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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Mate

Foto: Köhlers Medicinal-Pflanzen, nachbearbeitet von Thomas Schöpke

Das Nationalgetränk der Südamerikaner

von Monika Schulte-Löbbert, Kaarst

In Südamerika ist Matetee ein überaus beliebtes Getränk. Schon die Indios schätzten seine belebende Wirkung. Bei den Europäern dagegen konnte sich der Matetee als Genussmittel gegen Kaffee und Schwarzen Tee nicht durchsetzen. Fitness- und Wellnessbewusste haben ihn aber mittlerweile als Gesundheitstee entdeckt. 

Die Ureinwohner Südamerikas nutzten die Blätter des Matebaums von jeher als Genuss- und Arzneipflanze. Die Guarani-Indianer Paraguays beobachteten als erste die belebende Wirkung seiner Blätter. Einer Legende nach überreichte ihnen vor etwa 1 000 Jahren der Gott »Pa’i Shume« in Gestalt eines Schamanen die Pflanze und das Rezept zur Aufbereitung der Blätter. Seitdem hat sich das »grüne Gold der Indios« zum Alltagsgetränk von Millionen Südamerikanern entwickelt. Im 16. Jahrhundert lernten die Spanier während ihrer Eroberungszüge in Südamerika das anregende Getränk und seine Zubereitung bei den Indios kennen. Die Bezeichnung Mate geht auf das Guarani-Wort mati zurück. Damit bezeichnen die Indios eigentlich nur das kürbisartige Gefäß, die Kalebasse, aus der sie den Matetee trinken. Der Behälter gab also dem Getränk wie auch der Pflanze den Namen. Heute nennen die Brasilianer Mate auch einfach Erva (= Kraut), in spanischsprachigen Ländern heißt der Tee auch Yerba Mate (= Matekraut). Als im 17. Jahrhundert die Jesuiten das heutige Paraguay missionierten, begannen sie mit dem systematischen Anbau von Mate. Ihnen gelang es damals als einzigen, Matepflanzen zu kultivieren und Plantagen anzulegen.  Mit den hohen Gewinnen aus dem Matehandel finanzierten die Jesuiten ihre Reduktionen (Missionsstationen) in Paraguay. 

Jesuitenpater beschrieb Heilwirkung

Aus dieser Zeit stammen die deutschen Namen »Paraguaytee« und »Missionstee«. Auch die volkstümliche Bezeichnung »Jesuitentee« weist auf die enge Verknüpfung von Mate mit der Geschichte der Jesuiten hin. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich der Jesuitenpater Pedro Montenegro (1663 bis 1728) der medizinischen Anwendung der Matepflanze widmete. In seiner »Materia médica -misionera« (Arzneischatz der Missionen) beschrieb er die Pflanze ausführlich und gab Hinweise zur Anwendung und Zubereitung von Rezepturen.

Diese Materia médica misionera entspricht in ihrem Stil einem medizinisch-pharmazeutischen Handbuch. Sie enthält etwa 150 Monographien von Heilpflanzen und sollte anderen Missionaren als fachgerechte Hilfe in der Krankenpflege dienen. Montenegro schrieb der Matepflanze vor allem adstringierende Eigenschaften zu und empfahl Matetee bei Durchfall. Zerstampfte Mateblätter benutzte er als Wundheilmittel sowie als Analgetikum bei Zahnbeschwerden. Menschen mit einem Sonnenstich verabreichte er kalten Matetee, mit dem er auch Umschläge tränkte, die er den Kranken zur Kühlung auf Stirn und Schläfen legte. Noch heute verwenden Südamerikaner Zubereitungen aus Mate in ähnlicher Weise, wie der Jesuitenpater Montenegro empfahl.  Im Laufe der Jahrzehnte hatten sich die Jesuiten ein Monopol auf Produktion und Handel von Mate verschafft. Ende des 18. Jahrhunderts gelangte die erste Exportware nach Europa, wo sich die therapeutischen Eigenschaften des Mate schnell herumsprachen. Doch weder als Heil- noch als Genussmittel erlangte der Tee in Europa eine vergleichbare Wertschätzung wie in Südamerika.

Franzose gab den Namen

Seinen botanischen Namen Ilex paraguariensis erhielt Mate von dem französischen Botaniker Auguste de Saint-Hilaire (1779 bis 1853), der sich während seiner Forschungsreisen intensiv mit der Pflanzenwelt Brasiliens beschäftigte.

