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Grüner Tee

Teetrinken für bessere Hirnfunktion


Von Carina Steyer / Tee kann anregen, entspannen und die Gesundheit fördern. Vor allem scheint grüner Tee eine Möglichkeit zu bieten, kognitiven Beeinträchtigungen im Alter vorzubeugen. Eine Studie hat nun die Wirkung des Tees auf das Gehirn untersucht: Demnach steigert grüner Tee das Zusammenwirken verschiedener Hirnareale.

 

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Tee trinken hat eine lange Tradition und wird seit jeher mit positiven Effekten auf die Gesundheit verbunden. Nach Wasser zählt Tee außerdem zu den am häufigsten konsumierten Getränken. Etwa drei Billionen Tassen Tee trinken die Menschen weltweit pro Tag.




Foto: Shutterstock/Pinkcandy



Die Blätter und Blattknospen von Camellia sinensis sind die Grundlage für die drei Hauptteearten: grüner Tee, schwarzer Tee und Oolong-Tee. Entscheidend für die Sorte, die aus den Blättern entsteht, ist die Fermentation während des Herstellungsprozesses. Dabei handelt es sich nicht um eine Fermentation im eigentlichen Sinne, da keine Mikroorganismen beteiligt sind. Vielmehr ist der Prozess eine Umsetzung durch blatteigene Enzyme. Schwarzer Tee ist vollständig fermentiert, Oolong Tee nur zum Teil und grüner Tee bleibt ganz unfermentiert.

Für die positiven Eigenschaften des Tees sind vor allem sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die Catechine, von Bedeutung. Der Catechin-Anteil im Trockengewicht von schwarzem Tee liegt bei etwa 10 Prozent. Während der Fermentation entstehen aus den Catechinen die sogenannten Theaflavine und die Thearubigine. Als pharmakologisch aktivstes Tee-Polyphenol gilt Epigallocatechingallat (EGCG). Grüner Tee hat mit 17 bis 30 Prozent des Trockengewichts den höchsten Catechingehalt und gilt deshalb als Hauptquelle für EGCG. Neben antioxidativen, antibakteriellen und antikanzerogenen Effekten wird EGCG die Fähigkeit zugeschrieben, kognitive Funktionen positiv zu beeinflussen.

Studien zu grünem Tee

Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass grüner Tee die kognitiven Funktionen des Menschen verbessern kann. So wurde zum Beispiel in Japan das Tsurugaya Projekt durchgeführt, eine Studie mit mehr als 1000 Probanden, alle älter als 70 Jahre. In einem Fragebogen erfassten die Wissenschaftler den persönlichen Teekonsum der Studienteilnehmer sowie ihre kognitiven Funktionen anhand eines Tests. Im Ergebnis zeigte sich ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von grünem Tee und einem geringeren Risiko kognitiver Beeinträchtigungen.

Die Forscher halten es für möglich, dass der in Japan stark verbreitete Konsum von grünem Tee eine Erklärung dafür ist, dass Demenzerkrankungen dort im Vergleich zu Europa und Nordamerika deutlich seltener auftreten. In einer ähnlichen chinesischen Studie mit 1438 Probanden über 55 Jahren wurde ebenfalls der Zusammenhang zwischen dem Teekonsum und der Veränderung der kognitiven Leistungen in einem Zeitraum von zwei Jahren untersucht. Den Studienergebnissen zufolge waren die teetrinkenden Probanden seltener kognitiv beeinträchtigt. Ihre Leistungen fielen auch während des Untersuchungszeitraums seltener ab als bei Vergleichsspersonen. Im Gegensatz zur japanischen Studie konnte der positive Effekt aber nicht speziell für grünen Tee belegt werden. Lediglich zehn Probanden hatten ausschließlich Grüntee getrunken.


Zusammensetzung von Tee*

 Frische Blätter Grüner Tee Aufguss Schwarzer Tee Aufguss 
Coffein 4 3–6 3–6 
Catechine 30 30–42 3–10 
Theaflavine 0 0 2–6 
Flavonole 2 2 1 
Andere Polyphenole  6 23 
Theanin/Aminosäuren 4 je 3 je 3 
Peptide/Proteine 15 6 6 
Zucker / andere Kohlenhydrate 7 7/4 7/4 
Kalium 5 5 5 
andere Mineralstoffe  5–8 5–8 

*Angaben in Prozent der Trockenmasse Quelle: Engelhardt, U. (1998): Polyphenole in Tee. Wissenschaftlicher Informationsdienst Tee.


Seine positive Wirkung auf Wahrnehmung und Gedächtnis hat den grünen Tee nun auch in den Fokus der Alzheimer-Forschung gerückt. Versuche an Tieren und Zelllinien haben gezeigt, dass die Catechine im Tee einen direkten schützenden Effekt auf die Neuronen im Gehirn haben. Ein neuropathologisches Merkmal der Alzheimer-Krankheit ist das Auftreten von Amyloid-Plaques, extrazellulären Ablagerungen des β-Amyloid-Peptids (Aβ). In Versuchen mit Alzheimer-Mäusen reduzierte zum Beispiel die orale Gabe von EGCG die Aβ-Ablagerungen.

