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Welttag der Humanitären Hilfe

In Katastrophen schnell zur Stelle


Von Brigitte M. Gensthaler / Der 19. August ist der Welttag der Humanitären Hilfe. Ziel ist es, alle Menschen zu würdigen, die international humanitäre Hilfe leisten, und aller Helfer zu gedenken, die bei ihrem Einsatz ihr Leben verloren haben.

 

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Anlass für den Gedenktag war der Anschlag auf das Hauptquartier der Vereinten Nationen (UN) in Bagdad. Vor elf Jahren wurden dabei der Sondergesandte Sergio Vieira de Mello und 21 weitere UN-Kollegen und Partner getötet. »Diese Tragödie war Inspiration für uns, diesen Tag ins Leben zu rufen«, schreibt UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in einer Erklärung. »Sergio war ein lautstarker Anwalt der Werte und des Auftrags der Vereinten Nationen. Sein Tod war ein großer Verlust für die Vereinten Nationen, aber sein Vermächtnis wurde Motivation für viele Menschen, humanitäre Arbeit zu leisten.« Seitdem gedenken die UN und Hilfsorganisationen weltweit am 19. August der Menschen, die sich für andere einsetzen – oft unter Lebensgefahr.



Was ist humanitäre Hilfe?

Im Gegensatz zur längerfristigen Entwicklungszusammenarbeit zielt die humanitäre Hilfe auf Sofort- und Ka­­­tastrophen­hilfe ab. Weitere wichtige Bereiche sind das humanitäre Minen- und Kampfmittelräumen und die Ka­tas­trophenvorsorge. Solche Katastrophen können durch Krieg und innere Unruhen, Naturgewalten, Epidemien oder Hungersnöte ausgelöst sein. Es geht darum, in Notsituationen Leben zu retten und menschliches Leid zu lindern – und zwar neutral und unparteilich (siehe Kasten unten).

Zahl und Ausmaß von Natur­kata­s­trophen nähmen weltweit zu und politische Krisen dauerten an, konstatiert das Auswärtige Amt, das seit Ende 2011 für den gesamten Bereich der humanitären Hilfe der Bundesregierung im Ausland verantwortlich ist.




Kostbares Nass: Transport von Trinkwasser

Foto: Apotheker helfen e. V.


Auch der Klimawandel trägt dazu bei, dass Menschen verelenden oder ihre Heimat verlassen müssen. Mehr als 45 Millionen Menschen seien weltweit durch Konflikte und Katastrophen aus ihrer Heimat vertrieben worden oder mussten fliehen. Der von den Vereinten Nationen für 2013 ermittelte weltweite finanzielle Bedarf für humanitäre Hilfe beläuft sich auf einen historischen Spitzenwert von rund 13 Milliarden Dollar, heißt es beim Auswärtigen Amt.

Wie Apotheker helfen

Die humanitäre Hilfe soll Menschen in akuter Not ein Überleben in Würde und Sicherheit ermöglichen und das Leid derer lindern, die ihre Not nicht aus eigener Kraft meistern können. Die Helfer denken aber weiter: Gerade bei lang anhaltenden Krisen ist eine enge Verzahnung von Soforthilfe und mittelfristig bis langfristig angelegter Entwicklungszusammenarbeit entscheidend. Deren Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit von Menschen und Gesellschaften für kommende Krisensituationen zu stärken.




Humanitäre Hilfe unterstützt Menschen in akuten Notlagen, die sie aus eigener Kraft nicht bewältigen können. Hier eine Hilfsaktion von HOPE87 und Apotheker Helfen in Burkina Faso, Westafrika

Foto: HOPE 87


Auch apothekernahe Hilfsorganisationen engagieren sich in der Katastrophenhilfe. PTA-Forum befragte drei Organisationen, welchen Stellenwert die humanitäre Hilfe für sie hat und welche Hilfe sie konkret leisten.

Nina Ehrle, Geschäftsführerin von Apotheker Helfen e.V.: »In Katastrophensituationen brauchen viele Menschen rasch Hilfe zum Überleben. Daher hat die humanitäre Hilfe für Apotheker Helfen e. V. einen sehr hohen Stellenwert. Wir kooperieren mit Partnerorganisationen, die gut ausgebildete, erfahrene Rettungsteams haben, die schnell in den Einsatz gehen können. Wir unterstützen Teams, zum Beispiel von I.S.A.R. Germany, Hume­dica oder LandsAid, mit Arzneimitteln und Verbandstoffen, meist in Form eines Emergency-Health-Kits. Nach einer Naturkatastrophe ist unsere Hilfe oft innerhalb von 48 bis 72 Stunden bei den Notleidenden.




AoG-Einsatzkraft Susanne Mebes bei der Arzneimittelabgabe in der mobilen Apotheke auf den Philippinen

Neben der pharmazeutischen Versorgung ist es uns ein Anliegen, dass die Menschen sauberes Trinkwasser haben. Dies hilft, Durchfallerkrankungen und Seuchen wie die Cholera zu vermeiden oder einzudämmen. Daher stellen wir auch große Mengen an Wasserentkeimungstabletten zur Verfügung, so etwa nach dem Taifun Sidr 2007 in Bangladesch, dem Erdbeben in Haiti 2010 oder dem Taifun Haiyan auf den Philippinen im November 2013. Für die Betroffenen auf den Philippinen haben wir bislang drei Millionen Wasser­entkeimungs­tabletten geliefert. Mit jeder Tablette können die Menschen einen Liter Trinkwasser herstellen. Die Helfer vor Ort erklären ihnen, welche Flaschengröße sie für die Zubereitung des Wassers nehmen sollen, wie die Entkeimung korrekt abläuft und warum es so wichtig ist, Wasser zu entkeimen.«




