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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Curcuma

Foto: Sertürner

Gelbwurzel hilft der Galle

von Ursula Sellerberg, Frankfurt

Zumindest von der Currywurst her kennt jeder die Gewürzmischung Curry. Ihre gelbe Farbe stammt von der Gelbwurzel Curcuma. Pharmazeutisch verwendet wird Curcuma als Gallenmittel. Gelbwurzel stammt von zwei verschiedenen Heilpflanzen, die beide in Südostasien angebaut werden. Die Droge "Curcumawurzelstock" stammt von Curcuma longa, die "Javanische Gelbwurz" von Curcuma xanthorrhiza. Beide Heilpflanzen gehören zur Familie der Ingwergewächse und werden heute als therapeutisch gleichwertig angesehen.

Die Gelbwurzel hat eine lange Vergangenheit als Heilpflanze. Schon um 500 v. Chr. brachten die Araber sie über die alten Karawanenstraßen zum Mittelmeer. Marco Polo berichtete, dass sich der teure Safran durch die Farbstoffdroge Curcuma ersetzen lässt.

Die traditionelle indische Medizin setzt Gelbwurzel bei Oberbauchbeschwerden und Durchfällen ein. Indisches Essen ist bekanntermaßen sehr stark gewürzt, Curcuma soll zum Beispiel Würmer und ihre Eier abtöten. Die Hindus benutzen noch heute Curcuma zum Färben. Der Farbpunkt auf der Stirn entsteht durch Curcuma - und nicht durch Henna, wie viele Menschen annehmen. Die Inderinnen mischen dazu Curcuma mit Lauge zu einem rötlich-braunen Pulver. Das Curcumin aus der Gelbwurzel wird auch als Lebensmittel-Farbstoff eingesetzt.

Die Gelbwurzel wächst in den Tropen und braucht reichlich Wasser. Zierformen gibt es hierzulande auch als Zimmerpflanzen. Die Pflanze ist etwa einen Meter hoch und erinnert an Bananenstauden. Sie hat große lilienartige Blätter und einen scheidenartigen Blattstiel. Die Blüten stehen als etwa 20 Zentimeter lange Ähre in Bodennähe übereinander. Ihre Farbe spielt bei Curcuma xanthorrhiza ins rötliche, die Blüten von Curcuma longa sind weiß.

Das Hauptanbaugebiet von Curcuma xanthorrhiza ist Java. Dort hat sie den Rang einer Nationalpflanze. Curcuma longa wird vorwiegend in Indien kultiviert, aber auch in anderen asiatischen Ländern. Indien ist das wichtigste Anbauland. 300.000 Tonnen Curcuma werden weltweit pro Jahr gehandelt. Indien baut 350.000 Tonnen an, exportiert aber nur 20.000 Tonnen.

Drogen unterschiedlich bitter

Zehn Monate nach dem Anpflanzen verwelken die Blätter: Die Gelbwurzel ist reif für die Ernte. Die Qualität der frischen Wurzel lässt sich optisch bestimmen: Je tiefer die gelbe Farbe an einer frischen Bruchstelle leuchtet, desto hochwertiger ist die Handelsware. Die gesäuberten und geschälten Wurzelstöcke trocknen in der Sonne, meist auf erhöhten Gestellen.

Damit Curcuma longa nicht mehr austreibt, wird sie mit kochendem Wasser übergossen. Curcuma xanthorrhiza wird nicht überbrüht. Diese Behandlung ist an der Droge erkennbar: Bei Curcuma longa ist der Querschnitt einheitlich gelb, bei Curcuma xanthorrhiza bleiben Ringe sichtbar. Auch die mikroskopischen Unterschiede entstehen durch das Überbrühen. Die im Wurzelstock enthaltene Stärke ist nur bei Curcuma longa verkleistert, nicht aber bei Curcuma xanthorrhiza. Die Drogen unterscheiden sich auch im Geschmack: Curcuma longa schmeckt brennend bitter, Curcuma xanthorrhiza nur leicht bitter. Beide färben den Speichel gelb.

Die Drogen der zwei Pflanzen enthalten stark verwandte Inhaltsstoffe, deren Unterschiede sich allerdings im Labor durch Analysen feststellen lassen. Besonders charakteristisch sind das ätherische Öl und die orange gefärbten Curcuminoide. Alle Curcuminoide zusammen werden "Curcumin" genannt. Nachdem Curcuma xanthorrhiza lange Zeit als Arzneipflanze höher geschätzt wurde als Curcuma longa, haben sich mittlerweile beide als gleichberechtigte Gallen-Therapeutika durchgesetzt.

