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ARZNEIPFLANZENPORTRÄT

Flohsamen

Foto: Dr. Falk Pharma

Kleine Helfer für den Darm

von Ursula Sellerberg, Frankfurt am Main

Flohsamen dienen nicht der Fortpflanzung von Parasiten. Sie sind sozusagen die kleinen Brüder des Leinsamens. In Wasser quellen sie bis auf das fünfzehnfache Volumen auf und eignen sich daher als mildes Abführmittel, das zusätzlich leicht Cholesterin senkend wirkt.

Psyllii semen, so die Arzneibuchbezeichnung der Flohsamen, stammen aus Süd- und Mitteleuropa von verschiedenen Pflanzen der Gattung Plantago. Plantago arenaria beziehungsweise Plantago indica, der Sandwegerich, und Plantago afra, auch Strauchwegerich oder Flohkraut genannt, sind die Stammpflanzen des Flohsamens. Indische Flohsamen, ebenfalls eine Arzneibuchdroge, werden von Plantago ovata gewonnen, die in Indien und Pakistan angebaut wird.

Alle verwendeten Plantago-Arten sind einjährige Kräuter und sehen sich sehr ähnlich. Sie werden etwa 10 bis 50 Zentimeter groß. Die Stängel sind verzweigt, die Blätter gegenständig. Das Kraut bildet einen kurzen Blütenstand in Form einer zylindrischen bis kugelförmigen Ähre. Es wächst auf Acker- und Wegesrändern oder auf Schuttplätzen. Die Samen der drei Plantago-Arten sind zwischen 1,5 und 3,5 Millimeter lang und unterscheiden sich vor allem in der Farbe: Indische Flohsamen sind blassrosa bis beigefarben und werden auch "blonde psyllium" genannt. Flohsamen hingegen sind hellbraun bis schwarzbraun und auch als "black psyllium" bekannt. Beide Drogen wirken ähnlich.

Ihre Bedeutung als Arzneidroge verdanken die Flohsamen ihrem hohen Schleimgehalt. Er beträgt etwa zehn bis zwölf Prozent und ist vor allem in der Samenschale enthalten. Schleime sind Polysaccharide, die in Wasser quellen. Nur beim Indischen Flohsamen können die Samenschalen abgetrennt werden. Um die Schalen zu gewinnen, werden die Samen mechanisch zerkleinert und anschließend durch eine so genannte Windsichtung von den anderen Bestandteilen getrennt. Die Schalen sind hellbeige, durchscheinend und spröde und erinnern an Getreidespelzen. Die Arzneibuchbezeichung der Samenschalen lautet Plantaginis ovatae seminis tegumentum. Die isolierten Samenschalen sind auch als "psyllium husk" (engl. husk = Schale, Hülse) im Handel.

Flohsamen oder ihre abgetrennten Schalen werden ganz oder gepulvert als mildes Abführmittel eingesetzt. Sie quellen in Wasser stark auf und bilden eine gelartige, zusammenhängende Masse. Der Gehalt an Quellstoffen wird als "Quellungszahl" angegeben. Anleitungen zur Bestimmung enthalten die Arzneibücher. Dazu wird eine vorgeschriebene Menge Droge in einen speziellen Kolben eingewogen und mit einem angegebenen Volumen an kaltem Wasser bedeckt. Nach vier Stunden wird das Volumen der gequollenen Droge abgelesen. Die geforderte Quellungszahl für Flohsamen beträgt mindestens das neun- bis zehnfache, bei Flohsamenschalen sogar mindestens das 40-fache. Dies zeigt das beachtliche Quellvermögen der Schalen.



Beispiele für Flohsamen-Präparate

Handelsname   Droge   Verwendete Pflanzenteile 
Agiocur®   Plantago ovata   Samen und Samenschalen 
Agiolax® Ballast pur   Plantago ovata   Samen 
Flosa®   Plantago ovata   Samenschalen 
Flosine®   Plantago ovata   Samenschalen 
Metamucil®   Plantago ovata   Samenschalen 
Mucofalk®   Plantago ovata   Samenschalen 
Pascomucil®   Plantago ovata   Samenschalen 
Plantaben® Madaus   Plantago ovata   Samenschalen 


Nebenwirkungsarmes Abführmittel

Die Droge wirkt durch ihre Volumenzunahme. Die durch Quellung entstandene gelartige Masse macht den Darminhalt geschmeidiger und voluminöser. Die Dehnung der Darmwand regt die Peristaltik, die Darmbewegung, an. Flohsamen werden auch eingesetzt, wenn die Darmentleerung erleichtert werden soll, beispielsweise in der Schwangerschaft, bei Hämorrhoiden oder Analfissuren.

Die Polysaccharide des Schleims werden im Dickdarm teilweise abgebaut, wobei vor allem kurzkettige Fettsäuren wie die Buttersäure entstehen. Diese Säuren fördern zusätzlich die Darmbewegung und die abführende Wirkung. Beim Abbau der Polysaccharide entstehen unter anderem Gase wie Wasserstoff oder Methan. Dies erklärt, warum Flohsamen und -schalen zu Blähungen führen können. Vor allem zu Beginn der Behandlung ist diese Nebenwirkung häufig. Nach zwei bis vier Wochen hat sich die Darmflora umgestellt, die Blähungen verschwinden weitgehend. Im Vergleich mit anderen Ballaststoff-haltigen Abführmitteln wie Weizenkleie verursachen Flohsamen weniger Blähungen.