Petra Isenhuth mit Apothekern von Pharmaciens sans Frontières (PSF) Serbia in Belgrad

Fotos: Apotheker ohne Grenzen


Stefanie Pügge, Projektkoordinatorin, Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V.: »Seit der Gründung im Jahr 2000 setzt sich Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. (AoG) dafür ein, dass Menschen, die Opfer von Katastrophen oder Armut sind, Zugang zu wichtigen Arzneimitteln haben. Nothilfe ist neben der Entwicklungs­zusammenarbeit ein Kernpunkt unserer Arbeit, für die AoG Einsatzkräfte in Deutschland schult. Beim Hochwasser auf dem Balkan konnten wir mit der sich neu gründenden Gruppe von PSF Serbien Arzneimittel für mehrere Krankenhäuser beschaffen, um Engpässe zu überbrücken. Nach dem Taifun Haiyan auf den Philippinen mit vielen Toten und Verletzten brach das heimische Gesundheitssystem in den betroffenen Regionen zusammen. AoG schickte – mit einer Gruppe von Technikern, Ärzten und Krankenpflegern – geschulte Apotheker vor Ort. Diese entlasteten das medizinische Personal, indem sie aus dem mitgebrachten Health Kit, das 10 000 Menschen für drei Monate versorgt, eine Apotheke aufbauten und rechtzeitig Nachschub organisierten. Mithilfe einheimischer Dolmetscher übernahmen sie außerdem die Abgabe an Patienten und stellten die richtige Einnahme der richtigen Arzneimittel sicher.




Beladung eines Hilfstransports für Syrien, der vom Hilfswerk der Baden- Württembergischen Apotheker mitfinanziert wurde.

Foto: action medeor


Die äußeren Bedingungen sind in der Nothilfe oft schwierig. Daher ist die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams und mit lokalen Partnern vor Ort ein wichtiger Beitrag von AoG, um gute pharmazeutische Arbeit als Teil der Humanitären Hilfe zu leisten.«

Fritz Becker, Vorsitzender des Hilfswerks der Baden-Württembergischen Apothekerinnen und Apotheker e. V.: »Als Heilberufler liegt es uns am Herzen zu helfen. Diese Verpflichtung spüren wir ganz besonders dann, wenn Menschen in Not sind. Aus dieser Motivation heraus wurde das Hilfswerk 2002 gegründet, um schnell und unbürokratisch dort Hilfe zu leisten, wo Menschen von Naturkatastrophen oder Flüchtlingselend betroffen sind. Das Hilfswerk der Baden-Württembergischen Apothekerinnen und Apotheker e. V. hat den Vorteil, dass es keinen Cent für Verwaltungskosten ausgibt. Alle gespendeten Beiträge gehen eins zu eins an die Menschen in Not. Diese Transparenz wird von unseren Spendern sehr geschätzt. Wir legen großen Wert darauf, dass neben der humanitären Hilfe bei internationalen Katastrophen auch Hilfsprojekte in Deutschland, speziell in Baden-Württemberg bedacht werden.

In den letzten Jahren konnten wir in enger und erfolgreicher Zusammenarbeit mit dem Medikamentenhilfswerk action medeor e. V. Menschen nach dem Erdbeben in Haiti, der Flutkata­s­trophe in Pakistan, dem Taifun auf den Philippinen und den Bürgerkriegsopfern in Syrien helfen. Dafür finanzieren wir den Kauf und Transport von Arznei- und Hilfsmitteln sowie medizinischer Ausrüstung.« /


Menschlich, neutral, unabhängig

Europäischer Konsens zur humanitären Hilfe sind die Leitgedanken Menschlichkeit, Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit:

  • Der Grundsatz der Menschlichkeit besagt, dass menschliches Leid allerorts gelindert werden muss. Das gilt für die, die Hilfe leisten können, wie auch für die, die den Zugang zu den Betroffenen ermöglichen müssen. Die Würde aller Opfer muss gewahrt und geschützt werden.
  • Neutralität bedeutet, dass in bewaffneten Konflikten keine Konfliktpartei bevorzugt wird.
  • Unparteilichkeit heißt, dass humanitäre Hilfe ausschließlich aufgrund der Bedürftigkeit geleistet wird – ohne Diskriminierung zwischen Bevölkerungsgruppen.
  • Unabhängigkeit bedeutet, dass humanitäre Ziele nicht politischen, wirtschaftlichen, militärischen oder anderen Zielen untergeordnet werden dürfen. Einziger Zweck der Hilfe ist es, das Leiden der Opfer zu vermeiden oder zu lindern.

Nach: www.auswaertiges-amt.de


Ihre Spende hilft!

Apotheker ohne Grenzen e. V.

Deutsche Apotheker- und Ärztebank
IBAN: DE88 3006 0601 0005 0775 91
BIC: DAAEDEDD

Apotheker Helfen e. V.

Deutsche Apotheker- und Ärztebank
IBAN: DE02 3006 0601 0004 7937 65
BIC: DAAEDEDD

Hilfswerk der Baden-Württembergischen Apothekerinnen und Apotheker e. V.

Deutsche Apotheker- und Ärztebank
IBAN: DE51 3006 0601 0006 4141 41
BIC: DAAEDEDD



Beitrag erschienen in Ausgabe 11/2014

 

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