Gallenfluss anregen

Die Gelbwurzel hat zwei Hauptwirkungen: gallentreibend, also cholagog, und antioxidativ. Die Wirkung auf die Galle wiederum wird unterteilt in die Steigerung der Gallensekretion, die choleretische Wirk-Komponente, und die Förderung der Gallenblasen-Entleerung, die cholekinetische Wirkung. Arzneimittel, die die Gallenproduktion anregen, werden von Patienten geschätzt, weil sie das subjektive Wohlbefinden verbessern. Ein verstärkter Gallenfluss befördert mehr Gallensäuren in den Darm. Dort verteilen sie lipophile Nahrungsbestandteile im Darm fein und heben den pH-Wert an, was die Aktivität von Enzymen steigert und die Darmbewegung fördert. Cholagoga wirken quasi als körpereigene "Abführmittel".

Einige weitere Wirkungen der Arzneidroge sind noch nicht abschließend untersucht: Dazu gehören die Leberschutzwirkung, die Senkung der Blutfettwerte und die Entzündungshemmung. Auch viren-, bakterien- und tumorhemmende Effekte sind in der Literatur beschrieben. Tierversuche an Mäusen deuten auf eine mögliche Schutzwirkung gegen Alzheimer hin. Noch ist aber unklar, ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen. Die antioxidative Wirkung machen Forscher für die Alzheimer-Schutzwirkung verantwortlich. Mit freien Radikalen konnten Wissenschaftler bei Versuchstieren eine Demenz auslösen. Das Curcumin fing diese freien Radikale ab.

Dyspepsie weit verbreitet

Der Begriff "Dyspepsie" bezeichnet Störungen im oberen Magen-Darm-Trakt unter Einschluss von Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse. Eine Dyspepsie zeigt sich unter anderem durch ein frühzeitiges Sättigungs- und Völlegefühl. Als Folge einer solchen Störung leiden Betroffene unter Appetitlosigkeit, Blähungen und einer Unverträglichkeit von fettreichen Speisen. Manche Menschen neigen zu Verstopfung. Auch Übelkeit, Erbrechen und unspezifische Schmerzen im Oberbauch können auftreten.

Etwa 20 bis 30 Prozent der Deutschen leiden unter den genannten Symptomen. Bei 45 Prozent verursachen Erkrankungen wie eine Reflux-Krankheit oder ein Magengeschwür die Beschwerden. Lässt sich bei einer Endoskopie aber keine Ursache finden, bezeichnen Mediziner die Beschwerden als "funktionelle Dyspepsie". Möglicherweise bewegt sich bei diesen Patienten der Darm nicht ausreichend, werden Fette schlecht verdaut oder spielen seelische Gründe mit. Gegen funkionelle Dyspepsie werden pflanzliche Gallenmittel eingesetzt.

Kontraindikationen beachten

Nach den Empfehlungen der Kommission E, einer Expertengruppe beim ehemaligen Bundesgesundheitsamt eignet sich Curcuma bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl nach den Mahlzeiten und Blähungen. Der Drogen-Extrakt unterstützt durch die verstärkte Gallenproduktion die Fettverdauung. Möglicherweise verhindert der gesteigerte Gallenfluss sogar das Entstehen von Gallensteinen.

Gallensteine können auch eine Kontraindikation für Gallenmittel sein: Ein vorhandener Gallenstein könnte sich durch die vermehrte Menge an Gallenflüssigkeit oder durch die Kontraktion der Gallenwege einklemmen und dann den Abfluss der Galle verhindern. Deshalb sollte Patienten mit Gallensteinleiden vor der Einnahme von Curcuma-Präparaten zum Arztbesuch geraten werden.

Bei Schwangeren und Stillenden sollte ebenfalls ein Arzt zu Rate gezogen werden. Bei Kindern unter 12 Jahren liegen noch keine ausreichenden Untersuchungen vor, auch sie sollten Curcuma deshalb nicht einnehmen. Als Nebenwirkungen können bei längerem Gebrauch der Javanischen Gelbwurzel Magenbeschwerden mit Übelkeit und Erbrechen auftreten. Wechselwirkungen sind keine bekannt. Patienten mit akuten Beschwerden, die länger als eine Woche andauern oder regelmäßig wiederkehren, dürfen die Selbstmedikation nicht fortsetzen, sondern sollten einen Arzt aufsuchen.