Grüner Tee wirkt sich zusätzlich positiv auf Diabetes mellitus, Hypercholesterinämie oder Depressionen aus – allesamt Risikofaktoren für die Alzheimer-Krankheit. In einer klinischen Studie am NeuroCure Clinical Research Center der Charité-Universitätsmedizin Berlin wird derzeit genau untersucht, ob EGCG das Voranschreiten der Alzheimer-Demenz bei Patienten verlangsamen kann.

Wie genau grüner Tee auf das Gehirn wirkt und welche neuronalen Mechanismen zugrunde liegen, ist ebenfalls Gegenstand der Forschung. Bisher konnten die Wissenschaftler feststellen, dass ein Grüntee-Extrakt die Hirnaktivität im Bereich des Frontallappens und des Parietallappens steigert, wenn die Patienten ihr Arbeitsgedächtnis mit einem bestimmten Test beanspruchen.

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Basel und vom King’s College in London haben nun an zwölf männlichen, gesunden Probanden untersucht, ob grüner Tee die sogenannte effektive Konnektivität zwischen dem Frontal- und dem Parietalkortex steigert, während das Arbeitsgedächtnis Aufgaben erfüllt. Als effektive Konnektivität bezeichnen Neurowissenschaftler den Einfluss eines neuronalen Systems auf ein anderes, funktionell verbundenes System. Außerdem wollten die Forscher auch wissen, ob der grüne Tee einen Einfluss auf das Testergebnis der Probanden hat.

Für die Untersuchung erhielten die Testpersonen einen Softdrink mit grünem Tee aus Camellia sinensis mit einem Droge-Extrakt-Verhältnis von 5,5:1. Jede Testperson nahm im Abstand von einer Woche viermal an dem Versuch teil. Die Wirkung auf das Gehirn wurde mit Hilfe des sogenannten N-Back-Tests untersucht. Die Wissenschaftler können – während die Probanden einen Test lösen – die Aktivität des Gehirns mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI oder fMRT) sichtbar machen. Diese Methode erlaubt es, die Reaktion des Gehirns auf externe Reize zu messen und anatomischen Strukturen im Gehirn zuzuordnen. Als Grundlage für diese Technik dient der gesteigerte Energieverbrauch im Umfeld aktiver Nervenzellen.

Wirkung auf das Gehirn

Die Versuche bestätigten schließlich die Vermutung der Wissenschaftler: Der grüne Tee steigerte die effektive Konnektivität zwischen dem Parietal- und Frontalkortex in den Versuchen. Aber einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Genuss von grünem Tee und einer besseren Leistung im N-Back-Test konnten sie nicht bestätigen. Das könnte damit zusammenhängen, dass die Probandengruppe für ein eindeutiges statistisches Ergebnis zu klein war, so die Studienautoren. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhangs halten sie dennoch für hoch.

Die Wissenschaftler weisen außerdem darauf hin, dass die Probanden einen Softdrink mit grünem Tee konsumierten, nicht reinen Grüntee-Extrakt. Das könnte zu Nebeneffekten geführt haben, zum Beispiel durch das enthaltene Coffein. Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihre Ergebnisse dazu beitragen, die Wirkung von grünem Tee auf die Behandlung von neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer besser beurteilen zu können und neue Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Dazu seien aber noch viele weitere Untersuchungen nötig. /


Grünen Tee im Sommer kalt genießen!

Grüner Eistee mit Ingwer

20 g Ingwer
4 Beutel grüner Tee
5 EL Limettensaft
6 EL Agavendicksaft

Ingwer schälen und in dünne Scheiben schneiden. 500 ml Wasser in einem Topf aufkochen und vom Herd nehmen. Ingwer zugeben und etwa zehn Minuten ziehen lassen. Grünen Tee zugeben, weitere vier Minuten ziehen lassen. Beutel ausdrücken und entfernen. Abkühlen lassen. 500 g Eiswürfel zugeben. Eistee mit 4-5 EL Limettensaft und 5-6 EL Agavendicksaftabschmecken. Mindestens 1 Stunde kalt stellen.

Grüner Eistee mit Limette

2 Teebeutel grüner Tee
1 Limette
2 Zweige Zitronenmelisse
300 ml Mineralwasser

Den grünen Tee mit 50 ml gekochtem, leicht abgekühltem Wasser aufgießen, drei Minuten ziehen lassen, abseihen und abkühlen lassen. Den Tee mit dem Saft der ausgepressten Limette vermischen und auf zwei Gläser verteilen. Mit gut gekühltem, sprudelndem Mineralwasser auffüllen und je einen Zitronenmelissezweig hineingeben.

Quelle: www.essen-und-trinken.de



 

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