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Beruf

Ab ins Ausland


Von Verena Arzbach / Arbeiten im Ausland scheint heute ein­facher denn je. Haben deutsche PTA genug von Rabattverträgen und Retaxierungen, können sie im hohen Norden oder einem Urlaubs­paradies im Süden einen Neuanfang wagen – oder dem Arbeitsalltag in Deutschland zumindest vorübergehend entfliehen.

 

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Eine der Grundfreiheiten in der Europäischen Union (EU) ist das Recht der Niederlassungsfreiheit. Das bedeutet konkret, dass jeder EU-Bürger frei wählen kann, in welchem EU-Staat er leben und arbeiten möchte. Seit 2005 gibt es zudem die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie. Diese sieht vor, dass Mitgliedsstaaten der EU Berufsabschlüsse grundsätzlich als gleichwertig anerkennen und den Berufsangehörigen freien Zugang zum heimischen Arbeitsmarkt gewähren müssen. Eine auswanderungswillige PTA kann ihren Beruf also durchaus in einem anderen Land der Europäischen Union ausüben.




Arbeiten, wo andere Urlaub machen: dank der Berufsanerkennungsrichtlinie der EU für PTA (eigentlich) kein Problem.

Foto: Fotolia/Freesurf


Dennoch kommen Auswanderer nicht daran vorbei, bestimmte Qualifikationsanforderungen ihres Wunschlandes zu erfüllen, bevor sie dort in ihrem Beruf arbeiten können. Da bei einigen Berufen, so auch bei PTA, zwischen den einzelnen Mitgliedsländern große Unterschiede bei Ausbildungsinhalten oder -dauer existieren, kann der jeweilige Staat die Anerkennung der Ausbildung von Zusatzqualifikationen abhängig machen, beispielsweise kann er einen Eignungstest oder ergänzende Lehrgänge verlangen. Meist werden auch eine Sprachprüfung und ein Test in Gesetzeskunde gefordert.

»PTA, die für eine Zeit im Ausland arbeiten wollen, sollten vor allem offen für Neues und sehr kontaktfreudig sein«, sagt Jutta Brielich, Ansprechpartnerin zum Thema PTA in Europa bei der Apothekengewerkschaft Adexa. Auch sollte die PTA bereits im Vorfeld des geplanten Auslandsaufenthalts so viele Informationen wie möglich sammeln. Wie und wo arbeiten PTA im Zielland? Wie sind die Verdienstmöglichkeiten? Wie sind die Chancen, einen Job zu finden? Werden PTA im betreffenden Land überhaupt gesucht? Brielich rät, im nächsten Urlaub einfach in einer Apotheke vor Ort nachzufragen. Ganz wichtig: Wer als PTA im Ausland arbeiten möchte, muss natürlich über gute Sprachkenntnisse verfügen. Freunde vor Ort, ein vertrauter Umgang mit landestypischen Gewohnheiten und etwas Startkapital, um Anfangsschwierigkeiten zu überbrücken, können enorm helfen. Eine auswanderungswillige PTA sollte außerdem psychisch stabil und gefestigt sein. »Denn es gibt sicherlich Phasen, da will man nur noch nach Hause«, weiß die Expertin.




Jutta Brielich berät PTA zum Thema Arbeiten im Ausland.

Foto: Adexa


»Es kommt natürlich auch immer darauf an, wie lange die PTA im Ausland bleiben möchte. Wie sind ihre Startvoraussetzungen und was hat sie dort vor?«, sagt Brielich. Je nach Aufenthaltsdauer sollten PTA unbedingt ihre Versicherungen überprüfen. Lohnt es sich beispielsweise, in die gesetzliche Rentenversicherung des Gastlandes einzuzahlen oder ist es sinnvoller, eine private Rentenversicherung abzuschließen? Und was wird aus Haftpflicht- oder Krankenversicherung?

Oft entstehen Kosten

Brielich weiß, wovon sie spricht: Sie hat lange alleine im Ausland gelebt und gearbeitet: als Köchin in Kanada, bei einer Surfbrettvermietung in Australien oder als Kiwi-Ernterin in Neuseeland – jedoch nie in ihrem Ausbildungsberuf PTA. Denn der Anerkennungsprozess war ihr zu aufwändig und kompliziert. Sie erzählt von Fällen, in denen PTA mehr als sechs Monate auf die Anerkennung ihrer Ausbildung im jeweiligen EU-Staat warteten – und hohe Kosten für Sprachkurse, Prüfungen und das Übersetzen von Zeugnissen tragen mussten. Für einen Kurzaufenthalt lohne sich dieses Verfahren daher meist nicht, gibt Brielich zu bedenken. Wer nur ein halbes Jahr »raus« will, dem rät die Expertin eher zu einer anderen Tätigkeit, beispielsweise als Saisonkraft in der Gastronomie. Plane man hingegen, längerfristig in ein anderes Land zu ziehen, zum Beispiel der Liebe wegen, sei der Anerkennungsprozess natürlich sinnvoll.

Wie PTA in Europa arbeiten, unterscheidet sich von Land zu Land erheblich. In Dänemark dürften PTA beispielsweise kleine Filialapotheken leiten, erzählt Brielich. In Großbritannien hingegen säßen sie bei den großen Apothekenketten meist hinter der Kasse. Dort dürfen PTA keine Rezepte beliefern, sondern sind meist für die Drogerie-Abteilung zuständig und nehmen Fotoarbeiten an. Bessere Chancen haben PTA in britischen Krankenhausapotheken: Dort tragen sie meist mehr Verantwortung und sind häufig durch Fort- und Weiterbildung hoch qualifiziert.