Die Kohlenhydrate dienen einigen Dickdarmbakterien als Nährstoffe. Dies ist der Hintergrund dafür, dass Flohsamenschalen auch als "bifidogener Nahrungszusatz" angepriesen werden. Sie sollen das Wachstum bestimmter Keime im Dickdarm selektiv fördern. Diese Theorie ist bisher nicht bewiesen.

Auf den ersten Blick überraschend scheint der Einsatz von Flohsamenschalen bei Durchfall. Die Schalen binden Wasser und verfestigen so den Stuhl. Bei chronischen Darmentzündungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa können sie die Zahl der Durchfälle verringern. Als Gegenanzeigen sind ein drohender oder bestehender Darmverschluss oder ein schwer einstellbarer Diabetes zu beachten.

Langfristig sinkt Cholesterin

Die längerfristige tägliche Einnahme von zehn Gramm Flohsamen oder -schalen reduziert nachweisbar die Cholesterinspiegel. In Studien sank der Gesamtcholesterinwert nach acht Wochen Therapie um etwa zehn Prozent. Als Wirkmechanismus wird vermutet, dass das Gel der Samen Gallensäuren bindet, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Da Gallensäuren für die Fettverdauung unentbehrlich sind, muss die Leber aus Cholesterin neue Gallensäuren bilden. Außerdem binden wahrscheinlich lösliche Fasern der Flohsamen und -schalen zusätzlich Cholesterin aus der Nahrung und verhindern so dessen Aufnahme. Damit sind Flohsamen und -schalen als unterstützende Maßnahme zu einer cholesterinarmen Diät oder begleitend zu einer Arzneimitteltherapie empfehlenswert.

In den USA ist die Droge auch zur Vorbeugung der Koronaren Herzkrankheit zugelassen, denn ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut ist ein Hauptrisikofaktor für diese Krankheit. Außerdem ist es denkbar, dass Flohsamen und -schalen noch andere Substanzen binden und deren Aufnahme ins Blut verhindern.

Um die Wirkung ihrer Arzneimittel nicht zu beeinträchtigen sollten Patienten ihre Medikamente sicherheitshalber erst frühestens eine halbe Stunde nach der Droge einnehmen. Diabetiker können unter Umständen nach Rücksprache mit dem Arzt ihre Insulindosis verringern.

Flohsamen und -schalen unterstützen auch eine Diät zur Gewichtsreduktion: Vor der Mahlzeit eingenommen quellen sie im Magen und verringern das Hungergefühl. Klinische Studien dazu fehlen bisher. Bezogen auf ihr Quellvermögen können es Flohsamen und -schalen durchaus mit anderen "Magenfüllern" wie Alginaten oder Methylcellulose aufnehmen.

Staub löst Allergien aus

Die schwarzen Flohsamen von Plantago afra können bei langfristiger Einnahme zu einer Pigmenteinlagerung in den Nieren führen. Beim Indischen Flohsamen ist diese Nebenwirkung nicht bekannt. In Tierversuchen erhielten Affen dreieinhalb Jahre lang eine Diät mit zehn Prozent Indischen Flohsamenschalen - ohne dass gesundheitliche Schäden auftraten. Dies zeigt die gute Verträglichkeit der Droge.

Stäube von Flohsamen können allerdings Allergien auslösen, wenn sie häufig inhaliert werden. Betroffen sind vor allem Arbeiter, die bei der Ernte oder der Weiterverarbeitung häufig mit der Droge in Kontakt kommen. Es ist davon auszugehen, dass nur die Stäube allergisierend wirken. Bei oraler Zufuhr scheint keine Gefahr zu bestehen. Trinklösungen aus Pulvern sollten dennoch vorsichtig zubereitet, vor allem die Pulver vor dem Öffnen nicht geschüttelt werden. Auslöser der Allergien sollen vermutlich Eiweiße aus dem Samenkern sein. Die Allergisierungsgefahr ist bei den Samenschalen daher geringer.

Im Beratungsgespräch sollten PTA ihre Kunden ausdrücklich darauf hinweisen, dass Flohsamen und -schalen nur mit viel Wasser eingenommen werden dürfen. Trocken geschluckte Droge kann verklumpen und die Speiseröhre verschließen. Auch anschließendes Trinken löst den Pfropfen nur teilweise auf. Dann hilft nur noch die Notaufnahme ins Krankenhaus.



Tipps für das Beratungsgespräch

  • Flohsamen und -schalen nie trocken einnehmen.

  • Droge in Wasser aufschlämmen und mindestens noch ein Glas Flüssigkeit hinterher trinken zum Beispiel 5 g Droge mit 150 ml Wasser.

  • Nicht im Liegen schlucken.

  • Stäube möglichst nicht einatmen.

  • Zu Beginn der Therapie sind Blähungen möglich.

  • Andere Medikamente mit mindestens 30 Minuten Abstand einnehmen.

  • Diabetiker auf möglicherweise verringerten Insulinbedarf hinweisen.

  • Cholesterin senkende Wirkung

  • Mittlere Tagesdosen sind (nach Kommission E des ehemaligen BGA):
    Flohsamen: 10 bis 30 g
    Indischer Flohsamen: 12 bis 40 g
    Indische Flohsamenschalen: 4 bis 20 g.



Anschrift der Verfasserin:
Dr. Ursula Sellerberg
Schwalbacher Straße 49
60326 Frankfurt am Main



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