In seinen umfangreichen Reiseberichten schildert er unter anderem ausführlich das Aussehen und die Verwendung von Mate. De Saint-Hilaire schlug 1822 in einem Bericht an die französische Akademie der Wissenschaften den Namen Ilex paraguariensis vor. Schon die Römer bezeichneten Pflanzen mit derben, lederartigen Blättern als »ilex«, und »paraguariensis« leitet sich von der Stadt und Provinz Paraguari in Ost-Paraguay ab. Trotz vieler Versuche, wegen der Variabilität der Art bessere Bezeichnungen zu finden, gilt der Name bis heute.

In den Subtropen heimisch

Die Heimat des immergrünen Strauches oder Baumes aus der Familie der Aquifoliaceae (Stechpalmengewächse) ist das südliche Südamerika. Er bevorzugt Höhenlagen von 400 bis 800 Metern und ist auf ein feuchtwarmes Klima angewiesen, wie es ihm die Subtropen Südamerikas zwischen dem 20. und 30. südlichen Breitengrad bieten. Sein natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Paraguay, Süd-Brasilien und Argentinien. Wildbestände erreichen Wuchshöhen von 15 Metern, Kulturen höchstens 5 bis 6 Meter. Der hellgraue Stamm verzweigt sich nach oben zu einer oval zulaufenden Krone. Die wechselständigen, etwa 15 Zentimeter langen elliptischen Blätter sind derb bis lederartig mit einem kerbig gesägten Blattrand.  Zur Blütezeit erscheinen in den Blattachseln Büschel von 30 bis 40 weißen diözischen (getrenntgeschlechlichen) Blüten mit je vier Kronblättern.

Aus der weiblichen Blüte reift eine rotviolette Steinfrucht mit vier bis sechs Samen heran. Die Früchte des Matebaumes besitzen eine sehr harte Schale, die ein natürliches Keimen verhindert. 

Früchte als Hühnerfutter

Damit der Keimling die Schale durchbrechen kann, muss die Frucht erst den Verdauungsweg eines Vogels passieren. Die Jesuiten lösten dieses Problem, indem sie die Früchte unter das Futter ihrer Hühner mischten. Beim Weg durch den Verdauungstrakt des Huhns wurde die harte Fruchtschale ebenfalls zersetzt.

Heute werden die Früchte für die Kultur des Matebaumes mechanisch vorgeschädigt und in Wasser aufgeweicht. Die Keimung dauert danach noch maximal drei Monate. Die kleinen Matepflanzen müssen in den Plantagen während der ersten zwei Jahre beschattet werden. In ihrer natürlichen Umgebung bietet das Unterholz den Pflanzen Schutz.

Erste Ernte nach vier Jahren

Nach zwei Jahren werden die Jungpflanzen kurz über dem Boden abgeschnitten, damit die neuen Sprosse kräftiger austreiben und üppiger nachwachsen. Um die Ernte zu erleichtern, werden die Mate-pflanzen in der Plantage grundsätzlich klein gehalten. Nach vier Jahren kann die erste Ernte erfolgen. Je nach Anbaugebiet wird dann in einem ein- oder zweijährigen Intervall geerntet. Die beste Qualität liefern die etwa zwei Jahre alten Blätter mit leicht bräunlicher Oberfläche. Zur Erntezeit im südamerikanischen Winter, von Mai bis September, schneiden die Plantagenarbeiter ganze Äste der Matesträucher ab.

Zur selben Zeit durchziehen auch Sammler die Wälder und schlagen mit großen Macheten die Zweigspitzen der wild wachsenden Matebäume samt der Blätter ab.  Direkt nach der Ernte wird das Material haltbar gemacht, indem ganze Zweige durch Feuer gezogen oder in offenen Drahtkörben im Feuer erhitzt werden. Bei diesem ersten Trocknungsvorgang, der »Zapekieren« heißt, werden Enzyme inaktiviert und damit das Schwarzwerden der Blätter verhindert. Damit das Coffein erhalten bleibt, erfolgt die weitere Trocknung rasch bei 80 bis 100 °C. Je nach Zerkleinerungsgrad und Lagerungszeit werden die getrockneten Mateblätter zu verschiedenen Produkten weiterverarbeitet. Das Angebot reicht von gerösteten Mateblättern über Trockenextrakte, löslichen Instantprodukten bis hin zu Matepastillen. Erfrischungsgetränke in tassenfertigen Portionen enthalten zum Teil noch andere Aromen.

