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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Kürbissamen

Foto: GlaxoSmithKline

Knabbern für die Prostata

von Ulrich Meyer, Berlin

Als functional food gelten heute solche Lebensmittel, denen neben ihrem kalorischen Nährwert ein besonderer gesundheitlicher Nutzen zukommen soll. In gewissem Sinne kann man auch die Kürbiskerne dazu zählen, dienen diese Samen doch gleichzeitig als Knabberartikel, Quelle für Speiseöl und Stärkungsmittel für Blase und Prostata.

Lieferanten der Kerne sind verschiedene Sorten des Gartenkürbisses Cucurbita pepo, dessen vergleichsweise großen Früchte die Botaniker kurioserweise als Beeren und damit als Obst klassifiziert haben. Mancher Leser wird sich an Kindertage erinnern, an denen er staunend vor den Kürbiskugeln stand, die gelb-orange leuchteten und täglich an Umfang zunahmen. Gerade wenn die Pflanzen von wärmenden und nährstoffreichen Komposthaufen herunterwuchern, liefern sie auch im Hausgarten wahre Prachtexemplare. Übrigens: Die bislang schwerste Kürbisfrucht stammt von der dem Gartenkürbis nahe verwandten Art Cucurbita maxima und brachte – sage und schreibe – 1061 Pfund auf die Waage. Züchter in aller Welt peilen nun sogar 1500 Pfund an!

Die Sorte mit den grünen Kernen

Die für arzneiliche Zwecke verwendete Cucurbita-pepo-Sorte weist indessen für Kürbis-Verhältnisse normale Gewichte auf. Es handelt sich hierbei um die Convarietät citrullinina, Varietät styriaca, den langtriebigen Steirischen Ölkürbis. Im Unterschied zu fast allen anderen Kürbissorten enthalten seine Früchte weichschalige und durch Chlorophyll-Vorstufen dunkelgrün gefärbte Samen, während die nahen Verwandten hartschalige weiße Kerne entwickeln. Die Samen des Steirischen Ölkürbis schmecken angenehm nussartig und ergeben nach der Pressung ein tief braunrotes Öl, das aufgrund seines kräftigen Aromas kulinarisch sehr geschätzt wird. Wegen des hohen Gehalts an ungesättigten Fettsäuren wie der Linolsäure ist dieses Öl zudem von hohem diätetischen Wert.

Analytisch fallen in der Fraktion des unverseifbaren Fettrückstandes Phytosterine auf. Dabei dominieren die seltenen Delta-7-Sterole, während die ansonsten ubiquitär verbreiteten Delta-5-Sterole wie Sitosterin nur in Spuren nachweisbar sind. Diese Delta-7-Sterole gelten als die im Wesentlichen wirksamen Inhaltsstoffe von Kürbissamen. Sie sollen den Gehalt des wachstumsfördernden Testosteron-Metaboliten Dihydrotestosteron (DHT) in der Prostata vermindern. Pflanzenforscher vermuten außerdem, dass die Kürbis-Sterole die Andockung des DHT an Androgen-Rezeptoren blockieren. Folgerichtig bemühten sich die Züchter in den letzten Jahren, den Sterol-Gehalt der Samen zu erhöhen.

Zehn Gramm Samen täglich

Laut der bereits 1991 verabschiedeten Monographie der Kommission E können Kürbiskerne beziehungsweise daraus hergestellte Extrakte bei einem gutartigen Wachstum der Prostata (Prostata-Hyperplasie) in den Anfangsstadien I und II sowie bei Reizblase verwendet werden. Die empfohlene Tagesdosis ist mit zehn Gramm im Vergleich zu anderen Arzneipflanzen-Dosen hoch. In vielen Fällen bietet die Industrie Kombinationspräparate an: Zur Behandlung der Prostata-Hyperplasie werden Kürbissamen auch mit Sabal-Extrakten kombiniert. Gegen die oft nervös bedingte Reizblase, die bei Frauen in und nach den Wechseljahren gehäuft auftritt, kommen unter anderem beruhigend und entspannend wirkende Drogen wie Hopfenzapfen und Kava-Kava-Wurzel als weitere Rezeptur-Bestandteile zum Einsatz. Ein Zusatz von Bärentraubenblättern und Gewürzsumachrinde soll bakteriell bedingten Blasen-Entzündungen entgegen wirken.

Gut leben mit großer Prostata

Kürbiskerne eignen sich ohne Einschränkung zur diätetischen Prophylaxe der Prostata-Vergrößerung. Bestehen jedoch bereits Beschwerden beim Wasserlassen, ist eine fachärztliche Kontrolle durch den Urologen unerlässlich. Zum einen gilt es, einen akuten Harnstau mit Nierenschädigung zu vermeiden. Zum anderen muss der Arzt ausschließen, dass sich hinter den zunächst nur lästigen Symptomen ein bösartiges Prostata-Karzinom verbirgt.

Jüngst wurde eine Doppelblindstudie veröffentlicht, in der Patienten über zwölf Monate lang Kürbissamen-Extrakte erhielten. Die Studie zeigte, dass hochdosierte Kürbiskern-Extrakte insbesondere die unangenehmen subjektiven Beschwerden der Patienten zu lindern vermochten. Zum Beispiel stotterte oder träufelte der Harn weniger, sondern lief wieder mit strammem Strahl, und die Männer hatten das Gefühl, dass sich die Blase vollständiger entleerte. Nykturie (nächtlicher Harndrang), Uroflow (Harnstrahlmessung), Restharn- und Prostata-Volumen blieben indessen unverändert. Bei Kürbiskernen handelt es sich somit um ein Diätetikum und Phytopharmakon, das in erster Linie das persönliche Befinden und damit die Lebensqualität, weniger jedoch den objektivierbaren Befund bessert.

Die wohlschmeckenden und gesundheitsfördernden Kerne sollten also häufiger ihren Platz auf den Schreibtischen oder neben den Fernsehsesseln der Herren ab 50 finden – Knabbern für die Prostata dürfte zu den angenehmsten Methoden gesundheitlicher Prophylaxe zählen!

 

Anschrift des Verfassers:
Dr. Ulrich Meyer
Hauptstraße 15
10827 Berlin



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