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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Echinacea

Foto: Klosterfrau

Starker Helfer bei Abwehrschwäche

von Monika Schulte-Löbbert, Kaarst

Schon die Ureinwohner Nordamerikas schätzten den Sonnenhut als Heilpflanze. Europäische Siedler brachten bereits 1870 das erste Arzneimittel aus Sonnenhut auf den Markt. In Europa begann die Karriere von Echinacea erst im 20. Jahrhundert. Die Indikationsgebiete waren zunächst noch breit gefächert, erst neuere Studien belegen seine Wirkung als unspezifisches Immunstimulans.

Der Sonnenhut gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sein botanischer Gattungsname Echinacea stammt von dem griechischen Wort "echinos" für Igel: Denn einem Igel ähnlich ist der mit dicht gedrängt sitzenden Röhrenblüten und steifen, stacheligen Spreublättern besetzte Fruchtboden der Körbchenblüten. Den kegelförmigen Blütenboden umkränzen 20 bis 25 blass rosa bis purpurrot gefärbte, oft abwärts gerichtete, auffällig große Zungenblüten.

Alle Echinacea-Arten sind kräftige Stauden, die von Anfang August bis Oktober blühen. Sie besitzen Pfahlwurzeln und erreichen je nach Art eine Höhe bis über einen Meter. Ihre lanzettlichen, dunkelgrünen, rauhaarigen Blätter sind gestielt, nach oben hin sitzend. An der Spitze des Stängels steht jeweils eine große Blüte. Unterscheidungsmerkmale der Arten sind die Blattformen sowie die Farbe der Zungenblüten und der Pollen.

Die Heimat aller Sonnenhut-Arten ist der zentrale und östliche Teil Nordamerikas. Bereits vor Entdeckung der Neuen Welt nutzten die dort ansässigen Indianerstämme Echinacea als wichtige Arzneipflanze: Keine andere Pflanze setzten sie gegen so viele Krankheiten ein; sie verwendeten dabei vor allem ihre Wurzel. Die überlieferten Anwendungsgebiete reichen vom äußerlichen Einsatz bei Wunden, Verbrennungen, Drüsenschwellungen (Mumps) und Insektenstichen über das Kauen der Wurzel bei Zahn- und Halsschmerzen bis zur innerlichen Anwendung bei Husten, Erkältung, Magenkrämpfen und Kopfschmerzen. Häufig behandelten die Indianer mit dem Sonnenhut auch Bisse der Klapperschlange und andere Vergiftungen.

Berichte der weißen Siedler

Die ersten schriftlichen Berichte über die Anwendung von Echinacea stammen von den weißen Siedlern Nordamerikas, die das Wissen der Indianer übernahmen. So erwähnte 1762 der aus den Niederlanden eingewanderte Botaniker Jan Frederik Gronovius die heilende Wirkung von Echinacea in der "Flora Virginica", einer Beschreibung der Pflanzenwelt Virginias. Einige Jahre später lobte der Arzt Johann Schöpf, der im amerikanischen Bürgerkrieg von 1777 bis 1784 diente, die gute Wirksamkeit von Echinacea purpurea zur Behandlung von Sattelwunden bei Pferden. Er verwendete für die Pflanze den zur damaligen Zeit gebräuchlichen und von Carl von Linné eingeführten Namen Rudbeckia purpurea L. Neben diesen beiden Bezeichnungen war in der Literatur lange Zeit auch der Gattungsname Brauneria nach dem deutschen Botaniker Jakob Brauner gebräuchlich. Erst der Internationale Botanische Kongress im Jahr 1959 in Montreal beendete die Namensvielfalt. Die Teilnehmer erklärten den Namen Echinacea für allein gültig.

Den Anstoß für die breite medizinische Anwendung in Nordamerika gab erst der deutsche Einwanderer H. C. F. Meyer: Unter der Bezeichnung "Meyers Blood Purifier/Meyers Blut-Reiniger" vertrieb er ab 1870 ein Echinacea-haltiges Wundermittel. Zahlreiche Berichte über Heilerfolge führten zu einem stetig wachsenden Absatz und auch die Wissenschaftler begannen, sich mit Echinacea zu beschäftigen. Die Untersuchungen führten zu unterschiedlichen Ergebnissen, so dass die Wirksamkeit umstritten blieb.

Mit dem nachlassenden Interesse an der Echinacea-Pflanze in Amerika wuchs ihre Bedeutung als Heilmittel in Europa, vor allem in der Homöopathie. 1924 nahm Dr. Willmar Schwabe sie in sein Homöopathisches Arzneibuch auf und Dr. Gerhard Madaus widmete ihr ein großes Kapitel in seinem "Lehrbuch der biologischen Heilmittel" aus dem Jahr 1938. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden ausschließlich die frischen blühenden Pflanzen, inklusive der Wurzeln, von Echinacea angustifolia verwendet. Auf Grund der starken Nachfrage kam es zu Engpässen bei der Beschaffung der Frischpflanzentinktur. Madaus bestellte deshalb Saatgut in Amerika, um die Pflanze selbst anbauen zu können. Infolge einer Verwechslung erhielt er Samen von Echinacea purpurea, dessen Frischpflanzenzubereitung sich als ebenso wirksam erwies. Damit wurde Echinacea purpurea in Europa in die Therapie eingeführt. Wegen der Ähnlichkeit der Echinacea-Arten kam es bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Verwechslungen, weshalb die damaligen Forschungsergebnisse oft nicht verwertbar waren.