Fertigpräparate besser als Tees

Die Heilpflanze kann als Tee, Tinktur oder als Fertigarzneimittel eingesetzt werden. Die Teebereitung ist allerdings kritisch, weil sich die Inhaltsstoffe nur schlecht in Wasser lösen. Daher sind standardisierte Fertigpräparate zu bevorzugen. Patienten sollen sie vor den Mahlzeiten einnehmen.

Die Kommission E empfahl pro Tag umgerechnet 1,5 bis 3 Gramm Droge. Rechnet man die Empfehlungen mit Hilfe des Droge-Extrakt-Verhältnisses (DEV) um, sind viele Curcuma-Fertigarzneimittel unterdosiert. Dies gilt besonders für Kombinationspräparate mit anderen gallentreibenden Heilpflanzen wie Schöllkraut oder Pfefferminze.

Wirksamkeit belegt

Manche Phytopharmaka, insbesondere Gallenmittel müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass ihre Wirkung auf einem Placebo-Effekt beruht. Dies wurde durch eine im Jahr 2001 veröffentlichte Anwendungsbeobachtung widerlegt: 440 Patienten mit dyspeptischen Beschwerden nahmen einen ethanolischen Extrakt von Curcuma longa ein. Die Patienten waren zwischen 9 und 93 Jahren alt und litten durchschnittlich seit 17 Wochen unter anderem unter Aufstoßen, Völlegefühl, Magendruck, Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen und Verstopfung. Die Wirksamkeit und die Verträglichkeit wurden vom behandelnden Arzt und vom Patienten selbst beurteilt. Nach vier Wochen Behandlung waren 36 Prozent der Patienten beschwerdefrei. Nur 4 Prozent der Patienten brachen die Therapie ab, weil sich ihre Probleme nicht beheben ließen. 85 Prozent der Patienten und 87 Prozent der Ärzte beurteilten die Wirkung des Curcuma-Präparates mit ausgezeichnet oder gut. Die Verträglichkeit wurde ähnlich gut bewertet, Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

Curcuma ist also weit mehr als ein Farbstoff in einer Gewürzmischung. In der indischen Küche bezeichnet der Begriff "Curry" übrigens gar kein Gewürz, sondern eine langsame Garmethode.

 

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Ursula Sellerberg
Schwalbacher Straße 49
60326 Frankfurt
sellerberg@yahoo.de



Kochen mit Curry

von Tanja Schweig, Alsdorf

Indische Köche verwenden drei typische Gewürz-Mischungen: Garam Masala stammt aus den nördlichen Regionen, Panch Phoron aus dem bengalischen Osten und Kari aus dem Süden Indiens. Auf Kari geht die in Europa bekannte Curry-Mischung zurück, die mild-aromatisch schmeckt.

Die Gewürz-Mischungen bestehen aus acht bis fünfzehn Bestandteilen, darunter Koriander, Kreuzkümmel, Piment, Paprika, Ingwer, Pfeffer, Kardamom, Nelken, Muskatblüte, Zimt, Lorbeerblätter, Chilischoten, Bockshornkleesamen, Cayennepfeffer und dem gelben Farbgeber Curcuma. Je nach Zusammensetzung schmecken die Kompositionen eher scharf oder mild.

Traditionell bereiten die Inder ihre Mischungen frisch zu: Dazu werden die Gewürze etwa zehn Minuten sanft geröstet, bis sie duften und nach dem Abkühlen fein im Mörser oder in einer Mühle zerrieben. Englische Beamte entdeckten in der Kolonialzeit die delikaten Gewürzmischungen der indischen Küche. Das brachte einen Engländer auf eine Idee: Er pulverisierte das südindische Kari und stimmte sein "Curry-Powder" auf den europäischen Geschmack ab. Das Pulver erwies sich als äußerst praktisch: Es war immer streufähig, fertig gemixt und leicht zu dosieren.

Wer heute authentisch indisch kochen will, mischt sich seine Masala gewöhnlich selbst oder besorgt sich fertiges Garam Masala in indischen Geschäften. Aber auch industriell gefertigtes Currypulver ist zum Würzen exotischer Gerichte geeignet. Allerdings darf man nicht den Fehler begehen und das Pulver roh verwenden. Curry muss immer in Butter oder Öl etwa fünf Minuten angeröstet werden, bevor man schließlich Flüssigkeit zugießt. Denn erst in der Hitze entfaltet sich das herrliche Aroma.



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