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Gesundheitstag

Tag des brandverletzten Kindes


Von Brigitte M. Gensthaler / Brandverletzungen gehören zu den schwersten Verletzungen, die Kinder erleiden können. Oft hinterlassen sie lebens­lang Narben an Körper und Seele. Der »Tag des brandverletzten Kindes« will auf Gefahrenquellen und vor allem Vorbeugemaß­nahmen hinweisen.

 

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Der bundesweite »Tag des brandverletzten Kindes« am 7. Dezember findet jetzt zum vierten Mal statt und ist eine Aktion von »Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.?V.« in Norder­stedt (www.paulinchen.de). Zwei Frauen – Dr. Gabriela Scheler und Adelheid Gottwald – haben den Verein 1993 gegründet, nachdem sie miterleben mussten, wie ihre brandverletzten Kinder erst durch Zufälle zu spezialisierten Ärzten in die Behandlung kamen.

Paulinchen allein zu Haus

Der Vereinsname stammt aus dem Bilderbuch »Der Struwwelpeter« von Heinrich Hoffmann und erinnert an die Geschichte »Paulinchen war allein zu Haus«. Ihr lustiges Spiel mit dem Feuerhölzchen endete zutiefst tragisch.




Gefährliches Spiel mit dem Feuer: Zur Adventszeit, wenn viele Kerzen im Haus für Gemütlichkeit sorgen, verbrennen sich Kinder leicht.

Foto: Shutterstock/Chirtsova Natalia


Mit dem diesjährigen Aktionsmotto »Vorsicht heiß!« will der Verein auf heiße Gefahren aufmerksam machen. »Es ist immens wichtig, dass Eltern die Gefahren im häuslichen Umfeld erkennen und rechtzeitig absichern. Nur Eltern, die die Gefahren kennen, können ihre Kinder schützen«, betont Adelheid Gottwald, Vorsitzende von Paulinchen. Zudem sollten kleine Kinder frühzeitig lernen, dass der Ausruf »Vorsicht heiß« bedeutet, dass etwas gefährlich ist. »Wir denken dabei nicht nur an die vielen Verbrühungsunfälle, die leider auf sehr hohem Niveau stagnieren, sondern auch an die stark gestiegene Zahl der Kontaktverbrennungen an den Händen von Kleinkindern durch Kaminöfen.«

Zu den Gefahrenquellen für Kinder, die im Winter besonders relevant sind, zählen Kerzen und offene Feuer, heiße Herdplatten, Backofentüren und Backbleche sowie dampfende Flüssigkeiten. Ebenso gefährlich ist Zündeln mit Adventsgestecken und Tannenzweigen, zu sorgloser Umgang mit Silvesterknallern, Verpuffungen durch Brandbeschleuniger beim Fondue oder ungesicherte Fonduetöpfe mit heißem Öl.

Mit dem Aktionstag will der Verein auf die vielen betroffenen Kinder und die schweren langwierigen Folgen von thermischen Verletzungen aufmerksam machen. Laut Gottwald bringen Eltern in Deutschland jedes Jahr mehr als 30 000 Kinder wegen einer Brandverletzung zum Arzt; 6000 unter ihnen sind so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus versorgt werden müssen. »Mit unserer Öffentlichkeitsarbeit wollen wir auch die Lobby der brandverletzten Kinder stärken«, erklärt die Vorsitzende.

Verbrennungen

Verbrennungen entstehen durch Feuer oder Kontakt mit heißen Gegenständen, Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten oder Dampf. Säuren und Laugen können ähnliche Schäden an Haut und Gewebe verursachen. Je nach Intensität und Dauer der Hitzeeinwirkung entstehen unterschiedlich schwere Wunden. Ein Gewebeschaden beginnt bei 40 bis 44 °C. Zellen sterben ab, wenn Temperaturen von 45 °C etwa eine Stunde lang einwirken. Bei Temperaturen von 70 °C und höher entsteht in einer bis zwei Sekunden eine tiefe Verbrennung dritten Grades.

Knapp 80 Prozent aller thermischen Verletzungen bei Kindern und Jugend­lichen betreffen Kleinkinder unter fünf Jahren. Hier stehen Verbrühungen im Vordergrund. Umso wichtiger ist es, dass Eltern die wichtigsten Erste-­Hilfe-Maßnahmen kennen (Kasten).

Brandverletzungen betreffen nicht nur die Haut. Bei tiefen und großflächigen Wunden kann es zum lebensbedrohlichen Verbrennungsschock kommen. Da es schwierig ist, das tatsäch­liche Ausmaß einer größeren Verbrennung zu beurteilen, sollten Eltern mit verletzten Kindern unbedingt zum Arzt gehen oder den Notarzt rufen.

Sind mehr als 10 Prozent der Körperoberfläche verbrannt oder Gesicht, Hals, Hände, Füße oder Genital verletzt, sollte das Kind in eine Spezial­klinik gebracht werden. Die Spezial­behandlung ist immer notwendig bei Verletzungen durch Elektrizität, Verätzungen und Verbrennungen durch Einatmen heißer Dämpfe (Inhalationstraumata).

