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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Steinklee

Foto: Schöpke

Pflanzliches Venentonikum

von Monika Schulte-Löbbert, Kaarst

Bereits Hippokrates, der berühmteste Arzt des Altertums, schätzte Steinklee als Heilmittel. Er verwandte die Blüten als Pflaster bei eiternden Geschwüren. Heute zählt das eher unscheinbare Kraut neben Rosskastanie und Mäusedorn zu den wenigen Heilpflanzen, die sich in der Therapie venöser Erkrankungen gut bewährt haben.

Ebenso wie Hippokrates (1. Jahrhundert v. Chr.) empfahlen auch Dioskurides und Plinius d. Ältere (beide 1. Jahrhundert n. Chr.) den Steinklee zur äußerlichen Anwendung als adstringierendes und erweichendes Mittel bei Geschwüren, beispielsweise des Afters, der Geschlechtsorgane und der Augen. Innerlich verordneten sie ihn gegen Magenschmerzen, Gebärmutter- und Leberleiden. In den Kräuterbüchern des Mittelalters und der frühen Neuzeit beschreiben die Heilkundigen den Steinklee als schmerzstillende, beruhigende, wundheilende sowie harn- und schweißtreibende Arzneipflanze. 

Der Steinklee, auch Honigklee genannt, gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Die Gattung umfasst rund 20 Arten, die in Europa und Asien heimisch sind. Die gelben oder weißen Blüten sitzen in Trauben, die Blätter bestehen aus je drei Fiederblättchen. In der Landwirtschaft dient der Steinklee als Weidepflanze und zur Gründüngung, wegen seines hohen Nektargehaltes suchen ihn viele Insekten auf, besonders die Bienen. 

Medizinische Bedeutung hat heute nur der Echte oder Gelbe Steinklee, Melilotus officinalis (L.). Die Monographie »Steinkleekraut – Meliloti herba« wurde erst in den 3. Nachtrag des Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur. 5. Ausgabe) aufgenommen. Damit entfällt die entsprechende Monographie des Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC).

Anspruchsloses Kraut

Der Echte Steinklee ist eine etwa 80 Zentimeter hoch wachsende, zweijährige Pflanze. Das Kraut mit dem derben, meist aufrechten, locker verzweigten Stängel stellt keine großen Ansprüche an den Boden. Steinklee wächst an sonnigen Weg- und Ackerrändern, im Bahngelände und in Steinbrüchen. Selbst Schutthalden verwandelt er zur Blütezeit von Juni bis September in gelbe duftende Oasen.

Seiner Vorliebe für steinige Standorte und seinen dreizähligen Blättern verdankt er vermutlich den deutschen Namen »Steinklee«. Die lateinische Bezeichnung Melilotus stammt vom griechischen »meli« = Honig und von »lotos«, das für verschiedene kleeartige Pflanzen steht. Honigklee wird die Pflanze auch wegen ihrer nektarreichen, nach Honig duftenden Blüten genannt. 

Die kleinen, nur fünf bis sieben Millimeter langen, blassgelben Schmetterlingsblüten stehen in einer schmalen Traube aus 30 bis 70 Blüten, die sich nur zu einer Seite wenden. Charakteristisch für die einzelne Schmetterlingsblüte des Echten Steinklees: Die Flügel sind länger als das Schiffchen.

Die traubigen Blütenstände entspringen den Blattachseln der entfernt stehenden, dreizähligen Blätter. Der Blattrand der länglich bis elliptisch geformten Teilblättchen ist unregelmäßig gezähnt. Die Teilblättchen können sich infolge kleiner Blattgelenke nachts zusammenlegen. Diese Eigenschaft der Fiederblätter nennen Botaniker Nyktinastie. Die reifen Hülsenfrüchte sind kahl, braun und enthalten meist nur einen Samen. 

Die Droge des Arzneibuchs besteht aus den zur Blütezeit geernteten, oberirdischen Teilen von Melilotus officinalis. Das Kraut wird in lockeren Bündeln an luftigen Orten bei Temperaturen unter 35°C getrocknet und kommt als Droge ganz oder geschnitten in den Handel. Das Drogenmaterial stammt aus den osteuropäischen Ländern, wo es überwiegend in Kulturen angebaut wird. Die Droge schmeckt bitter-salzig und riecht stark nach ihrem Hauptinhaltsstoff Cumarin. Die frische Pflanze duftet noch nicht charakteristisch nach Waldmeister. Erst beim Trocknen bildet sich aus geruchlosen Vorstufen das flüchtige Cumarin, ein Hydroxyzimtsäure-Derivat.

Steinkleekraut enthält bis über 7 Prozent Hydroxyzimtsäure-Derivate, zu denen auch die glykosidischen Vorstufen des Cumarins, das Melilotosid, Melilotin und die Melilotsäure, gehören. Das Europäische Arzneibuch fordert für Meliloti herba einen Gehalt von mindestes 0,3 Prozent Cumarin, das beim Trockungsprozess entsteht. Außerdem enthält die Droge Flavonoide und Saponine. Insgesamt haben Arzneipflanzenforscher derzeit 82 Komponenten identifiziert. 

