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BERATUNGSPRAXIS

Plausibilitätscheck

Kopföl mit Salicylsäure


Von Andreas Melhorn / Manche Hautärzte verordnen relativ häufig Rezepturen mit Salicylsäure in einer Mischung aus verschiedenen Ölen. Dann gilt es unter anderem vorab zu prüfen, ob sich die Salicylsäure in der gewählten Ölmischung lösen wird. Das Arzneimittel wird zur Behandlung von schuppiger und entzündeter Kopfhaut verwendet.

 

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Als die PTA ein Rezept für ein abwaschbares Kopföl mit den beiden Wirkstoffen Salicylsäure und Triamcinolonacetonid ent­gegennimmt (siehe Kasten), wendet sich der ältere Herr mit einer Frage an sie: »Sehe ich das richtig, dass das ein Öl ist? Eine Salbe wäre mir eigentlich lieber. Was meinen Sie?«

Die PTA verspricht dem Kunden, sich über die Zusammensetzung einer entsprechenden Salbe zu informieren. Aufgrund seiner Glatze könnte der Mann eine Salbe relativ leicht auftragen. Allerdings sagt sie ihm auch, dass die Apotheke die Rezeptur nicht einfach ändern darf, sondern er das Rezept dann umschreiben lassen müsste. Bei dieser Information räumt der Mann ein, so wichtig sei ihm die Sache nicht. Deshalb vereinbaren die beiden, dass die PTA das Kopföl herstellt. Sie verspricht ihm aber nachzuschauen, ob eine Salbe möglich wäre, falls er eine Folgeverschreibung benötigt. In diesem Fall würde der Patient den Hautarzt bei seinem nächsten Besuch um ein Rezept für eine Salbe bitten.


Rezeptur

Salicylsäure 10,0 g

Triamcinolonacetonid 0,1 g

Macrogol-8-stearat 10,0 g

Rizinusöl 25,0 g

Erdnussöl ad 100,0 g


Wirkstoffe überprüfen

Anschließend beginnt die PTA mit der Überprüfung der Verordnung. Salicylsäure wirkt keratolytisch sowie antimikrobiell und antimykotisch und wird in Individualrezepturen sehr häufig verschrieben. Auf kleinen Hautarealen kann Salicylsäure bis zu einer Konzentration von 60 Prozent und höher eingesetzt werden. Bei ihrem kurzen Blick auf den Kopf des Patienten hat die PTA festgestellt, dass die gut sichtbaren erkrankten Stellen nicht sehr groß waren. Also erscheint ihr die angegebene 10-prozentige Konzentration von Salicylsäure sinnvoll zu sein.




Foto: Shutterstock/racorn


Wird Salicylsäure in flüssigen Zubereitungen verarbeitet, muss sie komplett gelöst vorliegen, denn sonst kommt es zum Kristallwachstum, manchmal von zentimeterlangen Kristallen. Das hat außerdem zur Folge, dass die Wirkstoffkonzentration bei der Verwendung schwankt und die Applikation schmerzhaft sein kann. In Ölen löst sich Salicylsäure unterschiedlich gut und nur bis zu einer bestimmten Konzentration. In dem Rezepturhinweis »Salicylsäure zur Anwendung auf der Haut« liest die PTA in der Liste mit Löslichkeiten, dass sich die Säure in Erdnussöl relativ schlecht löst, maximal zu 2,5 Prozent. Sie folgert daraus, dass die Salicylsäure in der verordneten Ölmischung wahrscheinlich teilweise suspendiert vorliegen wird. Würde sie ausschließlich reines Rizinusöl verwenden, würde sich die Säure darin ausreichend gut lösen, maximal 12,1 Prozent. Dies spricht dafür, das Erdnussöl auszutauschen. Ein weiterer Grund dafür ist seine schlechte Haltbarkeit: Wie viele andere pflanzliche Öle wird es bei längerer Lagerung ranzig. Rizinusöl ist hingegen relativ stabil.

Auch die 0,1-prozentige Konzentration des zweiten Wirkstoffs, Triamcinolonacetonid, ist plausibel und die Kombination aus Salicylsäure und dem Glucocorticoid therapeutisch sinnvoll. Um Konzentrationsschwankungen beim Auftragen zu vermeiden, muss Triamcinolonacetonid im Ölgemisch ebenfalls komplett gelöst vorliegen. Ohne weitere Zusätze geht das Glucocorticoid im vorliegenden Öl allerdings nicht in Lösung. Die PTA findet im oben genannten Rezepturhinweis den Verweis auf ein standardisiertes NRF-Rezepturarzneimittel für ein entsprechendes abwaschbares Öl mit Tensidzusatz. Darin wird Macrogol-4-laurylether als Emulgator eingesetzt, in dem sich das Triamcinolonacetonid löst.