Europaweite Unterschiede gibt es auch beim Thema Rezeptur. In Ungarn beispielsweise spielt die Arbeit in der Rezeptur eine große Rolle, dort stellen PTA teilweise auch große Mengen an Defekturen her. In den nördlichen Ländern hat die Rezeptur dagegen praktisch keinen Stellenwert. In Dänemark werden nur in zwei von etwas mehr als 300 Apotheken Rezepturen angefertigt. Der Patient warte dort sehr lange auf sein Rezepturarzneimittel, berichtet Brielich. Auch britische PTA kennen nicht die in Deutschland übliche Rezepturarbeit. Dort stellen Apotheken, von wenigen Ausnahmen abgesehen, gar keine Arzneimittel selbst her.

Sogar ganz ohne PTA kommt Italien aus. Dort existiert der Beruf überhaupt nicht. »Natürlich kann eine deutsche PTA versuchen, als Hilfskraft in einer italienischen Apotheke zu arbeiten. Dann kommt es auf das eigene Verhandlungsgeschick an, zu welchem Gehalt der Apothekenleiter sie einstellt«, sagt Brielich. Auch in Österreich und der Schweiz sucht man den PTA-Beruf vergeblich. Deutsche PTA, die dort arbeiten möchten, würden in der Regel als PKA eingestuft, so Brielich. Dann muss die PTA, einen angemessenen Lohn aushandeln.

Besonders attraktiv für deutsche PTA sind häufig südeuropäische Länder, die viele aus dem Urlaub kennen. Brielich warnt jedoch davor, momentan Griechenland ins Auge zu fassen oder andere Länder, die stark von der Wirtschaftskrise betroffen sind, zum Beispiel Spanien oder Portugal. Dort sei es momentan sehr schwierig, eine Arbeit in einer öffentlichen Apotheke zu finden. In den Ländern Südeuropas sind bereits viele einheimische Apothekenangestellte arbeitslos, diese würden bei Stellenangeboten aufgrund der Sprachkenntnisse vermutlich vorgezogen, so Brielich.


Nützliche Informationen

In vielen EU-Ländern gibt es Gewerkschaften oder Interessenverbände für PTA. Auf deren Internetseiten finden deutsche PTA, die sich für einen Auslandsaufenthalt interessieren, meist zahlreiche nützliche Informationen, zum Beispiel zum Gehaltstarif für PTA im jeweiligen Land. Weitere Informationen und eine Liste mit hilfreichen Links unter: www.adexa-online.de/europa/arbeiten-im-ausland-tipps-und-links.


So verschieden die Tätigkeiten, so unterschiedlich sind auch die Bedingungen und Inhalte der PTA-Ausbildung in den einzelnen EU-Ländern. In der Regel dauert die Ausbildung drei Jahre, mancherorts erhalten die Auszubildenden mit ihrem Examen eine Hochschulqualifikation, mit der sie anschließend Pharmazie studieren können. In Frankreich, Schweden, Norwegen und Dänemark ist das Niveau der PTA-Ausbildung hoch. In einigen südeuropäischen Ländern entspricht die Ausbildung wiederum eher der einer PKA – inklusive Berufsschulunterricht und zusätzlichen Qualifikationskursen.

Großbritannien ist auch in Sachen PTA-Ausbildung ein schlechtes Beispiel. Für PTA in öffentlichen Apotheken ist die Ausbildung staatlich nicht geregelt. Große Apothekenketten bilden ihre PTA selbst aus. Das sei jedoch keinesfalls mit der Ausbildung in Deutschland zu vergleichen, weiß Brielich. Es handele sich eher um vereinzelte Seminare oder Schulungen in der Apotheke. Anschließend könne der Apothekenleiter die Auszubildenden zur PTA ernennen.

Berufsausweis geplant

2013 hat die EU die Berufsanerkennungsrichtlinie überarbeitet: Künftig soll es für bestimmte Berufe einen elektronischen Berufsausweis geben, das Anerkennungsverfahren soll so vereinfacht werden. Komplett erspart bleiben wird PTA ein solches Verfahren bei einem Auslandsaufenthalt aber wohl nicht. Die verschiedenen Tätigkeitsschwerpunkte des PTA-Berufs in Europa sind schuld daran, dass eine Angleichung der Ausbildungsinhalte nahezu unmöglich ist. »Eine europaweit einheitliche PTA-Ausbildung liegt noch in weiter Ferne«, ist sich Brielich daher sicher.

Trotz Mühe und Schwierigkeiten: Für Brielich hat sich die Zeit im Ausland auf jeden Fall gelohnt. Der Auslandsaufenthalt ist für sie eine »Erfahrung von unschätzbarem Wert, die ich um keinen Preis der Welt missen möchte«. Sie rät jedem, zumindest kurzzeitig in das Leben in einem anderen Land hineinzuschnuppern. »Man muss ja nicht alle Brücken zuhause abbrechen. Zurückkommen kann man jederzeit«. /


E-Mail-Adresse der Verfasserin
v.arzbach(at)govi.de



Beitrag erschienen in Ausgabe 03/2014

 

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