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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Myrrhe

Foto: Sertürner

Wohlriechender Wundheiler

von Ursula Sellerberg, Berlin

Die Heiligen Drei Könige überbrachten dem neugeborenen Jesus neben Gold und Weihrauch auch die kostbare Myrrhe. Die Gaben hatten vor allem symbolische Bedeutung: Gold stand für das Königtum, Weihrauch für die Heiligkeit und die bittere Myrrhe für das Leiden. Myrrhe wird seit über 3000 Jahren als Kult- und Heilmittel verwendet.

Phytochemisch betrachtet ist Myrrhe ein Gummiharz. Der Myrrhe spendende Baum, Commiphora molmol, gehört zur Familie der Burseraceen. Commiphora setzt sich vermutlich aus den zwei griechischen Begriffen "kommi" = Klebstoff zur Leichenbalsamierung in Ägypten und "phoros" = tragend zusammen. Das Wort Myrrhe stammt wahrscheinlich vom arabischen "Murr" = bitter.

Die Stammpflanze wuchs ursprünglich in Arabien und Nordost-Afrika. Außerhalb der Anbaugebiete war das Harz daher früher sehr kostbar und teuer. Der Strauch oder Baum wird bis zu drei Meter hoch und bildet knotige Äste und Dornen. Kurze Zweige stehen in Büscheln, an deren Enden kleine Blätter sitzen. Die Blüten bilden gelborange Rispen. Die Rinde enthält Sekretgänge, aus denen spontan oder nach Verletzung eine gelbliche Masse austritt, die an der Luft zu einem rotbraunen Klumpen, der Myrrhe, lateinisch Myrrha, aushärtet.

Die Handelsware besteht aus unregelmäßig geformten, gelblich-braunen Harzstückchen mit glänzenden Bruchflächen. Myrrhe riecht aromatisch, schmeckt würzig und anhaltend bitter. Auch Parfümeure schätzen ihren Duft und verwenden das Harz noch heute in schweren, orientalischen Parfüms. Die Droge des Europäischen Arzneibuchs, 4. Ausgabe, 2002, kann auch von anderen Commiphora-Arten stammen.

Harze und Balsame

Gummiharze wie Myrrhe sind Gemische aus Harzen mit Schleimstoffen. Harze sind in ihrer Zusammensetzung sehr amorph und wasserunlöslich und immer pflanzlichen Ursprungs. Die Pflanze produziert sie vermutlich, um Wunden zu verschließen und damit das Eindringen von Mikroorganismen zu verhindern. Harze werden pharmazeutisch nur noch selten verwendet. Colophonium ist ein Harz aus Nadelhölzern, mit dem Geigenspieler ihren Bogen behandeln. Die Myrrhe enthält 2 bis 8 Prozent ätherisches Öl. Die meisten Inhaltsstoffe des ätherischen Öls zählen zur Substanzklasse der Sesquiterpene, sein Hauptbestandteil ist das Elemen. Außerdem sind Bitterstoffe enthalten.

Mit den Harzen sind die Balsame verwandt: In Balsamen ist der Anteil des ätherischen Öls wesentlich höher, das Harz ist im ätherischen Öl gelöst.

Tinktur für Mund und Rachen

Myrrhe wirkt zusammenziehend (adstringierend), desinfizierend und fördert die Wundheilung. Neben- und Wechselwirkungen sind nicht bekannt. Eine gebräuchliche Zubereitung ist die Myrrhentinktur, bei der ein Teil Droge in fünf Teilen 90-prozentigem Ethanol gelöst wird. Die Tinktur wird lokal bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund und Rachen angewendet, beispielsweise bei Prothesendruckstellen oder Aphthen. Sie wird mit einem Pinsel oder einem Wattestäbchen zwei bis dreimal täglich unverdünnt auftragen. PTA und Apotheker sollten den Kunden bei der Abgabe darauf hinweisen, dass die Tinktur durch ihren Alkoholgehalt zunächst leicht auf der Wunde brennt. Eine Lösung zum Spülen oder Gurgeln wird mit 30 bis 60 Tropfen in einem Glas warmen Wassers hergestellt.

Auch einige Zahnpasten, Zahnpulver und Mundwässer enthalten Myrrhe. In Zahnpulvern beträgt die Konzentration häufig 10 Prozent gepulverte Droge. Volksmedizinisch wird Myrrhe auch bei leichten Darmerkrankungen und Husten eingesetzt.



Beispiele für Fertigarzneimittel (nach Roter Liste 2003)

  • Inspirol P forte

  • Ad-Muc® Salbe*

  • NeyParadent®-LiposomeMundtropfen*

  • Myrrhinil-Intest®*

  • Mint-Lysoform®*

  • Repha-Os® Mundspray S*

 

* Kombinationspräparate

 



Anschrift der Verfasserin:
Dr. Ursula Sellerberg
Wörther Straße 13a
10405 Berlin



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