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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Sanddorn

Foto: Schöpke

Exzellenter Vitamin-C-Lieferant

von Ursula Sellerberg, Berlin

Durch seine leuchtend orangen Früchte macht der Sanddorn im Herbst schon von Weitem auf sich aufmerksam. Die Früchte enthalten viel Vitamin C, deshalb wird die Pflanze auch »Zitrone des Nordens« genannt.

Der Sanddorn (Hippophae rhamnoides) gehört zur Familie der Ölweidengewächse oder Elaeagnaceae. Wild wächst er in Nordeuropa und einigen nördlichen Teilen Asiens. Die Pflanze bevorzugt karge, sandige Böden, unter anderem an Küstendünen, was der Pflanze die volkstümlichen Namen Stranddorn und Seedorn eingebracht hat. Weil sich sein Wurzelwerk weit verzweigt, wird Sanddorn auch zum Schutz des Bodens vor Erosion an steilen Böschungen genutzt, zum Beispiel an Gebirgshängen. Viele Gärtner pflanzen ihn wegen seiner leuchtend orangen Früchte als Zierpflanze an.

Sanddorn ist ein dorniger Strauch oder kleiner Baum von 1,5 bis 4,5 m Höhe, der zahlreiche Äste ausbildet. Seine Blätter sind fünf bis acht Zentimeter lang, lineal-lanzettlich und auf der Unterseite silbrig behaart. Sanddorn ist zweihäusig, es gibt also männliche und weibliche Pflanzen. Die unscheinbaren Blüten stehen in achselständigen Trauben. Im Herbst bilden sich die auffälligen Scheinbeeren. Sie sind rund, leuchtend orange-rot mit einem Durchmesser von etwa sieben Millimeter. Sanddornbeeren sind botanisch Steinfrüchte: Eine dünne Fruchtwand umhüllt die Samen, während das wässrig-fleischige »Fruchtfleisch« aus der Kelchröhre entsteht. Die schwarzbraunen, glänzenden Samen werden fälschlicherweise oft als »Kerne« bezeichnet.

Je nach Wachstumsbedingungen schwankt der Wassergehalt der Früchte: Die Früchte des in Asien wachsenden Sanddorns enthalten weniger Wasser als die aus Europa. Der Grund dafür liegt in den heißen Sommern und dem starken Frost im Winter. Bei extrem niedrigen Temperaturen würden stark wasserhaltige Beeren im Winter platzen. Das erklärt, warum die europäischen Früchte vor allem zu Saft und Mus verarbeitet werden.

Sanddornbeeren sind nur als Extrakt, Mus oder Saft genießbar. Der Saft schmeckt sehr herb und unangenehm sauer. Daher trinken ihn nur wenige Liebhaber pur, die meisten mischen ihn mit anderen Fruchtsäften oder süßen ihn mit Honig oder Zucker. Um die Vitamine nicht zu zerstören, sollte Sanddornsaft möglichst nicht gekocht oder erhitzt werden. Häufig dicken Hersteller den Saft zu Konzentraten und Sirupen ein oder kochen ihn mit Zucker zu einem Gelee.

Vitamin C bleibt erhalten

Sanddornbeeren enthalten viel Vitamin C, zwischen 0,2 und 1,4 Prozent, Vitamine der B-Gruppe, Flavonoide, Carotinoide, Fruchtsäuren, vorwiegend Äpfelsäure, sowie fettes Öl in den Samen. Ihre orange Farbe verdanken die Früchte den großen Mengen an Carotinoiden, die bekanntesten sind Betacaroten und Lycopin.

Wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehalts wird die Pflanze unter anderem auch »Zitrone des Nordens« genannt. Die Konzentration an Vitaminen schwankt je nach Herkunftsgebiet und Züchtung. Da in den Früchten ascorbinsäureabbauende Enzyme fehlen, bleibt im Rohsaft auch bei längerer Lagerung das Vitamin C größten Teils erhalten.