Zwei Monographien offizinell

In Deutschland ist Matetee nicht nur in Apotheken, sondern auch in Teeläden, Drogeriemärkten und sogar in Supermärkten erhältlich. Wegen möglicher Verfälschungen mit anderen Ilex-Arten sollten PTA oder Apotheker nur Tees empfehlen, deren Hersteller Arzneibuchqualität garantieren. Der DAC 2004 führt zwei Monographien: Grüne Mateblätter (Mate folium viride) und Geröstete Mateblätter (Mate folium tostum). Beide Drogen stammen von Ilex paraguariensis St. Hil., aber unterscheiden sich etwas im Geschmack und im Coffeingehalt. Der DAC fordert für Grüne Mateblätter mindestens 0,6 Prozent, für die Gerösteten Blätter 0,4 Prozent Coffein, bezogen auf die getrocknete Droge. Mateblätter enthalten außerdem geringe Mengen an Theobromin und Spuren von Theophyllin. Neben Kaffeesäurederivaten, Flavonoiden, Saponinen und ätherischem Öl konnten in der Droge auch Vitamine und Mineralstoffe nachgewiesen werden. Der Coffeingehalt der Droge schwankt zwischen 0,9 und 2,2 Prozent, wobei die jüngeren Blätter den höheren Gehalt aufweisen. Da das Mate-Coffein fast zur Hälfte an Chlorogensäure gebunden ist, wird es im Körper dosiert freigesetzt. Deshalb tritt die belebende Wirkung langsamer ein als bei Kaffee, hält aber länger an. Matetee regt an und nicht auf! 

Hilft beim Fasten

Da das Coffein auch die Diurese verstärkt, werden Mateblätter harntreibenden Tees beigemischt. So ist Mate folium zum Beispiel Bestandteil des Blasen- und Nierentees NRF 9.1. In erster Linie ist Matetee aber ein anregendes Getränk. Auch die Kommission E (1988) bewertete die Anwendung der Droge bei körperlicher und geistiger Ermüdung als positiv. 

Neben dieser wissenschaftlich gesicherten Indikation schreibt die Volksmedizin dem Matetee eine Vielzahl weiterer Wirkungen zu. So soll er das Abnehmen erleichtern und Hungergefühle stillen. Aber Matetee ist kein Schlankmacher oder Fettkiller!

Plausibel erscheint nur, dass das zentral erregende Coffein den gesamten Organismus mobilisiert. In einem solchen Zustand ist es durchaus denkbar, dass der Abnehmwillige kein Hungergefühl verspürt. Zur Unterstützung von Fastenkuren ist Matetee daher eine gute Empfehlung, zum Beispiel Sidroga® Wellness Fastentee oder Bad Heilbrunner Mate Tee Grün. Auch Sportler können von Matetee profitieren, denn er gilt als das beste natürliche isotonische Getränk und ersetzt die mit dem Schweiß verlorenen Mineralien so gut wie kein anderer Tee. 

Traditionelle Zubereitung

Zur Teebereitung wird etwa ein Teelöffel Mate (1 Teelöffel entspricht circa 2 Gramm Droge) mit heißem, aber nicht mehr sprudelnd kochendem Wasser übergossen und nach fünf bis zehn Minuten abgeseiht. Als Tagesdosis gelten 3 Gramm Droge. Wie beim Schwarzen Tee geht das Coffein schneller in Lösung als die Gerbstoffe, deshalb wirkt der Tee bei kurzer Brühzeit anregender und der Geschmack ist angenehmer als bei länger angesetztem Tee

Immer schmeckt Matetee jedoch herb und leicht rauchig. Die Südamerikaner bereiten ihren Matetee, den Chimarrão, einer langen Tradition folgend ganz anders zu: Sie übergießen die Blätter in einem ausgehöhlten Kürbis mit heißem Wasser und saugen den Tee direkt aus dem Zubereitungsgefäß durch die Bombilla. Das ist ein siebartig verschlossenes, meist silbernes Röhrchen, durch das sie den Tee schlürfen. Das Sieb hält kleine Blattstückchen zurück. Je nach Qualität der Mateblätter gießen die Südamerikaner den Chimarrão bis zu zehnmal erneut mit Wasser auf.  Früher war es eine große Ehre, den Trank für die Familie und Gäste zuzubereiten. Das gemeinsame Trinken aus einem Gefäß erfüllte oft die Funktion einer Friedenspfeife. Heute hat der Genuss von Matetee diese Bedeutung weitgehend verloren und sich zum ganz normalen Bestandteil des Alltagslebens entwickelt. Der Tee wird zur Begrüßung gereicht, bei Besprechungen unter Arbeitskollegen oder im Kreise der Familie getrunken.  Doch in einem unterscheiden sich die Südamerikaner auch heute noch von den Europäern: Sie genießen ihren Matetee ohne Hast, sondern immer in aller Ruhe und Beschaulichkeit.


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