Der Dermatologe hat allerdings Macrogol-8-stearat verordnet, einen O/W-Emulgator. Vermutlich beabsichtigte er damit, zum einen das Glucocorticoid zu lösen, und zum anderen, das Öl abwaschbar zu machen. Die Recherche der PTA ergibt, dass der Emulgator im vorliegenden Fall nicht geeignet ist: Das Öl wäre trübe und innerhalb von wenigen Tagen würde sich ein Bodensatz bilden. Daher notiert die PTA Macrogol-4-laurylether als alternativen Emulgator.

Alternative im NRF

Als Ergebnis der Plausibilitätsprüfung muss sowohl der Emulgator als auch das Öl geändert werden. In diesem Fall bietet es sich an, komplett auf die NRF-Rezeptur 11.140. »Abwaschbares Salicylsäure-Öl 10 % mit Triamcinolonacetonid 0,1 %» zurückzugreifen. Statt Rizinusöl wird darin Octyldodecanol verwendet, das nicht dazu neigt, ranzig zu werden. Neben dem Vorteil einer standardisierten Rezeptur wären also auch die Bedenken bezüglich der Haltbarkeit ausgeräumt. Diese Überlegung bespricht die PTA mit der Apothekerin. Beide kommen zum Schluss, dass eine Rücksprache mit dem Arzt sinnvoll ist. Die Änderungen beziehen sich zwar nur auf die Grundlage, doch sind sie recht groß. Der verschreibende Arzt vollzieht die Argumente nach und hat gegen die Änderung der Vorschrift nichts einzuwenden. Also notiert die PTA die Änderung auf dem Rezept mit dem Hinweis »nach telefonischer Rücksprache mit dem Arzt« und stellt das Kopföl entsprechend her. Eine neue Verschreibung ist nicht notwendig. Die neue Zusammensetzung des Öls ist im Kasten nachzulesen.


Neue Rezepturvorschrift

Abwaschbares Salicylsäure-Öl 10 % mit Triamcinolonacetonid 0,1 % (NRF 11.140.)

Salicylsäure 10,0 g

Triamcinolonacetonid 0,1 g

Macrogol-4-laurylether 15,0 g

Octyldodecanol ad 100,0 g


Die Herstellung ist einfach: Die Wirkstoffe werden in Öl und Emulgator unter Erwärmen auf 65 bis 75 °C gelöst. Das Öl muss klar sein. Es wird nach Erwärmen sofort abgefüllt.

Als letztes will die PTA ihr Versprechen einhalten und klären, ob es eine geeignete Rezeptur für eine vergleichbare Salbe gibt. Der »Rezepturenfinder« auf der Website des DAC/NRF nennt mehrere Grundlagen, in die die Wirkstoffkombination eingearbeitet werden könnte, zum Beispiel eignen sich Vaselin, Hydrophobe Basiscreme DAC oder Nichtionische Hydrophile Creme SR/DAC.

Im Gegensatz zu flüssigen Zubereitungen ist bei Salben die Verarbeitung als Suspension möglich – sofern die Salicylsäure komplett suspendiert vorliegt. Lösen sich dagegen Anteile der Substanz, kommt es zu dem bereits erwähnten Kristallwachstum. Triamcinolonacetonid ist zwar theoretisch säureempfindlich, aber laut Angaben des DAC/NRF liegen aus Experimenten keine Hinweise vor, die gegen eine entsprechende Kombination sprechen. Die Haltbarkeit der Salbe müsste eventuell beschränkt werden, läge aber immer noch über der zu erwartenden Anwendungsdauer.

Da das Öl abwaschbar ist, eine hydrophobe Salbe jedoch nicht, geht die PTA davon aus, dass dem älteren Herrn die Anwendung des Öls letztlich angenehmer sein wird als die einer Salbe. Die Ergebnisse ihrer Recherche erläutert sie ihm, als er das Kopföl abholt. Der Mann kann die Argumentation der PTA nachvollziehen und will es mit dem Öl versuchen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 05/2015

 

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