Das Vitamin B12 wird durch den Mikroorganismus Aktinomyces gebildet, der auf der Samenschale in Symbiose mit dem Sanddorn lebt. Einige Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln mit Sanddorn bewerben ihre Präparate teilweise wegen des Vitamin-B12-Gehalts.

Sanddornbeeren sind keine Arzneibuchdroge, da die Wirksamkeit der Droge nach den gültigen Kriterien für klinische Prüfungen von Arzneimitteln bislang nicht ausreichend belegt ist. Wegen seines hohen Gehalts an Vitamin C dient der Saft, pur oder verarbeitet, vorbeugend gegen  Erkältungskrankheiten (zum Beispiel Weleda Sanddorn Elixier/Ursaft).

Lebensmittelhersteller setzen den Sirup oder das Konzentrat zur Aromatisierung von Obst- und Gemüsekonserven ein, als Bestandteil von Soßen sowie als Zusatz zu Süßwaren, Getränken oder Aromen. Risiken und Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Als empfohlene Tagesdosis gelten 5 bis 10 Gramm eines Sanddornprodukts.

Ob Vitamin C Erkältungen vorbeugt, wurde unter anderem in einer Metaanalyse von 29 Studien mit insgesamt 11 000 Teilnehmern untersucht. Das Ergebnis: Die Gabe von 200 Milligramm oder mehr pro Tag an Vitamin C hat keinen vorbeugenden Effekt. Im Gegensatz dazu halbiert Vitamin C das Risiko sich zu erkälten bei Menschen, die Leistungssport treiben, schwer arbeiten und in Regionen mit sehr kalten Wintern leben.

Darüber hinaus gingen Wissenschaftler der Frage nach, ob Vitamin C bei bereits Erkrankten die Beschwerden einer Erkältung lindert. Das Resultat ihrer Recherche: Wird Vitamin C schon vor den ersten Beschwerden eingenommen, verkürzt es die Krankheitstage und die Erkältung verläuft schwächer. Fängt man mit der Einnahme von 200 Milligramm pro Tag aber erst am Tag der ersten Symptome an, dann wirkt Vitamin C nicht besser als Placebo. 

Öl aus Fruchtfleisch oder Samen

Aus dem Fruchtfleisch lässt sich durch Kaltpressung, ähnlich wie bei Oliven, ein fettes Öl gewinnen. Das Öl enthält viele Carotinoide und ist daher kräftig orange-rot gefärbt. Es schmeckt und riecht nach Sanddorn. Aufgrund seines Gehalts an Vitaminen, Flavonoiden und Carotinoiden, insbesondere durch das Lycopin, soll Sanddornöl antioxidativ, leber-, ulcus- und tumorprotektiv wirken. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungsgebieten ist allerdings bislang nicht ausreichend belegt. Die Volksheilkunde empfiehlt das Öl bei Magen-Darm-Erkrankungen und zur Anregung des Stoffwechsels.

Weniger bekannt ist das aus den Samen gewonnene, dünnflüssigere Öl. Das Samenöl ist nur schwach rötlich, riecht nur wenig nach Sanddorn und enthält größere Mengen an ungesättigten Fettsäuren.

Hinter dem Namen Sanddornöl (Oleum Hippophaes) verbirgt sich ein Gemisch beider Öle. Oleum Hippophaes wird aus den Pressrückständen der Fruchtschalen und Samen gewonnen. Diese Mischung ist dunkelrot und reich an ungesättigten Fettsäuren. Das Öl soll entzündungshemmend und antibakteriell wirken und die Wundheilung beschleunigen. Daher werden Präparate mit Oleum Hippophaes bei Wundheilungsstörungen, bei Neurodermitis und in Kosmetika eingesetzt, zum Beispiel in Weleda Sanddorn Handcreme.

 

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Ursula Sellerberg
Wörther Straße 13 A
10405 Berlin



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