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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Eukalyptus

Foto: Sertürner

Anspruchsloser Riese aus Australien

von Christina Brunner, Eschborn

Eukalyptusblätter liefern ätherisches Öl, das erkältete Menschen wegen seiner expektorierenden Eigenschaft schätzen. Auch für den Baum ist das Öl wertvoll, denn es hilft ihm, zu überleben.

Als im vergangenen Januar verheerende Waldbrände die australische Metropole Sydney bedrohten, überrollte die Feuerwalze auch riesige Eukalyptus-Wälder. Doch die Bäume überstanden die Brände relativ schadlos. Wie zahlreiche andere Pflanzen, haben die Eukalyptus-Bäume eine besondere Überlebensstrategie entwickelt: Die Flammen verschlangen lediglich ihre schuppige Borke, und während die ölhaltigen Blätter lodernd aufflammten, blieb das Bauminnere unversehrt. Doch ein Eukalyptus kann auch völlig niederbrennen und anschließend im abgebrannten Terrain neu wachsen. Ursache dafür ist der Lignotuber, eine schon bei den meisten Eukalyptus-Keimlingen angelegte Knolle im Wurzelbereich mit schlafenden Knospen. Sie tragen alle Merkmale des Originalbaums. Sofort nach einem Brand schlägt der stärkste dieser Doppelgängerkeime aus, und der Spross wächst durch die Asche-Düngung und das Fehlen von Konkurrenten sehr schnell neu.

Ein Baum macht sich breit

Eukalypten sind sehr widerstandsfähig und überleben sogar unter den widrigsten Umständen. Sie begnügen sich mit schlechten Böden und wachsen fast überall. Selbst großen Bäumen genügt eine Wurzeltiefe von nur 30 Zentimetern. Diese Anspruchslosigkeit gereicht der übrigen Vegetation zum Nachteil: Der Eukalyptus-Baum wurde zum Beispiel Ende des 19. Jahrhunderts erstmals in Amerika angepflanzt und verdrängt dort seitdem viele heimische Arten.

Die Gattung Eucalyptus gehört zur Familie der Myrtaceae und ist ursprünglich in Australien und Tasmanien heimisch. Myrtengewächse liefern zahlreiche Gewürzdrogen, zu denen auch Piment und Nelken zählen. Als Gewürzlieferant spielt der Eukalyptus-Baum jedoch keine Rolle. Interessant sind seine Blätter, da sie das ätherische Öl enthalten. Aus pharmazeutischer Sicht ist dessen Hauptbestandteil, das 1,8-Cineol, besonders wertvoll. Cineol ist im ätherischen Öl zu mindestens 70 Prozent enthalten, es wird auch Eukalyptol genannt. Das Öl wird durch eine Wasserdampfdestillation aus den Blättern gewonnen und kommt als Inhalations- und Einreibemittel bei Erkältungen und Katarrhen zum Einsatz. Einige Studien weisen darauf hin, dass eine Therapie mit reinem Cineol auch Asthma-Patienten helfen kann. In Untersuchungen haben Forscher die Wirkung von Cineol mit der des Glucocorticoids Budesonid verglichen. Beide Substanzen besserten die Lungenfunktion vergleichbar gut. Zudem profitierten die Asthmatiker nach Einnahme des Naturstoffs von einem niedrigeren Atemwiderstand.

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist im Umgang mit eukalyptusölhaltigen Arzneimitteln Vorsicht geboten. Das ätherische Öl kann Verkrampfungen des Kehlkopfs auslösen und zu Atemstörungen führen. Daher verbietet sich auch der Einsatz von Einreibungen. Das gilt im Übrigen auch für Zubereitungen aus Campfer- und Pfefferminzöl.

Öl hemmt Viren

Eukalyptusöl hilft nicht nur Patienten mit Atemwegserkrankungen, sondern wirkt auch stark antiseptisch und antiviral. Im Zellversuch eliminierte das ätherische Öl Herpes-simplex-Viren vom Typ 1 und 2. Welche Inhaltsstoffe für die antivirale Wirkung verantwortlich sind, ist bislang noch unbekannt.

Die große Gattung Eucalyptus umfasst etwa 600 Arten, darunter viele verschiedene Rassen, die sich in der Zusammensetzung der ätherischen Öle unterscheiden. Selbst Experten haben Mühe, die einzelnen Eukalyptus-Arten zu bestimmen. Die Stammpflanzen für die Gewinnung des offizinellen ätherischen Öls sind Eucalyptus globulus, Eucalyptus fruticetorum und Eucalyptus smithii. Sie werden hauptsächlich in Spanien, Südfrankreich, Portugal und Brasilien kultiviert.

Die diversen Eukalyptus-Arten haben sich an die verschiedensten Klimabedingungen angepasst. Manche Bäume wachsen in sehr trockenen Gebieten, andere in kalten Bergregionen. Wieder andere Arten gedeihen besonders in Flussniederungen. Gemeinsam ist allen, dass sie im Herbst ihre Borke schälen, ihre dickledrigen, länglichen Blätter jedoch nicht verlieren. Das Laub des Eukalyptus kennzeichnet eine weitere Besonderheit: Zum Schutz vor allzu starker Sonneneinstrahlung wenden sich die Blätter von der Sonne ab.

Der hohe Gehalt an ätherischem Öl schützt die Eukalyptus-Blätter nicht nur vor Tierfraß, auch Schädlinge verschmähen die Pflanze. Nur der Koalabär ernährt sich ausschließlich von Eukalyptus-Blättern. Er ist ein Leckermaul und wählt nur Blätter bestimmter Eukalyptus-Sorten. Im Gegensatz zu anderen Tieren verträgt der Koala den hohen Gehalt an ätherischem Öl ausgesprochen gut. Für andere Tiere und auch für den Menschen wäre eine vergleichbar große Blatt-Mahlzeit unter Umständen tödlich.

Bäume wollen hoch hinaus

Der Eukalyptus-Baum wird nicht nur wegen seines ätherischen Öls angebaut. Er ist auch ein wichtiger Holzlieferant. Das Holz der meisten Arten ist zwar von minderer Qualität, es wird aber in der Industrie für die Papier- und Kartonproduktion verwendet. Manche Bäume liefern ein sehr hartes, schwer entzündliches Holz, das in Australien zum Beispiel zum Hausbau eingesetzt wird. Der Eukalyptus eignet sich für die Holzverwertung besonders gut, weil er sehr rasch und bis in 60 Metern Höhe astlos wächst.

Manche Arten erreichen Höhen von bis zu 100 Metern, zum Beispiel der Königs-Eukalyptus, der höchste Hartholzbaum. Er gehört gleichzeitig zu den höchsten blühenden Pflanze der Erde. Der besonderen Form der Blütenknospen verdankt der Eukalyptus seinen Namen: Der griechische Ausdruck eu-kalyptein bedeutet gut verhüllen, ein Hinweis auf die von den Kelchblättern eingehüllten Blütenknospen.

 

Anschrift der Verfasserin:
Christina Brunner
Oberortstraße 14
65760 Eschborn

 



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