Steinkleekraut wird hauptsächlich als Venenmittel verwendet. Es wirkt ödemprotektiv auf die Gefäße und das umgebende Gewebe. Der Hauptinhaltsstoff Cumarin verbessert die Kapillarresistenz und senkt die Kapillarpermeabilität. Durch Stimulierung der Makrophagen wird die Proteolyse von bereits in das Gewebe gelangten Eiweißmolekülen gefördert. Da die Eiweiße vermehrt Wasser binden, führt dies zum Abbau der Ödeme. Steinklee fördert sowohl den venösen Rückfluss als auch den lymphatischen Abtransport. 

Innerlich gegen schmerzende Beine

Die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes bewertete Steinkleekraut als positiv und empfahl die Droge innerlich bei chronisch venöser Insuffizienz mit den Symptomen Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und Schwellungen sowie zur unterstützenden Behandlung von oberflächlichen Thrombosen und entzündlichen Venenerkrankungen. Äußerlich eignet sich die Droge laut Kommission E bei Prellungen, Verstauchungen und oberflächlichen Blutergüssen. Auch die ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) bestätigte im Juli 1997 die positive Bewertung der Kommission E. 

Die Autoren des Kommentars zur Ph. Eur. 5. empfehlen Steinklee aufgrund seiner antiödematösen Wirkung zur Therapie von lymphatischer und Venen-Insuffizienz sowie hiermit einhergehender Kapillarbrüchigkeit, Krampfadern, Hautjucken und Wadenkrämpfen. 

Die aufgeführten Wirkungen des Steinklees wurden mit standardisierten Extrakten in Tierexperimenten belegt. Die Verfasser des Kommentars des Europäische Arzneibuchs geben zu bedenken, dass im Tierversuch nachgewiesene Effekte nicht mit Sicherheit auf den Menschen übertragen werden können. Auch sind die vorliegenden klinischen Studien und medizinischen Erfahrungsberichte überwiegend älteren Datums und genügen den heutigen Ansprüchen nicht mehr. Zudem liegen fast keine klinischen Untersuchungen mit Melilotus-Extrakt als Monopräparat vor. Die beobachteten Effekte können deshalb auch nicht ohne weiteres auf die Droge und daraus hergestellte Teeaufgüsse übertragen werden. Steinkleekraut ist nur noch vereinzelt Bestandteil von Teemischungen wie Venen- oder Lymphtees und dient meist als Aromatikum. Da auch der Gehalt an Cumarinverbindungen schwankt, ist die innerliche Verwendung der Teedroge nicht empfehlenswert. Bei der Beratung sollten PTA oder Apotheker daher Arzneimittel mit standardisiertem Melilotusextrakt empfehlen.


Venen-Training für den Sommer

PTA-Forum / Bei steigenden Temperaturen machen vor allem Frauen geschwollene und schmerzende Füße oder Beine zu schaffen. Das sind typische Alarmzeichen für zu schwache Venenklappen und ein Venenleiden, denn dann erweitern sich die Blutgefäße und es kommt zu Blutstauungen und Schwellungen. Regelmäßige Venengymnastik hilft, das Venensystem gesund zu halten. 

Folgende Tipps beugen Venenproblemen im Sommer vor: 

  • Marschieren Sie jeden Tag zweimal 15 Minuten, möglichst ohne Pause.
  • Bei längerem Stehen stellen Sie sich abwechselnd, mindestens zehnmal, auf die Zehenspitzen und auf die Fersenballen.  
  • Trinken Sie jeden Tag mindestens 2 Liter Wasser oder ungesüßten Kräutertee.
  • Lagern Sie sooft wie möglich die Beine hoch. 
  • Duschen Sie Ihre Beine kalt ab, so ziehen sich erweiterte Gefäße zusammen. 
  • Tragen Sie bequeme Kleidung und vor allem bequeme Schuhe. 
  • Tragen Sie bei langem Sitzen oder langem Stehen, auch bei Bus- und Autofahrten oder bei Flugreisen Stütz- oder Kompressionsstrümpfe. Damit beugen Sie einer gefährlichen Thrombose vor. 

Wertvolle Venen-Tipps enthält die Venenfibel, die kostenlos bei der Deutschen Venen-Liga e.V. bestellt werden kann, gebührenfrei unter der Telefonnummer 0800 4443335 oder unter www.venenliga.de .


Fast nur in Kombinationen im Handel

Nur ein einziges Fertigarzneimittel in der Apotheke, das Venenmittel Meli Rephastasan®, ist ein Mono-Präparat mit einem standardisierten Flüssigextrakt aus Steinkleekraut. Alle weiteren Fertigarzneimittel sind homöopathische Kombinationen mit Melilotus officinalis in verschiedenen Verdünnungen, zum Beispiel veno-loges® N Injektionslösung bei Krampfaderleiden. Homöopathen setzen Steinklee vorwiegend bei Kopfschmerzen ein wie in Biodolor® Tabletten, in Neuro-Do® Mischung oder in Schwöneural® N Tropfen. 