Familien-Trauma

Brandverletzungen bei Kindern verändern das Leben der ganzen Familie. Sie sind sehr schmerzhaft und erfordern langwierige Behandlungen – häufig über Jahre. Lebenslang sichtbare Narben können zurückbleiben.

»Die Schwere der Verletzung und alle damit zusammenhängenden Folgen sind sehr belastend«, sagt Gottwald aus Erfahrung. »Ein Verbrennungsunfall traumatisiert die ganze Familie. Oft kommen große Schuldgefühle und Vorwürfe aus dem Umfeld dazu.« Zudem gelte es, geeignete Spezialisten für die Behandlung und vor allem für die Nachsorge zu finden. In Deutschland gebe es sehr gute Spezialkliniken zur Behandlung von brandverletzten Kindern, jedoch keine Rehaklinik ausschließlich für Kinder. Diese werden in neurolo­gischen oder orthopädischen Reha­einrichtungen mitbehandelt.




Plakat zum Welttag des brandverletzten Kindes von Paulinchen e. V.

Die Paulinchen-Vorsitzende kennt die Folgen: Nur sehr wenige Kinder treten eine stationäre Reha an. Die meisten Eltern versuchen, die Rehabilitation von zu Hause aus ambulant durchzuführen – auch wenn ihr Kind in einem noch sehr pflegebedürftigen Zustand aus dem Krankenhaus entlassen wird. In dieser schweren Situation steht Paulinchen den Eltern beratend zur Seite.

Brandunfällen vorbeugen

Brandverletzungen zu verhüten, ist ein wichtiges Anliegen des Vereins. Experten schätzen, dass sich durch Aufklärung die Zahl der Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle um etwa 60 Prozent senken lässt. Grillunfälle seien sogar komplett vermeidbar. Wirklich brandgefährlich beim Grillen sind Spiritus oder andere flüssige Brandbeschleuniger. Wer Spiritus in ein Grillfeuer gießt, provoziert möglicherweise eine meterhohe Flammenwand. Oftmals können kleine Kinder nicht schnell genug fliehen.

Selbst heißer Tee oder Glühwein ist für manches Kleinkind lebensgefährlich. Wenn es eine Tasse mit heißer Flüssigkeit umwirft oder vom Tisch reißt, kann es sich damit bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche verbrühen.

Am diesjährigen »Tag des brandverletzten Kindes« liegt ein Schwerpunkt auf der Erkennung von Unfallgefahren und der Brandschutzerziehung, die Feuerwehren in Deutschland mit viel Engagement anbieten. So lernen kleine Kinder bereits im Kindergarten zum Beispiel, wie sie ein Streichholz richtig anzünden sollen und wieder löschen können.

Die Initiative Paulinchen empfiehlt, mit dem Kind die Fluchtwege aus Wohnung und Haus sowie das Alarmieren der Feuerwehr mit dem Notruf 112 zu üben. Zudem sollten die Eltern ihm erklären, dass es fliehen und laut »Feuer« rufen soll, wenn es irgendwo brennt. Rauchmelder in der Wohnung können für zusätzliche Sicherheit sorgen.

Aktionen in Deutschland

Am »Tag des brandverletzten Kindes« finden in ganz Deutschland Aktionen statt, zum Beispiel in Kliniken, Arzt­praxen, Feuerwehren, Apotheken, Sanitätshäusern oder Kindergärten, berichtet Gottwald. Wer seine Aktion bei Paulinchen ankündigt, wird in den Ak­tionskalender aufgenommen.

Apotheken können sich vielfältig beteiligen, zum Beispiel ein Schaufenster zum Thema gestalten, einen Infotisch aufbauen und mit dem Plakat auf den Aktionstag hinweisen. Materialien stellt der Verein auf Anfrage bereit: www.tag-des-brandverletzten-kindes.de. »Mit unseren Aktionen wollen wir Eltern und Betreuer erreichen, um möglichst viele Kinder vor diesen folgenschweren Unfällen zu schützen«, beschreibt Gottwald das Ziel des Vereins. /


Erstversorgung am Unfallort

  • Brennende Kleidung löschen, zum Beispiel mit Decken, Wasser oder Wälzen am Boden
  • Bei Stromverletzungen immer erst den Stromkreis abschalten
  • Nicht anhaftende Kleidung ent­fernen, eingebrannte Kleidung belassen, bei Verbrühungen nasse Kleider ausziehen
  • Kühlen der verbrannten Areale mit Wasser (circa 20 °C) für 10 bis 15 Minuten; kein kaltes Wasser, Eis oder Kühlpad! Bei großflächigen Verbrennungen keine Kühlung
  • Unfallopfer warmhalten: Brandverletzte kühlen sehr rasch aus.
  • Verbrennungswunden mit sauberen Tüchern abdecken
  • Keine Hausmittel wie Puder, Mehl, Zahnpasta, Öl oder Cremes auf Brandwunden
  • Unfallopfer nicht alleine lassen (Gefahr des Schocks); bei größeren Verletzungen den Notarzt rufen (112)


E-Mail-Adresse der Verfasserin

bm.gensthaler@t-online.de



 

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