Rote und Bleiche Arten

Von den neun bekannten Arten nutzen Pharma-Firmen in Europa vor allem den Roten oder Purpursonnenhut (Echinacea purpurea), den Bleichen (E. pallida) und den Schmalblättrigen Sonnenhut (E. angustifolia) zur Arzneimittelherstellung. Allerdings bewertete die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamts 1989 nur das frische Kraut von Echinacea purpurea (Echinaceae purpureae herba) und 1992 außerdem die Wurzel von Echinacea pallida (Echinaceae pallidae radix) positiv. Daher kultivieren Arzneimittelhersteller in Deutschland überwiegend diese beiden Arten, vor allem in Mittel- und Unterfranken. Sie ernten das blühende Purpursonnenhutkraut ab August, die Wurzel des Bleichen Sonnenhuts ab Ende Oktober. Die Wurzeln werden zur Extraktherstellung zunächst gereinigt und schonend getrocknet. Aus dem frischen Kraut wird ein Presssaft hergestellt, da die Wirkstoffkonzentration für die Anwendung als Tee zu gering ist. Purpursonnenhutkraut ist beispielsweise in Echinacin® Madaus Liquidum, in toxi-loges® Saft und in florabio Presssaft enthalten, zu den Präparaten mit Sonnenhutwurzelextrakt gehören Lymphozil® Lutschtabletten.

Je nach Stammpflanze und Pflanzenorgan gibt es qualitative und quantitative Unterschiede: Das Purpursonnenhutkraut enthält niedermolekulare Alkylamide (Echinacein), Cichoriensäure und andere Kaffeesäurederivate. In seiner Wurzel finden sich ebenfalls Kaffeesäurederivate mit Echinacosid als Hauptkomponente sowie ein leicht oxidierbares ätherisches Öl. Deshalb sollte die Wurzel möglichst als Ganzdroge gelagert werden.

Immunologisch wirksam sind die hochmolekularen Stoffe. Zu ihnen gehören die wasserlöslichen Polysaccharide, die in beiden positiv bewerteten Echinacea-Arten nachweislich vorkommen. Diese steigern die körpereigenen Abwehrkräfte, indem sie die Phagozyten des unspezifischen Immunsystems stimulieren. Große Fresszellen (Makrophagen) vernichten nicht nur Krankheitserreger, sondern auch Zellreste. Kleine Fresszellen (Granulozyten) entfernen rasch fremde Eindringlinge. Viele klinische Studien, Tierversuche und Labortests belegen diese Wirkung. Eine GCP-konforme, also gültigen Kriterien für klinische Studien entsprechende Untersuchung aus dem Jahre 2001 bestätigt die oft angezweifelten Ergebnisse früherer Studien. Neben der immunstimulierenden Wirkung werden inzwischen auch antibakterielle und antivirale Effekte diskutiert.

Die Kommission E empfiehlt Medikamente mit Purpursonnenhutkraut innerlich zur unterstützenden Behandlung häufig wiederkehrender Infekte der Atemwege und der ableitenden Harnwege und äußerlich bei schlecht heilenden, oberflächlichen Wunden. Medikamente mit Sonnenhutwurzel helfen laut Kommission E innerlich als unterstützende Therapie bei grippeartigen Infekten.

Die Zubereitungen beider Drogen sind im Allgemeinen gut verträglich und eine gute Empfehlung für erkältete Patienten, die ihre Abwehrkräfte steigern möchten. Am besten helfen die Präparate, wenn die Patienten sie gleich bei Auftreten der ersten Symptome einnehmen. Lästige Begleiterscheinungen wie Husten, Schnupfen und Halsentzündung klingen rascher ab, die Zeit der Erkrankung verkürzt sich um einige Tage. Auch für Klein- und Schulkinder, die häufig unter Infekten leiden, kann das Phytopharmakon hilfreich sein. Allerdings sollte die Behandlung von Kindern unter zwei Jahren erst nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

In Einzelfällen kann es zu Hautirritationen kommen. Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen wie multipler Sklerose oder HIV-Infektion dürfen keine Echinacea-haltigen Arzneimittel einnehmen. Auch Schwangeren und Stillenden ist von einer Einnahme abzuraten, da hierzu keine sicheren Daten vorliegen. Patienten mit einer Neigung zu Allergien, besonders gegen Korbblütler, sollten Präparate vor allem mit Purpursonnenhutkraut meiden.

Sonnenhut-haltige Präparate sind in unterschiedlichen Darreichungsformen als Tabletten, Capsetten, Lutschtabletten, Tropfen, Saft und Lösung im Handel. Daher müssen die Patienten die Dosierungsempfehlungen der Hersteller beachten. Wenn PTA oder Apotheker ein Echinacea-haltiges Medikament empfehlen, sollten sie darauf achten, dass das Präparat den von der Kommission E geforderten Kriterien bezüglich der erforderlichen Konzentrationen entspricht. Da etliche Kombinationspräparate einen zu geringen Anteil an Echinacea enthalten, sind Mono-Präparate vorzuziehen. Ein Kombinationspräparat mit einem hohem Anteil von Radix Echinaceae purp./pallid. ist beispielsweise Esberitox® N.

Patienten sollten Echinacea-haltige Medikamente nicht länger als acht Wochen einnehmen, da das Immunsystem nicht unbegrenzt stimuliert werden kann. Das gilt für alle Arzneiformen, auch für äußerlich anzuwendende. Es spricht jedoch nichts dagegen, nach einer Einnahmepause von circa einer Woche die Behandlung fortzusetzen.

Auch Homöopathen empfehlen Echinacea zur unterstützenden Therapie von fieberhaften Erkrankungen und äußerlich bei entzündlichen Prozessen. Das Homöopathische Arzneibuch führt die beiden Monographien "Echinacea purpurea" (frische, oberirdische Teile blühender Pflanzen) und "Echinacea angustifolia" (frische blühende Pflanze mit Wurzel).

 

Anschrift der Verfasserin:
Monika Schulte-Löbbert
Mozartstraße 1
41564 Kaarst



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