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch ist der Steinklee gut verträglich. Überschreiten die Anwender aber die empfohlene Tagesdosis von 30 Milligramm Cumarin erheblich, können Kopfschmerzen und Benommenheit auftreten. Bei sehr wenigen, besonders empfindlichen Patienten sind bei Langzeitanwendung der Droge in therapeutischen Dosen vorübergehende Leberfunktionsstörungen möglich, die nach Absetzen jedoch wieder verschwinden. Diese Patienten sollen ihre Leberenzymwerte regelmäßig kontrollieren lassen. 

Bei Ratten bildeten sich nach hoher und langfristiger Dosierung Tumore. Diese Gefahr ist für die arzneiliche Verwendung des Steinklees irrelevant, da Menschen im Unterschied zur Ratte das Cumarin anders metabolisieren.

Während der Schwangerschaft gilt Steinklee als kontraindiziert. Bei der gleichzeitigen Behandlung mit Antikoagulantien ist Vorsicht geboten, obwohl Cumarin selbst keine gerinnungshemmenden Eigenschaften besitzt.

Als Tierfutter bedenklich

Das Füttern von feuchtem, verschimmeltem Heu mit hohen Anteilen an Steinklee verursachte bei Pferden, Rindern, Schafen, aber auch bei Kaninchen und Hasen schwere Vergiftungen, die auch als Süßkleekrankheit oder »sweet clover disease« bezeichnet werden. Die erkrankten Tiere neigen zu schweren Blutungen, so dass bereits kleinste Schädigungen der Blutgefäße beispielsweise durch einen Stoß tödliche innere Blutungen auslösen. Verantwortlich für das toxische Geschehen ist eine Verbindung mit dem Trivialnamen Dicumarol. Dicumarol bildet sich beim Fäulnisprozess des Steinklees aus der Cumarinsäure. Als Vitamin-K-Antagonist hemmt es die Blutgerinnung.

Diese beobachtete Wirkung des Dicumarols war der Ausgangspunkt für die Entwicklung der synthetischen Cumarine, die als Antikoagulantien zur Thromboseprophylaxe eingesetzt werden. Außerdem werden Dicumarolderivate auch als Rattengift (Rhodentizide) verwendet. Nachdem sie die vergiftete Nahrung gefressen haben, gehen die Tiere an Gewebs- und Hautblutungen zugrunde.

Äußerlich zur Wundheilung

Wegen seines angenehmen Duftes enthalten auch heute noch viele Kräuterkissen Steinklee. In Tierversuchen steigerte das Kraut die Wundheilung, so dass es auch äußerlich angewendet wird, beispielsweise als Kräutersäckchen zur Behandlung von Geschwüren, Furunkeln oder Hämorrhoiden. Dazu wird die Droge mit der gleichen Menge an heißem Wasser durchfeuchtet, in ein Mullsäckchen gefüllt und auf die zu behandelnde Stelle gelegt. Ebenso können heiße Wickel mit Abkochungen aus Steinklee und Kamillenblüten helfen. Dazu werden Einmalwindeln mit Drogensud getränkt und so heiß wie verträglich mehrmals täglich aufgelegt.

In der Volksmedizin sind aus Steinklee hergestellte Pflaster und Salben sowie Kataplasmen und Kräuterkissen beliebt. Sie sollen rheumatische Schmerzen und Erkrankungen der Gelenke lindern sowie Furunkel heilen. Außerdem schätzt die Volksmedizin Steinklee noch heute als Diuretikum. 

Heilpraktiker empfehlen die Arzneipflanze zur Herstellung eines wohl duftenden Öls (siehe Kasten). Einreibungen mit Steinklee-Öl sollen bei müden und schmerzenden Beinen, Krampfadern und Wadenkrämpfen eine Wohltat sein. Ebenfalls soll das Öl äußerlich bei Kopfschmerzen und Migräne Erleichterung bringen.

Neben seiner medizinischen Verwendung diente der Steinklee zur Parfümierung von Schnupftabak und zur Abwehr von Motten. Als Mottenschutzmittel legten die Hausfrauen früher das in getrocknetem Zustand stark riechende Kraut zwischen Kleider und Wäsche. Diese Verwendung führte zu den Namen Mottenklee, Modekrut und Schabenkraut.


Rezept zur Herstellung von Steinklee-Öl

Das obere Drittel einer Steinkleepflanze wird mit einer Schere abgeschnitten; Blätter, Stängelteile und auch Samen können ruhig mit dabei sein. Die Pflanzenteile werden sorgfältig zerkleinert in ein Schraubdeckelglas gegeben. Dann werden sie mit einem guten Pflanzenöl bedeckt, zum Beispiel kalt gepresstes Olivenöl, Sonnenblumenöl oder Weizenkeimöl. Das Glas sollte an einem hellen Platz stehen und täglich geschüttelt werden. Nach vier bis sechs Wochen ist das Öl fertig und kann abfiltriert werden. In dunklen Flaschen hält es sich etwa ein halbes Jahr. Die Vorschrift finden Interessierte unter www.swr.de/kaffee-oder-tee/besserleben, Sucheingabe: Steinklee-Öl.


 

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schulte-loebbert(at)t-online.de



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