musikinstrumente.

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Ursula Sellerberg
Wörther Straße 13 A
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